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Politik

Kampf der Kulturen: Wie der Karikaturen-Streit eskalierte

 
In der muslimischen Welt brennt Dänemarks Flagge. Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" hatte als erste Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. Eine von ihnen zeigt den Propheten Mohammed mit einem Turban in Form einer Bombe.

In der muslimischen Welt brennt Dänemarks Flagge. Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" hatte als erste Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. Eine von ihnen zeigt den Propheten Mohammed mit einem Turban in Form einer Bombe.

Die dänische Flagge wird zum Symbol für einen Streit um Pressefreiheit einerseits, Religionsfreiheit andererseits.

Hat sich an ihr ein Kampf der Kulturen entzündet?

In Hebron verunglimpften Palästinenser eine auf den Boden gemalte dänische Flagge. Sie skandierten: "Wir werden unseren Propheten Mohammed erlösen - mit unserem Blut."

In Gaza-Stadt demolierten rund zwei Dutzend Palästinenser das deutsche Kulturzentrum. Das Gebäude ist nun bis auf weiteres geschlossen und wird scharf bewacht.

In Damaskus zerstörten Demonstranten die Botschaften Dänemarks und Norwegens. Syrien ist ein straff organisierter Polizeistaat, der Protestaktionen nur dann zulässt, wenn sie dem Regime genehm sind.

Konnte oder wollte der syrische Staat die Angriffe nicht verhindern?

Die syrische Regierung distanziert sich von der Protestaktion. Der Minister für islamische religiöse Stiftungen, Ziad al-Din al-Ajubi, hält die Proteste für gerechtfertigt, betont aber: "Es ist nicht unser Recht, beim Protest die Grenzen zu überschreiten, die uns der Islam setzt."

Dänemarks Botschafter, Ole Egbert Mikkelsen, sagte, er habe die syrischen Behörden mehrmals um Schutz gebeten. Dennoch konnten die Demonstranten die Vertretung stürmen und Feuer legen. Verletzt wurde niemand.

Als die Demonstranten von der dänischen zur norwegischen Botschaft zogen, griff die Polizei ein. Es gelang den Demonstranten trotzdem, das Gebäude in Brand zu setzen.

"Das Prinzip diplomatischer Beziehungen ist, dass Diplomaten sicher arbeiten können, und die Tatsache, dass das gebrochen wurde, ist extrem ernst", sagte der norwegische Außenminister Jonas Gahr Störe.

"Soweit ich weiß, ist dies das erstemal überhaupt, dass eine norwegische Botschaft angegriffen wurde", fügte Störe hinzu.

Die Regierungen in Kopenhagen und Oslo forderten alle in Syrien lebenden Dänen und Norweger dazu auf, das Land sofort zu verlassen.

Proteste im Libanon mündeten ebenfalls in Gewalt. Die mehr als 10000 Demonstranten waren auf ihrem Weg zum dänischen Konsulat in Beirut nicht zu stoppen.

Das Konsulat ging in Flammen auf.

Andernorts verliefen die Proteste friedlich. Mehrere Tausend israelische Araber haben in Nazareth demonstriert. Die islamische Bewegung in Israel - der Organisator der Aktion - warnte, wer den Propheten Mohammed beleidige, beleidige alle Muslime.

Der Vorsitzende der Bewegung, Scheich Raid Salah, forderte, Pressefreiheit konstruktiv und verantwortlich zu nutzen.

Im pakistanischen Lahore protestierten rund 500 Islam-Studenten. Ihre Parole war "Nieder mit Dänemark". Das pakistanische Außenministerium in Islamabad lehnt "den Vorwand der Pressefreiheit zur Veröffentlichung der Karikaturen" ab.

Sudanesische Muslime machten ihrem Ärger ebenfalls lautstark Luft.

Hunderte Demonstranten zogen durch Khartum...

...und verbrannten eine dänische Flagge.

Proteste auch in Rabat. Die marokkanische Regierung hatte die Verbreitung des französischen Blattes "France Soir" verboten, ...

...denn auch "France Soir" hatte die Karikaturen nachgedruckt. Die Internet-Seite des Blattes ist daraufhin aus dem World Wide Web verschwunden.

Großbritannien und die US-Regierung bezeichneten die Veröffentlichung der Karikaturen als "beleidigend", verteidigten aber das Recht auf Meinungsfreiheit.

Vor der dänischen Botschaft in London versammelten sich rund 1500 Demonstranten.

Auch in Deutschland lebende Muslime zeigten öffentlich ihre Verärgerung - so zum Beispiel in Leipzig. Bundesaußenminister Steinmeier hat an die Regierungen islamischer Staaten appelliert, auf den Karikaturenstreit mäßigend einzuwirken.

Noch gebe es keinen Kampf der Kulturen, aber der Islam und der Westen seien weiter vom Dialog entfernt als dies angestrebt und wünschenswert sei. Das deutsche Blatt "Die Welt" hatte die Bilder aus der dänischen Zeitung nachgedruckt.

Die arabischen Staaten wollen sich an die Vereinten Nationen wenden, damit "beleidigende Angriffe gegen religiöse Überzeugungen" verboten werde. Die Informationsminister der arabischen Staaten einigten sich außerdem darauf, eine Medienkampagne zu starten.

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