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Der deutsche U21-Kader: Özils Erben wollten den EM-Titel

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Rainer Adrion könnte jammern. (Foto: dpa)

Rainer Adrion könnte jammern.

Rainer Adrion könnte jammern.

Über die Todesgruppe mit den Niederlanden, Spanien und Russland, in die seine U21-Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft in Israel gelost wurde.

Und über die Spieler, die ihm beim Turnier der besten europäischen Nachwuchsmannschaften nicht zur Verfügung stehen, weil sie zu gut sind für die Nachwuchs-Nationalmannschaft und schon von Bundestrainer Joachim Löw gebraucht werden.

Bundesliga-Stars wie Ilkay Gündogan, Mario Götze, Andre Schürrle, Julian Draxler oder Marc-Andre ter Stegen.

Oder über die Abwehr-Stammkräfte Sebastian Jung (v.l.) und Jan Kirchhoff, die wie Tolgay Arslan verletzt passen müssen und damit unfreiwillig die gewachsene Hierarchie im U21-Team durcheinanderbringen.

Aber Rainer Adrion jammert nicht, der Trainer sagt wie die meisten seiner Spieler: "Natürlich wollen wir Europameister werden, das ist unser Traum." Doch es hat nicht geklappt, der Traum ist geplatzt, es so zu machen wie ...

... 2009, als die U21 von Horst Hrubesch mit Spielern wie Manuel Neuer, Mesut Özil, Sami Khedira und Mats Hummels zum Titel stürmte.

Nachdem Adrion 2011 die Qualifikation für die EM verpasst hatte, war er zuversichtlich, für den Titelgewinn 2013 "das richtige Aufgebot" nominiert zu haben: "Es stellt eine gute Mixtur aus erfahrenen U21-Spielern und aufstrebenden Talenten, Bundesliga-Stammkräften und Nachwuchshoffnungen mit spannendem Potenzial dar."

Nicht nur für die Spieler wäre es einer der größten Erfolge ihrer Laufbahn gewesen, auch für den 59-jährigen Adrion. Dessen Trainervita schmücken nach Stationen in den niedrigeren Fußballregionen noch keine Titel.

Adrions U21-Europameister-Aspiranten um Kapitän Lewis Holtby im Kurzporträt.

 

Bernd Leno (Bayer Leverkusen, 7 Länderspiele/0 Tore): Mit 21 Jahren schon unumstrittener Bundesliga-Stammtorhüter in Leverkusen und Champions-League-erfahren.

Weiß auch, wie man U-Titel gewinnt. War schon beim U-17-Triumph dabei, damals allerdings hinter Marc-Andre ter Stegen ohne Einsatzzeit. Diesmal klar die Nr. 1 bei Adrion.

Oliver Baumann (SC Freiburg, 9/-): Zwei Jahre älter als Leno und mehr U-Länderspiele auf dem Konto, aber trotzdem nur die Nr. 2 bei der EM.

Hat in der Bundesliga entscheidend dazu beigetragen, dass Freiburg in der nächsten Saison international spielt.

Timo Horn (1. FC Köln, 0 Länderspiele): Der 20-jährige Horn hat bislang noch kein U-21-Länderspiel absolviert und dürfte das auch in Israel nicht tun.

Horn ist ein Mann für die Zukunft, das hat er in der seiner ersten Profisaison für Köln nachgewiesen. Ist bei der EM trotzdem nur dabei, weil sich Frankfurts Kevin Trapp bei DFB-Werbeaufnahmen verletzt hat.

 

Lasse Sobiech (Greuther Fürth, 15/2): Der 22-jährige Innenverteidiger steht in Dortmund unter Vertrag, spielte aber in den vergangenen beiden Spielzeiten nicht für den BVB, sondern zuletzt in Fürth.

Stieg mit den Franken nach einer heimsieglosen Saison aus der 1. Liga ab. Freut sich deshalb, dass die EM auswärts stattfindet. Zählt mit 15 Einsätzen zu den erfahrensten Spielern im Kader und ist in der Abwehr gesetzt. Kann zudem nicht nur Tore verhindern, sondern auch schießen.

Stefan Thesker (TSG Hoffenheim, 4/-): Der 22-Jährige hat in der Horrorsaison von Hoffenheim zunächst kaum gespielt und trotzdem gute Chancen, mit Sobiech das deutsche Innenverteidiger-Pärchen zu bilden.

Kommt mit dem Schwung des verhinderten Abstiegs zur EM, auch wenn er im entscheidenden Relegationsspiel gegen Kaiserslautern bereits nach 30 Minuten wegen Überforderung vom Platz musste.

Matthias Ginter (SC Freiburg, Neuling): Der Innenverteidiger aus dem Breisgau ist Jahrgang 1994 und der Jüngste im DFB-Kader.

Kommt bereits auf 36 Ligaspiele für die Freiburger und zwei Tore. Das erste schoss er bei seinem Bundesliga-Debüt am 21. Januar 2012, zwei Tage nach seinem 18. Geburtstag. Es war das Siegtor gegen Augsburg und damit eines dieser Märchen, die der Fußball schreibt.

Antonio Rüdiger (VfB Stuttgart, 3/-): Profitierte vom Verletzungspech in der DFB-Abwehr, rückte kurzfristig nach und wohl direkt in die Startelf zum EM-Start gegen Holland.

Ersetzt links in der Abwehrkette den verletzten Frankfurter Sebastian Jung. Durfte im Pokalfinale gegen den FC Bayern überraschend durchspielen, tat das aber überzeugend.

Oliver Sorg (SC Freiburg, 3/-): Der 23-Jährige ist einer von drei Freiburgern im deutschen Kader. Der Linksfuß ist im Verein seit der Rückrunde 2012 unverzichtbar und spielt, wenig überraschend, meist als Linksverteidiger.

Tony Jantschke (Bor. Mönchengladbach, 15/-) Der 23-jährige Gladbacher sieht sich selbst als Allrounder in der Abwehr, ist bei den Borussen aber auf rechts gesetzt.

Die Stärken des Außenverteidigers liegen klar in der Verteidigung. Ist im EM-Kader der Spieler mit dem schlechtesten Verhältnis von Einsätzen zu Toren. Hat in der 15 Länderspielen nämlich noch nicht getroffen.

Sead Kolasinac (FC Schalke, Neuling): Mit 19 Jahren schon gesetzt bei "Königsblau", als Linksverteidiger.

Im U-21-Team die Alternative zu Rüdiger und Sorg. Feiert am 20. Juni seinen 20. Geburtstag - zwei Tage nach dem EM-Finale.

Shkodran Mustafi (Sampdoria Genua, 1/-): Der 21-jährige Abwehrmann ist neben Kapitän Holtby der einzige Legionär im EM-Kader. Begann in der Jugend des Hamburger SV, setzte seine Fußballausbildung dann in England beim FC Everton fort, verteidigt nun seit Januar 2012 in Italien für Sampdoria Genua.

Zählte 2009 beim EM-Gewinn der U17 zu den Leistungsträgern. Bestritt damals alle Turnierspiele über die volle Distanz.

 

Patrick Funk (St. Pauli, 14/1): Hat sich beim Zweitligisten für die U21-EM empfohlen, ist schon seit 2010 im Team dabei.

Der defensive Mittelfeldspieler gibt in Israel wohl seine Abschiedsvorstellung im DFB-Trikot. Für die Juniorenteams ist er nach der EM zu alt, für Joachim Löw angesichts der Fülle an herausragenden Mittelfeldspielern nicht gut genug.

Lewis Holtby (Tottenham Hotspur, 21/13): Star, Spielmacher, Kapitän - all diese Attribute treffen auf den 22-jährigen Holtby zu.

Als Zehner lenkt er das Offensivspiel der U21, kommt dabei aber auch gern selbst zum Abschluss.

Ist mit 21 Einsätzen der erfahrenste Spieler im Kader und mit13 Treffern auch der torgefährlichste.

Sebastian Rode (Eintracht Frankfurt, 3/-): Der 22-jährige Noch-Frankfurter und Bald-Bayer (ab 2014) hält Holtby den Rücken frei, bereichtert aber auch selbst das Angriffsspiel.

Rode ist ein moderner Sechser, ein Stratege, der Kampf mit Kunst verbindet - und im EM-Team gesetzt ist, sofern er gesund bleibt. Hatte zuletzt kleinere Verletzungsprobleme.

Patrick Herrmann (Bor. Mönchengladbach, 11/2): Der 22-Jährige Tempodribbler stand im März 2013 vor seinem Debüt bei Joachim Löw. In Israel ist er auf dem Weg zum Titel als Vorbereiter gefragt.

Sebastian Rudy (TSG Hoffenheim, 20/3): Bildet mit Namensvetter Rode die Doppelsechs im defensiven Mittelfeld.

Ackerte dort schon 20 Mal für die U-21-Auswahl, gehört mit seinen 23 Jahren auch zu den Ältesten im Team.

Christian Clemens (1. FC Köln, 2/-): Der zweite Kölner im deutschen EM-Team. Wie Vereinskollege Horn nach dem verpassten Aufstieg mit dem FC auch zur Frustbewältigung in Israel.

Aber mutmaßlich weniger frustriert, da er Köln nach der EM wahrscheinlich verlässt und einfach in die 1. Liga wechselt.

Christoph Moritz (FC Schalke, 7/-): Noch ein Frustfußballer im deutschen EM-Mittelfeld. Moritz hat drei harte Jahre hinter sich und eine Saison in Königsblau ohne Spiel über 90 Minuten. Wechselt wie Sturmkollege Polter nach dem Turnier nach Mainz.

Emre Can (FC Bayern, Neuling): Der 19-jährige Mittelfeldspieler vom Triplesieger aus München ist die Überraschung in Adrions Kader. Nur eine Woche älter als Nesthäkchen Ginter.

 

Kevin Volland (TSG Hoffenheim , 7/3): Wie Mlapa bei 1860 München ausgebildet und dann zu Hoffenheim gegangen, im Gegensatz zu Mlapa aber dort geblieben.

Der 20-jährige Volland stand in allen Ligaspielen für Hoffenheim auf dem Platz, erzielte dabei sechs Tore und gab zwölf Vorlagen. Offensivqualitäten, die auch Rainer Adrion schätzt und mit einem Platz in der Startelf gegen Holland belohnen dürfte.

Peniel Mlapa (Bor. Mönchengladbach, 20/8): Der 22-jährige Gladbacher ist einer der treffsicherten Spieler im deutschen EM-Kader.

Nur Kapitän Holtby traf öfter als der vielseitige Sturmtank aus Togo, der für die Borussia in 20 Ligaspielen nur zweimal traf - und im übrigen laut "Süddeutscher Zeitung" über sich sagt: "Ich fühle mich als Bayer."

Sebastian Polter (1. FC Nürnberg, 8/4): Der 22-Jährige gehörte eigentlich dem VfL Wolfsburg, wurde von dem in der vergangenen Saison aber nach Nürnberg ausgeliehen und spielte dort eine ordentliche Saison.

Überzeugt mit Robustheit und Einsatzfreude im Sturmzentrum, ist auch abschlussfreudig, allerdings noch kein eiskalter Vollstrecker.

Bildet sich in der neuen Saison unter Konzepttrainer Thomas Tuchel beim FSV Mainz fußballerisch fort.

Pierre-Michel Lasogga (Hertha BSC, 9/4): Als die U21 vor vier Jahren den Titel holte, glückte das ohne echten Stürmer. Diesmal gibt es sogar vier, denn auch der 21-jährige Lasogga erfüllt das Profil eines echten Neuners.

Konnte, da lange verletzt, bei Hertha in der Zweitliga-Aufstiegssaison nur wenig spielen, sieben Spiele und ein Tor bedeuten keinen Stammplatz.

Wird von Adrion trotzdem hoch geschätzt, auch wegen seiner Historie. Bestritt sein erstes U-21-Länderspiel am 26. März 2011, gegen die Niederlande, und traf sofort. "Ein Tor gemacht, gewonnen - besser kann ein Debüt nicht verlaufen", schwärmte er damals nach dem 3:1-Sieg.

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