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Montag, 12. Juni 2017

One Year on a Bike: Von Amsterdam nach Singapur

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Das Fahrrad bringt Menschen und Lasten von A nach B … (Foto: imago/Stefan Zeitz)

Das Fahrrad bringt Menschen und Lasten von A nach B …

Das Fahrrad bringt Menschen und Lasten von A nach B …

… und manchmal bringt es den Fahrer auch näher zu sich selbst.

So eine Geschichte erzählt Martin Doolaard in "One Year on a Bike".

Im Jahr 2010 macht der Niederländer den ersten Schritt, um die Kontrolle über sein Leben zurückgewinnen. Er wirft seinen Job in einer Designagentur hin und macht sich selbständig. Er beginnt zu Reisen.

Er macht Städtetrips, aber es sind vor allem die wilden, weiten Landschaften Norwegens und Islands, die ihn in ihren Bann ziehen. Länger als vier Wochen ist er aber nie weg aus Amsterdam.

Als er in Barcelona auf einem Leihrad unterwegs ist, denkt er zum ersten Mal darüber nach, wie es wäre, einfach nicht zurückzukommen. Nicht nach Hause, nicht wieder dem üblichen Rhythmus aus Arbeit, Essen, Schlafengehen verfallen. Sich immer weiter bewegen, nie zurück.

Aus der Idee wird ein Plan: Ein Jahr will sich Doolaard geben. In diesem Jahr will er immer nach Osten fahren, per Fahrrad. Von Amsterdam in Richtung China. Das nötige Geld spart er in einigen arbeitsreichen Monaten zusammen.

Er trifft Vorbereitungen, informiert sich, besorgt sich die nötige Ausrüstung. Die Niederlande sind zwar eine Fahrradnation, doch bislang war Doolaard kein passionierter Radler. Nach einigen Recherchen fällt seine Wahl auf ein Surly Long Haul Trucker aus Stahl. Das Rad ist robust, die Technik erprobt. Zur Not sollen überall auf der Welt Reparaturen möglich sein. Den Rennlenker tauscht er gegen ein gerades Modell aus.

Das Gepäck: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Keine spezifische Radkleidung, bis auf die gepolsterte Hose. Zelt und Campingmatratze. iPhone, MacBookPro, Panasonic-Kamera - Technik musste mit, allein schon, um die Reise zu dokumentieren. Mit vollen Packtaschen und inklusive Reiseverpflegung kommt das Rad auf immerhin 60 Kilo.

Dass das nicht wenig ist, bekommt Doorlaard zum ersten Mal in den deutschen Mittelgebirgen zu spüren. Nach den Flachetappen in Holland geht es jetzt nur zäh voran, die immergleiche Landschaft beginnt zu nerven. Die bisher zurückgelegten 700 Kilometer - ein Witz! Nach China sind es noch fast 16.000. Die erste Krise, Zweifel. Doch er macht weiter.

In den Niederlanden ist wildes Camping verboten. Doolaard muss sich erst an die Möglichkeit gewöhnen, überall sein Zelt aufzuschlagen. Nach einigen Nächten sinkt die Hemmschwelle. Der Reisende campiert einfach dort, wo es ihm gefällt, im Wald...

... oder auf dem offenen Feld. Am nächsten Morgen geht es weiter und niemand weiß, dass er da war.

Doorlaard schafft etwa 80 Kilometer am Tag.

Wenn es ihm an einem Ort gefällt, bleibt er auch eine Weile.

Nicht nur die Landschaften verändern sich, sondern auch die Menschen und ihre Lebensweisen. Wird er in Rumänien noch von wütenden Hofhunden in die Flucht getrieben, ...

... schlägt ihm in der Türkei und im Iran überschwängliche Gastfreundschaft entgegen.

Doorlaard nimmt sich die Zeit, alles zu dokumentieren. Es entstehen Bilder von teils berauschender Schönheit. Sie sind natürlich nachbearbeitet, oft mit Filtern verfremdet. Instagram-Ästhetik. Dorlaard ist Designer, kein Reporter.

Doch egal, ob der Fotograf die Königsstadt Bagan in Myanmar, ...

... türkische Steppenlandschaften oder die Slums von Kalkutta festhält: Seine Bilder lassen den Betrachter auf keinen Fall kalt.

Vielleicht ist "One Year on a Bike" ein Coffeetable-Book. Aber wer es durchblättert, muss damit rechnen, dass es im heimischen Sofa zu eng wird. Die Reiselust ist ansteckend. One Year on a Bike ist im Gestalten Verlag erschienen und kostet 39,90 Euro.

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