"Das Öl des nächsten Jahrhunderts": Wenn das Wasser knapp wird ...
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Die Aussichten sind nicht rosig: Weltweit wird das Wasser knapp.Bild 1 von 77 In rund 80 Ländern herrscht mittlerweile Wassermangel.Bild 2 von 77 Laut dem WHO-Koordinator für Wasser und Gesundheit, James Bertram, "ein Problem, das alle Entwicklungs- und Industrieländer plagt."Bild 3 von 77 Deutlich zeigte sich dies im vergangenen Jahr, als der US-Bundesstaat Kalifornien zu einem Dürregebiet erklärt wurde, ...Bild 4 von 77 ... und in Barcelona fünf Millionen Menschen unter der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren litten.Bild 5 von 77 Per Schiff musste den Bewohnern Wasser geliefert werden.Bild 6 von 77 Doch während in westlichen Staaten der Wassermangel vor allem noch eine lästige und teure Angelegenheit ist, ist er in anderen Teilen der Welt lebensbedrohlich.Bild 7 von 77 Dabei ist vor allem der Mangel an sauberem Wasser das Problem: Mehr als 1,1 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.Bild 8 von 77 Sie sind gezwungen, verschmutztes Wasser aus Teichen, Flüssen oder Lecks in Wasserleitungen zu trinken.Bild 9 von 77 Mit fatalen Folgen: Laut einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben täglich allein 4.000 Menschen an Infektionen und Krankheiten, die auf verunreinigtes Grundwasser zurückzuführen sind.Bild 10 von 77 Allein für das Jahr 2008 rechnete die Organisation mit rund 1,6 Millionen Toten durch schmutziges Wasser. Anderen Schätzungen zufolge muss noch mit deutlich mehr Toten gerechnet werden.Bild 11 von 77 Hinzu kommt, dass besonders Mädchen und Frauen, statt zur Schule zu gehen oder eine Ausbildung zu machen, Stunden ihres Tages damit verbringen, Wasser für die Familien heranzuschaffen.Bild 12 von 77 In Ägypten laufen 30 Prozent aller Frauen täglich mehr als eine Stunde, um Wasser zu holen. In anderen Regionen Afrikas kann dies sogar bis zu acht Stunden am Tag dauern.Bild 13 von 77 Dabei müssen Millionen Menschen in Entwicklungsländern im Schnitt mit gerade einmal fünf Litern pro Tag auskommen - wesentlich weniger als ein Europäer durch seine Toilette spült.Bild 14 von 77 Grund für die Wasserknappheit sind allerdings nicht, wie oft angenommen wird, der enorme Trinkwasserbedarf oder exzessives Duschen. Vielmehr entfallen auf die privaten Haushalte lediglich acht Prozent des Wasserverbrauchs.Bild 15 von 77 Vor allem die Landwirtschaft verschlingt mit rund 70 Prozent den Löwenanteil des weltweiten Süßwassers. Wenn Spanien intensiv Tomaten, Paprika und Gurken anbaut, geht das nur durch ein enormes Bewässerungssystem.Bild 16 von 77 Auch in einer Tasse Kaffee sind 120 Liter so genannten "virtuellen Wassers" enthalten - Wasser, das insgesamt für die Herstellung nötig ist.Bild 17 von 77 Ein Fleisch-Hamburger enthält 2400 Liter "virtuelles Wasser".Bild 18 von 77 "Wer ein Kilo Getreide isst, verbraucht insgesamt 1000 Liter Wasser, die dieses Getreide wachsen ließen; ...Bild 19 von 77 ... beim Verzehr von einem Kilo Rindfleisch beträgt der Verbrauch sogar 13.000 Liter an verstecktem oder virtuellem Wasser", sagt Daniel Zimmer, Direktor des World Water Council.Bild 20 von 77 "Dieser unbewusste Konsum ist es, der den Wasserverbrauch in die Höhe treibt."Bild 21 von 77 Im Schnitt verschlingt die Produktion der täglichen Nahrung eines Menschen 2000 bis 5000 Liter Wasser - während für elementare Bedürfnisse wie Trinken lediglich 4 Liter Wasser benötigt werden.Bild 22 von 77 Eine Studie für das internationale Wasserinstitut in Stockholm SIWI stellt fest, dass der Wassermangel die weitere Expanison der Lebensmittelproduktion begrenzen wird, wenn nicht Herstellung und Konsum von Nahrungsmitteln wesentlich geändert werden.Bild 23 von 77 Er warnt daher davor, nun auch noch Pflanzen wie Zuckerrohr, Raps oder Eukalyptus gezielt zur Produktion von Agrosprit anzubauen. Eine solche Rechnung könne nicht aufgehen.Bild 24 von 77 Auch die Industrie schluckt viel Wasser und ist verantwortlich für rund 22 Prozent des weltweiten Süßwasserverbrauchs.Bild 25 von 77 Die Produktion eines Autos verschlingt beispielsweise im Schnitt rund 400.000 Liter, ...Bild 26 von 77 ... die Herstellung eines T-Shirts bis zu 20.000 Liter Wasser.Bild 27 von 77 Allein im vergangenen Jahrhundert verzehnfachte sich so der weltweite Wasserverbrauch von 500 auf 5000 Milliarden Kubikmeter pro Jahr.Bild 28 von 77 Und auch in Zukunft wird der Verbrauch deutlich zunehmen.Bild 29 von 77 Nach Prognosen der Vereinten Nationen wird die Zahl der von Wasserknappheit betroffenen Menschen bis 2030 auf 5,4 Milliarden steigen.Bild 30 von 77 Die Folgen könnten dramatisch sein: Ein Crash der boomenden asiatischen Volkswirtschaften, ...Bild 31 von 77 ... eine mögliche Rückkehr der Cholera nach Europa, ...Bild 32 von 77 ... Völkerwanderungen in Afrika.Bild 33 von 77 Der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan warnte, dass bis zu 135 Millionen Menschen in den nächsten Jahren aus ihrer Heimat vor der Trockenheit fliehen könnten.Bild 34 von 77 Gründe für die zunehmende Wasserknappheit gibt es viele: Die Bevölkerungszunahme, die zu einem weiteren Bedarf an Trinkwasser und Nahrung führt, ...Bild 35 von 77 ... der wachsende Hunger nach Fleisch, ...Bild 36 von 77 ... die immense Umweltverschmutzung, die in ganzen Regionen das Wasser vergiftet, ...Bild 37 von 77 ... der fortschreitende Klimawandel. So führt der steigende Meeresspiegel zu Überflutungen der Küstengebiete mit der Folge, dass eindringendes Salzwasser die Süßwasservorräte vermindert.Bild 38 von 77 Außerdem kommt es zu immer gravierenderen Dürren.Bild 39 von 77 Sogar in Europa haben in den vergangenen Jahren die Trockenperioden drastisch zugenommen.Bild 40 von 77 EU-Umweltkommissar Stavros Dimas schätzt die Kosten der Wasserknappheit für die Wirtschaft auf mindestens 100 Milliarden Euro.Bild 41 von 77 Wesentlich dramatischer noch fordern durch den Klimawandel bedingte Dürren in Asien ihren Tribut.Bild 42 von 77 Nicolas Stern, ehemaliger Chefökonom der Weltbank und Wirtschaftsberater der britischen Regierung, warnt vor den katastrophalen Folgen des Klimawandels auf den Himalaja:Bild 43 von 77 "Die Gletscher im Himalaja befinden sich auf dem Rückzug, und sie sind der Schwamm, der das Wasser in der Regenzeit zurückhält. Wir sehen uns dem Risiko extremer Wasserabflüsse ausgesetzt, ...Bild 44 von 77 ... wo das Wasser direkt in die Bucht von Bengalen fließt und eine große Menge fruchtbarer Erde mitreißt." Peking erwartet, dass schon 2016 zwei Drittel der Gletscher in der tibetischen Hochebene geschmolzen sind.Bild 45 von 77 In diesem Fall verringert sich drastisch der Wasserzufluss für alle wichtigen Flüsse Asiens: für den Ganges, den Yangtse und den Gelben Fluss.Bild 46 von 77 Drei Milliarden Menschen wären betroffen und die weltweite Lebensmittelproduktion in Mitleidenschaft gezogen, stellen doch China und Indien die Hälfte der weltweiten Reisproduktion.Bild 47 von 77 Schon jetzt erreichen in China viele Flüsse kaum mehr die Mündung, der Gelbe Fluss (im Bild) führte 1997 für 226 Tage kein Wasser mehr.Bild 48 von 77 In vielen Regionen Chinas wurde das Grundwasser bereits so intensiv entnommen, dass selbst Regenfälle die Verluste nicht mehr ausgleichen können.Bild 49 von 77 In Peking und Umgebung sind die Wasserspeicher fast leergepumpt. Innerhalb weniger Jahrzehnten sackte hier das Grundwasser um bis zu 50 Meter ab. 400 der 660 großen Städte leiden unter Wassermangel.Bild 50 von 77 Doch nicht nur in Asien ist das Wasser knapp. Der mächtige Colorado in Nordamerika sickert inzwischen als trauriges Rinnsal ins Meer, ...Bild 51 von 77 ... in Zentralasien ist der Aralsee um die Hälfte geschrumpft, seit die ehemalige Sowjetunion Wasser für den Anbau von Getreide und Baumwolle ableitete.Bild 52 von 77 In Griechenland, Italien, Portugal und Spanien sinkt der Grundwasserspiegel, unzählige kleine Flüsse sind weltweit versiegt.Bild 53 von 77 Besonders schlimm ist die Wasserknappheit neben vielen Regionen in Afrika auch im Nahen und Mittleren Osten.Bild 54 von 77 So standen vor 20 Jahren im Nahen und Mittleren Osten pro Person 17.000 Kubikmeter Trinkwasser zu Verfügung. Heute ist es nur noch die Hälfte, bis 2050 dürfte sich der Wert abermals halbieren.Bild 55 von 77 Der ehemalige ägyptische Außenminister und spätere UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali warnte schon in den 70er Jahren, dass der nächste Krieg in Nahost um Wasser geführt werde.Bild 56 von 77 Auch wenn sich diese Prophezeiung bislang glücklicherweise nicht erfüllt hat, so ist die Knappheit doch weltweit eine immer größere Bedrohung.Bild 57 von 77 Dies sehen inzwischen nicht nur Umweltaktivisten und Globalisierungskritiker so, sondern zunehmend auch Politiker und führende Wirtschaftsunternehmer.Bild 58 von 77 In Analogie zu Peak Oil, dem Fördermaximum bei Rohöl, wird nun bereits von Peak Water gesprochen.Bild 59 von 77 "Das Wasser geht schneller zu Ende als die Ölreserven", meint beispielsweise Nestl-Chef Peter Brabeck-Letmathe.Bild 60 von 77 Die weltgrößte Investmentbank Goldman Sachs lud zu einer Konferenz zu Risikoeinschätzungen künftiger Entwicklungen viele Experten ein, die ebenfalls vor einem globalen katastrophalen Wassermangel warnten.Bild 61 von 77 Ihr Tenor: Der Wassermangel könne "eine noch größere Gefahr für die Menschheit in diesem Jahrhundert" sein als die Erschöpfung fossiler Energieträger oder die explodierenden Lebensmittelpreise.Bild 62 von 77 Für die Investmentbank ist Wasser inzwischen das "Öl des nächsten Jahrhunderts" und sie empfiehlt, kräftig in die Ressource zu investieren.Bild 63 von 77 Wasser biete in Zukunft "enorme Belohnungen für Investoren, die wissen, wie man während des kommenden Investitionsbooms zu spielen habe."Bild 64 von 77 Dabei gibt es Wege aus der Krise, wird doch ein Großteil des Wassers vergeudet. Allein in Europa werden Studien zufolge bis zu 40 Prozent des Wassers verschwendet.Bild 65 von 77 So ließe sich beispielsweise in der Landwirtschaft Verdunstung verhindern und Wasser sparen, wenn Zuleitungen im Rohr statt im Kanal verliefen und die Bewässerung am Boden statt über großflächige Beregnung stattfinden würde.Bild 66 von 77 Auch die mehrfache Nutzung des abfließenden Wassers und die Umstellung des Anbaus auf weniger wasseraufwendige Kulturen könnten zu enormen Einsparungen führen.Bild 67 von 77 So konnte beispielsweise der Wassereinsatz für die Herstellung von Kaffee auf 10 Prozent vermindert werden. Auch gibt es mittlerweile Kulturpflanzen, die bei weniger Wasserbedarf einen gleichen oder sogar höheren Ertrag liefern.Bild 68 von 77 In der industriellen Produktion gibt es ebenfalls deutliche Einsparmöglichkeiten. Nestl verminderte in seinen fast 500 Fabriken weltweit den Wasserverbrauch in fünf Jahren von 218 auf 155 Milliarden Liter.Bild 69 von 77 In der Ölindustrie in Deutschland stieg die Wiederverwertungsrate von gebrauchtem Wasser von 3,3 auf 33 Mal.Bild 70 von 77 Auch im privaten Verbrauch gibt es enorme Einsparpotenziale. "Dass wir Wasser immer noch als Transportmittel für Fäkalien und Industrieabwasser benutzen, um sie nachher aufwendig und unter hohem Energieverbrauch in der Kläranlage wieder herauszuholen, ...Bild 71 von 77 ... ist doch keine zukunftsfähige Lösung", beklagte bereits 1998 Klaus Töpfer, langjähriger Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen. In Städten wie Hongkong wurde bereits umgedacht: Hier fließt nur Meerwasser durch die Klospülungen.Bild 72 von 77 Auch durch weitere Entsalzungs- und Wiederaufbereitungsanlagen könnte das Problem des globalen Wassermangels abgemildert werden.Bild 73 von 77 "Die Erde hat genug Wasser, um die Grundbedürfnisse all ihrer Bewohner zu erfüllen", sagt Peter Gleick, Präsident des Pacific Insitute in Oakland.Bild 74 von 77 Doch, wie so häufig, gibt es auch hier ein Verteilungsproblem: Während es in Elendsvierteln von Bogota nur alle drei Tage fließendes Wasser von zweifelhafter Qualität gibt, ...Bild 75 von 77 ... werden in direkter Nachbarschaft Schnittblumen für Europa produziert - rund um die Uhr durch einen eigenen Brunnen bestens mit Wasser versorgt.Bild 76 von 77 Das Milleniumsziel der UN, die Zahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser bis 2015 zu halbieren, liegt noch immer in weiter Ferne. (Text: Gudula Hörr)Bild 77 von 77
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