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Politik

Paare mit Macht: Wenn Politiker Politiker lieben

 
Paare mit Macht: Wenn Politiker Politiker lieben

Franz Müntefering ist so etwas wie das alte Schlachtross der SPD. Seine aktive politische Laufbahn ist zwar noch nicht ganz vorüber, er sitzt noch im Bundestag. Doch mit über 70 Jahren ist es Zeit, der jüngeren Generation Platz zu machen.

Nach dem Tod seiner langjährigen Frau Ankepetra heiratet "Münte"die 40 Jahre jüngere Michelle Schumann. Und die hat als SPD-Frau noch viel vor.

Sie will 2013 in den Bundestag einziehen. Erste politische Erfahrungen hat sie: Sie ist seit 2004 Mitglied im SPD-Landesvorstand von NRW.

Weitgehend frei von politischer Erfahrung ist dagegen Doris Schröder-Köpf. Und auch sie strebt in die Politik.

Vorerst wird daraus allerdings nichts: Im Wahlkreis verliert Schröder-Köpf bei Vorabstimmungen gegen die langjährige Abgeordnete Sigrid Leuschner.

Gatte Gerhard lässt Doris freie Hand, er hat sich aus der Politik ja weitgehend zurückgezogen und widmet sich wirtschaftlichen Projekten. Doris Schröder-Köpf ist nicht die erste Ehefrau Schröders, die politisch mitmischt.

Hiltrud, genannt "Hillu", Schröder ist während ihrer Ehe mit dem späteren Kanzler so etwas wie die graue Eminenz des damaligen Ministerpräsidenten Niedersachsens.

"Hillu" Schröder, die heute den Namen Schwetje trägt, begleitet den Aufstieg des Sozialdemokraten. Sie lernen sich Anfang der 80er Jahre kennen.

Als Gerhard in Hannover ins Amt kommt, organisiert sich "Hillu" ihr eigenes Büro in der Staatskanzlei – und macht ebenfalls Politik. Bis heute ist "Hillu" eine aktive Figur der Anti-Atomkraft-Bewegung. Die Trennung von Gerhard 1997 wird übrigens in der Presse mindestens ebenso ausgiebig kommentiert wie …

… die Freuden des ersten Verteidigungsministers Schröders, Rudolf Scharping, mit "seiner Gräfin" Pilati. Während die Bundeswehr im Kosovo in ihren ersten Kriegseinsatz zieht, ...

... vergnügt sich der Ressortchef mit seiner blaublütigen Flamme auf Mallorca. Nicht alle finden das so spaßig wie die beiden. Und dann auch noch das: Der SPD-Mann hat sich eine Schwarze angelacht.

Pilati bekennt sich im hessischen Landtagswahlkampf 2008 offen zur CDU und tritt der Wählerinitiative "Frauen für Roland Koch" bei.

Apropos Schwarze: Kristina Schröder ist mit Jahrgang 1977 das Küken im Kabinett Merkel. Und auch sie führt eine Politiker-Ehe.

Die geborene Köhler nimmt nach ihrer Hochzeit mit dem Staatssekretär Ole Schröder im Februar 2010 dessen Nachnamen an.

Mittlerweile hat das CDU-Paar sogar schon Nachwuchs. Um die Betreuung werden sich die beiden keine Sorgen machen müssen. Im Bundestag gibt es einen eigenen Kindergarten.

Weniger Zeit miteinander können zurzeit noch diese beiden Politiker verbringen. Linken-Pate Oskar Lafontaine ist Fraktionschef in seiner Heimat Saarland und hat der Bundespolitik eigentlich abgeschworen.

Doch seine neue Freundin Sahra Wagenknecht könnte ihn vielleicht zum Umdenken bewegen – zumal ja 2013 die Karten im Reichstag neu gemischt werden. Wagenknecht ist als kommunistische Galionsfigur einer der Stars der Linken.

Gerade das ist in der Links-Partei, in der jeder jedem misstraut, ein Problem. Viele befürchten, dass das neue Glamour-Paar zu viel Macht bündeln wird.

Oskar Lafontaine lebt für die Politik. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Sahra Wagenknecht für "Lafo" nicht die erste Herzdame ist, die sich selbst politisch engagiert.

Auch Noch-Gattin Christa Müller ist seit Jahrzehnten aktiv. Gemeinsam mit Oskar kehrt sie 2005 nach langen Jahren der SPD den Rücken, die beiden treten in die damals neue WASG ein, die dann später mit der PDS in der Linkspartei aufgeht.

Heute sind Oskar Lafontaine und Christa Müller dauerhaft getrennt. Müller bringt es im Windschatten ihres Ehemanns immerhin bis zur familienpolitischen Sprecherin der Saar-Linken.

Ebenfalls gemeinsam mit ihrem Mann kommt Margot Honecker zu politischen Ämtern. Als Erich Honecker, im Übrigen ja auch ein Saarländer, die Macht in der DDR innehat, besetzt auch Margot ein Pöstchen.

Von 1963 bis 1989 ist sie Ministerin für Volksbildung.

Nach dem Ende der DDR verlässt Margot Honecker Deutschland und geht nach Chile, zur Familie ihrer Tochter Sonja Yáñez Betancourt, wo sie heute noch lebt.

Geografisch ist es von dort nur ein Katzensprung nach Argentinien. Hier pflegt die nicht immer lupenrein demokratische politische Elite eine lange Tradition der familiären Machtübernahme.

Diktator Juan Perón versteht es zu Lebzeiten, geschickt die Popularität seiner Frauen für sich einzusetzen. Eine wahre Ikone ist vor allem seine zweite Gattin Eva, die wie keine Zweite von den Argentiniern verehrt wird.

Perón gibt ihr zwar nie ein Amt. Doch sie übt erheblichen Einfluss aus. Auf ihr Betreiben hin spricht Juan Perón 1947 Frauen das Wahlrecht zu – ein in einer Diktatur freilich eher symbolischer Akt. Als "Evita" 1952 stirbt, trauerte eine ganze Nation.

Doch die zweite Frau Peróns bleibt nicht seine letzte. Mitte der 50er Jahre, Perón ist unterdessen vom Militär ins Exil gezwungen worden, lernt der Despot in Spanien seine spätere dritte Gattin Isabel kennen.

Mit ihr an seiner Seite kehrt er nach Argentinien zurück, wird erneut Präsident des südamerikanischen Staates. Nach seinem Tod im Sommer 1974 wird sie als Präsidentin vereidigt.

Isabel Peron ist jedoch keine lange Amtszeit vergönnt. Schon im Frühjahr 1976 jagt das Militär die machtbewusste Diktatorengattin aus dem Amt.

27 Jahre später übernimmt eine neue Familie die Macht in Argentinien. 2003 bezwingt Néstor Kirchner seinen Vorgänger Carlos Menem. An seiner Seite schon damals: seine Gattin Cristina Fernández de Kirchner.

Als Néstor 2007 aus dem Amt scheidet, steht sie schon in den Startlöchern. Cristina Kirchner wird Präsidentin des Landes.

Im Frühjahr 2011 gelingt es ihr sogar, wiedergewählt zu werden.

Was den Kirchners gelingt, schlägt bei diesen beiden Politikern fehl: Nach Bill Clinton kann Frau Hillary parteiintern nicht gegen den späteren Wahlsieger Barack Obama bestehen.

Bei seiner Wahl zum US-Präsidenten sagt Bill Clinton noch: "Wer mich wählt, bekommt zwei Clintons zum Preis von einem." Und er hält Wort.

Nach seiner Amtszeit wird Hillary Senatorin von New York und Obama macht sie zu seiner Außenministerin.

Schon ein halbes Jahrhundert zuvor zeigt ein Präsident, das auch seine Frau etwas kann. Als Franklin Delano Roosevelt 1945 stirbt, hinterlässt er in Eleanor eine resolute Witwe.

Und eine, die sich einmischt. Schon zu Lebzeiten von FDR setzt sich Eleanor für ihre Zeit ungewöhnlich stark für politische Inhalte ein. Sie gilt als Wegbereiterin des Feminismus in den USA und macht sich schon in den 30er Jahren für die Rechte Schwarzer stark.

Nach 1945 wird sie Delegierte bei der UNO und sitzt ab 1947 der UN-Menschenrechtskommission vor.

Weniger bewundernswert ist dagegen das Wirken von Ferdinand Marcos. Er regiert die Philippinen jahrelang mit harter Hand. Tausende Oppositionelle werden in Militärlager gesteckt.

An seiner Seite setzt sich seine Frau Imelda in Szene. Sie nimmt exzessiv repräsentative Aufgaben wahr und fällt durch ihren Hang zu Mode auf. Ihre über 1000 Paar Schuhe sind heute Exponate eines eigens eingerichteten Museums.

Nach dem Tod Ferdinands und einer Zeit im Exil kehrt Imelda auf die Philippinen zurück. Sie kandidiert erfolglos für die Präsidentschaft, schafft dann später immerhin den Sprung in den Senat.

Und die Reihe der einflussreichen Politikerpaare auf den Philippinen setzt sich fort. Als Ferdinand Marcos 1986 aus dem Amt vertrieben wird, steht Corazon Aquino schon parat.

Sie wird für sechs Jahre die Geschicke des Landes leiten. Ihre Popularität hat sie auch ihrem Mann zu verdanken, der als exponierter Oppositionsführer 1983 ermordet wird und damit zur Märtyrerfigur der späteren Revolutionsbewegung wird.

Und die Aquinos bleiben politisch: Benigno Aquino III., der einzige Sohn der Ex-Präsidentin, ist heute Staatschef der Philippinen.

Eine ähnliche Geschichte lässt sich über die Präsidentschaft von Violeta Chamorro in Nicaragua erzählen. Als sie 1990 ins Amt kommt, ist sie Witwe. Ihr Mann, der Verleger Pedro Chamorro, wird 1978 während der Somoza-Diktatur umgebracht.

Violeta führt das Oppositionsblatt "La Prensa" als Basis ihrer späteren Macht fort.

In Pakistan findet sich ein weiteres Beispiel dafür, wie der Tod einer Integrationsfigur zum Steigbügelhalter für den Ehepartner wird. Zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl 2008 fällt Benazir Bhutto einem Attentat zum Opfer.

Die Oppositionelle ist kurz zuvor aus dem Exil in Dubai zurückgekehrt und eine aussichtsreiche Konkurrentin für Amtsinhaber Pervez Musharraf. Die Wahl wird verschoben, Musharraf bleibt zunächst im Amt.

Doch nur ein halbes Jahr später tritt er auf Druck der Opposition zurück. Sein Nachfolger wird Asif Ali Zardari – der Witwer von Benazir Bhutto.

Die erste Ministerpräsidentin der Neuzeit wird 1960 Sirimavo Bandaranaike in Ceylon, dem heutigen Sri Lanka. Und auch sie verdankt ihren Erfolg zu Teilen dem Tod ihres Ehemanns.

Solomon West Ridgeway Dias Bandaranaike fällt kurz zuvor einem Attentat zum Opfer. Nach sechsmonatiger Übergangszeit wählen die Menschen seine Witwe ins Amt.

Für den Wahlsieg spielen Ségolène Royal und François Hollande heile Welt. 2007 will die Sozialistin Royal in Frankreich gegen Nicolas Sarkozy die Präsidentschaft erringen.

Für Royal verzichtet Ehemann Hollande auf eigene Ambitionen. Doch die Beziehung hat damals schon einen Knacks.

Unmittelbar nach der verlorenen Wahl geben Hollande und Royal ihre Trennung bekannt.

Ebenfalls gescheitert ist die Ehe zwischen der südafrikanischen Symbolfigur Nelson Mandela und Winnie. Nach der Freilassung des späteren Präsidenten im Jahr 1990 trennen sich Nelson und Winnie 1992.

Winnie ist während der jahrzehntelangen Inhaftierung ihres Mannes eine der Führungsfiguren des ANC.

In der ersten Regierung ihres Ex-Mannes wird sie stellvertretende Ministerin für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Technologie.

Was kaum bekannt ist: Auch Mahatma Gandhi hatte eine Ehefrau, die sich selbst politisch betätigte. Schon im Alter von sieben Jahren wird der spätere Unabhängigkeitskämpfer mit Kasturba Makthaji verheiratet.

Als Gandhi ins südafrikanische Exil geht, begleitet ihn seine Frau.

Später, nach ihrer Rückkehr nach Indien, spricht sie bei politischen Veranstaltungen in Vertretung ihres Mannes.

Die wohl skurrilste politische Liebesgeschichte aber kommt aus Guatemala. Seit 2008 ist dort Alvaro Colom Präsident. Gemeinsam mit seiner Gattin Sandra Torres bemüht er sich um den Machterhalt der Familie.

Torres soll bei den Wahlen 2011 die Familienehre hochhalten. Doch da gibt es ein Problem. Das guatemaltekische Gesetz verbietet es Verwandten eines Präsidenten, selbst zu kandidieren.

Das Paar entscheidet sich für den radikalen Schritt: die Scheidung. Die Volte bleibt jedoch erfolglos: Torres verliert die Wahl. (Text: Johannes Graf)

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