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Mit dem Campingbus nach Wimbledon: Dustin Brown - der deutsche Tennis-Rastafari

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Nach vorne gebeugt und mit geballter Faust schreit Dustin Brown seine Freude raus. (Foto: AP)

Nach vorne gebeugt und mit geballter Faust schreit Dustin Brown seine Freude raus.

Nach vorne gebeugt und mit geballter Faust schreit Dustin Brown seine Freude raus.

Gerade hat er mit einem Boris Becker-Gedächtnis-Hechtsprung den ersten Satz gegen Lleyton Hewitt eingetütet. Der Ball schien kaum noch erreichbar, doch der Deutsch-Jamaikaner ...

... reckte sich, so weit es irgendwie ging, und gab der gelben Filzkugel einen kleinen Schubs - bis an die Netzkante.

Kurioser hat schon lange niemand mehr einen Satz in Wimbledon gewonnen.

Einen, der so cool, so lässig, so unberechenbar, eigenwillig und zugleich spektakulär auftritt, sieht man selbst im ehrwürdigen All England Club selten. Die Zuschauer sind von Brown hingerissen.

Er spielt jeden Ball, als sei es der letzte. Bedingungslos, alles oder nichts. Für gewöhnlich bekommt Brown mit diesem riskanten Prinzip eher nichts. Doch auf Rasen ist alles möglich.

Immer wieder sucht der 1,96 Meter große Hüne den Weg ans Netz, forciert das Serve-and-Volley-Spiel, das eigentlich längst außer Mode ist.

21 Asse und 74 Winner hämmert er dem Australier entgegen. Seine knallharten Schläge gehen entweder direkt auf die Linie oder meterweit ins Aus.

Hewitt verzweifelt und ...

... Brown gelingt die Sensation. Er schlägt den Wimbledon-Champion von 2002 in vier Sätzen und zieht zum ersten Mal in seiner Tennis-Laufbahn in die dritte Runde eines Grand Slams ein - und das auf dem heiligen Rasen von Wimbledon.

"Ich bin eigentlich nicht der Typ, der anfängt zu weinen", sagt Brown später, als er die Tränen nicht halten kann: "Aber Lleyton habe ich schon spielen sehen, als ich aufgewachsen bin. Ich war schon so oft nah dran an solch großen Siegen. Heute habe ich es endlich zusammengebracht."

Brown wurde in Celle geboren, seine Mutter ist Deutsche, sein Vater Jamaikaner - mit elf Jahren ging er mit seinen Eltern zurück ins Heimatland des Vaters.

Mit 17 spielte er auf der Karibikinsel seine ersten Nachwuchsturniere, sogar im Davis-Cup trat er für Jamaika an und gewann die meisten seiner Spiele. Doch er fühlte sich in seinem sportlichen Streben von Jamaika nicht unterstützt und ging wieder zurück nach Deutschland.

Doch die Erfolge bleiben aus. Normalerweise tingelt der Rastamann aus Celle bei Hannover zu drittklassigen Challenger-Turnieren, rangierte jahrelang zwischen Platz 400 und 800.

Seine Eltern hatten ihm damals einen Campingbus gekauft, der Reisekosten sparen sollte. Den hat er heute immer noch.

Nennenswerte Erfolge feierte Brown trotz zweier Doppelsiege bei kleineren Turnieren zwar nie, im Juli 2010 aber war auf Platz 98 in der Weltrangliste immerhin schon mal der beste Jamaikaner in der Geschichte.

Ein halbes Jahr später kletterte er sogar auf Rang 89, bis heute sein bester Rang.

In Wimbledon winkte dem Mann mit den langen, dünnen Armen, den großen Ringen in beiden Ohren, den langen Dreadlocks und dem Piercing auf der Zunge sogar das Achtelfinale auf seinem Lieblingsbelag Rasen.

Gegen den Franzosen Adrian Mannarino bekam Brown sein Spiel aber nicht zusammen.

Die Fans feierten ihn trotzdem, während sie Sieger Mannarino nur mit höflichem Applaus bedachten.

74.300 Euro Preisgeld hatte er auch so schon sicher. Da muss er freilich nicht mehr mit dem Camper anreisen.

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