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Nur Zaungast im Heim-Finale: HSV verspielt historische Chance

 
Nur Zaungast im Heim-Finale: HSV verspielt historische Chance

Das Blöde an Trainerwechseln ist ja, pflegt der geschätzte Kollege G. zu sagen, dass man nicht weiß, ob sie etwas bringen.

Den Hamburger SV hielt das nach dem 1:5 in Hoffenheim nicht davon ab, ...

... auf die kollektive Arbeitsverweigerung seiner Profis vier Tage vor dem Rückspiel im Europa-League-Halbfinale …

… mit der Entlassung von Bruno Labbadia zu reagieren.

Dass sich die letzte Bundesligamannschaft, die nach einem 1:5 in Hoffenheim ihren Trainer getauscht hatte, ...

... auch im nächsten Spiel blamiert hatte, focht die Hamburger nicht an.

Schließlich hatte Hertha BSC im ersten Spiel unter Friedhelm Funkel seine Slapstick-Einlagenl gegen den HSV gezeigt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Im pittoresken Craven Cottage ...

... stand für Labbadia, der sich nach seiner Freistellung am Donnerstagabend ganz entspannt die aktuelle Folge von "Germany's Next Topmodel" gönnen konnte, ...

... der bisherige HSV-Techniktrainer Ricardo Moniz an der Seitenlinie.

Der Niederländer sollte als spaßiger Motivator sicherstellen, dass der HSV die historische Chance ...

.... auf das Europa-League-Endspiel im eigenen Stadion am 12. Mai auch nutzen würde.

Die Mission Finaleinzug begann vor den Augen von Fulhams Edelfan Hugh Grant allerdings rumplig. Der HSV hatte bereits in der dritten Minute die ersten Schrecksekunden zu überstehen, als die Londoner ihren Top-Stürmer Bobby Zamora glänzend in Szene setzten.

Der nach Achillessehnenproblemen erst kurz vor Anpfiff fit gewordene Angreifer scheiterte mit einer Doppelchance jedoch am stark reagierenden HSV-Keeper Frank Rost.

Vom frühen Schock ließen sich die Hamburger nicht aus der Ruhe bringen und versuchten fortan selbst, ihre Ambitionen auf den Finaleinzug spielerisch zu unterstreichen.

Aber: Zwingende Möglichkeiten sprangen trotz teilweise ansehnlicher Kombinationen zunächst nicht heraus. Beim finalen Zuspiel fehlte es immer wieder an Genauigkeit.

Für den ersten großen Glanzpunkt der Partie sorgte dann Angreifer Mladen Petric ...

... mit einem Freistoß.

Aus 30 Metern zirkelte der kroatische Nationalspieler …

… den Ball unhaltbar …

… in den Winkel des Fulham-Tores.

Die rund 1300 mitgereisten Fans teilten die Hamburger Freude auf dem Rasen.

Das Endspiel schien plötzlich sehr nah, da die Engländer nach dem 0:0 im Hinspiel nun schon mindestens zwei Tore zum Weiterkommen benötigten. In allzu große Bedrängnis konnten die Briten den HSV vorerst allerdings nicht bringen.

Erst nach dem Seitenwechsel erhöhte Fulham den Druck merklich und wurde in der 69. Minute schließlich für seinen Kampfgeist belohnt.

Fulhams Regisseur Danny Murphy bediente mit einem feinen Pass seinen Mittelfeldkollegen Simon Davies.

Anstatt den Waliser ins Abseits zu stellen, versuchte Hamburgs Guy Demel fatalerweise seinen Gegenspieler zu stellen.

Das misslang, …

… weil Davies erst den Ball virtuos über seinen Gegenspieler lupfte …

… und dann eiskalt ins rechte untere Toreck vollendete.

Der Davies-Treffer schockte die Hamburger sichtlich, ...

... obwohl die Gäste beim Stand von 1:1 nach 90 Minuten noch immer ins Heim-Finale eingezogen wären.

Der von Moniz betreute HSV wirkte plötzlich wieder wie der Labbadia-HSV der vergangenen Wochen. Unsicherheit machte sich im Spiel der Hanseaten breit, die Fulham in der 76. Minute zum zweiten Treffer nutzen konnte.

Nach einem Eckball verlor die HSV-Abwehr komplett die Orientierung. Zoltan Gera reagierte am schnellsten ...

... und verwandelte aus kurzer Distanz zur 2:1-Führung.

Das Aufbäumen der im zweiten Durchgang viel zu passiven Hamburger kam zu spät. Im Spiel nach vorn fehlten den Hamburgern Struktur und Ordnung, die Angst vor dem Versagen lähmte das Offensivspiel.

Trotzdem kamen die Hamburger noch einmal zu einer Großchance, als der eingewechselte Paolo Guerrero den Ball im Getümmel zu Angreifer Ruud van Nistelrooy durchsteckte.

Doch der Niederländer vergab den möglichen Ausgleich überhastet, sein Schuss ging weit am Tor vorbei.

"Wir gehen mit einem 1:0 in die Halbzeit, das war eigentlich gut. Aber danach haben wir die Kontrolle verloren, wir haben uns zu weit zurückgezogen. Das darf man gegen englische Mannschaften nicht machen", sagte Interimscoach Ricardo Moniz, als alles verloren war.

Sein Debüt endete zwar nicht so blamabel wie das von Friedhelm Funkel bei der Hertha. Aber es endete nicht minder bitter, gab Moniz zu: "Das ist jetzt ein harter Schlag, das müssen wir erstmal verarbeiten." Mit seinem nächsten Satz machte Moniz Herthas Floskel-Funkel dann alle Ehre, er lautete: "Aber es muss weitergehen."

Fakt ist: Die Hamburger dagegen stehen drei Tage nach der Entlassung von Trainer Bruno Labbadia vor den Trümmern einer lange Zeit vielversprechenden Saison. In der Liga ist eine erneute Qualifikation für die Europa League bei fünf Punkten Rückstand auf Platz sechs und zwei ausstehenden Spielen nur noch theoretisch möglich.

In der Europa League schaffte es auch Moniz nicht, den Abwärtstrend zu stoppen.

Dass die Hamburger, die im Vorjahr im Halbfinale an Werder Bremen gescheitert waren, das Verpassen des Endspiels im eigenen Stadion ins Mark traf, war allen Beteiligten nach der Partie anzusehen und anzuhören.

Einer der wenigen, die sich nach dem Spiel den Fragen der Presse stellten, war Torschütze Mladen Petric. Er bekannte völlig deprimiert: "Wir sind alle so enttäuscht, es war eine Riesenchance, das Finale im eigenen Stadion zu spielen." Was ihn besonders wurmte, war die Passivität in der zweiten Halbzeit: "Wie so oft in der Saison, haben wir unverständlicherweise aufgehört nach vorne zu spielen."

Das Endspiel am 12. Mai zwischen Roy Hodgsons Londonern ("Dieses Finale ist ein riesiger Erfolg für unseren Klub,") und Atletico Madrid werden die HSV-Profis im eigenen Stadion nur als Zuschauer erleben.

Die Spanier setzten sich in ihrem Halbfinale gegen Englands Rekordmeister FC Liverpool nach Verlängerung durch.

Der Italiener Alberto Aquilani egalisierte in der 44. Minute das 0:1 aus dem Hinspiel in Madrid.

In der Verlängerung brachte Yossi Benayoun die Gastgeber an der Anfield Road dann in der 95. Minute sogar mit 2:0 in Führung.

Doch nur acht Minuten, nachdem Benayoun die "Reds" scheinbar ins Finale geschossen hatte, schlug Atletico durch Diego Forlan zurück.

Der Torjäger, der schon im Hinspiel getroffen hatte, ...

... vollstreckte in der 103. Minute zum 1:2.

Vom Tor des Uruguayers erholte sich Liverpool, das eine ähnlich miserable Saison wie der HSV spielt, nicht mehr. Das Endspiel in Hamburg wird damit nicht zum Duell zweier Traditionsklubs, die ihre verkorksten Saison retten wollen.

Es wird zum Showdown der Außenseiter.

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