Begeistert vom Auftakt des 22. Spieltages der Fußball-Bundesliga? Keine Sorge, auch Mops "Ben" nicht, Teilnehmer des Mainzer "Jugendmaskenzuges" und mutmaßlicher Fan des FSV.
1:1 stand es am Ende einer durchwachsenen Partie der Rheinhessen in Hoffenheim. Und die Hausherren hatten noch nicht einmal selbst die Führung erzielen müssen.
"Das Eigentor passt zu dieser Saison", beschwerte sich der Mainzer Trainer Thomas Tuchel. Der wird immer mehr zum notorischen Nörgler.
"Wir haben nur zu wenig Ertrag für den Aufwand, den wir jedes Spiel betreiben", so Tuchel weiter. Zumindest kam seine Mannschaft noch zum Ausgleich. Übrigens: Mit dem sechsten Eigentor seiner Karriere stellte Nikolce Noveski den Bundesliga-Rekord ein.
Aber weil der FSV danach auch noch das Netz auf der Gegenseite zappeln ließ, wurde Markus Babbel erneut der erste Sieg mit der TSG versagt. "Die Mannschaft macht sich offenbar zu viele Gedanken", so Babbel nach der Partie. Das klingt stark nach einem alten, für die Berufsgruppe der Fußballer diskriminierenden Klischee.
Im Rheinland regieren derzeit zwar die Narren, aber im Frankenland kümmert das offenbar kaum jemand.
Im vierten Spiel nach der Winterpause verlor der 1. FC Köln zum dritten Mal. Und Christian Eichner hat das Problem erkannt - und es sind keine Irrfahrten unter Alkoholeinfluss, wie von Miso Brecko, der trotzdem in der Startelf stand. "Wenn das Spiel angepfiffen wird, interessiert das kein Schwein mehr", erklärte Eichner. "Wir müssen aufhören, Ergebnisse mit irgendwelchen Straßenbahnfahrten, Interviews oder Ereignissen zu erklären."
Seit 1990 wartet Köln nun auf einen Punktgewinn beim 1. FC Nürnberg, der sich über einen "Big Point" freut: "Die bessere Mannschaft hat gewonnen", so Club-Coach Dieter Hecking.
Das sah FC-Trainer Stale Solbakken genauso. Da hilft nur: Karnevalskappe aufsetzen, Kölsch trinken und auf das Derby gegen Leverkusen hoffen.
Im Norden haben Bremen und Hamburg das Derby schon hinter sich. "Der Kessel hat gebrannt, da war Adrenalin nochmal extra drin", freute sich Werders Torwart Tim Wiese über das 3:1 (2:0) auf des Gegners Platz.
"Man hat gesehen, dass unser Anspruch nicht der UEFA-Cup ist, sondern das gesicherte Mittelfeld", sagte Thorsten Fink (re.). Vertreter haben beim HSV-Trainer offenbar einen schweren Stand.
Denn: "Ich lasse mir von niemandem etwas aufschwatzen", warnte er, sah die "Gesamtleistung" seines Teams aber positiv.
So positiv, dass Bremens Tim Wiese nach einer Pogo-Feiereinlage mit der Mannschaft auch noch das Megafon der Anhänger zur Hand nahm.
Auf der Gegenseite sahen Finks Spieler die ganze Sache nicht so rosig wie ihr Trainer. Komisch.
Ebenfalls nicht erfreut sind derzeit die Fans von Bayer Leverkusen. Die spotteten während der Partie gegen den FC Augsburg mit Gesängen: "Ohne Trainer wären wir auf Platz zwei", tönte es von der Tribüne.
Auch Robin Dutt konnte nicht erklären, warum sein Team durch Stefan Kießling in Führung gegangen war.
"Es gibt sehr viel Unruhe im Verein, viele Themen, die nichts mit dem Fußball zu tun haben. Wir müssen auf dem Platz Ausrufezeichen setzen", sagte André Schürrle (re.), der dann auch Taten folgen ließ und eines der insgesamt vier Leverkusener Tore erzielte.
4:1 hieß es am Ende, und Augsburgs Jos Luhukay erkannte darin "eine Qualität, die wir nicht haben". Seltener als die Süddeutschen hat in dieser Saison keine andere Mannschaft gewonnen. Der Trainer mit dem wohl eindrucksvollsten Schnäuzer der Bundesliga könnte also Recht haben.
Kevin Großkreutz kann übrigens sein Tattoo (Wahrzeichen der Stadt auf dem Bein) stolz präsentieren, denn Dank seines Treffers steht Borussia Dortmund weiter an der Tabellenspitze.
Ein 1:0 in Berlin, das ist zwar nicht überragend, aber auch nicht zu wenig.
"Ich möchte kein Lob für das Spiel", so Herthas Interimscoach René Tretschok. Wie großherzig. Einen weiteren Coup hatte ohnehin kaum jemand erwartet.
Denn der war die zuvor bekannt gegebene Verpflichtung von (König) Otto Rehhagel. Der machte klar, dass in Berlin bald der Ausnahmezustand herrscht. "Ab Montag bin ich das Gesetz", so der 73-Jährige forsch.
Und: "Der Sinn des Lebens besteht in Arbeit." Viel Spaß in den kommenden drei Monaten, liebe Hertha-Spieler.
Den hatte auch Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre beim 2:1 (2:0) seines Teams auf dem Betzenberg. Zumindest in der ersten Halbzeit. "Zum Glück haben wir schnell zwei tolle Tore gemacht", schnaufte der Schweizer nach dem Spiel durch.
Besonders der Treffer von Juan Arango - von halblinks mit dem Außenrist ins lange Eck gezirkelt - zeigte, warum die Borussia die Tabelle der vergangenen Saison einfach mal auf den Kopf gestellt hat.
Und weil später am Abend der FC Bayern Punkte liegen ließ, ist der erste Verfolger der Borussia aus Dortmund nun die aus Mönchengladbach.
Die Ursache für den pomadigen Auftritt der Bayern hatte auch Arjen Robben nicht gefunden - Kollege Holger Badstuber war es sicher nicht. Für den gab es nach einer verpatzten Flanke höhnischen Beifall vom Niederländer. Für ein gesundes Mannschaftsgefüge spricht das nicht.
Den Titelsammlern aus München bleiben noch 12 Spieltage, um den amtierenden Meister aus Dortmund abzufangen. Doch torlose Unentschieden wie beim Tabellenletzten aus Freiburg helfen da nicht weiter. "Die Mannschaft glaubt, mit ihren fußballerischen Mitteln zum Erfolg zu kommen. Das klappt aber nicht gegen Mannschaften, die im Abstiegskampf stehen", so Coach Jupp Heynckes.
Das sollte der Trainer seinen Spielern vielleicht das nächste Mal sagen. Denn Philipp Lahm weiß offenbar nichts davon. "Ich habe keine Ahnung, warum", so der Kapitän über die Gründe für die schwache Vorstellung der Bayern.
Vielleicht weil der selbstbewusste Franck Ribéry (re.) einen Fehlpass nach dem anderen fabrizierte? "Es gibt viel Gesprächsbedarf", unkte Lahm.
Oder, auch das soll möglich sein, waren die Freiburger auch einfach zu stark. Deren Coach Christian Streich hatte sich jedenfalls mehr erhofft: "Wir haben eine Menge Aufwand betrieben und doch nur einen Punkt." Bleibt der SC in der Liga, haben sie im kommenden Jahr erneut zweimal die Chance.