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Die Uhr tickt.
Nur noch wenige Jahre bleiben uns, warnen Wissenschaftler, um die drohende Klimakatastrophe zu verhindern.
Der aktuelle Klimabericht des Weltklimarats spricht für das 21. Jahrhundert von einer globalen Erwärmung im Rahmen von 1,8 bis 4 Grad Celsius, abhängig von der Menge der CO2-Emissionen.
Unter Wissenschaftlern und Umweltorganisationen gilt eine Erwärmung um 2 Grad als absolute Obergrenze des Verkraftbaren. Andernfalls bestehe in weiten Teilen der heute dicht besiedelten Welt keine Möglichkeit einer Anpassung mehr.
Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Anstieg der CO2-Emissionen schrittweise gestoppt werden.
Diese Vorgabe kann die Politik nur durch schnelles und gemeinsames Handeln erfüllen.
Auf den Weltklimakonferenzen der UN bespricht die Weltgemeinschaft ihre gemeinsame Strategie. Dazu versammeln sich jährlich tausende Politiker, Experten und Umweltaktivisten aus aller Welt.
Die Verhandlungen gestalten sich, wie hier auf der 14. Weltklimakonferenz in Posen, meist sehr zäh.
Regelmäßig werden die Konferenzen von bunten Demonstrationen begleitet.
Zum Spaßen ist den Demonstranten trotz der kreativen Verkleidungen nicht zumute. Sie wollen erreichen, dass die Politiker ...
... bei ihren Verhandlungen handfeste Ergebnisse zustande bringen.
Doch die Anstrengungen um den Klimaschutz werden von der weltweiten Finanzkrise überschattet . Viele Länder deuten an, ihre Anstrengungen auf die Stärkung der Wirtschaft zu konzentrieren.
Der Direktor des UN-Umweltprogramms UNEP, Achim Steiner, warnt: "Man kann die Finanzkrise nicht auf Kosten der Klimakrise lösen." Er kennt Position der Industriestaaten, die Beschränkungen der Wirtschaft blockieren.
Zum Beispiel Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Wir werden keine Beschlüsse zum Klimaschutz fassen, die in Deutschland Arbeitsplätze oder Investitionen gefährden. Dafür werde ich sorgen", sagte sie im Vorfeld des EU-Klimagipfels im Dezember 2008 in Brüssel.
Konkret meint Merkel damit vor allem, dass die deutschen Autobauer keine neuen Beschränkungen des CO2-Ausstoßes ihrer Flotten zu befürchten haben.
Der alte Zielkonflikt zwischen nachhaltigem Klimaschutz und wachstumsorientierter Wirtschaftspolitik könnte sich allerdings schnell auflösen. Denn wird nichts für den Klimaschutz getan, könnten die Folgen die wirtschaftliche Leistung Deutschlands beeinträchtigen.
Die Folgen des Klimawandels bedrohen unseren Wohlstand. Zwar betonen Skeptiker der Prognosen des Weltklimarates, dass die für Deutschland erwartete Klimaerwärmung positive Folgen haben kann.
So ergeben sich in der Landwirtschaft neue Anbaumöglichkeiten. Riesling-Trauben etwa könnten schon in nördlicheren Breiten reifen.
Auch könne die Touristikbranche im Norden Deutschlands hoffnungsfroh in die Zukunft schauen. Konstant warmes Badewetter lässt die Ostseestrände im Sommer immer voller werden.
Eine Studie des Forschungszentrums Geesthacht prognostiziert, dass sich der Herbst im Norden Deutschlands in den nächsten 50 Jahren um bis zu drei Wochen nach hinten verschieben könnte. Die Badesaison könnte bald bis in den Oktober hinein andauern.
Allerdings wiegen diese Aussichten nicht die Gefahren für den allgemeinen Wohlstand und die Gesundheit jedes Einzelnen auf, die durch den Klimawandel entstehen. Auch in Deutschland sind die Folgen schon zu beobachten..
Auch wenn viele Sonnenanbeter das nicht so sehen werden: Die höheren Temperaturen haben ihre negative Seite. Lang anhaltende Hitzeperioden setzen die Menschen großem thermischem Stress aus.
Die Hitzewelle im Sommer 2003 forderte in Europa etwa 50.000 Todesopfer. Besonders ältere Menschen und Kleinkinder leiden unter den heißen Temperaturen.
Die verstärke UV-Strahlung erhöht das Hautkrebsrisiko.
Unsere Gesundheit ist auch indirekt durch den Klimawandel betroffen. Weil sich Zecken immer weiter nach Norden verbreiten, wächst das Risikogebiet, in dem man sich mit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) infizieren kann.
Die Zahl der durch Zeckenbisse verursachten Infektionen mit FSME und Borreliose hat in den letzten Jahren stark zugenommen.
Nicht mehr nur unangenehme Begleiterscheinungen im Urlaub, sondern vielleicht bald heimisch - Malariamücken könnten sich schon Mitte des 21. Jahrhunderts in Bayern verbreiten.
Allergiker gehen schweren Zeiten entgegen. Es fliegen nicht nur deutlich mehr Pollen in der Luft, ...
... die Pollensaison beginnt auch immer früher und dauert wesentlich länger. Die Birke etwa blüht heute im Schnitt acht Tage länger als noch in den 1980er Jahren.
Tiere werden nicht vom Klimawandel verschont. Die Blauzungenkrankheit, in Afrika heimisch, wurde im August 2006 erstmals nördlich der Alpen nachgewiesen. Sie tritt bei Rindern, Ziegen und Schafen auf.
Die Kosten für effektive Impfmaßnahmen belasten den Agrarhaushalt der EU. Im März 2008 mussten für Impfmaßnahmen Kosten in Höhe von 72,5 Millionen Euro aufgewendet werden.
Der Klimawandel kann noch weit mehr Geld kosten. Der ehemalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin skizziert die Auswirkungen auf die Wirtschaft: "Zu wenig Klimaschutz gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit und kostet Arbeitsplätze."
Das betrifft insbesondere die klimaabhängigen Branchen. Während der Tourismus im Norden profitiert, müssen die Mittelgebirgsregionen umdenken. Weil der Schnee immer öfter ausbleibt, ...
... oder nur unter erheblichem - und energieintensivem, also klimaschädlichem - Aufwand skitaugliche Bedingungen hergestellt werden können, ...
... müssen einstmals schneesichere Gebiete sich auf Alternativen für das Wintergeschäft verlagern.
In Gebirgsregionen schreitet der Klimawandel rasant voran. Immer häufiger kommt es zu Steinschlägen, Felsstürzen und Erdrutschen.
Permafrost, der seit Jahrtausenden ganze Gebirgszüge wie Beton versiegelt, droht aufzutauen. Berghänge könnten so ins Rutschen kommen. Derartige Naturereignisse werden vermehrt Siedlungen und Infrastruktur in den Bergen gefährden.
Selbst die Tourismusgebiete im Norden werden mit Problemen zu kämpfen haben. Die Einwanderung tropischer Pflanzen wie der Blaualge verringert die Gewässerqualität.
Die Ostseeinsel Usedom könnte bald Mallorca gleichen - und unter den gleichen Problemen leiden. Hydrogeologen erwarten bis zum Ende dieses Jahrhunderts eine Wasserknappheit. Die Sommerniederschläge könnten um 55 Prozent zurückgehen.
Auch wenn die Veränderungen des Wasserhaushalts und der Wasserverfügbarkeit in Deutschland nicht das größte Problem darstellen werden - die Landwirte müssen sich an häufiger auftretende Wetterextreme gewöhnen. Starkregen ...
... und Dürreperioden bedrohen die Ernteerträge.
Andauernde Dürre führte in den letzten Jahren immer wieder zur Austrocknung von Flüssen. Die Schifffahrt wird durch das Niedrigwasser stark beeinträchtigt.
Während der Hitzeperioden wächst die Gefahr von Bränden auf Feldern ...
... und in Wäldern.
Extremwetterlagen können das ganze öffentliche Leben zum Stillstand bringen. Der Orkan "Kyrill" richtete im Januar 2007 europaweit großen Schaden an. 47 Menschen kamen ums Leben.
Es entstand ein Sachschaden in Höhe von geschätzten 7,5 Milliarden Euro.
Noch höher waren die Schäden beim "Jahrhunderthochwasser" 2002 an der Elbe. Klimamodelle befürchten für die nächsten Jahrzehnte in Deutschland häufigere und heftigere Überschwemmungen.
Vom drohenden Anstieg des Meeresspiegels ist die Küste Deutschlands stark betroffen. Einschneidende Veränderungen der Küstenlandschaft sind nicht ausgeschlossen.
Die nötige Anpassung der Maßnahmen zum Küstenschutz würden ein Vielfaches der jetzigen Kosten verursachen.
Deutschland gehört zu den G13, den Ländern, die 70 Prozent aller Treibhausgase ausstoßen und damit den größten Anteil am Klimawandel tragen. Bislang treffen die Umweltveränderungen jedoch hauptsächlich Regionen, die nur sehr wenig CO2 emittieren.
Arktische Regionen, von deren Stabilität das globale Klima abhängt.
Afrika, wo die Menschen bereits jetzt stark unter Wetterextremen leiden.
Küstengebiete in den Teilen der Welt, denen die finanziellen Möglichkeiten für Schutzmaßnahmen fehlen.
Auf der zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel New Britain mussten die Menschen ihre Häuser wegen des steigenden Wassers weiter ins Inland verlagern.
Die G13 stehen bei den Klimakonferenzen im Mittelpunkt. Sie müssen Verantwortung übernehmen und verbindliche Emissions-Obergrenzen festlegen.
Klimaschutz liegt letztlich im Eigeninteresse der großen Industriestaaten. Der ehemalige Chefökonom der Weltbank, Nicholas Stern, schätzt die direkten und in indirekten Kosten von Klimaschäden auf 5 Prozent des Welt-Bruttoinlandsproduktes.
Wird nichts getan, kann dieser Anteil auf 20 Prozent steigen. Das sind ungefähr 9 Billionen Dollar pro Jahr. Zum Vergleich: Die globale Finanzkrise kostet nach Schätzungen des Internationalen Weltwährungsfonds 1,4 Billionen Dollar.
2009 wird ein entscheidendes Jahr für den Klimaschutz. Dann soll in Kopenhagen, auf der 15. Weltklimakonferenz, ein Nachfolgeprotokoll zu Kyoto verhandelt werden. Bis dahin bleibt nicht viel Zeit. (Bilder: AP, dpa, rts)
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