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Donnerstag, 09. Oktober 2014

Snowden, Franziskus - oder Kohl?: Wer bekommt den Friedensnobelpreis 2014?

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Es ist das alljährliche Spiel: Die Bekanntgabe des Friedenspreises ist der Höhepunkt der Nobelpreiswoche. Und wie immer wird fleißig spekuliert. Wer erhält in diesem Jahr die renommierte Auszeichnung? (Foto: picture alliance / dpa)

Es ist das alljährliche Spiel: Die Bekanntgabe des Friedenspreises ist der Höhepunkt der Nobelpreiswoche. Und wie immer wird fleißig spekuliert. Wer erhält in diesem Jahr die renommierte Auszeichnung?

Es ist das alljährliche Spiel: Die Bekanntgabe des Friedenspreises ist der Höhepunkt der Nobelpreiswoche. Und wie immer wird fleißig spekuliert. Wer erhält in diesem Jahr die renommierte Auszeichnung?

Den Direktor des norwegischen Nobel-Instituts, Geir Lundestad, überrascht das auch nach 25 Jahren in dieser Position immer wieder: "Es ist erstaunlich, dass die Welt sich so sehr dafür interessiert, was ein Komitee aus fünf Norwegern entscheidet. Darüber wundere ich mich jedes Jahr."

Vielleicht ist das Interesse stets deswegen so groß, weil kaum jemand vorhersehen kann, was das Gremium unter Vorsitz des norwegischen Ex-Ministerpräsidenten Thorbjørn Jagland am Ende entscheidet. Immer wieder gibt es Überraschungen und Kandidaten gewinnen, die kaum jemand auf dem Zettel hatte.

Im vergangenen Jahr etwa zeichnete das Komitee die OPCW, die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen, aus.

2012 fiel die Wahl auf die Europäische Union, um die Verdienste des Staatenbündnisses um Entwicklung, Frieden, Versöhnung und Demokratie in Europa zu würdigen.

Und wer hatte im Jahr 2011 von den Frauen Tawakkol Karman, Leymah Gbowee und Ellen Johnson Sirleaf gehört, bevor sie den Friedensnobelpreis für ihren Einsatz für die Frauenrechte zugesprochen bekamen?

Nur wenige Experten wollen sich überhaupt festlegen. Dennoch gibt es eine Art Favoritenliste mit Namen, die immer wieder fallen. In diesem Jahr ganz vorne mit dabei: Edward Snowden. Der NSA-Whistleblower hat Spitzeleien des US-Geheimdienstes aufgedeckt, deren Umfang sich zuvor kaum jemand hat träumen lassen.

Er hat in diesem Jahr bereits den Alternativen Nobelpreis zugesprochen bekommen, eine Art Gegenveranstaltung zu den Osloer Entscheidungen. Eine Verleihung des Nobelpreises an Snowden wäre mutig, denn in den USA wird er offiziell als Verräter betrachtet und gesucht.

Dass er ausgerechnet im Russland Wladimir Putins Schutz findet, dürfte seine Aussichten zudem schmälern. Schließlich ist die Regierung in Moskau derzeit höchst umstritten.

Lundestadt, der als Sekretär des Nobelkomitees nicht mitstimmen darf, orakelt: "Kontroversen sind ja nicht unbedingt etwas Schlechtes. Einige unserer erfolgreichsten Preise waren ausgesprochen kontrovers."

Er erinnert an die Wahl des Pazifisten Carl von Ossietzky im Jahr 1936. "Hitler war rasend vor Zorn", sagt Lundestad.

Eine weitere Person sticht aus den insgesamt 278 Nominierten hervor: Papst Franziskus.

Bekäme er den Friedensnobelpreis, sähen sich viele an die Wahl von US-Präsident Barack Obama im Jahr 2009 erinnert. Denn ähnlich wie damals wäre dies eher eine Ermutigung für Vorhaben als eine Würdigung von Taten.

Franziskus ist seit eineinhalb Jahren Oberhaupt der katholischen Kirche und Hoffnungsträger vieler Armer auf der Welt. Die massive weltweite Ungleichverteilung des Wohlstandes schadet in den Augen des Argentiniers dem Frieden.

Schon alleine die Worte des Papstes wiegen in der Welt freilich schwer. Doch konkrete Initiativen hat Franziskus bislang noch nicht unternommen, um die Armut zu bekämpfen.

Wie bereits im vergangenen Jahr unter den Favoriten ist die junge Pakistanerin Malala Yousafzai. Ihr Schicksal bewegte die Welt: Weil sie sich dem Verbot der örtlichen Taliban, in die Schule zu gehen, widersetzte, …

… wurde ihr als damals 15-Jähriger in den Kopf geschossen. Nur durch eine Notoperation konnten Ärzte ihr Leben retten.

Seither macht das Mädchen mit ihrer Geschichte auf der ganzen Welt darauf aufmerksam, dass Millionen von Kindern das Recht auf Bildung verwehrt bleibt.

Die Massenentführungen von Schülerinnen durch die nigerianische Islamistengruppe Boko Haram zeigen, wie virulent das Thema ist. Die Bewegung #bringbackourgirls hat weltweit Millionen Unterstützer und Sympathisanten.

Dennoch: Mit heute 17 Jahren ist Malala noch sehr jung. Sie selbst ist der Ansicht, den Preis - zumindest noch - nicht zu verdienen.

Zwar ungewöhnlich, aber denkbar ist die Verleihung des Preises an eine lose Gruppe. Ganz hoch im Kurs steht die Nominierung der "Japaner, die Artikel 9 bewahren wollen".

Die 37-jährige Japanerin Naomi Takasu wandte sich Anfang 2013 an das Nobelpreiskomitee mit der Bitte, den Verfassungsgrundsatz des Pazifismus' auszuzeichnen. Takasu war alarmiert durch das Vorhaben von Premier Shinzo Abe, den Passus streichen zu lassen.

Takasu formte eine Bewegung. 24.000 Unterschriften reichte Takasu ein. Zunächst ohne Erfolg: Nur Personen und Organisationen könnten den Preis bekommen, keine Texte. Die findige Takasu antwortete: Das Nobelpreiskomitee solle stattdessen die Menschen auszeichnen, die sich für den Artikel 9 einsetzen - und erhielt die Bestätigung der Nominierung.

Der Direktor des Osloer Friedensforschungsinstituts, Kristian Berg Harpviken, setzt auf diese Bewegung. Berg Harpviken ist einer der angesehensten Experten rund um die Friedensnobelpreisverleihung.

Ein Text kann, wie erwähnt, nicht Träger des Preises sein. Eine Zeitung dagegen durchaus. Und nicht wenige glauben, dass das dieses Jahr so kommt. Die "Nowaja Gaseta" ist immer wieder unter den Favoriten.

1993 mit Hilfe des Friedensnobelpreisgeldes von Michail Gorbatschow gegründet, ist sie eine der lautesten Stimmen gegen die Macht des Kreml.

Viele Journalistinnen und Journalisten des Blattes sind Repressionen ausgesetzt. Die Bekannteste von ihnen ist vermutlich Anna Politkowskaja, die 2006 am Geburtstag von Präsident Wladimir Putin ermordet worden ist.

Die "Nowaja Gaseta" ist immer wieder im Gespräch gewesen. 2014, in dem Jahr, in dem die Konfrontation Russlands mit dem Westen zunimmt, wäre eine Verleihung des Preises an die Zeitung ein starkes Zeichen.

Bei den Buchmachern als lukrativer Außenseiter beliebt ist der Gynäkologe Denis Mukwege. In seiner Heimat, der demokratischen Republik Kongo, behandelt er Frauen, die im Bürgerkrieg vergewaltigt wurden.

Er setzt sich außerdem dafür ein, dass die Vergewaltiger vor Gericht kommen. Seine Gegner versuchten im vergangenen Jahr, ihn zu ermorden, dabei starb einer seiner Mitarbeiter.

Weitere Kandidaten fallen immer wieder, gelten allerdings nicht als Topfavoriten. So etwa der Agrarwissenschaftler Yuan Longping aus China, der Vater des Hybrid-Reises.

Oder der südkoreanische UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Von einen Evergreen unter den Nominierten muss natürlich noch die Rede sein: Helmut Kohl, derzeit wegen der ungewollten Veröffentlichung seiner Gesprächsprotokolle mit dem Journalisten Heribert Schwan in den Schlagzeilen.

Vielen gilt er als der "Vater der deutschen Einheit". Den heute 84-jährigen Altkanzler auszuzeichnen, läge im Jahr 25 nach dem Mauerfall nahe.

Noch passender wäre das allerdings ein Jahr später, wenn sich die Deutsche Einheit zum 25. Mal jährt. Ist Helmut Kohl also der Favorit für den Friedensnobelpreis?

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