Suche
hier klicken, um den Ort für die Startseite festzulegen
Berlin
17
FR 8° / 23°
SA 9° / 23°
Sport

Sturmböen, Schnitzer, Traumtor: Florenz siegt, Bayern feiert

 
Sturmböen, Schnitzer, Traumtor: Florenz siegt, Bayern feiert

Wenn sich gestandene Männer auf dem Fußballplatz so innig umarmen, ist zuvor meist etwas Besonderes vorgefallen.

Im konkreten Fall war den Herzlichkeiten die erste Niederlage des FC Bayern nach zuvor 18 ungeschlagenen Pflichtspielen hintereinander vorausgegangen.

Das klingt zunächst seltsam, macht aber durchaus Sinn und ist sogar logisch, es geht schließlich um Fußball: Denn weil die Niederlage in Florenz mit 2:3 ausgefallen war, verließen die Bayern das Stadion Artemio Franchi zwar rein statistisch als Verlierer.

Tatsächlich gingen sie nach dem 2:1-Hinspielsieg aber als Gewinner weil frischgebackene Champions-League-Viertelfinalisten vom Platz, der guten alten Auswärtstorregel sei Dank.

Bevor Bayern-Kapitän Mark van Bommel allerliebst in jede TV-Kamera in seiner Nähe lächeln konnte, ...

... mussten er und der Rest der Truppe von Chef-Revoluzzer Louis van Gaal, der die Fußballwelt zu Wochenbeginn mit einer Neufassung der Regelkunde beglückt hatte und in Florenz nun mit neuer Frisur überraschte, ...

... 90 oft umkämpfte, bisweilen turbulente und stets windumtoste Spielminuten überstehen.

90 Minuten, während denen sich der AC Florenz schon mehrmals auf der Siegerstraße wähnte …

… und der FC Bayern wenn nicht geschlagen, dann zumindest ratlos wirkte.

90 Minuten auch, in denen flüssiger Kombinationsfußball kaum möglich war. Sturmböen und strömender Regen machten es allen Akteuren schwer.

Ball flach halten war daher das Gebot des Spiels.

Den Bayern, die von beiden Teams die reifere und abgeklärtere Spielanlage zeigten und in Halbzeit eins gegen den Wind spielten, gelang das zunächst besser.

Offensiv erinnerten die Bayern jedoch an den Auftritt der DFB-Elf gegen Argentinien, sie blieben ohne Torchance.

Florenz machte den Gästen das Leben allerdings auch schwer. Wer es nicht besser gewusst hätte, der hätte meinen können, die Italiener seien mit einem 2:1-Sieg ins Rückspiel gegangen.

Einzig Juan Vargas versuchte, Schwung in das Angriffsspiel der Fiorentina zu bringen. Als seine von einem zögerlichen Philipp Lahm gestatteten Flanken zweimal keinen Abnehmer im Sturmzentrum gefunden hatten, ...

... warf sich Vargas selbst ins Getümmel - und stand dort in der 28. Minute goldrichtig.

Einen recht harmlosen 30-Meter-Flachschuss von Marco Marchionni konnte Bayern-Keeper Jörg Butt nur hilflos zur Seite abklatschen lassen - vor die Füße von Vargas, der den Ball aus acht Metern halblinks in den Winkel hämmerte. FCB-Abwehrchef Daniel van Buyten schaute interessiert zu.

Die Bayern zeigten sich vom Rückstand, der als Endstand das Aus im Achtelfinale bedeutet hätte, keineswegs geschockt. Mario Gomez schaut hier nur deshalb so bedröppelt, weil er nach 30 Minuten mit einem Muskelfaserriss ausgewechselt werden musste - und zuvor, zumindest gefühlt, ohne Ballkontakt geblieben war.

Gomez' auf dem Rasen verbliebene Teamkollegen zeigten Moral und hatten wenige Minuten nach dem Rückstand in Gestalt von Arjen Robben den Ausgleich auf dem Fuß. Dessen Schuss aus elf Metern konnte Florenz-Keeper Sebastien Frey, der alle Jubeljahre als neuer Bayern-Torwart gehandelt wird, jedoch glänzend parieren.

Da Robbens freistehend vergebene Großchance die einzige nennenswerte Bayern-Möglichkeit im ersten Durchgang blieb und Florenz nach der Führung wie vor der Führung spielte, ging der deutsche Rekordmeister mit einem 0:1-Rückstand in die Pause.

Im zweiten Durchgang überschlugen sich dann die Ereignisse.

Mit Rückenwind und Miroslav Klose im Sturm wollten die Bayern angreifen, ...

... doch die gefährlichere Mannschaft war Florenz. Zunächst scheiterte Alberto Gilardino mit einem Schuss aus sechs Metern am diesmal großartig reagierenden Butt (50.).

Wenig später legte Gilardino seinem Teamkollegen Stevan Jovetic aus Abseitsposition nach einer scharfen Hereingabe von rechts im Strafraum den Ball vorbildlich auf. Der 20-Jährige aus Montenegrino verwandelte mit einem Flachschuss in die lange Ecke zum 2:0 (54.).

Wie schon nach dem ersten Gegentor antworteten die Bayern prompt, und diesmal saß die Antwort.

Mit dem ersten guten Angriff der zweiten Halbzeit und der ersten guten Aktion von Ribery kamen die Bayern direkt zum Anschlusstreffer. Nach einem Pass des Franzosen von der rechten Strafraumgrenze traf Kapitän Mark van Bommel mit einem Flachschuss aus 17 Metern ...

... unhaltbar für Frey zum 1:2 (60.).

Das Aus war vorerst abgewendet und zumindest die Verlängerung erreicht.

Doch nach zwei Toren in fünf Minuten ging es in Florenz turbulent weiter.

Nach einer erneuten Vorlage von Gilardino, diesmal per Kopf, ...

... ließ erneut Jovetic erst Bayern-Verteidiger Daniel van Buyten alt aussehen und dann Butt keine Chance - und traf zum 3:1 für Florenz. Die Fußballstatistiker vermerkten für das vierte Tor der Partie, das der Fiorentina wieder den Weg ins erste Champions-League-Viertelfinale seit 1970 geebnet hätte, die 64. Minute.

Doch damit noch nicht genug des Torspektakels: Bevor die Bayern überhaupt dazu gekommen waren, sich auch nach dem dritten Gegentor keineswegs geschockt zu zeigen und alles nach vorn zu werfen, ...

... hatte Arjen Robben bereits das 2:3 für die Münchner erzielt - mit einem Tor, das man wahlweise als vom Winde verwehten Glückstreffer oder den Geniestreich eines begnadeten Fußballers werten kann.

Auf jeden Fall war es traumhaft anzuschauen, wie der Niederländer das Spielgerät im "Sturm von Florenz" aus 22 Metern in den Torwinkel jagte und er seine Bayern damit vor dem frühzeitigen K.o. in der Champions League bewahrte.

Das fand auch Franck Ribery, der im Gegensatz zu Robben im Bayernspiel keineswegs unersetzlich wirkte und nicht zum ersten Mal in dieser Saison klar im Schatten seines kongenialen Mittelfeldpartners stand.

Nach Robbens Treffer zum 2:3 hatten die Bayern noch ein, zwei brenzlige Situationen in der Abwehr zu überstehen, in der der erst 17-jährige David Alaba als Linksverteidiger im Gegensatz zu den übrigen drei Vierteln der Viererkette durchaus zu gefallen wusste.

Ein Tor fiel aber nicht mehr und das Tor zum Viertelfinale für die Bayern damit auch nicht mehr zu. Den ausgelassenen Zärtlichkeiten ...

... und feierlichen Herzlichkeiten nach Spielende stand damit nichts mehr im Wege - nicht einmal die Analyse von Coach Louis van Gaal.

Der sagte nach der Niederlage, die sich wie ein Sieg anfühlte: "Ich habe immer ein gutes Gefühl gehabt. Wir haben unter den Umständen auch ganz gut gespielt. Aber wir haben zuviele individuelle Fehler gemacht. Gegen individuelle Fehler kann man wenig machen. Heute haben wir auch gesehen, was fehlte. Das müssen wir verbessern."

Van Gaals Fazit: "Wir sind im Viertelfinale, das ist wichtig." Denn das war auch das erklärte Mindestziel für die Champions League. Triple-Träume, in die mancherorts schon verfallen wird, werden bei weiteren Abwehrleistungen wie gegen Florenz allerdings genau das bleiben: fromme Wünsche.

Bilderserie versenden
Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.

Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.