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Politik

Der Ruhestand von Clinton, Bush & Co.: Was kommt nach dem Weißen Haus?

 
Der Ruhestand von Clinton, Bush & Co.: Was kommt nach dem Weißen Haus?

"Ich glaube, sein Erbe wird die Natur sein, die Grünanlagen unseres Landes verbessert zu haben. Ich habe ihn dazu gedrängt, mehr Zeit damit zu verbringen", sagt der damalige Vizepräsident Al Gore über seinen Vorgesetzten Bill Clinton. Dieser mäht währenddessen sichtlich gelangweilt den Rasen vor dem Weißen Haus.

Kurze Zeit später erwischt Clinton mit einem Golfball ein Auto, sieht mit seinem Hund Trickfilme und fährt mit dem Rad durch die Gänge des Weißen Hauses.

In einem sehr sehenswerten Kurzfilm wagte der scheidende US-Präsident im Jahr 2000 einen nicht ganz ernst gemeinten Ausblick auf seine letzten Tage als mächtigster Mann der Welt. Dabei war jedem klar, dass Clinton sich auch nach seiner Präsidentschaft in neue Polit-Abenteuer stürzen würde – mindestens als engster Berater von Ehefrau Hillary, die im November 2000 in den Senat gewählt wurde.

Am 19. August 2011 wird der demokratische Vollblut-Politiker 65 Jahre alt.

Als Gatte der US-Chefdiplomatin ist er zwar längst kein Schattenaußenminister, heiklen Missionen darf er sich jedoch trotzdem nach wie vor stellen.

So wie 2009, als er in Nordkorea die Freilassung zweier US-Journalisten erwirkte.

Mit seiner "Clinton Global Initiative" bringt er sowohl ehemalige als auch aktuelle Staatschefs an einen Tisch mit anderen Top-Entscheidern, um gegen weltweite Armut und den Klimawandel zu kämpfen.

"Als Ex-Präsident hast du zwar viel weniger Macht, dafür allerdings eine ganze Menge Erfahrung. Und wenn du die nötige Energie hast, kannst du Einfluss auf eine kleine, aber ziemlich beachtliche Anzahl von Sachen ausüben. Du musst nicht plötzlich das Thema wechseln, weil irgendetwas Neues in der Zeitung steht", beschreibt Clinton die Vorzüge seiner neuen Tätigkeit. Besonders viel Energie steckt der Südstaatler in den Kampf gegen HIV und AIDS.

Im Januar 2010 richtete er mit seinem Nachfolger im Weißen Haus, dem Republikaner George W. Bush, den "Clinton Bush Haiti Fund" ein, um Spenden für die Erdbeben-Opfer auf der Karibikinsel zu sammeln.

Während das gemeinsame Projekt für den Demokraten wie reine Routine schien, bedeutete es für Bush eine Rückkehr in die Öffentlichkeit. Viel Neues kam von ihm danach allerdings nicht.

"Nur damit sie es wissen: Mein Bedürfnis, ins Rampenlicht zu treten, ist gleich null. Ich werde auftauchen und danach wieder untertauchen", ließ er die Presse wissen. Sogar eine Einladung von Nachfolger Barack Obama, angesichts des Todes von Osama bin Laden an einer Zeremonie am Ground Zero teilzunehmen, schlug der Texaner, der eigentlich aus New England stammt, aus.

Und so beschränkte sich seine "Post Presidency" bisher lediglich auf das Pflichtprogramm: das sich noch im Bau befindliche Präsidenten-Center und die Veröffentlichung der eigenen Memoiren - ...

... alles garniert mit einigen finanziell lukrativen Reden vor ausgewähltem Publikum. 15 Millionen Dollar hat Bush iWatch News zufolge mit seinen Podiums-Auftritten verdient.

Sein Buch "Decision Points" sorgte für Aufsehen, weil Bush darin die Anordnung des höchst umstrittenen Waterboardings einräumt und die brutale Verhörmethode gleichzeitig rechtfertigt.

Ansonsten versucht sich W. wahrscheinlich lediglich an die Tipps zu halten, die ihm sein Vater George senior im "Time"-Interview mit auf den Weg gab: "Mach morgens Kaffee und vergiss nicht, dass es nun dein Job ist, den Müll runterzutragen."

Wahrscheinlich ist Bush senior auch der Grund für die öffentliche Zurückhaltung seines Sohnes. Denn auch der 41. Präsident der Vereinigten Staaten zog sich nach seiner Abwahl im Jahre 1992 beinahe komplett in den privaten Raum zurück.

Zwischen seiner eindrucksvollen Politik-Karriere und seinem Wirken nach der Präsidentschaft klafft eine gewaltige Lücke. George Herbert Walker Bush war US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Chef der CIA ...

... Vizepräsident unter Ronald Reagan ...

... und letztlich eben selbst die Nummer eins der Exekutive der Vereinigten Staaten.

Nach 1992 folgte zunächst nur die Eröffnung der obligatorischen Präsidenten-Bibliothek. Ende des 20. Jahrhunderts wartete der Republikaner mit zwei Büchern auf, darunter auch "All the best, George Bush: My Life in Letters and other Writings". In der für scheidende Präsidenten typischen Nachricht für den Nachfolger ließ Bush Clinton wissen, dass er ihm keinen Ärger durch öffentliche Kritik bereiten werde.

Als 2005 der Hurrikan "Katrina" New Orleans verwüstete, sammelte er fleißig Spenden. Mit wem? Natürlich mit Charity-Veteran Bill Clinton.

2011 räumte Bush gegenüber dem "Time Magazine" ein, unter Parkinson zu leiden. "Meine Beine bewegen sich nicht, wenn es ihnen mein Gehirn sagt. ...

... Aber ich habe keine Schmerzen und habe diese verrückten Roller entdeckt, von denen Barbara sagt, ich würde sie wie mein Boot fahren".

Vielleicht erfüllt sich der ehemalige Navy-Pilot aber doch noch einen Traum: im hohen Alter den Sprung aus einem Flugzeug zu wagen. "Ich habe angekündigt zu springen, wenn ich 90 werde und noch drei Jahre Zeit, mich zu entscheiden."

Ein Fallschirmsprung mit 90 Jahren scheint für Jimmy Carter durchaus im Bereich des Möglichen.

Landen würde er dann wahrscheinlich direkt in einem Krisengebiet. Abheben würde er als Held - eine späte Genugtuung für den Mann, der 1978 den Frieden zwischen Israel und Ägypten vermittelte.

Seine innenpolitischen Errungenschaften wirken angesichts der komfortablen demokratischen Mehrheiten im Kongress eher überschaubar. Als Polit-Außenseiter in Washington versuchte Carter stets auf Kuhhandel mit Repräsentanten und Senatoren zu verzichten, stieß damit allerdings nicht wenigen Schwergewichten vor den Kopf und holte sich eine blutige Nase.

"Als Carter das Weiße Haus verließ, hatte seine Popularität einen Tiefpunkt erreicht", zitiert der Sender PBS auf seiner Internetseite dessen Freund Dr. James Laney. "Ich meine, er war nicht einfach nur unbeliebt. Menschen mieden ihn - er war ein Loser", so Laney weiter.

Der fromme Physiker aus Georgia sollte erst nach seiner Präsidentschaft auftrumpfen. Was gemeinnützige Projekte angeht, steht er vielleicht noch eine Stufe über Parteifreund Clinton.

Seine Arbeit für "Habitat for Humanity", eine Organisation, die Häuser für Obdachlose in aller Welt baut, ist legendär.

1982 eröffnete er das "Carter Center" und schrieb sich auf die Fahnen, "Frieden zu wagen, Krankheiten zu bekämpfen und Hoffnung zu schaffen". Eigenen Angaben zufolge hat die Organisation 83 Wahlen und Abstimmungen beobachtet, ...

... darunter auch das Referendum über die Unabhängigkeit des Südsudan. Zudem kämpft das Center in Entwicklungsländern gegen Korruption, Krankheiten und für die freie Meinungsäußerung.

Und natürlich stellte sich auch Carter als Vermittler in den außenpolitischen Dienst seines Landes, bekam 2002 für seine Bemühungen "friedliche Lösungen für internationale Konflikte zu finden, Demokratie und Menschenrechte zur fördern sowie wirtschaftliche und soziale Entwicklung voranzutreiben", den Friedensnobelpreis verliehen.

Erst im April 2011 landete er mal wieder in Nordkorea, um im Konflikt mit dem Süden zu vermitteln und sich ein Bild von der angespannten Nahrungsmittelsituation zu machen.

Ganz nebenbei ist der 86-Jährige regelmäßig als Autor tätig. In seinem wohl aufsehenerregendsten Werk "Palästina: Frieden, nicht Apartheid" geht er hart mit der Politik Israels ins Gericht.

Und auch in die politische Debatte im eigenen Land schaltet er sich ein: Die heftigen Attacken konservativer Kritiker auf den aktuellen US-Präsidenten Barack Obama seien Ausdruck einer "rassistischen Gesinnung", sagte er. Obama war die Debatte eher unangenehm.

Apropos: Wie würde eigentlich Obamas Karriere nach Washington aussehen?

Bei seinen beiden demokratischen Vorgängern kann er es sich eigentlich kaum leisten, aus dem öffentlichen Raum zu verschwinden.

Vielleicht macht er ja - wie Clinton - irgendwann Wahlkampf für seine Frau, ...

... vielleicht rechtfertigt er das, was sich Carter schwer verdienen musste, ihm selbst jedoch beinahe schon aufgedrückt wurde: den Gewinn des Nobelpreises.

Vielleicht hat er aber doch noch in seiner Amtszeit weltweiten Frieden gestiftet und kann sich ganz aufs Kaffeemachen und Müll-Raustragen konzentrieren. (Text: Michael Kreußlein)

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