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Dienstag, 26. Juli 2011

"Testen, testen, testen": London im Olympia-Countdown

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Schrauben, schweißen, hämmern: In London ... (Foto: AP)

Schrauben, schweißen, hämmern: In London ...

Schrauben, schweißen, hämmern: In London ...

... bauen die Arbeiter derzeit noch an der laut Veranstalter "größten Show der Erde".

Meterhoch türmt sich der Sand im Stadtzentrum, vielerorts stehen Bauzäune. Sogar an der Horse Guard Parade (im Bild), wo sonst täglich tausende Touristen dem Wechsel der königlichen Wache zusehen, wird gebaut, ...

... denn dort entsteht der Beachvolleyball-Platz.

Der britische Premierminister David Cameron kam bereits vorbei, um den Sandplatz zu inspizieren ...

... und sich schon mal warmzuspielen.

Zudem hatten die Arbeiter mit Rasenmähern eine riesige Eins auf den olympischen Rasen gezaubert, denn nun heißt es: "1 year to go to the Olympic Games".

Noch genau zwölf Monate sind es bis zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele. (Countdown-Uhr am Trafalgar Square am 15. März 2011)

Regisseur Danny Boyle ("Slumdog Millionaire") hat erste Andeutungen über seine streng geheim gehaltene Choreographie der Eröffnungsfeier gemacht. Die Feier werde "viel Musik" enthalten und "alle Teile Großbritanniens" einbeziehen.

"Ein Jahr vor dem Start können wir sicher sagen: Wir sind bereit, die Welt willkommen zu heißen", so Londons Bürgermeister Boris Johnson.

Auch Organisationschef Sebastian Coe ist guter Stimmung: "Wir sind gut in Form", sagt der 1500-Meter-Olympiasieger von 1980 und 1984. Die hauptsächlichen Bauarbeiten seien abgeschlossen. "Jetzt heißt es ein Jahr lang testen, testen, testen".

London erlebt nun einen Vorgeschmack auf die Spiele: Am 27. Juli 2011 ...

... wird die 365-Tage-Marke mit einem Riesenfest ...

... auf dem Trafalgar Square gefeiert. Das soll der Welt zeigen, ...

... auf welch große Party sie sich 2012 freuen darf.

London ist immerhin die erste Stadt, ...

... die - nach 1906 und 1948 (im Bild) - zum dritten Mal die Sommerspiele ausrichten darf.

Wenn vom 27. Juli 2012 an für 17 Wettkampftage bei Olympia und anschließend bei den Paralympics die Welt zu Gast ist, will sich die englische Hauptstadt aufgehübscht haben.

Zehn Milliarden Pfund (rund 11,3 Milliarden Euro) lässt sich Großbritannien ...

... die Infrastruktur der Spiele kosten - allein 600 Millionen Pfund sind für die Sicherheit eingeplant. (Computergrafik des Olympischen Parks)

London scheint für das "Sportfest der Superlative" bereits weitgehend gewappnet.

Die Sportstätten für die mehr als 10.000 Athleten und die 302 Wettbewerbe in 26 Sportarten sind schon ein Jahr vor dem ersten Startschuss fast alle fertig. (Olympiastadion-Bau am 19. Juli 2011)

Am 8. Juni 2011 wurde bereits die Olympische Fackel präsentiert - hier von Cheforganisator Sebastian Coe im Londonder Bahnhof St. Pancras.

Sie ist 80 Zentimeter lang und so leicht, dass sie während des 70-tägigen Fackellaufs 2012 auch von Kindern getragen werden kann. Die doppelwandige Hülle ist perforiert, so dass die Flamme nicht nur am oberen Ende zu sehen ist, sondern auch durch die 8000 kleinen Löcher.

Schon im Mai 2010 wurden die Maskottchen für die Olympischen (Wenlock, links) und Paralympischen (Mandeville) Sommerspiele vorgestellt. Mit den Figuren werden Merchandising-Einnahmen von 15 Millionen englischen Pfund (etwa 17,4 Millionen Euro) erhofft.

Insgesamt wollen die Veranstalter 70 bis 80 Millionen Pfund durch den Verkauf von Fanartikeln einnehmen - dazu gehören auch Schmuckstücke mit Olympia-Motiven.

Am 27. Juli 2011 wurden nun auch die Medaillen präsentiert, sogar mit royaler Hilfe: ...

... von Prinzessin Anne (frühere Olympia-Reiterin) und Sebastian Coe (immerhin auch ein Baron: er wurde im Jahr 2000 zu einem Life Peer erhoben und er führt den Titel Baron Coe of Ranmore).

Also alles in Butter?

Keineswegs - das Transportsystem Londons bereitet noch Probleme und Kopfzerbrechen.

London hat seit der erfolgreichen Kandidatur im Jahr 2005 stattliche 6,5 Milliarden Pfund ...

... in sein U- und Regionalbahn-Netz gebuttert. Doch der ältesten Untergrundbahn der Welt sieht man die Verjüngungskur kaum an: ...

... Die Tunnel sind zu eng, die Bahnsteige zu schmal, ...

... die Züge zu klein.

Täglich zwölf Millionen Fahrten werden in der "Tube" absolviert, bei Olympia kommen schätzungsweise zwei bis drei Millionen dazu.

"Wir sind schon an einem normalen Tag nahe an der Kapazitätsgrenze", sagt Transportminister Hugh Robertson. Der letzte störungsfreie Tag war im Mai 2010.

Also wird fast verzweifelt nach Alternativen zur U-Bahn gesucht - dazu gehört etwa der Bootsverkehr auf dem weit verzweigten Londoner Kanalnetz.

Zudem wurden Leihfahrräder angeschafft. Mark Evers, bei "Transport for London" für die Olympiaausrichtung zuständig, zieht das vorläufige Fazit: "Wir haben eine unglaubliche Menge getan. Aber es wäre falsch, wenn ich sagen würde, wir haben nicht noch eine unglaubliche Menge zu tun."

Brennpunkt der Spiele wird der neue Olympiapark im Stadtteil Stratford - etwa sieben Kilometer östlich des Stadtzentrums gelegen. Auf der 2,5 Quadratkilometer großen, ehemalige Industriebrache ... (Archivbild der Brache von Juni 2005)

... steht das Olympiastadion (links) für die Leichtathletik sowie Eröffnungs- und Schlussfeier. (rechts der Aussichtsturm "ArcelorMittal Orbit", im Hintergrund das "Aquatic Centre", am 19. Juli 2011)

Auch die Handball-Arena, die Basketballhalle (Mitte), das Aquatics-Center und die Radsporthalle (vorn rechts) stehen im Olympiapark, direkt neben dem olympischen Dorf (links).

Das futuristische Aquatics Center mit der Water Polo Arena wurde von Star-Architektin Zaha Hadid entworfen.

Es sollen nachhaltige, umweltfreundliche Spiele werden, laut Organisationschef Coe sogar "die nachhaltigsten und die grünsten Spiele der Geschichte": Die Toiletten im olympischen Dorf werden mit Regenwasser betrieben. Zudem ...

... gibt es für jede Sportstätte einen Alternativ-Plan für die Zeit nach den Olympischen Spielen.

Das Olympiastadion (im Bild) etwa soll deutlich verkleinert werden und nach den Spielen dem Fußballclub West Ham United als Heimspielstätte dienen. Die Basketball-Halle verschwindet komplett und soll im Ausland wieder aufgebaut werden - sie wird wahrscheinlich an den Olympia-Gastgeber 2016, Rio de Janeiro, verkauft. Die Schwimmhalle ist für den Schul- und Freizeitsport vorgesehen.

Vor allem aber ist der Olympiapark im bisher eher vernachlässigten Londoner Osten Herzstück eines riesigen Stadterneuerungsprogrammes. (Velodrom im Olympiapark am 15. März 2010)

Im Stadtteil Newham, wo der Großteil des Olympiaparks steht, ist die Beschäftigungsrate die niedrigste in London. "Mit jeder Haltestelle zwischen der City und uns hier fällt die Lebenserwartung um zwei Jahre", sagt Sir Robin Wales, Bürgermeister von Newham. Dafür sind Arbeitslosigkeit und Kriminalität umso höher. Das soll sich nun ändern, denn ...

... dort, wo früher Industrieschlote und Schlachthäuser Schmutz verbreiteten, stehen nun die neuen Sportstätten.

Dazu kommen rundherum 8000 neue Wohnungen, ein städtisches Naherholungsgebiet und das größte Einkaufszentrum Europas.

Allein in dem neuen Einkaufs- und Bürokomplex sollen 20.000 dauerhafte Arbeitsplätze entstehen.

Die Organisatoren sind - zu Recht - noch auf eine andere Tatsache stolz: Während die Olympia-Etats vieler Gastgeber bisher oft explodierten, liegt London 950 Millionen unter dem Gesamtbudget von 12,5 Milliarden Euro. Es zahlt sich wohl jetzt aus, dass vor zwei Jahren angesichts der weltweiten Finanzkrise sehr vorsichtig geplant wurde.

Trotz alledem breitet sich Ärger unter den Londonern aus, die Gefahr einer olympiafeindlichen Stimmung in der Bevölkerung wächst. Denn ...

... als London im Jahr 2005 den Zuschlag für die Spiele 2012 bekam, versprachen die Organisatoren ihren Bürgern, sie könnten Olympia hautnah erleben. Viele fühlen sich nun betrogen, weil die Realität anders aussieht.

1,2 der 1,9 Millionen Londoner Antragsteller auf Olympiatickets gingen leer aus. Nur ein Teil von ihnen kann hoffen, Anfang 2012 in der letzten Vorverkaufsrunde noch einige der weltweit nicht verkauften Karten zu ergattern.

Das Organisationskomitee LOCOG unter Sebastian Coe versucht, die Stimmung in der Bevölkerung trotzdem ...

... ... möglichst positiv zu gestalten - unter anderem ...

... mit der großen Party am Trafalgar Square, die nun ein Jahr vor Eröffnung der Spiele London ...

... und den Londonern das Olympiafeeling geben soll. Ready, steady, go! (Text: Andrea Beu, mit dpa/sid)

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