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Donnerstag, 08. Oktober 2015

Der Papst, Merkel und eine Zeitung: Wer bekommt den Friedensnobelpreis?

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Wer bekommt in diesem Jahr den Friedensnobelpreis? Wieder einmal schießen die Spekulationen ins Kraut. (Foto: dpa)

Wer bekommt in diesem Jahr den Friedensnobelpreis? Wieder einmal schießen die Spekulationen ins Kraut.

Wer bekommt in diesem Jahr den Friedensnobelpreis? Wieder einmal schießen die Spekulationen ins Kraut.

Aber diesmal ist es nicht Helmut Kohl, Kanzler der Deutschen Einheit, der als Favorit gehandelt wird.

Ausgerechnet sein "Mädchen", Angela Merkel, steht diesmal bei Buchmachern ganz hoch im Kurs.

Der Grund dafür: die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin.

Merkel habe in der Flüchtlingskrise "moralische Führungsstärke" gezeigt und der Diskussion in Europa mit ihrer 'Wir schaffen das'-Politik einen völlig neuen Dreh gegeben, meint der Leiter des Osloer Friedensforschungsinstituts Prio, Kristian Berg Harpviken.

Nicht zuletzt dürfte aber auch Merkels Ukraine-Politik eine Rolle spielen. Immer wieder hat sie sich für eine friedliche Lösung des Krieges eingesetzt.

Besonders deutlich wurde dies in der langen Nacht von Minsk im Februar dieses Jahres: So umstritten das dort erreichte Abkommen ist, immerhin herrscht seitdem - wenn schon kein Frieden - so doch eine Art von Waffenruhe.

Nicht nur Angela Merkel bringt das Engagement für Flüchtlinge Pluspunkte bei den Buchmachern ein.

Papst Franziskus war einer der ersten, der sich um die Flüchtlinge kümmerte.

Bereits im Sommer 2013 unternahm er seine erste Auslandsreise nach Lampedusa, der italienischen Insel, die zum Inbegriff der Flüchtlingskatastrophe wurde.

Schon damals kritisierte er die Gleichgültigkeit der Welt gegenüber den Flüchtlingen. Wenig später, nachdem wieder ein Flüchtlingsboot mit Dutzenden Menschen an Bord gekentert war, sprach er von einer "Schande", für die die Welt sich schämen solle.

Neben seinem Einsatz für Flüchtlinge gibt es noch andere Gründe, die für den Papst sprechen: ...

... So war er ein wichtiger Vermittler bei der Annäherung zwischen Kuba und den USA.

Auch sonst setzt sich Papst Franziskus unermüdlich für Frieden ein. Als er Israels Staatschef Shimon Peres und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas traf, sagte er: "Um Frieden zu schaffen, braucht es Mut, und zwar mehr als für Krieg."

Den Mut hat er. Allerdings hat noch nie ein Papst den Friedensnobelpreis erhalten.

Auch der Bürgermeisterin der italienischen Insel Lampedusa, Giusi Nicolini, gilt wegen ihres Engagements für Flüchtlinge als mögliche Kandidatin für den Preis.

"Ich bin über die Gleichgültigkeit entrüstet, die alle angesteckt zu haben schein", kritisierte sie bereits vor Jahren.

"Ich bin entrüstet über das Schweigen Europas, das gerade den Friedensnobelpreis erhalten hat und nichts sagt, obwohl hier die Zahl der Toten daran glauben lässt, es wäre Krieg."

Als vor Lampedusa mehr als 300 Flüchtlinge bei einem Schiffsunglück starben, forderte sie bei einem EU-Gipfel 2013 ein neues europäisches Asyl- und Einwanderungsrecht.

Seitdem ist die Krise schlimmer und schlimmer geworden.

Auch das UNHCR, das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen, könnte den Preis wieder erhalten.

Schließlich wären ohne dessen Tausende Mitarbeiter die mehr als 60 Millionen Flüchtlinge weltweit noch viel schlechter versorgt.

Es wäre dann allerdings das dritte Mal, dass das UNHCR den Preis erhielte. Schon 1954 und 1981 bekam es die Auszeichnung. Da es 98 Prozent seiner Hilfsprogramme durch Spenden bezahlen muss, könnte es das Preisgeld durchaus gebrauchen - auch wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein wäre.

Bei den Kandidaten fällt auch immer wieder der Name des Eritreers Mussie Zerai. Der katholische Priester ist ständig an Italiens Küsten unterwegs, um seinen Landsleuten zu helfen.

Schließlich kommen die zweitmeisten Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa fliehen, aus Eritrea.

"Eritrea wird ja auch das Nordkorea Afrikas genannt", sagte Zerai. "Jeden Monat fliehen etwa 3000 Menschen aus dieser Hölle.

Flüchtlingsprobleme gibt es auch auf anderen Kontinenten, und oft sind die Ursachen Kriege.

Wie in Kolumbien, wo der Bürgerkrieg rund fünf Jahrzehnte währte.

Seine blutige Bilanz: Mehr als 250.000 Tote und 5 Millionen Flüchtlinge.

Nun könnte der Bürgerkrieg aber bald ein Ende haben.

Schließlich reichen sich im September Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos (l) und Guerillachef Rodrog Londono Echeverri (r) die Hand, um ein Friedensabkommen zu besiegeln.

Eine unerbittliche Kämpferin gegen den Krieg war auch die Journalistin Anna Politkowskaja von der unabhängigen russischen Zeitung "Nowaja Gaseta".

Sie berichtete mutig über Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien. Und wurde dafür ermordet - wie fünf andere Mitarbeiter oder Unterstützer der Zeitung.

Dennoch berichtet die Zeitung weiter über Korruptionskandale und den Krieg in der Ukraine unter Beteiligung regulärer russischer Truppen.

Auch ein Kandidat aus Saudi-Arabien steht weit oben auf der Favoritenliste für den Friedensnobelpreis: Der Blogger Raif Badawi, der 2008 die Webseite "Free Saudi Liberals" gegründet hatte.

"Ich habe versucht, die Mauern der Unwissenheit niederzureißen, die Heiligkeit des Klerus zu brechen, ein wenig Pluralismus zu verbreiten und Respekt vor Werten wie Ausdrucksfreiheit, Frauenrechten und den Rechten von Minderheiten und Mittellosen in Saudi-Arabien", schrieb Badawi im Februar.

Dafür sitzt er seit 2012 in Haft, verurteilt zu 10 Jahren Gefängnis und 1000 Peitschenhieben.

Auch er könnte vielleicht den Preis erhalten: der kongolesische Frauenarzt Denis Mukwege.

In Kongo, von den UN als "Welthauptstadt der Vergewaltigungen" bezeichnet, operiert er täglich Vergewaltigungsopfer. In seiner Klinik wurden bislang 40.000 Frauen benannt.

Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund: Immer wieder prangert er die Taten an - was ihm bei einem Mordanschlag 2012 fast das Leben gekostet hätte.

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