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"Hätte gerne noch vier Monate Zeit gehabt": Die Bundesliga in Wort und Witz

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Es wird wieder Fußball gespielt, die 51. Bundesliga-Saison ist angepfiffen. (Foto: dpa)

Es wird wieder Fußball gespielt, die 51. Bundesliga-Saison ist angepfiffen.

Es wird wieder Fußball gespielt, die 51. Bundesliga-Saison ist angepfiffen.

Das heißt: Es wird auch gejubelt, ...

... gehüpft, ...

... geschimpft ...

... getrauert, ....

... gelacht ...

... und geherzt in Deutschlands Fußballarenen.

Und es wird wieder geredet, was bisweilen ganz unterhaltsam ist. Der 1. Spieltag in Wort und Witz.

Eintracht Braunschweig - Werder Bremen 0:1 (0:0)

"Ich hätte zehn Stunden vor der Kurve schreien können", schrie, nein jubilierte Werder-Profi Zlatko Junuzovic nach seinem Siegtor in Braunschweig.

Sein Glücksschuss in der 82. Minute reichte zu drei Punkten gegen den Aufsteiger, der nach 28 Jahren endlich wieder erstklassig spielte.

Eintracht-Coach Torsten Lieberknecht hatte sein Team mit einem Video motivieren wollen, das aber ganz offensichtlich nicht die gewünschte Wirkung erzielte. Ob es am Inhalt lag? "Auf dem Video war ich auch mal kurz beim Tanzen zu sehen. Es war nicht so, dass wir nur Jägermeister-Trikots gesehen haben."

Folgeschäden durch den Fehlstart erwartet Lieberknecht nicht: "Ich glaube nicht, dass es ein Dämpfer ist. Es ist ein Lernprozess." Kapitän Dennis Kruppke pflichtete bei: "Ärgerlich ja, aber ein Dämpfer war es nicht. Wir haben ein gutes Spiel gezeigt."

FC Augsburg - Borussia Dortmund 0:4 (0:1)

In Augsburg wischte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die Zweifel beseite, dass der BVB mit Pierre-Emerick Aubameyang versehentlich einen Torchancentod statt eines Torjägers verpflichtet haben könnte.

"Natürlich schießt der Tore, das ist doch überhaupt keine Frage", stellte Watzke klar, nachdem Aubameyang als erster BVB-Spieler drei Tore bei seinem Ligadebüt erzielt hatte.

Frage an BVB-Trainer Jürgen Klopp: Ist so ein Traumstart jetzt gut (Selbstvertrauen, etc.) oder schlecht (Höhenflug, etc.)? "Es ist natürlich besser für ihn, dass er so beginnt als mit fünf Fahrkarten."

Die hatte sich Aubameyang schließlich, das darf hier nicht verschwiegen werden, schon im Pokal gegen Wilhemshaven gegönnt.

Für seinen zwischen Genie (eine Vorlage, Elfmetertor) und Lustlosigkeit (Rest des Spiels) schwankenden Torjäger Robert Lewandowski gab es noch typischen "Kloppo".

"Aber nicht wieder mit polnischen Journalisten sprechen!", gab der BVB-Trainer dem Bald-Bayern in der Mixed Zone mit auf den Weg. Fand Lewandowski nicht sooooo lustig. Alle anderen schon.

FC Bayern - Borussia Mönchengladbach 3:1 (2:1)

Einen wenig optimalen Start in die neue Saison erwischte Gladbachs Alvaro Dominguez (r.). Er verschuldete gegen den FC Bayern zwei Handelfmeter - binnen einer Minute.

Bayern-Kapitän Philipp Lahm scherzte später beim Plausch mit Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer: "Wir versuchen jetzt immer innerhalb von einer Minute zwei Elfmeter zu bekommen."

Das ist ergebnistechnisch sinnvoll, immerhin scheinen die Münchner in dieser Saison zwei Elfmeter zu benötigen, um ein Tor zu erzielen.

Die Frage, ob den Bayern gegen Gladbach ein zweiter Sechser im Mittelfeld und deshalb defensive Stabilität gefehlt habe, beantwortete Lahm hingegen kryptisch: "Es war Sechser-Achter-Zehner oder wie man es nennen will. Jetzt ist es Sechser-Achter-Zehner oder Sechser-Zehner-Zehner, Sechser-Achter-Achter, wie man will. Deswegen spielt das keine Rolle bei uns."

Humortechnisch wollte Seehofer hinter dem Bayern-Kapitän nicht zurückstehen. Sein wortwitziger Beitrag zum Auftaktspieltag: "Ich habe heute dem Sportsfreund Dante gratuliert, dass er auf dem besten Weg ist, Torschützenkönig des FC Bayern zu werden."

Für alle, die es verpasst haben: Dante hat sich als erster Eigentorschütze der 51. Bundesligasaison in den Statistikbüchern verewigt.

Die Erkenntnis des Spieltages verdankt die Liga Bayerns Sportchef Matthias Sammer. Der stellte mit Blick auf Neu-Coach Guardiola dankenswerterweise nochmal klar: "Pep ist kein Zauberer!"

Hertha BSC - Eintracht Frankfurt 6:1 (2:1)

Der erste Tabellenführer der Spielzeit kommt aus Berlin und heißt Hertha BSC. Der Begriff "Euphorie" kommt im Wortschatz von Coach Jos Luhukay aber nicht vor: "Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich bei Siegen nicht auf Tische springe."

Sein Spieler Änis Ben-Hatira konnte ein gewisses Erstaunen über den Sieg aber nicht verbergen: "6:1 ist schon eine krasse Ansage an die Konkurrenz."

Allerdings gab Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger zu bedenken: "Es geht nächste Woche wieder neu los, und wenn wir da 1:6 auf den Sack kriegen, interessiert das Spiel niemanden mehr."

Der ärmste Tropf war neben Eintracht-Keeper Kevin Trapp ...

... der Coach der Frankfurter, Armin Veh. Der musste nicht nur einräumen: "Es ist schwer für mich, das Spiel zu analysieren." Sondern, noch schlimmer: "Ich werde es mir noch mal ansehen müssen, denn es sind so viele Dinge passiert, die sonst nicht passieren."

Sechs Tore für einen Aufsteiger im Auftaktspiel zum Beispiel - das hatte es zuvor in 50 Jahren Bundesliga nicht gegeben.

Bayer Leverkusen - SC Freiburg 3:1 (1:1)

Drei Gegentore, null Punkte zum Saisonstart für den SC Freiburg. Ihr Fazit dazu, Herr Christian Streich? Antwort: Glück gehabt. Also sinngemäß.

Im Wortlaut sagte Freiburgs Trainer zum unerfreulichen Gastspiel bei der Werkself: "Wenn Leverkusen gewollt hätte, hätten sie uns abschießen können. Wir hatten nicht den Hauch einer Chance."

Dass Sami Hyypiä sein erstes Ligaspiel als alleinverantwortlicher Bayer-Coach "gar nicht so einseitig gesehen" hatte wie Streich, ließ der SC-Trainer nicht gelten.

Er beklagte zu wenig Vorbereitungszeit: "Leverkusen war uns individuell total überlegen. Dass wir individuell immer wieder ausgespielt werden können, wissen wir. Dann muss taktisch 100prozentig alles passen. Das ist im Moment unser Problem. Ich hätte eben gerne noch drei oder vier Monate Zeit gehabt."

Auch auf den von Jonathan Schmid verschossenen Elfmeter hätte Streich verzichten können.

Kommentar Streich: "Letztes Jahr hat es andauernd Handelfmeter gegen uns gegeben. Bekommen haben wir nie einen. Aber wir haben auch keinen gebraucht, wir waren auch so Fünfter."

Auf die Frage, ob Neuzugang Mike Hanke künftig vielleicht die Elfmeter schießen wird, reagierte Streich dann auch minimal dünnhäutig: "Vielleicht isst er auch Spaghetti statt Nudeln."

Aber Rettung ist in Sicht: Die fehlenden Monate könnte Freiburg durch längere Arbeitstage ausgleich - noch längere. Schon jetzt ist es laut Streich so: "Die neuen Spieler kommen hierher und denken: Was ist denn hier los? Taktik, Video, die Arbeitstage dauern länger. Aber wenn es bis abends um acht oder neun dauert, dann dauert es eben bis acht oder neun. Man muss ja nicht jeden Abend Fernsehen schauen."

Hannover 96 - VfL Wolfsburg 2:0 (1:0)

Ein Derby wie zwischen den niedersächsischen Rivalen Hannover und Wolfsburg gleich zum Saisonauftakt, das ist gerade richtig für viele Fans - vorausgesetzt, das eigene Team gewinnt.

In Hannover war nach dem Schlusspfiff nur Hannover froh über die Ansetzung. Unter anderem, weil Wolfsburgs Youngster Maximilian Arnold die erste Rote Karte der Saison kassierte und damit die Niederlage einleitete. Später sah noch Teamkollege Timm Klose Gelb-Rot.

H96-Coach Mirko Slomka erfreute neben der "fantastischen ersten Halbzeit" beider Teams besonders, wer das 1:0 für Hannover erzielt hatte.

"Es freut mich wahnsinnig für Leon Andreasen, dass er nach seiner langen Verletzungspause das wichtige 1:0 für uns erzielt hat."

Wolfsburgs Coach Trainer Dieter Hecking machte seiner Mannschaft trotz Niederlage ein "riesiges Kompliment": "Sie hat das Spiel trotz zweifacher Unterzahl bis zur 85. Minute ausgeglichen gestaltet". Weil nämlich, wie Kollege Slomka erklärte, Hannover "ein bisschen Angst" bekommen hatte.

Für die nächsten Spiele gab Hecking dann noch einen Satz zum Besten, der sich schon in den 50 Bundesliga-Spielzeiten zuvor allergrößter Beliebtheit erfreut hat. Und zwar: "Wir müssen jetzt den Mund abwischen und weitermachen."

FC Schalke - Hamburger SV 3:3 (2:2)

Jens Keller war nach dem missratenen Saisonstart seiner Schalker etwas zugeknöpfter als sein Oberhemd, ihn störte konkret: "Wir bekommen drei Gegentore zuhause und das ist viel zu viel. In der ersten Halbzeit waren wir überhaupt nicht im Spiel." Zumal die Schalker jetzt schon zwei Punkte hinter ihren beiden Titelkonkurrenten aus München und Dortmund liegen.

Immerhin: "In der zweiten Halbzeit haben wir dann sehr viel richtig gemacht", räumte der Schalke-Coach ein, auch wenn da ausgerechnet der Ex-Dortmunder Lasse Sobiech den HSV zwischendurch mit 3:2 in Führung brachte und vom Überraschungssieg träumen ließ. Der blieb aus.

Auch S04-Torjäger Klaas-Jan Huntelaar zeigte sich trotz seiner zwei Tore angemessen zerknirscht über zwei verlorene Punkte: "Zuhause wollen wir gewinnen. Damit sind wir nicht zufrieden."

Glücklich war auf Schalke nur der Gegner, zum Beispiel in Person von Sportchef Oliver Kreuzer: "Heute war die Mannschaft auf den Punkt bereit. Wir haben taktisch hervorragend gespielt."

FSV Mainz - VfB Stuttgart 3:2 (1:1)

"Wir haben die drei Punkte heute schon verdient, aber es war ein dickes Brett, das wir bohren mussten", atmete FSV-Coach Thomas Tuchel nach dem ersten Ligasieg seit Ewigkeiten tief durch. Warum es so knapp war? "Wir haben uns viele Torchancen rausgespielt, aber wir haben auch viele ausgelassen."

VfB-Trainer Bruno Labbadia war hingegen unglücklich.

Und das nicht nur weil Ex-VfBler Shinji Okazaki prompt ein Tor für die Mainzer erzielt hatte.

Labbadia haderte vor allem mit dem Schiedsrichter: "Shinji hat bei uns sehr unglücklich gespielt im letzten Jahr. Das Tor, das er nun gegen uns macht, war Abseits. Der Schiedsrichter hat insgesamt eine unglückliche Leistung geboten, das habe ich ihm ganz sachlich gesagt."

1899 Hoffenheim - 1. FC Nürnberg 2:2 (1:0)

Nicht nur sachliche Kritik musste sich Referee Thorsten Kinhöfer in Hoffenheim gefallen lassen.

Er und sein Assistent hatten schließlich - im Gegensatz zum halben Stadion - übersehen, dass dieser Heber von Hoffenheims Kevin Volland über FCN-Keeper Raphael Schäfer hinweg ...

... ins Tor segelte.

Statt eines Tors gab es lediglich eine hitzige Tortechnikdiskussion, zu der Kinhöfer sagte: "Wo Menschen urteilen, passieren Fehler - und das war halt einer. Wir Schiedsrichter würden es begrüßen, wenn diese Geschichte uns abgenommen wird."

Hoffenheims Trainer Markus Gisdol war nach Ansicht der Fernsehbilder fassungslos über den Fauxpas. "So ein Ding muss gewertet werden. Es tut weh, wenn man das sieht." Zum Buhmann wollte er Kinhöfer und dessen Assistenten Detlef Scheppe jedoch nicht stempeln: "Keiner will, dass ein reguläres Tor nicht zählt oder ein Tor gegeben wird, das keines war." Ein sehr faires Schlusswort.

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