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Donnerstag, 09. Januar 2014

"Ich hatte getrunken": Was Rodman nach Nordkorea treibt

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Die Nordkoreaner sind pflichtgemäß aus dem Häuschen. (Foto: AP)

Die Nordkoreaner sind pflichtgemäß aus dem Häuschen.

Die Nordkoreaner sind pflichtgemäß aus dem Häuschen.

Ihr "Oberster Führer" hat Geburtstag, angeblich wird er 30 oder 31 Jahre alt. So genau weiß man das nicht. Und weil der Diktator noch so jugendlich ist, gibt es statt der üblichen, endlosen Militärparaden ...

... eine flotte Partie Basketball mit abgehalfterten US-Stars.

Angeführt wird die Truppe vom offenbar von einer Art Midlife-Crisis geplagten Exzentriker Dennis Rodman.

Mit ins Flugzeug gelockt hat er unter anderen die Ex-Profis Andre "Silk" Poole, Kenny Anderson, Guy Dupree, Doug Christie, Jerry Dupree, Antoinne Scott, Cliff Robinson, Charles D. Smith und Vin Baker.

Auch Eric "Sleepy" Floyd gehört zu den Spielern, die zur zweifelhaften Diktatoren-Party mitreisten - auch wenn er bei seiner Rückreise auf dem Pekinger Flughafen wohl schon ahnt, wie sein Trip in der Heimat ankommt.

Denn dabei zu helfen, dass sich ein Machthaber, der für politische Morde (zuletzt musste Kims eigener Onkel dran glauben), Hundertausende politische Gefangene und den Hunger von Millionen Landsleuten verantwortlich ist, inszenieren kann, ist gelinde gesagt natürlich eine ziemliche Ferkelei. (im Bild: Protest im südkoreanischen Seoul gegen Rodmans Besuch in Nordkorea)

Aber es geht noch bizarrer: In der Sporthalle in Pjöngjang, in der Rodmans Team gegen nordkoreanische Basketballer antritt, stellt sich der gerne als Basketball-Punk titulierte 52-Jährige vor die 14.000 Zuschauer und singt dem grausamen Staatslenker mit krächzender Stimme ein Ständchen.

"Happy Birthday" intoniert Rodman, garniert den Geburtstagsgruß an seinen "Freund fürs Leben" mit einem Küsschen ...

... und feiert ihn in einer Ansprache: "Ja, er ist ein großer Führer. Er kümmert sich um sein Volk hier in seinem Land. Und - Gott sei Dank - die Menschen hier lieben den Marschall."

Dann verneigt er sich tief vor dem Mann, auf den das alles so gar nicht zutrifft, der Rodman aber in seinem betagten Alter noch so hofiert, als habe er gerade den NBA-Titel geholt.

Nach der Partie wird deutlich, was Rodman dazu bringt, sich für die Propaganda Nordkoreas einspannen zu lassen. Es scheint seine, weit nach dem Karriereende unbefriedigte, Sucht nach Aufmerksamkeit und Anerkennung zu sein. Unter dem Beifall des nordkoreanischen Nachwuchses nimmt Rodman seine Sonnenbrille ab ...

... und zeigt Tränen - mutmaßlich der Rührung.

Mutmaßlich, weil keiner mehr so recht versteht, was in Rodman eigentlich vor sich geht.

In seiner US-amerikanischen Heimat verfolgen die Menschen mit Befremden sein Treiben. Senator John McCain, einst Anwärter auf die US-Präsidentschaft, fasst das ganz gut zusammen: "Ich halte ihn für einen Idioten."

Ganz spurlos geht das an Rodman nicht vorbei. Von einem CNN-Moderator auf die Gräueltaten Kims und seine Haltung dazu angesprochen, reagiert er patzig: ...

... "Ich scheiß drauf, was Sie denken", brüllt er ihn an.

Dafür hat er sich mittlerweile entschuldigt: "Ich hatte getrunken", gibt er als Ausrede zu Protokoll. Womöglich kann er auch nur so ausblenden, was er in Nordkorea abseits der Hotels, Hallen und Empfänge zu Gesicht bekommt.

Dabei ist die Staatsführung peinlichst darauf bedacht, Rodman während seiner mehrtägigen Reise das schöne Nordkorea zu zeigen. Auch die mitgereisten Dokumentarfilmer sollen freilich ein positives Bild der Diktatur zeichnen.

Mittlerweile sieht Rodman ein, dass er sich verrannt hat. "Mein Traum von Basketball-Diplomatie fiel schnell auseinander", sei ihm während seiner Nordkorea-Reise klargeworden.

Ein Politikum in den USA ist vor allem seine Haltung zum Schicksal des in Nordkorea inhaftierten US-Amerikaners Kenneth Bae. Rodman hatte angedeutet, dass der schwer kranke Bae für seine Lagerhaft selbst verantwortlich sein könnte.

Die sich daran entzündete Empörung hatte mehrere Spieler aus Rodmans Delegation zum Umdenken und zur vorzeitigen Abreise bewegt. Für Rodman dagegen gab es da keinen Weg mehr zurück. Heute sagt er, er sei beschämt und entschuldigt sich bei Baes Familie - ...

... eine etwas zweifelhafte Entschuldigung angesichts der Aufführung, die Rodman in Pjöngjang ablieferte.

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