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Erinnern Sie sich noch an Akte X?
"Vertraue niemandem" war das Motto von Special Agent Fox Mulder. An ihm dürften die Fragesteller der Gesellschaft für Konsumforschung wenig Freude gehabt haben.
Die Nürnberger Marktforscher wollten nämlich wissen: Welchen Berufsgruppen und Organisationen vertrauen Sie?
Gefragt wurden über 17.000 Menschen in 16 europäischen Ländern und den USA. Dabei stießen die Forscher zum Teil auf ziemlich große Wahrnehmungsunterschiede.
So sind 38 Prozent der Schweden mit ihren Volksvertretern zufrieden. Ein Traumergebnis im internationalen Vergleich. Im Schnitt sprachen gerade mal 18 Prozent den Politikern ihr Vertrauen aus.
Das ist aber immer noch viel im Vergleich zu Griechenland. Im Land, in dem die Demokratie erfunden wurde, genießen Politiker heute soviel Ansehen wie die Führungselite einer Bananenrepublik: ganze sechs Prozent Zustimmung.
Werbung lügt! Dieser Überzeugung sind zumindest die Franzosen, von denen gerade mal 14 Prozent Werbeleuten trauen.
Dass der Wert in ganz Europa bei immerhin 28 Prozent liegt, dürfte vor allem den Polen zu verdanken sein. 59 Prozent sind hier vertrauensselig.
Überraschend gut kommen auch die Topmanager bei unseren östlichen Nachbarn weg: Stolze 73 Prozent schenken der wirtschaftlichen Elite ihr Vertrauen. Das ist also die Konsequenz aus jahrzehntelanger Planwirtschaft.
Innerhalb Europas liegt der Wert mit 33 Prozent übrigens nicht einmal halb so hoch. Besonders skeptisch gegen "die da oben" ist man in Deutschland, wo die Führungskräfte auf gerade mal 15 Prozent kommen.
Verglichen mit den Wirtschaftsführern kommen Banker bei den Deutschen relativ gut weg: Zwar verübeln sie auch den Bankmitarbeitern die Finanzkrise, allerdings hält sich der Vertrauensverlust mit knapp zwölf Prozent gegenüber 2008 noch in Grenzen. 63 Prozent halten den Bankern weiter die Stange.
In anderen Ländern ist man empfindlicher: Nur noch ein Drittel der Briten hält Banker für vertrauenswürdig, letztes Jahr waren es noch mehr als die Hälfte. Auch Schweden und US-Amerikaner reagierten stark getroffen.
Das größte Ansehen genießen Banker übrigens in der Schweiz, wo jeder entweder selbst in einer Bank arbeitet(e) oder zumindest jemanden dort kennt. Mit 68 Prozent heben die Schweizer den europäischen Schnitt auf immerhin 37 Prozent.
Nur zwei Prozent besser schneiden Marketingleute ab. Von den Franzosen, die sich schon für die Versprechen von Werbeleuten unempfänglich zeigten, traut nicht einmal ein Viertel den Marketingmenschen über den Weg. Besonders vertrauensselig dagegen: die Portugiesen.
In Portugal setzt man offenbar auch noch gewisse Hoffnungen auf die Presse. Journalisten genießen hier das Vertrauen von 66 Prozent der Bevölkerung. Im Länderdurchschnitt sind es nur 41 Prozent.
Um die griechische Presselandschaft scheint es dagegen nicht gut bestellt zu sein: Nur 20 Prozent bauen auf die Wahrheitsliebe der Medienmenschen.
Sie kämpfen für die Rechte der Arbeitnehmer – und sind trotzdem nicht sonderlich beliebt: Gewerkschaftsvertreter. Gerade mal 43 Prozent halten sie für vertrauenswürdig.
Besonders skeptisch sind übrigens die Italiener. Kein Wunder: Die Generalstreiks der dortigen Gewerkschaften sind gefürchtet.
Liegt's an Ally McBeal, Liebling Kreuzberg oder Boston Legal? Die Deutschen mögen Anwälte, und das nicht nur im Fernsehen. Mit einem Vertrauenswert von 73 Prozent liegen die Juristen in Deutschland weit über dem Schnitt von 47 Prozent.
Marktforscher sorgen unter anderem dafür, dass wir so interessante Statistiken wie diese hier lesen können. 83 Prozent der Polen wissen das zu schätzen. Im internationalen Durchschnitt halten nur 55 Prozent diesen Berufszweig für seriös.
Aus gegebenem Anlass unterbrechen diese Bilderserie für eine kleine humoristische Einlage:
Sitzen zwei Beamte zusammen im Büro. "Was hältst du davon, wenn wir uns ein Aquarium kaufen?"
"Meinst Du nicht, das bringt zu viel Hektik ins Büro?"
Nicht lustig? Gut, einen haben wir noch:
Wie geht der Test für den höheren Dienst?
Eine Stunde aus dem Fenster schauen und dabei nicht bemerken, dass die Rolläden unten sind.
Haha, zum Schreien, oder? Bevor Sie uns wegen Zwerchfellverkrümmung verklagen, machen wir lieber weiter im Text. Mit den Beamten natürlich.
Deren Vertrauenswerte sind seit dem letzten Jahr um satte fünf Prozent nach oben geschnellt. So viel Beweglichkeit hätte man den Staatsdienern gar nicht zugetraut.
Wieder mal sind es die Griechen, die die Statistik versauen: Nur 27 Prozent vertrauen dem Beamtenapparat.
Richter sind zwar auch Beamte, dennoch hat sie die GfK gesondert erfasst. Diesmal lohnte sich das kaum: Mit einem durchschnittlichen Vertrauenswert von 57 Prozent unterscheiden sich die Juristen nicht von anderen europäischen Staatsdienern.
Sorgen muss man sich allerdings um das Rechtssystem in Bulgarien machen. Nicht einmal ein Drittel der Bewohner traut den dortigen Richtern. Schon vor dem EU-Beitritt galt die Korruption im Justizwesen als großes Problem – und wie es aussieht, hat sich daran noch nicht viel geändert.
Geben ist seliger als Nehmen. Am liebsten gibt man, wenn man weiß, dass die Spenden bei den vorgesehenen Empfängern ankommen. In Italien ist man da skeptisch: Nur 38 Prozent sprechen Wohltätigkeitsorganisationen ihr Vertrauen aus.
In Polen glaubt man dagegen noch an die Kraft der guten Taten beziehungsweise milden Gaben: 88 Prozent der Befragten halten ihr Geld bei Wohltätigkeitsorganisationen für gut angelegt. In ganz Europa sind nur 60 Prozent dieser Ansicht.
Ist die Polizei nun Freund und Helfer oder nur ein Trachtenverein? Die Deutschen tendieren zu ersterem: Nach weit über 700 Tatortfolgen genießt die Polizei unter 88 Prozent einen tadellosen Ruf. Ein Spitzenwert.
In Westeuropa halten immerhin 76 Prozent der Befragten der Polizei die Stange. Weniger gut sieht es in Osteuropa aus. Am unerfreulichsten ist die Lage in Russland: Nur 37 Prozent der Russen glauben an die Unbestechlichkeit der Ordnungshüter.
Umweltschutzorganisationen retten niedliche Robben, kämpfen für Naturschutzgebiete und gegen neue Kohlekraftwerke – 64 Prozent der Befragten finden das gut. Besonders hohes Ansehen genießen die NGOs in Portugal.
Am wenigsten können die Umweltschützer bei den Italienern punkten. Aber die schaffen es ja nicht mal, ihren Müll zu trennen.
"Gott ist tot", stellte Nietzsche schon vor rund 140 Jahren fest. Seine Vertreter auf Erden machen indes munter weiter und genießen dabei auch große Sympathie - jedenfalls in Rumänien, Polen und Deutschland.
Von den Griechen dagegen spricht gerade mal ein Viertel dem Klerus Vertrauen aus. Vielleicht fürchten die Hellenen ja den Zorn des Zeus.
Auch unter den Franzosen dominieren die Kirchenkritiker mit 64 Prozent. Wir werden die Ketzer in unserem Nachtgebet berücksichtigen.
Was soll man nur davon halten: Das Militär ist weitaus beliebter als die Kirchenvertreter. 81 Prozent der Befragten sprechen ihm das Vertrauen aus. Haben sie noch nie etwas von Tarnen und Täuschen gehört?
Etwas zurückhaltender sind die Polen. Fast die Hälfte traut den Streitkräften nicht über den Weg. Kein Wunder, mit Soldaten hat das Land im letzten Jahrhundert schließlich reichlich schlechte Erfahrungen gesammelt.
Mit einem Vertrauenswert von 81 Prozent liegt das Militär international auf dem dritten Platz – und damit gleichrangig mit den Ärzten.
Nein, nicht DIE Ärzte. Die anderen.
Gute Nachricht für Zahntouristen: In Spanien, Portugal und Tschechien scheinen die Mediziner besonders gute Arbeit zu machen. Darauf lässt zumindest der Vertrauenswert von 92 Prozent schließen.
In Griechenland dagegen wurde zwar der hippokratische Eid erfunden, 34 Prozent der Griechen sind sich aber nicht so sicher, dass sich ihre Doktoren auch daran halten.
Die Deutschen stehen dagegen zu ihren Halbgöttern in Weiß. In der nationalen Vertrauensstatistik erreichen die Ärzte mit 89 Prozent den zweiten Platz.
Kennen Sie das noch? "Ich bin die Christel von der Post; klein das Salär und schmal die Kost."
Da mag es trösten, dass wenigstens das Image gut ist. Postangestellte genießen bei 81 Prozent der Befragten Vertrauen. In der Schweiz sind es sogar 95 Prozent.
Lehrer arbeiten halbtags, haben unverschämt viele Ferien und sind dennoch heillos überfordert – soviel zu den billigen Klischees. Die Wirklichkeit sieht natürlich anders aus, und das wissen die meisten auch.
Dennoch überrascht es etwas, die Lehrer im Vertrauensranking auf dem zweiten Platz vorzufinden. 85 Prozent der Befragten sehen die Kinder bei ihnen in guter Obhut.
Am misstrauischsten sind mal wieder – na wer wohl: die Griechen. Doch auch bei ihnen kommen die Pädagogen auf 71 Prozent.
Und nun: Vorhang auf für den Sieger! Die absoluten Sympathieträger, die Günther Jauchs der Berufswelt …
… sind die Feuerwehrleute!
Wer Brände löscht und verirrte Katzen von Bäumen rettet, kann kein schlechter Mensch sein – dieser Ansicht sind zumindest 92 Prozent der Befragten.
Nur bei den Polen fällt die Zustimmung mit 72 Prozent deutlich geringer aus. Den großen Misstrauens-Sonderpreis können sie damit aber nicht einheimsen.
Der Fox-Mulder-Gedächtnispokal für besonders skeptisches Staatsbürgertum geht an die Griechen. Herzlichen Glückwunsch, liebe Griechen, in sieben von 20 Fällen den höchsten Misstrauenswert aufzuweisen, das ist schon beachtlich.
Unseren nächsten Urlaub werden wir dann aber wohl lieber in einem vertrauenserweckenderen Land verbringen. (Text: Isabell Noé)
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