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"Have a nice day!" Der letzte Gruß Guido Westerwelles an die Journalisten beim EU-Gipfel in Brüssel bringt ihm einen Lacher ein.
Zwei Tage lang trotzt der FDP-Chef auf seiner ersten Dienstreise als Außenminister Vorurteilen über seine angeblich schwachen Englischkenntnisse.
Und über ein mangelndes außenpolitisches Profil.
Ausrutscher leistet sich Deutschlands neuer Außenminister bei seinem ersten Auftritt auf internationalem Parkett nicht.
Dafür bewegt er sich viel zu vorsichtig. Bundeskanzlerin Angela Merkel erteilt ihrem Vize zum Abschluss der Beratungen aber gute Noten.
"Deutschland hat einen ordentlichen Eindruck hinterlassen", sagt die gewiefte Gipfelteilnehmerin Merkel über Westerwelle, der sich bei den ersten Auftritten vor Kameras stets zwei Schritte hinter ihr hielt.
Die gemeinsame Reise mit Westerwelle habe ihr sogar "Spaß gemacht".
Der FDP-Frontmann zeigt sich nach seinem zweiten Arbeitstag im Amt "erschöpft, aber zufrieden mit den Ergebnissen".
Schon zum Auftakt des Gipfels am Donnerstag lässt Merkel ihrem neuen Koalitionspartner eine besondere Ehre zuteil werden:
Demonstrativ fahren beide gemeinsam in einer schwarzen Mercedes-Limousine vor dem Brüsseler Ratsgebäude vor.
Westerwelles Vorgänger Frank-Walter Steinmeier (SPD) waren solche Ehren in der Regel nicht zuteil geworden.
Und damit nicht genug der Unterschiede: Auch farblich präsentieren sich Merkel und Westerwelle als perfektes Team - sie in graublauem Blazer, er mit passender blauer Krawatte zum schwarzen Anzug.
Der früher oft als Spaßpolitiker gescholtene Westerwelle ist sichtlich um staatsmännisches Auftreten bemüht.
Der Stolz, sich in Brüssel unter lauter hochrangigen Politikern tummeln zu dürfen, ist ihm aber deutlich anzusehen.
Einen Hauch von Pathos kann er sich dabei nicht verkneifen: Er nennt es eine "glückliche Fügung, dass gleich am ersten Tag meiner Amtszeit die Möglichkeit besteht, gleich mit so vielen neuen Kollegen zusammenzutreffen".
Zu den großen außenpolitischen Themen wie Afghanistan äußert sich Westerwelle nur kurz in der Abschluss-Pressekonferenz mit Merkel.
Selbst bei den Beratungen mit seinen 26 EU-Kollegen hinter verschlossenen Türen erlegt sich der 47-Jährige Zurückhaltung auf.
Kein längeres Statement und auch keine Kommentare etwa zum Atomstreit mit dem Iran oder zu Afghanistan.
Bei dem sonst forsch auftretenden Juristen ist plötzlich ein Stück Ehrfurcht vor dem großen Amt zu spüren, auf das er jahrelang hingearbeitet hatte. Womöglich hat Westerwelle die leise Art seines großen Vorbilds Hans-Dietrich Genscher (FDP) im Blick.
Vielleicht ist er aber auch viel zu beschäftigt damit, die vielen Unterlagen zu lesen, die ihm sein Stab für den EU-Gipfel vorgelegt hatte.
Anlaufschwierigkeiten muss Westerwelle ebensowenig überwinden wie ...
... Sprachbarrieren, die manche erwartet hatten. "Westerwelle spricht fließendes Englisch", sagt der italienische Außenminister Franco Frattini und nahm seinen Kollegen gegen Spott in Schutz.
Als Geheimtipp in den EU-Institutionen gilt seit Wochen ein Internet-Video auf der Plattform YouTube, auf dem der FDP-Chef mit seinem Englisch kämpft. In der großen Runde mit den Staats- und Regierungschefs hat Westerwelle ohnehin kein Handicap. Dort wird traditionell in alle Amtssprachen gedolmetscht.
Der Außenminister selbst betont, wenn er auf einer Pressekonferenz in Berlin darum bitte, dass Deutsch gesprochen werde, solle daraus nicht geschlossen werden, "dass ich des Englischen nicht mächtig bin".
Die Ko-Chefin der europäischen Grünen, Rebecca Harms, schenkt Westerwelle nach seinem Debüt in Brüssel dann aber doch noch Wasser in den Wein. "Er ist als Lehrling Angela Merkels nach Brüssel gekommen", sagt Harms zum Ende des Gipfels. "Wenn er so weiter macht, läuft er Gefahr, in der EU nie wieder etwas zu sagen zu bekommen."
Dass Westerwelle international auch ohne Merkel ...
... eine gute Figur machen kann, ....
... beweist Westerwelle am Samstag in Polen.
Dort trifft er bei seinem ersten internationalen Antrittsbesuch mit seinem polnischen Amtskollegen Radoslaw Sikorski ...
... Polens Präsident Lech Kaczynski zusammen.
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