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Der Bengel, der Extreme liebt: Mario Balotelli, Italiens Fußballexzentriker

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Groß, muskulös, ... (Foto: REUTERS)

Groß, muskulös, ...

Groß, muskulös, ...

... schrille Frisur, ...

... dicke Brillanten-Ohrringe, teure Autos und heiße Frauen: ...

... Mario Balotelli ist erst 21 Jahre alt, hat aber schon mehr Skandale verursacht, ...

... als Tore geschossen.

Selten gab es eine explosivere Mischung als diesen Mann.

Genie und Wahnsinn vereinen sich in dem 1,90 Meter großen Italiener.

Die Geschichten um Mario Balotelli handeln von Dartpfeilen, Prostituierten und einem Badezimmerbrand.

Dabei ist er italienischer und englischer Meister, wurde bester Nachwuchsspieler Europas – ein Vorbild ist er dennoch nicht.

Er ist ein naiver Kindskopf, mit Hang zum beherzten Sprung ins Fettnäpfchen. Sein Berater vergleicht ihn gerne mit Peter Pan, der nie erwachsen wurde.

"Peter Pan lässt die Leute lachen, ich könnte also Peter Pan sein", sagt Balotelli über sich: "Ich bin frei, ein bisschen anders, ich könnte Pan sein. Aber ich bin erwachsener als Peter Pan."

Unvergessen seine Bodybuilder-Pose beim 2:1 im EM-Halbfinale gegen Deutschland. Balotelli schoss beide Tore für die Italiener und ließ danach mit freiem Oberkörper die Muskeln spielen.

Balotelli nennt sich selbst den Jimi Hendrix des Fußballs. Er würde nach der Karriere gern Rocker werden.

Das passt. Rocker brechen gerne Regeln. Mario auch. Falsch parken (30 Mal abgeschleppt) ist noch ein eher harmloses Hobby von ihm.

Auf dem Trainingsgelände in Manchester bewarf er Jugendspieler mal mit Dartpfeilen.

Mit seinem jüngeren Bruder Enock Barwuah betrat er in Brescia unerlaubt ein Frauengefängnis. Und gab im Polizei-Verhör kleinlaut zu, dass er nicht wusste, dass man da nicht so einfach reinmarschieren dürfe.

Oder die Sache, als Böller um 1 Uhr morgens in seinem Badezimmer explodierten. Zwei Löschzüge rückten an, um das Feuer zu bekämpfen.

Mit den Frauen ist das auch so eine Geschichte. Gerade hat er sich mit Freundin Raffaella Fico versöhnt. Das Model wird im Dezember Balotellis Baby zur Welt bringen.

Man darf gespannt sein, wie lange diese Beziehung hält. Immerhin soll der Italiener auch ein Verhältnis mit Escort-Lady Jenny Thompson gehabt haben. Die ist ebenfalls schwanger. Nach ihren Angaben ist Balotelli einer von fünf Kandidaten.

Will man ihn verstehen, hilft ein Blick in die Kindheit. Balotelli wurde als Sohn ghanaischer Einwanderer 1990 in Palermo geboren. Als Dreijähriger wurde er von seinen Eltern in einem Spital zurückgelassen, weil sie für Behandlungskosten nicht aufkommen konnten.

Er wurde von der Pflegefamilie Balotelli nahe Brescia aufgenommen. Nicht adoptiert, musste er sich bis zum 18. Lebensjahr gedulden, ehe er italienischer Staatsbürger werden durfte.

Über AC Lumezzane (2005-2007) und Inter Mailand (2007-2010, 20 Tore in 59 Spielen) führte sein Weg als Profikicker zu Manchester City (19 Tore in 40 Spielen), wo er einen nicht unbedeutenden Anteil am ersten Meistertitel der Citizens seit 1968 hatte.

Fußball spielt er, seit er fünf ist. Im Jahr 2006, als Italien Weltmeister wurde, war er 15 und wurde mit einer Ausnahmegenehmigung als jüngster Spieler für die Serie C zugelassen, die dritte italienische Liga. Eineinhalb Jahre später trat er bereits in der ersten Liga an.

Sein Talent beim Fußball wurde schnell offensichtlich. Sein Hang zur Selbstdarstellung auch.

Mit seiner teilweise arroganten Haltung versucht Balotelli, ein Schutzschild um sich zu errichten. Auch gegen den Rassismus. In Italien wurde er wegen seiner Hautfarbe angefeindet.

Allerdings trugen seine Aussagen auch nicht gerade zur Deeskalation bei. Vor der EM im Sommer sagte er "France Football": "Wenn mich jemand auf der Straße mit einer Banane bewirft, werde ich ins Gefängnis gehen müssen, weil ich denjenigen umbringen werde."

Balotelli raucht und trinkt, feiert gerne vor den Spielen und fährt seine Luxus-Karren zu Schrott – die Liste scheint kein Ende zu haben.

Auch auf dem Platz. Dort sammelt er fleißig Rote Karten.

Allein in der vergangenen Saison waren es vier. Auf der Ersatzbank spielte er auch schon mal gelangweilt auf seinem iPad.

Mit der Kugel kann er alles.

Mario Balotelli liebt es, seine Gegner zu düpieren. Er gilt als arrogant.

Aber neben dem Platz hat der bullige Angreifer auch eine sanfte, soziale Seite.

Viele Weggefährten wie Manchester Citys Torwart Joe Hart versichern: "Eigentlich ist Mario ein guter Typ."

Balotelli hat durchaus ein Herz, vor allem für benachteiligte Menschen. Am vergangenen Jahreswechsel soll er 24 Obdachlosen eine Woche im Hilton Hotel in Manchester spendiert haben. Essen, Getränke und Haarschnitt inklusive.

Aber es ist nicht seine einzige gute Tat. Nach dem FA-Cup-Aus zahlte er in einer Bar eine Stunde lang alle Getränke für die frustrierten Fans, ließ an einer Tankstelle mal alle Kunden auf seine Kosten volltanken.

Der Italiener liebt es, wenn die Menschen um ihn herum etwas zu lachen haben.

Wohin der Weg des Mario Balotelli führt, bleibt abzuwarten.

Roberto Mancini, sein Trainer bei Manchester City, hatte seinen Skandal-Stürmer wegen Zigarrenkonsums für das 2:3 bei Real Madrid aus dem Aufgebot gestrichen: "Ich hoffe für ihn und den Fußball allgemein, dass er irgendwann zur Vernunft kommt", sagt Mancini.

Sein Ex-Trainer José Mourinho hat dagegen die Hoffnung längst aufgegeben: "Der hat leider nur eine Hirnzelle."

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