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Reise

Spinnen, Sonnen, Rutschen: Tate Modern in London

 
Spinnen, Sonnen, Rutschen: Tate Modern in London

Nichts für Arachnophobiker: ...

Es begann mit einer Riesenspinne.

Später sonnten sich Besucher auf dem Fußboden ...

... und rutschten eine Megarutsche herunter.

Dann tapsten sie in einer dunklen Box herum.

In den ersten zehn Jahren, zwischen Mai 2000 und Mai 2010, strömten mehr als 30 Millionen Besucher ...

... in die Tate Modern in London.

Ist es die Turbinenhalle mit ihren spektakulären Installationen, ...

... die Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst ...

... oder einfach das Gebäude und der Ausblick auf die St.-Paul-Kathedrale, die dieses Museum zu einem der bekanntesten der Welt gemacht haben?

Das Gebäude, ein altes Kraftwerk, ist in der Tat atemberaubend. Der Architekt Giles Gilbert Scott, Designer der typischen roten Telefonhäuschen, plante den Backsteinkoloss in den 1940er Jahren am Südufer der Themse ...

... gegenüber von St. Paul's. Die "Kathedrale der Energie" sollte zwar mächtig sein, doch der Schornstein war mit 99 Metern bewusst 15 Meter niedriger als die Kuppel der Kirche.

Die Geschichte der Tate ist auch eine der Wandlung Londons. Als das Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron (die auch die Elbphilharmonie in Hamburg entworfen haben) ...

... in den 1990er Jahren begann, die leerstehende "Bankside Power Station" zu einem Museum zu verwandeln, veränderte sich auch das Stadtbild.

Mit der Eröffnung des Museums am 12. Mai 2000 wurde der Bezirk Southwark vom Gammelviertel zum Szenebezirk.

Plötzlich konnte man wieder südlich der Themse wohnen. Es sind gläserne Appartements entstanden, die sich nur noch Reiche leisten können.

Auf der Millennium-Brücke von Architekt Norman Foster, die zeitgleich entstand, laufen heute Massen von Nord nach Süd und umgekehrt.

Auch für die Kunst war die Eröffnung ein Meilenstein. London hatte zwar mit der National Gallery oder der Tate Britain (im Bild) - der "Mutter" der Tate Modern - hochkarätige Kunstmuseen.

Ein eigenes Museum für moderne und zeitgenössische Kunst gab es aber, anders als in Paris oder New York, nicht. (Werke von Daniel Richter und Jeff Koons in der Tate Modern, September 2009).

Die Sammlung beginnt 1900 und reicht bis heute.

Die Werke - darunter einige von Matisse, Picasso, Dalí (im Bild), ...

... Rothko (im Bild) und Beuys - sind nicht chronologisch geordnet, sondern thematisch. Das liegt zum einen daran, dass die Sammlung anders als im Museum of Modern Art in New York lückenhaft ist - eine chronologische Ordnung würde den Mangel offenlegen. Andererseits wurde so ein neues Konzept ausprobiert.

Die Besucher würdigen es. War man zunächst davon ausgegangen, dass pro Jahr rund zwei Millionen Menschen kommen, sind es nun fast fünf Millionen.

Ein Grund dafür sind sicher die spektakulären Installationen in der Turbinenhalle.

"Man kann nicht so tun, als sei das ein normaler Raum", sagt der deutsche Künstler Carsten Höller, der 2006 im Rahmen der sogenannten Unilever Series eine Riesenrutsche (im Bild) baute.

Bei den meisten Werken ist das Publikum eingebunden, so bei Olafur Eliassons "Weather Project", für das eine künstliche Nebelsonne schien, ...

... oder bei Miroslaw Balkas begehbarer Riesenbox, in der nichts herrschte außer Dunkelheit.

Für die Zukunft will sich die Tate aber vor allem mit einer Vergrößerung rüsten. Geplant ist ein riesiger pyramidenähnlicher Anbau, auch sollen die Öltanks des Kraftwerks umgebaut werden.

60 Prozent Ausstellungsfläche sollen hinzukommen. Beauftragt ist wieder Herzog & de Meuron. (Computergrafik des Entwurfs von Herzog & de Meuron)

Finanznot plagt allerdings auch hier: Eigentlich sollte "Tate Modern 2" zu den Olympischen Spielen 2012 in London fertig sein. Doch ob das gesamte Projekt bis dahin steht, ist ungewiss. (Text: Andrea Beu, mit dpa)

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