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Sonntag, 06. April 2014

Der 29. Spieltag in Wort und Witz: "Fairplay ist mir jetzt scheißegal"

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Der Held des 29. Bundesliga-Spieltages war auch außerhalb Augsburgs: Sascha Mölders. (Foto: dpa)

Der Held des 29. Bundesliga-Spieltages war auch außerhalb Augsburgs: Sascha Mölders.

Der Held des 29. Bundesliga-Spieltages war auch außerhalb Augsburgs: Sascha Mölders.

Warum? Darum.

Der Sturmtank des FCA beendete seine persönliche Torflaute und traf erstmals seit Oktober 2013 wieder in der Bundesliga.

Noch schöner aber: Es war das Siegtor gegen den übermächtigen FC Bayern, der zuvor sagenhafte 53 Spiele in der Bundesliga ohne Niederlage geblieben war.

Kurzum: "Das Tor war ein geiles Gefühl."

Sein Coach Markus Weinzierl fühlte sich an David gegen Goliath erinnert: "Der Kleine schlägt den Großen, das ist eine super Geschichte."

Einen Haken hatte die Geschichte aber doch: die Aufstellung des FC Bayern. FCA-Manager Stefan Reuter betonte zwar trotzig, "ich habe keinen anderen Spieler als Bayern-Spieler in der Formation gesehen. Die haben häufig schon rotiert diese Saison."

Eine so radikale Rochade wie in Augsburg hatte Josep Guardiola in dieser Saison aber noch nicht gezeigt. Gleich drei U20-Spieler feierten ihr Bundesliga-Startelf-Debüt, was dem Bayern-Coach den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung einbrachte.

Der wiederholte aber stoisch, dass ihn das nicht juckt: "Unsere Arbeit in der Bundesliga ist vorbei, ist gemacht. Wir haben den Titel im Museum." Und legte nach: "Wenn es wichtig gewesen wäre, wären Philipp, Franck und Arjen hier gewesen." Seine drei Weltstars hatte Guardiola erst gar nicht in den Kader beordert.

Bayern-Keeper Manuel Neuer fand: "Für uns war das Wichtigste heute, dass sich niemand verletzt hat - das ist das A und O. Es geht um Mittwoch, um das Spiel gegen Manchester. Alles andere ist egal."

VfB Stuttgart - SC Freiburg 2:0 (1:1)

"Wenn die 80. Minute da oben aufleuchtet, dann hat man ein mulmiges Gefühl im Bauch - was kann jetzt noch alles passieren?" VfB-Präsident Bernd Wahler starb in der Schlussphase des Südwest-Derbys gegen Freiburg tausend Tode, weil der VfB bislang als Führungstod geglänzt hatte.

Gegen den SC reichte es aber zum Sieg, was Sportvorstand Fredi Bobic mächtig erleichterte: "Abstiegskampf ist Wahnsinn pur. Man hat das Knistern auf dem Platz gespürt."

Matchwinner war Joker Alexandru Maxim, der das 1:0 selbst erzielte und das 2:0 vorbereitete. Nach starker Hinrunde kam Maxim erst in der 60. Minute ins Spiel und betonte anschließend trotzig: "Ich bin derselbe Spieler wie vor zwei Monaten, als ich noch jedes Spiel gemacht habe."

Freiburgs Trainer Christian Streich steckt nach zuvor zwei Niederlagen wieder mittendrin im Abstiegskampf. Für ihn gilt aber eh: "Wenn wir die Klasse erhalten, wäre es für uns mehr als der fünfte Platz im letzten Jahr."

Dass Pep Guardiola den Abstiegskampf mit seinen Münchner Rochaden beeinflussen könnte, glaubt Streich überhaupt nicht: "Null! Ich habe doch keine Bedenken bei einem Mann wie Pep Guardiola."

Werder Bremen - FC Schalke 1:1 (1:1)

Abstiegskandidat Bremen holte am 29. Spieltag einen Punkt gegen den Ligadritten Schalke. Und trotzdem sagte Innenverteidiger Sebastian Prödl hinterher: "Im Prinzip waren wir der kleine Verlierer dieses Spieltags."

Denn Werder war zwar die bessere Mannschaft, gewann aber nicht - im Gegensatz zur Konkurrenz im Tabellenkeller.

"Ich hätte vorher nicht gedacht, dass ich jetzt mit einem Punkt nicht zufrieden bin", sagte auch Werder-Coach Robin Dutt: "Wir haben schon mit weniger Leistung mehr Punkte geholt." Bremen bleibt zwar Tabellenzwölfter, hat aber nur noch sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und ein hammerhartes Restprogramm. In den ausstehenden fünf Partien warten ausschließlich Gegner aus den Top 10 der Tabelle.

Im nächsten Spiel gegen Mainz fehlt auch noch der starke Franco di Santo, Schütze des Führungstores - wegen einer unnötigen Gelbsperre. "Das war eine saudumme Aktion!", sagte Werder-Manager Thomas Eichin.

Schalkes Sportchef Horst Heldt kommentierte die Leistung seines Teams nüchtern: "Wir haben schlecht angefangen, dann 15 Minuten ordentlich gespielt und schlecht weiter gemacht."

Dann schickte er noch Liebesgrüße zum Rotations-Meister nach München: "Es kommen immer wieder kluge Sprüche aus Bayern, die man annehmen soll. Und dann agieren sie so, dass andere Probleme kriegen könnten. Das hat auch mit Stil und Anstand zu tun."

Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg 2:1 (0:1)

Dortmunder des Spieltags war Torjäger Robert Lewandowski, der mit dem per Rücken erzielten Ausgleich gegen Wolfsburg die Wende einleitete.

"Glückwunsch Bayern, dass sie ihn ab Juli haben, aber solange genießen wir ihn noch", kommentierte BVB-Abwehrchef Mats Hummels die Tatsache, dass der unverzichtbar scheinende Pole auf Abschiedstournee im schwarzgelben Trikot ist.

Wichtiger als Lewandowskis Tor war aber der Sieg gegen einen direkten CL-Konkurrenten. "Wer uns jubeln gesehen hat, kann im Ansatz verstehen, wie erleichtert wir waren", kommentierte Klopp, "wir haben eine unfassbare Mentalität gezeigt. Bei einer Niederlage hätten wir uns mördermäßigen Druck aufgebaut."

VfL-Coach Dieter Hecking haderte mit der ersten Halbzeit, aus der Wolfsburg trotz starker Leistung nur eine 1:0-Führung mitnahm. "Wir haben eine überragende erste Halbzeit gespielt, in der wir das zweite oder sogar dritte Tor hätten machen müssen. Wir wollten Dortmund ärgern, das ist uns eine Halbzeit lang gelungen. Nach dem 1:1 hat der BVB die zweite Luft bekommen."

Eintracht Frankfurt - FSV Mainz 2:0 (0:0)

"Sein rechter Fuß ist eine Bedrohung", schwärmte Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen nach dem Schlusspfiff über Alexander Meier. Der hatte das Rhein-Main-Derby gegen Mainz mit dem Tor zum 2:0 entschieden.

Der FSV verlor damit an Boden im Kampf um die internationalen Startplätze, weil Konkurrent Augsburg ja die großen Bayern bezwang.

Eine Wettbewerbsverzerrung mochte der Mainzer Trainer Thomas Tuchel aber nicht erkennen: "Das ist nicht mein Bier, das ist mir völlig schnurz."

1. FC Nürnberg - Borussia Mönchengladbach 0:2 (0:1)

In Augsburg ereignete sich zwar die größte Sensation des 29. Spieltags, in Nürnberg aber der größte Aufreger.

Dort ließ der Gladbacher Max Kruse die gute alte Schutzschwalbe wieder aufleben. Weil das im Nürnberger Strafraum geschah, gab es Elfmeter - den Kruse zum 2:0-Endstand verwandelte.

"Club"-Keeper Raphael Schäfer war außer sich über Kruse - und sagte ihm das noch auf dem Spielfeld. "Du bist Nationalspieler! Das hat mit Profifußball doch nichts zu tun!", raunzte er Kruse an.

Für Schäfer war der ungerechtfertigte Strafstoß die spielentscheidende Szene: "Wenn man in der zweiten Halbzeit, als wir am Drücker waren, so einen Elfmeter bekommt, der selten lächerlich war, dann verliert man das Spiel."

Kruse wies eine Schwalbe von sich, allerdings argumentativ sehr dünn: "Ich habe in meinem Leben noch nie eine Schwalbe gemacht, und das habe ich auch diesmal nicht getan."

Für Schäfer ist in den verbleibenden Endspielen um den Klassenerhalt nun klar: "Ganz ehrlich: Fairplay ist mir jetzt scheißegal."

"Club"-Trainer Gertjan Verbeek befand kurz: "Nicht jeder Kontakt ist Elfmeter." In beißender Ironie lobte er dann die Tatsache, dass den Nürnbergern als Tabellenvorletzter das Lesen der Tabelle nun leichter falle: "Es ist nun einfacher, auf die Tabelle zu gucken. Davor konnten wir nach oben und unten gucken, jetzt nur noch nach oben."

Hamburger SV - Bayer Leverkusen 2:1 (1:0)

Mit einer disziplinierten Leistung verhinderte der Hamburger SV den Sturz auf den letzten Tabellenplatz. Warum? Weil Coach Mirko Slomka seinem Team Disziplin eingetrichtert hat.

"Er prägt uns Disziplin bis in den Tod ein", wusste HSV-Spieler Tolgay Arslan über Slomka zu berichten.

Schlecht gelaunt war Bayer-Sportchef Rudi Völler, der nach der Niederlage und dem Sturz aus den CL-Rängen seinen Trainer Sami Hyypiä entließ.

Die Schuld daran gab er allein Schiedsrichter Bastian Dankert, der in drei kritischen Strafraum-Situationen dreimal gegen Bayer entschied. "Es gab nur einen Grund, wieso wir am Freitag verloren haben: Der 13. Mann des HSV war Herr Dankert", ätzte Völler und fügte zynisch hinzu: "Wenn der HSV den Antrag stellt, dass Herr Dankert noch eines der letzten Spiele pfeift, werden sie definitiv nicht absteigen."

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