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Sonntag, 13. August 2017

Bolt - von Kingston bis London: Der "Goldjunge" der Leichtathletik tritt ab

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Es sind dramatische Bilder, mit denen sich Usain Bolt von der Leichtathletik-Weltbühne verabschiedet: ... (Foto: REUTERS)

Es sind dramatische Bilder, mit denen sich Usain Bolt von der Leichtathletik-Weltbühne verabschiedet: ...

Es sind dramatische Bilder, mit denen sich Usain Bolt von der Leichtathletik-Weltbühne verabschiedet: ...

... Nach knapp 50 Metern erleidet die Sprint-Legende während der 4x100-Meter-Staffel bei den Weltmeisterschaften in London einen Muskelkrampf ...

... und stürzt hart auf den Londoner Stadionboden. Ein Raunen geht durch die Menge, ...

... und der Jamaikaner kann der Konkurrenz nur noch mit schmerzerfülltem Blick hinterherschauen.

Auch wenn der "Goldjunge" aus Kingston sein letztes Rennen wohl lieber mit einer Goldmedaille um den Hals als mit den tröstenden Worten seiner Teamkameraden im Ohr beendet hätte, ...

... die Erinnerung an eine absolut legendäre Karriere kann Usain Bolt niemand mehr nehmen - auch nicht die schmerzhafte Niederlage über 100 Meter gegen "Bad Boy" Justin Gatlin. Aber von vorn: ...

Wir schreiben den 19. Juli 2002, in Kingston findet die Junioren-WM statt - und wer nicht gerade Jamaikaner oder ein absoluter Leichtathletik-Nerd ist, rätselt: Wer in aller Welt ist dieser schlaksige Bengel, der sich da im Nationalstadion keck der durch die Bank drei Jahre älteren Konkurrenz entgegenstellt?

20,61 Sekunden später ist die Welt schlauer. Gestatten, Usain Bolt!

Im Alter von 15 Jahren und 322 Tagen wird er über 200 Meter zum bis dahin jüngsten Junioren-Weltmeister. Unfassbares Talent hat der Knabe, der Feinschliff wird noch ein halbes Jahrzehnt dauern.

11. August 2005, Helsinki, Weltmeisterschaften: Nicht alles läuft rund in der Karriere des jungen Usain Bolt. Bei seiner Olympia-Premiere scheitert er 2004 in Athen im Vorlauf über 200 m.

Ein Jahr später erreicht Bolt bei seiner ersten WM das Finale über die halbe Stadionrunde, verletzt sich dabei aber und humpelt als Letzter ins Ziel.

30. August 2007, Osaka, Weltmeisterschaften: Zwei Jahre nach dem bitteren Finale von Helsinki ist Bolt weiter gereift. Nach wie vor lässt ihn Trainer Glen Mills aber fast ausschließlich die 200 m laufen - zu unfertig erscheint ihm Bolts Laufstil für die brachialen 100.

In Osaka sprintet er in 19,91 Sekunden hinter Tyson Gay (19,76) zu Silber. Es soll bis heute Bolts einzige Niederlage in einem großen Finale bleiben - das Fehlstart-Drama von Daegu vier Jahre später einmal ausgeklammert.

31. Mai 2008, New York, Grand-Prix-Meeting: Glen Mills hat ein Einsehen und lässt seinen Schützling auf die 100 m los.

Vier Rennen benötigt Bolt, dann ist er in Nummer fünf reif für den Weltrekord. In New York City bleibt Bolt in 9,72 Sekunden zwei Hundertstel unter der Marke seines Landsmannes Asafa Powell.

Der zweitplatzierte Weltmeister Tyson Gay staunt Bauklötze: "Es sah für mich so aus, als seien seine Knie auf meiner Kopfhöhe."

16. August 2008, Peking, Olympische Spiele: Das 100-m-Finale in Peking ist das Rennen, das Bolt zur Legende macht: Wie er dem Feld voranfliegt, mit offenem Schnürsenkel, schon zehn Meter vor der Ziellinie jubelnd entschleunigt und am Ende in 9,69 Sekunden dennoch ein Weltrekord steht.

Es ist die Geburt eines Außerirdischen, der vier Tage später über 200 m in 19,30 Sekunden auch der zwölf Jahre alten Fabel-Marke von Michael Johnson den Garaus macht.

16. August 2009, Berlin, Weltmeisterschaften: Auf dem Höhepunkt seines Schaffens lacht Bolt all jenen ins Gesicht, die ihm mit menschlichen Grenzen kommen.

Dass jemand aus Fleisch und Blut jemals die 100 m in 9,58 Sekunden sprinten könnte, liegt bis zu jenem Sommerabend in Berlin außerhalb jeder Vorstellungskraft.

Dass Bolt 96 Stunden später auch über 200 m in 19,19 Sekunden alle Dimensionen sprengen wird, ist fast schon folgerichtig.

Einen Tag vor seinem 22. Geburtstag ist er der Allergrößte.

Was er nicht ahnt: Seinem damaligen Leistungsniveau wird er bis ans Karriereende verzweifelt hinterherlaufen, bis heute und wohl auch für viele weitere Jahre sind die Marken von Berlin in Stein gemeißelt.

28. August 2011, Daegu, Weltmeisterschaften: Gold liegt an der Ziellinie parat, Bolt muss nur 100 m weit hinjoggen und es aufgreifen. Denkt man.

Doch an jenem denkwürdigen Abend schafft es der schnellste Mann der Welt nicht einmal über die Startlinie. Vor dem Startschuss des Finales zuckt Landsmann Yohan Blake, Bolt geht einen Hauch zu früh aus den Startlöchern und wird disqualifiziert.

80.000 in Entsetzen vereinte Zuschauer sind mucksmäuschenstill. Bolt darf sich immerhin mit den Titeln über 200 m und in der Staffel trösten.

5. August 2012, London, Olympische Spiele: London liebt Bolt und erdrückt ihn fast mit Zuneigung: ...

... Das Olympiastadion ist fest in der Hand des Jamaikaners, das 100-m-Finale an der Themse wird das wohl populärste Ereignis der olympischen Geschichte - weltweit verfolgen geschätzte zwei Milliarden Menschen das Rennen.

Bolt läuft in 9,63 Sekunden zum Olympischen Rekord, aus dem Superstar ist ein globaler Megastar geworden.

11. August 2013, Moskau, Weltmeisterschaften: Bolt ist nicht mehr so entrückt wie in den Jahren zuvor. In 9,77 Sekunden holt er sich zwar seinen zweiten WM-Titel über 100 m, die Konkurrenz in Form seines künftigen Dauerrivalen Justin Gatlin (9,85) ist aber recht nahe dran.

Über 200 Meter gewinnt in der Weltjahresbestleistung von 19,66 Sekunden vor seinem Mannschaftskollegen Warren Weir. Auch mit der Staffel triumphiert er, ebenfalls in Weltjahresbestleistung von 37,36 Sekunden gemeinsam mit Nesta Carter, Kemar Bailey-Cole und Nickel Ashmeade.

23. August 2015, Weltmeisterschaften: Die späte Schaffensphase des Usain Bolt gestaltet sich mühsam. Er selbst läuft seinen besten Zeiten hinterher, es reicht aber immer noch, um die Nummer eins zu sein.

In Peking wackelt der Mythos: Bolt, von Wehwehchen und Zweifeln geplagt, hat eine miese Saison hinter sich, Kontrahent Gatlin wittert seine Chance.

Der Nimbus wackelt im Vogelnest, aber er hält: ...

... Mit einer Hundertstelsekunde Vorsprung gewinnt Bolt das 100-m-Finale. Es ist der schwerste Sieg seiner Karriere.

Über 200 Meter gibt's das gleiche Duell, das Bolt aber diesmal deutlich für sich entscheidet. Mit 19,55 Sekunden schlägt er Gatlin um fast zwei Zehntelsekunden.

Das erneute Triple gelingt ihm zum Abschluss mit der Staffel. Als Schlussläufer nach Nesta Carter, Asafa Powell und Nickel Ashmeade holt er seine elfte Goldmedaille und den vierten WM-Sieg in Folge für die jamaikanische Staffel.

14. August 2016, Rio de Janeiro, Olympische Spiele: Auch im langsamsten Finale seiner Karriere ist Bolt noch schnell genug, um Geschichte zu schreiben.

Als Erster holt er in 9,81 Sekunden das dritte 100-Meter-Gold.

Daraus wird in den folgenden Tagen das erste Triple aus 100, 200 und Staffel (auch wenn er das 4x100-Meter-Gold von Peking später wegen des Dopingfalls seines Teamkollegen Nesta Carter verliert).

Was damals niemand weiß: Das 200-Meter-Rennen von Rio war das letzte in der Karriere Bolts über diese Distanz, die er wie kein anderer prägte.

... forever the fastest.

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