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Dienstag, 22. März 2011

Kostbares Nass: Wenn das Wasser knapp wird ...

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Die Aussichten sind nicht rosig: Weltweit wird das Wasser knapp. Mit dem Weltwassertag am 22. März erinnern die UN an das Problem.

Die Aussichten sind nicht rosig: Weltweit wird das Wasser knapp. Mit dem Weltwassertag am 22. März erinnern die UN an das Problem.

Die Aussichten sind nicht rosig: Weltweit wird das Wasser knapp. Mit dem Weltwassertag am 22. März erinnern die UN an das Problem.

Der US-Bundesstaat Kalifornien wurde bereits zu einem Dürregebiet erklärt.

Und auch in den Stauseen entlang des Colorado, dem wichtigsten Fluss im Westen der USA, wird das Wasser immer knapper.

In rund 80 Ländern herrscht mittlerweile Wassermangel.

Ein Problem, von dem alle Entwicklungs- und Industrieländer betroffen sind.

Doch während in westlichen Staaten der Wassermangel vor allem eine lästige und teure Angelegenheit ist, ist er in anderen Teilen der Welt lebensbedrohlich.

Dabei ist vor allem der Mangel an sauberem Wasser das Problem: Knapp eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Sie sind gezwungen, verschmutztes Wasser aus Teichen, Flüssen oder Lecks in Wasserleitungen zu trinken.

Mit fatalen Folgen: Laut einer jüngsten Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben täglich allein 5000 Kinder an Infektionen und Krankheiten, die auf verunreinigtes Grundwasser zurückzuführen sind.

Jedes Jahr rechnet die Organisation mit rund 1,6 Millionen Toten durch schmutziges Wasser. Anderen Schätzungen zufolge muss noch mit deutlich mehr Toten gerechnet werden.

Hinzu kommt, dass besonders Mädchen und Frauen, statt zur Schule zu gehen oder eine Ausbildung zu machen, Stunden ihres Tages damit verbringen, Wasser für die Familien heranzuschaffen.

In Ägypten laufen 30 Prozent aller Frauen täglich mehr als eine Stunde, um Wasser zu holen. In anderen Regionen Afrikas kann dies sogar bis zu acht Stunden am Tag dauern.

Dabei müssen Millionen Menschen in Entwicklungsländern im Schnitt mit gerade einmal fünf Litern pro Tag auskommen - wesentlich weniger, als ein Europäer durch seine Toilette spült.

Grund für die Wasserknappheit ist allerdings nicht, wie oft angenommen wird, der enorme Trinkwasserbedarf oder exzessives Duschen. Vielmehr entfallen auf die privaten Haushalte lediglich acht Prozent des Wasserverbrauchs.

Vor allem die Landwirtschaft verschlingt mit rund 70 Prozent den Löwenanteil des weltweiten Süßwassers. Wenn Spanien intensiv Tomaten, Paprika und Gurken anbaut, geht das nur durch ein enormes Bewässerungssystem.

Auch in einer Tasse Kaffee sind mindestens 140 Liter so genannten "virtuellen Wassers" enthalten - Wasser, das insgesamt für die Herstellung nötig ist.

Ein Fleisch-Hamburger enthält 2400 Liter "virtuelles Wasser".

Wer ein Kilo Getreide isst, verbraucht insgesamt 1000 Liter Wasser, die zum Wachsen des Getreides benötigt wurden.

Beim Verzehr von einem Kilo Rindfleisch beträgt der Verbrauch sogar 13.000 Liter an virtuellem Wasser.

Es ist vor allem der unbewusste Konsum, der den Wasserverbrauch in die Höhe treibt.

Im Schnitt verschlingt die Produktion der täglichen Nahrung eines Menschen 2000 bis 5000 Liter Wasser - während für elementare Bedürfnisse wie Trinken lediglich 4 Liter Wasser benötigt werden.

Eine Studie für das internationale Wasserinstitut in Stockholm SIWI stellt fest, dass der Wassermangel die weitere Expansion der Lebensmittelproduktion begrenzen wird, wenn nicht Herstellung und Konsum von Nahrungsmitteln wesentlich geändert werden.

Er warnt daher davor, nun auch noch Pflanzen wie Zuckerrohr, Raps oder Eukalyptus gezielt zur Produktion von Agrosprit anzubauen. Eine solche Rechnung könne nicht aufgehen.

Auch die Industrie schluckt viel Wasser und ist verantwortlich für rund 22 Prozent des weltweiten Süßwasserverbrauchs.

Die Produktion eines Autos verschlingt beispielsweise im Schnitt rund 400.000 Liter, ...

... die Herstellung eines T-Shirts bis zu 20.000 Liter Wasser.

Allein im vergangenen Jahrhundert verzehnfachte sich so der weltweite Wasserverbrauch von 500 auf 5000 Milliarden Kubikmeter pro Jahr.

Und auch in Zukunft wird der Verbrauch deutlich zunehmen.

Nach Prognosen der Vereinten Nationen wird die Zahl der von Wasserknappheit betroffenen Menschen bis 2030 auf 5,4 Milliarden steigen.

Die Folgen könnten dramatisch sein: Ein Crash der boomenden asiatischen Volkswirtschaften, ...

... eine mögliche Rückkehr der Cholera nach Europa, ...

... Völkerwanderungen in Afrika.

Der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan warnte, dass bis zu 135 Millionen Menschen in den nächsten Jahren aus ihrer Heimat vor der Trockenheit fliehen könnten.

Gründe für die zunehmende Wasserknappheit gibt es viele: Die Bevölkerungszunahme, die zu einem weiteren Bedarf an Trinkwasser und Nahrung führt, ...

... der wachsende Hunger nach Fleisch, ...

... die immense Umweltverschmutzung, die in ganzen Regionen das Wasser vergiftet, ...

... der fortschreitende Klimawandel. So führt der steigende Meeresspiegel zu Überflutungen der Küstengebiete mit der Folge, dass eindringendes Salzwasser die Süßwasservorräte vermindert.

Außerdem kommt es zu immer gravierenderen Dürren.

Sogar in Europa haben in den vergangenen Jahren die Trockenperioden drastisch zugenommen.

Wesentlich dramatischer noch fordern durch den Klimawandel bedingte Dürren in Asien ihren Tribut.

Nicolas Stern, ehemaliger Chefökonom der Weltbank und Wirtschaftsberater der britischen Regierung, warnt vor den katastrophalen Folgen des Klimawandels auf den Himalaja:

"Die Gletscher im Himalaja befinden sich auf dem Rückzug, und sie sind der Schwamm, der das Wasser in der Regenzeit zurückhält. Wir sehen uns dem Risiko extremer Wasserabflüsse ausgesetzt, ...

... wo das Wasser direkt in die Bucht von Bengalen fließt und eine große Menge fruchtbarer Erde mitreißt." Peking erwartet, dass schon 2016 zwei Drittel der Gletscher in der tibetischen Hochebene geschmolzen sind.

In diesem Fall verringert sich drastisch der Wasserzufluss für alle wichtigen Flüsse Asiens: für den Ganges, den Yangtse und den Gelben Fluss.

Drei Milliarden Menschen wären betroffen und die weltweite Lebensmittelproduktion in Mitleidenschaft gezogen, stellen doch China und Indien die Hälfte der weltweiten Reisproduktion.

Schon jetzt erreichen in China viele Flüsse kaum mehr die Mündung.

In vielen Regionen Chinas wurde das Grundwasser bereits so intensiv entnommen, dass selbst Regenfälle die Verluste nicht mehr ausgleichen können.

In Peking und Umgebung sind die Wasserspeicher fast leergepumpt. Innerhalb weniger Jahrzehnte sackte hier das Grundwasser um bis zu 50 Meter ab. 400 der 660 großen Städte leiden unter Wassermangel.

In Zentralasien ist der Aralsee um die Hälfte geschrumpft, seit die ehemalige Sowjetunion Wasser für den Anbau von Getreide und Baumwolle ableitete.

In Griechenland, Italien, Portugal und Spanien sinkt der Grundwasserspiegel, unzählige kleine Flüsse sind weltweit versiegt.

Besonders schlimm ist die Wasserknappheit neben vielen Regionen in Afrika auch im Nahen und Mittleren Osten.

So standen vor gut 20 Jahren im Nahen und Mittleren Osten pro Person 17.000 Kubikmeter Trinkwasser zu Verfügung. Heute ist es nur noch die Hälfte, bis 2050 dürfte sich der Wert abermals halbieren.

Der ehemalige UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali warnte schon in den 70er Jahren, dass der nächste Krieg in Nahost um Wasser geführt werde.

Auch wenn sich diese Prophezeiung bislang glücklicherweise nicht erfüllt hat, so ist die Knappheit doch weltweit eine immer größere Bedrohung.

Dies sehen inzwischen nicht nur Umweltaktivisten und Globalisierungskritiker so, sondern zunehmend auch Politiker und führende Wirtschaftsunternehmer.

In Analogie zu Peak Oil, dem Fördermaximum bei Rohöl, wird nun bereits von Peak Water gesprochen.

Es gibt aber Wege aus der Krise, wird doch ein Großteil des Wassers vergeudet. Allein in Europa werden Studien zufolge bis zu 40 Prozent des Wassers verschwendet.

So ließe sich beispielsweise in der Landwirtschaft Verdunstung verhindern und Wasser sparen, wenn Zuleitungen im Rohr statt im Kanal verliefen und die Bewässerung am Boden statt über großflächige Beregnung stattfinden würde.

Auch die mehrfache Nutzung des abfließenden Wassers und die Umstellung des Anbaus auf weniger wasseraufwendige Kulturen könnten zu enormen Einsparungen führen.

So konnte beispielsweise der Wassereinsatz für die Herstellung von Kaffee auf 10 Prozent vermindert werden. Auch gibt es mittlerweile Kulturpflanzen, die bei weniger Wasserbedarf einen gleichen oder sogar höheren Ertrag liefern.

In der Ölindustrie in Deutschland stieg die Wiederverwertungsrate von gebrauchtem Wasser von 3,3 auf 33 Mal.

Auch im privaten Verbrauch gibt es enorme Einsparpotenziale. "Dass wir Wasser immer noch als Transportmittel für Fäkalien und Industrieabwasser benutzen, um sie nachher aufwendig und unter hohem Energieverbrauch in der Kläranlage wieder herauszuholen, ...

... ist doch keine zukunftsfähige Lösung", beklagte 1998 Klaus Töpfer, langjähriger Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen. In Städten wie Hongkong wurde bereits umgedacht: Hier fließt nur Meerwasser durch die Klospülungen.

Auch durch weitere Entsalzungs- und Wiederaufbereitungsanlagen könnte das Problem des globalen Wassermangels abgemildert werden.

"Die Erde hat genug Wasser, um die Grundbedürfnisse all ihrer Bewohner zu erfüllen", sagt Peter Gleick, Präsident des Pacific Insitute in Oakland.

Doch, wie so häufig, gibt es auch hier ein Verteilungsproblem: Während es in Elendsvierteln von Bogota nur alle drei Tage fließendes Wasser von zweifelhafter Qualität gibt, ...

... werden in direkter Nachbarschaft Schnittblumen für Europa produziert - rund um die Uhr durch einen eigenen Brunnen bestens mit Wasser versorgt.

Das Millenniumsziel der UN, die Zahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser bis 2015 zu halbieren, liegt noch immer in weiter Ferne.

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