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Sonntag, 29. September 2013

Die Bundesliga in Wort und Witz: "Das hat mit der Birne zu tun"

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TSG Hoffenheim - FC Schalke 04 3:3 (1:3) (Foto: imago sportfotodienst)

TSG Hoffenheim - FC Schalke 04 3:3 (1:3)

TSG Hoffenheim - FC Schalke 04 3:3 (1:3)

Was war das ein Spektakel, und was waren die Gesichter der Schalker lang nach dem Spiel. "Wir führen 3:1, dann wieder ein bisschen Hacke hier, ein bisschen Hacke da", fluchte Kevin-Prince Boateng.

Trainer Jens Keller weiß, wo die Probleme liegen. "Hören Sie mir auf mit der Scheiß-Mentalitätsfrage. Wir haben individuell wahnsinnige Fehler gemacht, das hat aber nichts mit der Mentalität zu tun. Das hat bei dem ein oder anderen mit der Birne zu tun."

Vielleicht hatten die Schalker ja auch was im Pausentee, oder wie sollen wir Horst Heldt verstehen? "In der zweiten Halbzeit waren viele teilweise nicht bei Sinnen."

Der S04-Sportdirektor denkt jedenfalls schon über Konsequenzen nach: "Darüber tauscht man sich aus, und irgendwann tauscht man dann aus."

Für die Hoffenheimer stand das Spiel ganz im Zeichen von Boris Vukcevic, der vor einem Jahr bei einem Autounfall schwer verletzt wurde. Er meidet noch die Öffentlichkeit, hat das Match aber vor dem Fernseher verfolgt. "Ich glaube, dass Boris das Spiel genossen hat", sagte Kapitän Andreas Beck.

Angesichts des fast absurden Torverhältnisses von 18:18 denkt TSG-Trainer Markus Gisdol über neue Einnahmemöglichkeiten nach: "Wir müssen für unsere Spiele bald einen Erlebniszuschlag erheben."

Borussia Dortmund - SC Freiburg 5:0 (2:0)

Freiburgs Trainer Christian Streich wünschte sich für 90 Minuten in einen anderen Job: "Wenn ich nicht Trainer in Freiburg wäre, hätte mir das Zuschauen Spaß gemacht. So war es einfach nur schrecklich."

Spaß gemacht hat die Demontage zumindest den BVB-Stars. Marco Reus erklärt das Erfolgsgeheimnis der Mannschaft: "Wir wollen immer mehr, geben uns mit dem 2:0 oder 3:0 nicht zufrieden. Das zeichnet uns aus. Und wir haben Spaß dabei."

Trainer Jürgen Klopp denkt schon an das Champions-League-Heimspiel gegen Marseille, bei dem er gesperrt ist: "Ich darf mit der Mannschaft ins Stadion fahren, dann muss ich mich von ihr trennen. Ungewohnt wird das sein. Zeljko [Co-Trainer Buvac] und ich arbeiten eh meistens telepathisch zusammen, da brauchen wir keine Leitung darüber hinaus."

Bayern München - VfL Wolfsburg 1:0 (0:0)

"Ich habe viele Freunde wiedergesehen. Es war ein sehr schöner Tag. Aber leider haben wir keine Punkte geholt." Luiz Gustavo zieht ein gemischtes Fazit über seine Rückkehr nach München.

Bei Torschütze Thomas Müller hinterließ das intensive Spiel Spuren. Mit Manchester City mochte er sich nicht befassen: "In weiter Ferne freue ich mich drauf. Jetzt ist erst mal durchatmen. Ein Spruch fällt mir grad leider nicht ein, bin kaputt."

Das vorherrschende Thema in der Mixed Zone war allerdings eine Tätlichkeit von Bastian Schweinsteiger gegen Diego. Der hatte den Bayern-Star seinerseits kurz zuvor heftig gefoult (im Bild), Schweinsteiger revanchierte sich mit einem Schlag. "Das ist Rot!", schimpfte VfL-Stürmer Ivica Olic.

"Das war Dunkelgelb. Und Basti weiß, dass das nicht in Ordnung war", kritisierte VfL-Trainer Dieter Hecking.

Hecking suchte nach den positiven Seiten der Niederlage: "Wir haben es Gott sei dank geschafft, das Spiel Elf gegen Elf zu Ende zu bringen. Da sieht man, dass die Mannschaft das auch kann."

Bayer Leverkusen - Hannover 96 2:0 (2:0)

Leverkusen siegt weiter in Ruhe vor sich hin. Trainer Sami Hyypiä personifiziert die Unaufgeregtheit beim Tabellendritten. "Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal auf die Tabelle geschaut habe und kenne die Situation nicht so genau."

Torschützenkönig Stefan Kießling blieb das erste Mal seit April in einem Heimspiel ohne Tor. Die Tür zur Nationalelf ist nicht zu, meint Sportdirektor Rudi Völler: "Einerseits nervt das Thema, andererseits ist es ein schönes, weil es bedeutet, dass Stefan in einer sehr, sehr guten Verfassung ist. Ich muss Stefan nicht überreden", sagte der ehemalige DFB-Teamchef.

Gäste-Trainer Mirko Slomka erkannte die Überlegenheit von Bayer 04 an, will aber trotz der dritten Niederlage im dritten Auswärtsspiel nicht die Waffen strecken: "Wir probieren es im nächsten Spiel wieder."

Hertha BSC Berlin - FSV Mainz 05 3:1 (0:1)

"Es war schon Frust dabei, den wir uns von der Seele geballert haben", gestand Herthas Änis Ben-Hatira. Das Pokal-Aus gegen Zweitligist Kaiserslautern hatte unter der Woche für arge Verstimmungen gesorgt.

Der sonst so besonnene Jos Luhukay ließ durchblicken, wie sehr ihn die Kritik an seiner Rotation gegen Lautern getroffen hat: "Ich bin kein Trainer, der ohne Strategie entscheidet, das war total gut überlegt." Irgendwann wollte der Niederländer aber nicht mehr meckern: "Langsam muss ich mich beruhigen und den Sieg genießen."

Mit Doppeltorschütze Sami Allagui wechselte Luhukay den Sieg ein. Der Tunesier könnte sich mit Kurzeinsätzen anfreunden: "Wenn wir jedes Spiel gewinnen, kann ich mit der Jokerrolle leben."

Streit gab es mit den Fans. Die hatten ihr Team mit Pfiffen in der Halbzeit verabschiedet. Die Spieler bedankten sich nach dem Spiel nur zaghaft, Kapitän Lustenberger sprach mit der Kurve, wollte aber nicht verraten, was er gesagt hatte: "Das bleibt zwischen den Fans und uns."

Eintracht Frankfurt - Hamburger SV 2:2 (1:1)

Für Bert van Marwijk war es ein durchaus gelungenes Debüt auf der HSV-Bank. "Wir haben unter der Woche noch über unsere Situation gesprochen: Ein Platz im Tabellenkeller, die meisten Gegentore in der Liga, eine verunsicherte Mannschaft. Das war natürlich schwierig und das wussten wir auch. Wenn man dann auf das Spiel und unsere Leistung schaut, muss man sehr zufrieden sein."

Einer seiner großen Fürsprecher ist Kapitän und Landsmann Rafael van der Vaart: "Er hat viel mit uns gesprochen und uns mental gestärkt. Wir hatten keine Angst, Fußball zu spielen."

Aber: kein Wochenende ohne Ärger beim HSV. Sportdirektor Kreuzer (links) wetterte gegen den vorlauten Investor Kühne: "Er hat nicht nur meine Person beschädigt, sondern auch den ganzen Verein. Er hat Thorsten Fink als schlechten Trainer bezeichnet. Dieses Verhalten, über die Öffentlichkeit zu gehen, ist absolut inakzeptabel."

Eintracht-Trainer Armin Veh war nach dem Spiel gar nicht mehr so gut gelaunt: "Wir sind natürlich sehr enttäuscht. Ich kann mich an keine HSV-Chance aus dem Spiel heraus erinnern", sagte der ehemalige HSV-Coach.

FC Augsburg - Borussia Mönchengladbach 2:2 (1:1)

Schon wieder kein Auswärtssieg für die Borussia, was Torschütze Max Kruse (2. v.l.) auf die Palme brachte: "Wenn du 2:1 führst, musst du das Ding mitnehmen. Wenn du da hinwillst, wo wir hinwollen, musst du solche Spiele gewinnen."

"Zufrieden bin ich nicht", sagte Trainer Kruses Trainer Lucien Favre. "Du musst den Ball besser beherrschen. Wir hatten zu viele Ballverluste, zu viele falsche Bälle. Wir müssen den Ball mehr zirkulieren lassen, effizienter spielen."

Sein Augsburger Kollege Markus Weinzierl sieht seine Mannschaft gereift: "So ein Spiel hätten wir vor einem Jahr vielleicht noch 1:3 verloren."

Zur Belohnung lässt Sportdirektor Stefan Reuter einen "dezenten" Besuch auf dem Oktoberfest zu: "Wenn es zur Regeneration beiträgt ... Es gibt ja auch alkoholfreie Maß."

Werder Bremen - 1. FC Nürnberg 3:3 (2:1)

Doppeltorschütze Elia war trotz seiner Treffer betrübt: "Nach dem 2:0 haben wir aufgehört Fußball zu spielen. Dann passiert so was. Das ist schade."

Trainer Kevin Dutt wollte seinem Team keinen Vorwurf machen, obwohl es zwei Führungen verspielt hatte: "Das gehört zu einem Lernprozess dazu."

Der durchaus vorhandenen Siegchance trauerten die Nürnberger hinterher, "In der ersten Halbzeit waren wir nicht gut, da haben wir zwei Tore hergegeben. In der zweiten Halbzeit waren wir besser. Ohne den Sonntagsschuss gehen wir als Sieger vom Platz", sagte FCN-Coach Michael Wiesinger.

Eintracht Braunschweig - VfB Stuttgart 0:4 (0:1)

Ach, Braunschweig. Was soll Trainer Torsten Lieberknecht noch sagen? "Ich bin keiner, der wegläuft. Aber ich kann verstehen, wenn Fans und Verantwortliche sich Gedanken machen." Als Rücktrittsangebot wollte der Trainer diese Bemerkung aber nicht verstanden wissen: "So war das nicht gemeint."

Stürmer Dominik Kumbela, weiter ohne Tor in dieser Saison, war untröstlich: "Mir tut es für unsere Fans leid, wir haben alles versucht, aber schaffen es einfach nicht, das erste Tor zu machen. Der VfB ist schließlich keine Blindentruppe."

Die Fans zeigten sich übrigens vorbildlich und feuerten ihren Verein das ganze Spiel über an - nach dem 0:3 sogar mit "You'll never walk alone".

Stuttgart sparte weder an Toren noch an Lob für den Aufsteiger: "Das 4:0 hört sich deutlich an. Aber Braunschweig hat es uns sehr schwer gemacht in der ersten Halbzeit. Die Führung durch eine Standardsituation hat uns viel Selbstvertrauen gegeben. In der zweiten Halbzeit haben wir den Ball besser laufen lassen, da hat man dann den Unterschied gesehen", meinte Sportvorstand Fredi Bobic.

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