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Nach fast fünf Monaten Abstinenz ist die Formel 1 in Bahrain in die neue Saison gestartet. Selten war die Spannung vorher so groß wie in diesem Jahr.
Sein Comeback überstrahlt zunächst alles: Michael Schumacher, Rekordchampion und lebende Formel-1-Legende ist wieder da. Jeder Schritt und jede Handbewegung des Superstars wird von der Presse beäugt und kommentiert.
Zum ersten Mal seit 2006 in Brasilien steigt der Kerpener wieder bei einem Grand Prix in ein Cockpit. Er ist fit und er ist gut drauf. Doch kurz vor dem Start ist ihm die Anspannung deutlich anzusehen.
Nach dem Qualifying liegt der siebenmalige Weltmeister auf Platz sieben. "Ein gute Zahl", sagt Schumacher über seinen Startplatz.
Zwischendurch ein Schwätzchen mit Formel-1-Neuling Nico Hülkenberg. Der Williams-Pilot kann den einen oder anderen Tipp vom F1-Urgestein sicher gut gebrauchen.
Noch nie gab es so viele deutsche Fahrer in der Königsklasse. Mit Nico Rosberg (Mercedes), Timo Glock (Virgin), Michael Schumacher (Mercedes), Adrian Sutil (Force India), Nico Hülkenberg (Williams) und Sebastian Vettel (Red Bull, nicht im Bild) hat ein Viertel aller Fahrer einen deutschen Pass.
Diese beiden wollen es den Mannen von Mercedes zeigen. Weltmeister Jenson Button (l.) und der Champion von 2008, Lewis Hamilton, bilden bei McLaren ein rein englisches Fahrer-Duo. Dort will man beweisen, dass der bessere Mercedes britisch ist.
Aber da ist noch einer, der im Kampf um den Titel ein Wörtchen mitreden will: Jungstar Sebastian Vettel holt sich am Samstag die Pole Position auf der Rennstrecke bei Manama.
Damit verweist er die beiden Ferraris mit Felipe Massa (l.) und Fernando Alonso (r.) in die Schranken. Mercedes-Pilot Nico Rosberg startet von Platz fünf, Michael Schumacher von Platz sieben. Adrian Sutil geht als Zehnter ins Rennen, Nico Hülkenberg als 14. Timo Glock muss sich mit dem 19. Platz zufriedengeben.
Start frei für das erste Rennen der Saison. Pole-Mann Sebastian Vettel legt einen Traumstart hin und geht in Führung liegend in die erste Kurve.
Dahinter wählt Fernando Alonso mit seinem Ferrari die ganz weite Spur, während sein Teamkollege Felipe Massa ganz nach innen zieht. Auch Lewis Hamilton im McLaren erwischt einen guten Start, kann aber keinen Ferrari hinter sich lassen. Nico Rosberg kann auch keinen Platz gut machen und bleibt auf fünf.
In der ersten Kurve zahlt sich die weite Linie von Alonso noch nicht aus, aber in der zweiten Kurve ist der Spanier schneller und geht innen am Teamkollegen vorbei.
Sebastian Vettel hält sich aus allem heraus und bringt ein paar Meter zwischen sich und die Roten.
Vor der zweiten Kurve verliert Red-Bull-Pilot Mark Webber Öl am Hinterreifen. Qualm vernebelt den nachfolgenden Fahrern die Sicht. In dem Gewühl gibt es die eine oder andere Berührung. Großteils läuft der Vorfall glimpflich ab.
Leider nicht für Adrian Sutil. Sein Force India wird am Hinterrad berührt, er dreht sich. Großes Pech für den Deutschen, der als einziger Fahrer der Top Ten schon die harten Reifen drauf hatte. Der taktische Vorteil ist damit schnell dahin.
Sein erster Start nach drei Jahren Rennpause gelingt: Michael Schumacher kann sich durch die Panne von Mark Webber sogar einen Platz nach vorne schieben. Mehr ist mit dem Mercedes derzeit nicht drin.
Auch Nico Rosberg im anderen Mercedes schlägt sich wacker. Aber schon nach wenigen Runden hat er den schnellen McLaren von Lewis Hamilton im Nacken. Der kommt zwar zunächst nicht vorbei. Beim Boxenstopp kann der Brite aber Rosberg im Fernduell überholen.
Der amtierende Weltmeister Jenson Button fährt ein verhaltenes Rennen. Hinter Schumacher liegt er in seinem McLaren auf Platz sieben. Den Red Bull von Mark Webber, der durch sein Malheur mit dem Öl zwei Plätze verloren hat, kann er aber über die Renndistanz kontrollieren.
In Runde 34 dann der Schock für Sebastian Vettel: Der Red Bull verliert Leistung. Ein mechanisches Problem, wie es aus der Box heißt. Das Team von Christian Horner kann nichts unternehmen. Es droht sogar ein Ausfall.
In Windeseile sind die beiden Ferraris aufgerückt. Auf der Geraden hat der Red Bull keine Chance mehr gegen die Roten. Der mühsam erarbeitete Vorsprung schmilzt in kurzer Zeit dahin.
Noch vor der Start-Ziel-Geraden muss sich Vettel kampflos geschlagen geben und die beiden Ferraris an sich vorbeiziehen lassen. Eine Katastrophe für den Heppenheimer, der das Rennen zuvor souverän kontrollierte.
Es kommt noch schlimmer. In wenigen Runden hat auch Lewis Hamilton in seinem McLaren zu dem jungen Deutschen aufgeschlossen. Auch ihn muss Vettel schließlich ziehen lassen.
Jetzt droht der Red Bull durchgereicht zu werden. Zwar kann Vettel seine Rundenzeiten stabilisieren, aber auf der Geraden verliert er einfach zu viel Zeit. Im Infield, wo eine Kurve der anderen folgt, lässt es der Red-Bull-Pilot "fliegen" und hält so seine Position.
Auch Nico Rosberg kann zwei Runden vor Schluss zu dem angeschlagegen Vettel aufschließen. Dieser gibt alles und versucht wenigstens den vierten Rang zu retten. Am Ende gelingt ihm das auch um Haaresbreite.
Vorne fahren die beiden Ferraris einen ungefährdeten Doppelerfolg ein. Mit einem kurzen Zwischenspurt kann Alonso seinen Teamkollegen Massa abschütteln und überquert als erster die Ziellinie.
Erster Sieg im ersten Rennen: Für Fernando Alonso ist es ein Auftakt nach Maß.
Felipe Massa kann sich über Rang zwei freuen. Auf den dritten Platz kommt Lewis Hamilton, der mit seinem McLaren ebenfalls eine starke Vorstellung abgeliefert hat.
Alonso aber darf den Siegerpokal abschleppen. Ob ihm das auch ohne den Defekt von Sebastian Vettel gelungen wäre? So war es jedenfalls ein verhältnismäßig leichter Sieg für den Spanier. In 14 Tagen geht es in Australien wieder an den Start. Dann wird Ferrari diese starke Vorstellung bestätigen müssen. (Text: Markus Mechnich)
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