Bilderserie
Freitag, 08. Juli 2016

Bitterer EM-K.o. gegen Frankreich: DFB-Elf scheitert an Tragik, Pech & Slapstick

Bild 1 von 58
Es bleibt dabei: Deutschland kann einfach nicht Fußball-Europameister werden. (Foto: imago/ActionPictures)

Es bleibt dabei: Deutschland kann einfach nicht Fußball-Europameister werden.

Es bleibt dabei: Deutschland kann einfach nicht Fußball-Europameister werden.

Zumindest dann nicht, wenn der Bundestrainer Joachim Löw heißt.

Und erst recht nicht, wenn die DFB-Elf als Weltmeister ins Turnier startet.

Anders als 1976 und 1992 platzte der Traum vom Titel-Double diesmal aber nicht im Finale, sondern schon eine Runde zuvor.

Doppeltorschütze Antoine Griezmann (Nr. 7) und seine Franzosen ...

... schossen Löws Weltmeister in einem kuriosen Halbfinale aus dem Turnier.

Kurios deshalb, ...

... weil die Franzosen erst furios begannen.

Sie begannen extrem engagiert und druckvoll ...

… und hatten durch eben jenen Griezmann schon nach sieben Minuten die erste Großchance, ...

… ehe Griezmann und Co. plötzlich furios abbauten.

Und kurios war das Spiel auch auch deshalb, weil Deutschland trotz der Ausfälle von Mats Hummels, Mario Gomez und Sami Khedira nach wackligem Start dominierte, …

… Chancen hatte, …

... in Person von Toni Kroos einen Elfmeter hätte zugesprochen bekommen können ...

… und bei den wenigen französischen Kontern Monstergrätschen in Person von Hummels-Ersatz Benedikt Höwedes ...

... auspackte.

Und dann aus dem Nichts eine der kuriosesten Szenen des Turniers produzierte und einen der tragischsten Helden.

DFB-Kapitän Bastian Schweinsteiger.

Bis dahin schon unheimlich präsent im deutschen Spiel, rückte der …

… nach der Viertelfinalschlacht gegen Italien von den DFB-Medizinmännern in Dauerschichten wieder zusammengeflickte Schweinsteiger nach einem Eckball in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit endgültig ins Rampenlicht.

Kampfeslustig und unerschrocken warf sich der mit 38 WM- und EM-Spielen ab sofort alleinige Rekordhalter ins Kopfballduell mit dem Franzosen Patrice Evra, ...

... … wie er sich zuvor schon in Gegner und ...

... gegnerische Passwege geworfen hatte.

Doch dummerweise tat er es diesmal mit hoch erhobener Hand und diese Hand traf den Ball, im Strafraum, ...

... was der italienische Schiedsrichter Nicola Rizzoli nach Rücksprache mit seinem Assistenten ahndete.

Und das trotz deutschen Entsetzens "absolut korrekt", wie die n-tv.de Schiedsrichterexperten "Collinas Erben" urteilten, da "Schweinsteiger seine Arme in eine unnatürliche Höhe gebracht und zudem seine Körperfläche vergrößert hatte".

Hieß: Handelfmeter für Frankreich und die Chance für Antoine Griezmann, das Spielgeschehen auf den Kopf zu stellen.

Und er stellte es auf den Kopf.

DFB-Keeper Manuel Neuer war beim fünften Turniertor des Franzosen chancenlos.

Fast alles richtig gemacht und trotzdem 0:1 in Rückstand. Mit diesem ernüchterndem Zwischenstand ging es für die konsternierte DFB-Elf in die Pause, erstmals bei diesem Turnier lag sie in Rückstand.

Doch ein Aufbäumen blieb nach dem Seitenwechsel zunächst aus. Stattdessen drängte die französische Offensive um Griezmann sowie Dimitri Payet und Olivier Giroud auf das 2:0.

Das fiel schließlich auch.

Aber erst, nachdem Abwehrchef Jérôme Boateng in der 61. Minute verletzt ausgewechselt worden war.

Er verletzte sich, als er einen langen Ball nach vorne schlug. Schon auf dem Weg zur Bank musste er gestützt werden. Am Spielfeldrand wurde er noch am lädierten rechten Oberschenkel behandelt - doch es nützte nichts.

Für Boateng kam Shkodran Mustafi und wurde wenige Minuten später Teil einer deutschen Abwehrfehlerkette, ...

... die trotz phasenweise phänomenalen Luftstands auf bizarre Weise das 0:2 verschuldete, das einzige Turniergegentor aus dem Spiel heraus.

Erst brachte Höwedes seinen Abwehrkollegen Joshua Kimmich mit einem Querpass im eigenen Strafraum in Bedrängnis.

Der verlor daraufhin den Ball an Paul Pogba, der an der Strafraumkante einen Knoten in Mustafis Beine spielte ...

... und ungehindert Richtung Tor flankte.

Und als wäre das nicht schon genug Slapstick, fäustelte dann auch noch der unfehlbare Manuel Neuer den Ball mit der Kraft eines Kleinkindes ...

... direkt vor die Füße von Griezmann. Der schob locker ins leere Tor ein ...

... zum 2:0 nach 72 Minuten.

Es war Pech, es war Slapstick, es war Unvermögen.

Die Entscheidung war es noch nicht, denn Deutschland warf noch einmal alles nach vorne. Kimmich, eben noch Unglücksrabe, schoss aus 17 Metern ...

... und blieb ein Unglücksrabe, der Ball ging nur an den Pfosten (74.).

Draxler setzte einen Freistoß nur ganz knapp neben das französische Tor (76.).

Löw reagierte, stärkte die Offensive.

Leroy Sané kam für Schweinsteiger (79.) und zu seinem Turnierdebüt.

Und erlebt auf dem Platz mit, wie auch Mustafi (80.) und Höwedes (82.) den Ball bei besten Chancen nicht aufs Tor brachten.

Und wenn er doch einmal platziert genug kam, wie in der 92. Minute ein Kopfball von Kimmich, ...

... dann packte Frankreichs Keeper Hugo Lloris eine Monsterparade aus.

"Wir hatten nicht das notwendige Glück", lautete nach dem Abpfiff das Fazit des ernüchterten Bundestrainers Joachim Löw, ...

... der mit seinem Team wie 2012 im EM-Halbfinale scheiterte.

Trotzdem beharrte er darauf: "Ich kann der Mannschaft nur ein Kompliment aussprechen, wir waren die bessere Mannschaft."

Was Frankreichs Coach Didier Deschamps von dieser Einschätzung hielt? Unbekannt.

Mehr als kritische Worte vom geschlagenen Trainerkollegen dürfte ihn interessieren, dass er mit seinem Team im Finale gegen sehr schlagbar scheinende Portugiesen steht ...

... und dort wie schon bei den Heimturnieren 1984 (EM) und 1998 (WM) erneut nach dem Titel greift.

Denn dabei, dass Frankreich in Pflichtspielen nicht gegen Deutschland gewinnen kann, ist es an diesem kuriosen Fußballabend in Paris nicht geblieben.

weitere Bilderserien