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Montag, 04. April 2016

Staatschefs, Adelige und ein Messi: Wen entlarven die "Panama Papers"?

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Der mittelamerikanische Staat Panama ist eigentlich für seinen gigantischen Schifffahrtskanal bekannt, doch nun ... (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Der mittelamerikanische Staat Panama ist eigentlich für seinen gigantischen Schifffahrtskanal bekannt, doch nun ...

Der mittelamerikanische Staat Panama ist eigentlich für seinen gigantischen Schifffahrtskanal bekannt, doch nun ...

... werden geheime Dokumente veröffentlicht, die in Zusammenhang mit dem Land stehen.

Bei den sogenannten "Panama Papers" handelt es sich um Dokumente verschiedenster Art, die belegen sollen, dass Politiker, Sportler und Prominente aus aller Welt Briefkastenfirmen in dem Land betreiben - und so möglicherweise Millionen an Steuern in ihrem Heimatland sparen.

Im Fokus der Ermittler ist die Finanzkanzlei Mossack Fonseca (Mossfon) in Panama-Stadt, deren Server gehackt wurden. So gerieten die Dokumente in Umlauf.

Die Kanzlei gehört dem aus Deutschland stammenden Jürgen Mossack und seinem panamaischen Kollegen Ramón Fonseca. Eigenen Angaben zufolge gründet Mossack Fonseca lediglich Firmen und verkauft sie dann an Banken, Vermögensverwalter oder Anwälte. "Wir kümmern uns um den juristischen Teil und verkaufen sie dann an Zwischenhändler", erklärt Fonseca.

Laut dem Internationalen Konsortiums investigativer Journalisten (ICIJ) und der "Süddeutschen Zeitung" sollen 2,6 Terabyte an Kanzlei-Daten gehackt worden sein. Das entspricht etwa 11,5 Millionen Dokumenten - darunter E-Mails, Kontoauszüge, Passkopien und Urkunden.

Fest steht, dass hochrangige Politiker in die "Panama Papers"-Affäre verstrickt sind. Doch wer gehört dazu?

Ganz oben auf der Liste steht Argentiniens Präsident Mauricio Macri. Das 2015 gewählte Staatsoberhaupt soll gemeinsam mit seinem Vater und Bruder eine Briefkastenfirma namens Fleg Trading in Panama betreiben.

Als Bürgermeister der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires in den Jahren 2007 bis 2015 soll er diese Offshore-Firma verschwiegen und ihre Einkünfte nicht angegeben haben.

Ebenso verstrickt in den Skandal um die "Panama Papers" ist Islands Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson. Er soll mithilfe seiner Briefkastenfirma Wintris Anleihen in Höhe von vier Millionen Dollar an drei großen isländischen Banken gekauft haben.

Bei seiner Wahl ins isländische Parlament im Jahr 2009 verschweigt der ehemalige Journalist seine Beteiligung an Wintris und verkauft die Offshore-Firma für einen Dollar an seine Frau, berichtet ICIJ.

Im Zuge der Veröffentlichung wird auch Alaa Mubarak, Sohn des ägyptischen Ex-Diktators Husni Mubarak, genannt. Er soll die Firma PanWorld in Übersee für Finanzgeschäfte betrieben haben.

Ebenso involviert soll auch der König von Saudi-Arabien, Salman ibn Abd al-Aziz, sein. Laut der enthüllten Dokumente ist er in die Briefkastenfirma Safason Corporation verwickelt, die Hypotheken im Wert von 84 Millionen Dollar auf Londoner Luxusimmobilien hält.

Darüber hinaus soll eine Luxusjacht auf den Namen der Firma registriert sein, die der König (l.) regelmäßig benutzt. Neben dem saudischen Monarchen soll auch sein Thronfolger in die Affäre verstrickt sein. Und die Spuren führen auch in das Umfeld von Russlands Präsidenten Wladimir Putin.

Enge Vertraute des Kreml-Chefs sollen Offshore-Firmen mithilfe von Mossack Fonseca unterhalten. Diese sollen unter anderem Einfluss auf die russische Rüstungsindustrie nehmen.

So soll der Cellist Sergej Roldugin (l.), ein enger Freund Putins und Taufpate seiner ersten Tochter, Miteigentümer von mindestens drei Briefkastenfirmen sein, die unter anderem im Finanzsektor agieren.

Genauso wie Putin wird auch der ukrainische Premierminister Petro Poroschenko im Zuge der "Panama Papers" erwähnt. Sowohl er selbst als auch enge Vertraute sollen Briefkastenfirmen in Panama besitzen.

Dem Bericht zufolge soll Poroschenko nur drei Monate nach seiner Wahl zum Premierminister 2014 ein Offshore-Unternehmen gegründet haben. Laut Poroschenkos Pressestelle hat der Politiker mittlerweile jedoch alle Informationen zu seinem Vermögen offengelegt. Die Briefkastenfirma sei lediglich "Teil des Prozesses" zur Überführung seines Vermögens in einen Trust gewesen.

Einer seiner Amtsvorgänger soll gleich mehrere Briefkastenfirmen besessen haben oder noch besitzen. Pawlo Lasarenko war 1997 nur ein Jahr lang das Staatsoberhaupt der Ukraine. Nach seiner Amtszeit widmet er sich aber offenbar wieder seinen Unternehmen in Übersee.

Transparency International zählte den ehemaligen Energieminister zu den zehn korruptesten Politikern der Welt. Er wurde bereits mehrfach wegen Korruption und Geldwäsche verurteilt. Die US-Behörden ermitteln noch immer gegen Lasarenko und sind auf der Suche nach 250 Millionen Dollar seiner Offshore-Konten.

Mit Korruptionsvorwürfen sieht sich auch Ilham Alijew, seit 2008 Präsident von Aserbaidschan, seit Jahren konfrontiert. Nun wird ihm zudem eine Beteiligung an der "Panama Paper"-Affäre vorgeworfen.

Die enge Familie des Präsidenten - darunter seine Ehefrau Mehriban - soll verschiedene Offshore-Firmen betreiben, die unter anderem im Goldhandel aktiv sein sollen. Mithilfe der Unternehmen in Übersee soll die Familie Alijew beinahe die gesamte aserbaidschanische Wirtschaft kontrollieren, so ICIJ.

Verstrickungen gibt es auch in der Familie von Syriens Präsident Bashar al-Assad. Seine Cousins Rami und Hafez Makhlouf sollen bedeutende Wirtschaftssektoren des Landes wie Öl und Telekommunikation mithilfe ihrer Briefkastenfirmen vollständig kontrollieren.

Belastet wird zudem Iyad Allawi. Der ehemalige Premierminister des Irak taucht in den "Panama Papers" als Firmenchef von Moonlight Estates auf und als Anteilseigner eines weiteren Unternehmens. Die Offshore-Konzerne sind in der Londoner Immobilienbranche tätig.

Neben vielen weiteren Politikern und deren Beratern oder Angehörigen sind auch Mitglieder der Königshäuser in die Enthüllungen involviert.

So soll beispielsweise Mará del Pilar de Borbón, die Schwester des ehemaligen spanischen Königs Juan Carlos, seit den Siebzigerjahren ein Offshore-Unternehmen in Panama besitzen.

Auch im Sport gibt es Verwicklungen in die Affäre.

Für viele ist es sicherlich kaum überraschend, dass auch der Weltfußballverband Fifa im Zuge der Dokumente genannt wird.

Pedro Damiani (vorn l.), ein bisher hoch geschätztes Mitglied der Fifa-Ethikkommission, soll die Verwaltung von Briefkastenfirmen in Panama zu seiner Aufgabe erklärt haben.

Seine Rechtsanwaltskanzlei soll der SZ zufolge sogar zu einem der wichtigsten Offshore-Kunden von Mossfon gehören. Über 400 Firmen sollen auf diese Weise verwaltet worden sein.

Damiani wird unter anderem vorgeworfen, über seine Briefkastenfirmen Bestechungsgelder an Fifa-Funktionäre gezahlt zu haben. Doch nicht nur er steht im Fokus der Behörden.

Auch Fußballidol Lionel Messi, gegen den bereits mehrfach wegen Steuerhinterziehung ermittelt wurde, soll Kunde bei Mossack Fonseca und offshore aktiv sein.

Das Unternehmen des Argentiniers vom FC Barcelona trägt passenderweise den Namen Mega Star Enterprises. So sollen Verträge mit Werbepartnern offshore geschlossen worden sein, um Steuern zu sparen. Der SZ zufolge soll es um Werbeeinnahmen in Höhe von über zehn Millionen Euro gehen, die dem spanischen Fiskus entgangen sein könnten.

Illegal sind solche Briefkastenfirmen übrigens nicht. Sie sind besonders in sogenannten Steueroasen wie den Britischen Jungferninseln oder den Kaiman-Inseln ansässig. Und doch sind sie, gelinde gesagt, oft problematisch: Werden doch mit ihrer Hilfe häufig Vermögenswerte an den Finanzämtern des jeweiligen Landes unbemerkt vorbeigeschleust und Geldwäsche betrieben.

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