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Deutschland ist balla-balla.
Das ganze Land versinkt im WM-Rausch.
Das ganze Land? Mitnichten.
Vielen Menschen geht die Merchandising-Schlacht um die schönste Nebensache der Welt bereits mächtig auf den Geist.
Fußball-Verweigerer haben trotzdem keine Chance. Überall im Lande klebt das WM-Logo.
Selbst bei einer gewöhnlichen Busfahrt sind Klinsmann, Ballack und Co. im Geiste mit an Bord.
Sogar auf Deutschlands Autobahnen kann man dem Weltmeisterschafts-Wahn nicht entgehen.
Überall heißt es "Willkommen, Welcome, Velkommen".
Kräftig ins Zeug legen sich natürlich die offiziellen Sponsoren und die nationalen Förderer.
Adidas baut zur WM mal eben das Berliner Olympiastadion nach und stellt es vor den Reichstag.
Die Bahn stellt sogar ihren Speiseplan um. Unter dem Motto "Kochen wie ein Weltmeister" stehen Gerichte von deutschen Spitzenköchen und Gerichte aus der Heimat internationaler Fußballspieler auf dem Bahn-Speiseplan.
Leider lässt das Unternehmen auch die Puppen tanzen.
Mit einer "Bahn-Tag" genannten Show aus Tanz, Unterhaltung und Zug-Vorführungen präsentiert das Unternehmen an allen zwölf Spielorten sein WM-Engagement.
Einziger Höhepunkt der Festivität: Die Bahn holt den "Weltmeister-Zug" von 1954 aus dem Depot.
Noch nerviger als das Logo mit den debil-grinsenden Ecstasy-Pillen ist Goleo, das offizielle WM-Maskottchen. Der Löwe ohne Hose, der wie eine Mischung aus Kamel und Schäferhund aussieht, ist sich für nichts zu schade.
Sogar für einen Fernsehsessel in Form einer überdimensionalen Schiedsrichterpfeife hält er sein Gesicht in die Kamera.
Doch damit nicht genug: Sein Konterfei prangt zudem auf allen möglichen Sachen.
Sogar auf Teppichen wurde der derzeit berühmteste Löwe der Welt schon gesichtet.
Wer Goleo nicht über die Nase laufen möchte, kann sich auch ein Stofftier zulegen - und dieses knuddeln.
Etwas handlicher ist die Goleo-Plastikfigur. Sie passt zur Not auch in die Hosentasche.
Karl-Heinz Rummenigge scheint Goleo nicht zu mögen.
Vielleicht denkt der Bayern-Präsident aber auch gerade wehmütig an Tip und Tap, die Maskottchen der Fußballweltmeisterschaft 1974.
Bei Kindern hingegen kommt das Knuddelmonster gut an.
Fast immer an Goleos Seite ist "Pille"- ein sprechender Fußball. Ob man den auch treten darf?
Mit dem echten WM-Ball hat "Pille" nichts gemeinsam. Der ist selbstverständlich Hi-Tech pur und der beste Ball aller Zeiten. Das weiß sogar Heidi Klum.
Noch viel schlimmer als der offizielle WM-Werbewahn sind die vielen Trittbrettfahrer. Völlig daneben sind etwa Schneekugeln mit den Fußballstadien der Weltmeisterschaft.
Und was hat sich bloß der Hersteller dieses Blumentopfes gedacht?
Einfach nur furchtbar: Würste in Form von Fußballschuhen in den Landesfarben Deutschlands und Brasiliens. Die Firma Texda Textildarm stellt zur WM auch Kunstdärme in Form von Fußbällen her.
Zum Glück muss nicht jedes Flugzeug künftig als Fußball verkleidet durch die Gegend fliegen.
Sogar die ehrwürdige Porzellan-Manufaktur Meissen springt mit einer speziell zur Fußball-Weltmeisterschaft entworfenen Skulptur auf den WM-Zug auf.
Die Halloren-Schokoladenfabrik will Fußball-Fans mit einem Fußballschuh, der mit Schoko-Hallorenkugen, einer roten und gelben Karte und einer Trillerpfeife gefüllt ist, beglücken.
Der Lebensmittelhersteller Kathi hat für die WM extra eine "Fußball-Tooorte" entworfen. Nach Unternehmensangaben die einzige Fußball-Torte Deutschlands zum Selbstbacken.
Auch Esspapier in Fußballform können wir im Sommer knabbern.
Schokolade ist zwar lecker, muss aber nicht unbedingt in jede erdenkliche WM-Form gebracht werden. Oder?
Auch dieser Marzipan-Fußball ist wahrscheinlich nur für sehr große Leckermäuler etwas.
Ebenfalls schwer im Magen liegt garantiert dieses Marzipan-Stadion.
Dann doch lieber ein paar handliche Lutscher. Einige kommen gleich mit einem kompletten Fußballspiel auf den Markt.
Damit niemand verdurstet, gibt's auch diverse WM-Weine. Ins Stadion darf man die Flaschen aber nicht mitnehmen.
Den Vogel schießt Langnese ab. Der Eishersteller wirft gleich eine ganze WM-Kollektion auf den Markt. Der beliebte Flutschfinger etwa präsentiert sich zur Weltmeisterschaft in den deutschen Nationalfarben.
Das Herz der Fußball-Fans soll auch die "Bananenflanke" erobern. Dahinter verbirgt sich cremiges Vanilleeis mit einer Spitze Bananeneis.
Die wahrscheinlich nervigste Sorte des Sommers wird der "Fussball". Das Vanille- und Schokoladeneis in Fußballform kommt mit einer Pfeife im Stiel daher. Eltern werden dieses Eis hassen.
Kerrygold kontert mit "Fußball-Butter".
Seinen ersten Schminkstift in den Farben schwarz, rot, blau, grün, gelb, orange und weiß präsentiert edding zur WM.
Hoffentlich geht der Zauber auch wieder ab. (Foto: edding)
WM-Eis, WM-Lutscher, WM-Kissen sind in geballter Form zwar Augenbelästigung, haben aber durchaus ihre Berechtigung. Völlig daneben sind hingegen Christbaumkugeln in Form von Fußbällen. Da hat wohl jemand was nicht mitbekommen. Also noch einmal: Die WM ist im Juli vorüber.
Überflüssig wie ein Sandkasten in der Wüste sind auch diese WM-Kontaktlinsen.
Auch eine Fußball-Umrandung für die Fahrradlampe braucht nicht jeder. Braucht sowas überhaupt jemand?
Ebenso in diese Kategorie fällt der Haarschmuck in Form von Fußbällen.
Die Schuh-Kollektion von Verona "Feldbusch" Pooth darf auch ruhig wie Blei in den Regalen liegen.
Und welche Frau möchte schon solche WM-Kleider tragen? Hoffentlicht keine.
Da ist dieser Fußballrock doch schon erträglicher. Wahrscheinlich auch, weil ihn drei Stuttgarter Designerinnen entworfen haben.
Fußballspieler-Räuchermänner braucht hingegen kein Mensch.
Mit einem WM-Puzzle macht man wohl auch nur Hardcore-Fans eine Freude.
Trotzdem bringt Ravensburger zur WM rund 50 verschiedene Fußball-Puzzles und -Spiele auf den Markt.
Spielwarenhersteller Hasbro will die Herzen und das Portemonee der Fußballfans mit einem WM-Monopoly erobern. Der Mann mit der eisernen Miene ist übrigens nicht Oliver Kahn, sondern ein Doppelgänger.
Auch die Doppelgänger-Branche hofft durch die WM auf ein gutes Geschäftsjahr. Die Männer im Bild sollen Jürgen Klinsmann, Michael Ballack, Oliver Kahn und Ronaldo darstellen.
Steiff will im WM-Jahr mit Teddybären im Fußballdress punkten. Vielleicht verwechselt der ein oder andere die netten Bären sogar mit Goleo.
Bei "Williball", einem Plüsch-Fußball aus Bad Kösen, besteht diese Gefahr nicht.
Eine witzige Aktion dagegen ist der WM-Schal. Der Strickschal soll zur Weltmeisterschaft von Unna über Dortmund bis nach Gelsenkirchen reichen.
Auch eine nette Idee sind diese Fußball-"Micro-Stars". Der Spielzeughersteller Simba Toys stellt diese Mini-Versionen von Kevin Kuranyi, Oliver Kahn, Marcelinho und Ronaldinho demnächst in die Regale.
Playmobil kontert mit einer Fußball-Arena.
Und endlich tanzen mal alle nach Edmund Stoibers Pfeife.
Dieser kleine Mann hat dagegen am neuen Fußball-Spiel Kick-O-Mania seine Freude. (Der Mann im Tor steht allerdings in Wirklichkeit seit einiger Zeit eher dahinter.)
Gigantische Ausmaße nimmt der WM-Wirbel in Berlin an.
Der Fernsehturm muss sich für die Fans aus aller Welt in einen Ball verwandeln.
Im Spreebogenpark liegen zudem zwei riesige Fußballschuhe rum.
In Gigantomanie übt sich auch der Europa-Park im badischen Rust (Ortenaukreis).
Ein 5.600 qm großes Polyestergewebe, handbemalt mit dem original Fußball-WM-Design, verhüllt in der diesjährigen Saison die riesige, 43 Meter hohe Silberkugel, in der eine Achterbahn ihre Runden dreht.
In Hamburg weisen Leuchtobjekte Fußballfans den Weg.
Auf die erleuchteten Gehäuse - auch Blue Goals genannt - werden nachts mit Laserstrahlen Torschüsse projiziert.
Mit übergroßen Blumentöpfen verschönert die Ruhrpott-Metropole Dortmund ihr Stadtbild.
Ob sich der Aufwand lohnt, weiß keiner. Eins steht aber schon fest: Der offizielle Trinkbecher zur Fußball-WM ist sicher. Der bruchsichere und geschmacksneutrale WM-Becher hielt den intensiven Sicherheitsprüfungen eines Unternehmens der TÜV Rheinland Gruppe stand.
Wer jetzt meint, wir freuen uns nicht auf die WM, liegt falsch. Wir freuen uns sehr auf die Weltmeisterschaft im eigenen Land.
Auch wenn die WM-Gala in Berlin ausfällt.
Wir freuen uns auf mehr oder weniger verrückte Fans aus aller Welt ...
... und auf richtig guten Fußball.
Und vielleicht gewinnt am Ende Deutschland. Muss aber gar nicht sein.
Zum Schluss noch eine Bitte: Wer verschafft der Polizei von Nordrhein-Westfalen ein neues WM-Logo? Das jetzige sieht ziemlich lächerlich aus. Die britische "Sun" verglich das Ball-Gesicht sogar mit Adolf Hitler.
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