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Er hat jahrelang alles versucht - nun hat Fußball-Profi Sebastian Deisler den ständigen Kampf gegen Körper und Geist endgültig aufgegeben.
Der Fußball-Nationalspieler beendete am 16. Januar 2007 nach zahllosen Verletzungen und Erkrankungen mit sofortiger Wirkung seine Karriere.
Während der 27-Jährige nach eigener Aussage "glücklich mit dieser Entscheidung ist", hinterließ er bei seinem Abgang von der Säbener Straße kurz nach 12.00 Uhr einen "fassungslosen" Manager Uli Hoeneß und eine völlig geschockte Mannschaft bei Bayern München.
"Ich habe nicht mehr das richtige Vertrauen in mein Knie. Es war zuletzt für mich eine Qual. Ich konnte nicht mehr mit der richtigen Freude Fußball spielen, sondern fühlte mich stark behindert", erklärte Deisler auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz im Beisein von Hoeneß.
Und fügte an: "Dass es nicht nur an den Verletzungen, sondern auch an anderen Dingen lag, liegt doch auf der Hand."
Wiederholt war der 36-malige Nationalspieler auch wegen Depressionen behandelt worden.
Nach einer schweren Knieverletzung schien Deisler Ende des vergangenen Jahres auf einem guten Weg zu sein. Er feierte sein Comeback in der Bundesliga ...
... und fuhr mit der Mannschaft ins Trainingslager nach Dubai.
Doch schon in Dubai informierte er Manager Uli Hoeneß in der vergangenen Woche über seine Pläne, die schon lange in ihm gereift seien.
In stundenlangen Gesprächen versuchte der Manager nach eigenen Worten noch bis in den späten Montagabend hinein, Deisler umzustimmen - vergebens.
Am Dienstagvormittag um 10.30 Uhr erschien der begnadete Techniker im Büro von Hoeneß und zog defintiv einen Schlussstrich unter eine Karriere, die eigentlich nie so richtig begonnen hatte.
"Ich bedaure seinen Entschluss unheimlich und bin fassungslos. Ich hatte immer gehofft, dass dies nur ein Albtraum ist. Auch die Mannschaft ist sehr geschockt", sagte Hoeneß, der nach eigenem Bekunden bis zum Schluss "alles versucht hat".
Am Ende sei man aber doch zur Erkenntnis gekommen, dass es keinen Sinn mehr macht, weiterzukämpfen: "Wir haben den Kampf verloren".
Allerdings ließen die Bayern Deisler ein kleines Hintertürchen offen: So will der Rekordmeister hat den bis zum bis 30. Juni 2009 datierten Vertrag nur ruhen lassen.
Dieser Passus solle, so Hoeneß, "ein Anker für ihn sein. Wir wollten ihm das Gefühl geben, dass er immer zurückkommen kann. Das ist aber ganz alleine seine Entscheidung".
Nach einer Rückkehr auf den Fußballplatz sieht es bei Deisler indes nicht aus.
Zu sehr haben ihm offensichtlich seine vielen Verletzungen zugesetzt.
Auch seine labile psychische Verfassung - 2003 und 2004 war er nach Depressionen monatelang ausgefallen und in Behandlung - ließen beim 27-Jährigen wohl den Entschluss reifen, dem Profi-Fußball den Rücken zu kehren.
Es sei nicht einfach für ihn gewesen, aber "nur noch ein bisschen mitspielen" wollte er dann doch nicht.
"Ich war nicht mehr völlig frei. Halbe Sachen bringen mir und der Mannschaft nichts", sagte Deisler zu seinem Rücktritt.
Während am 26. Januar für den FC Bayern die Rückrunde in der Bundesliga beginnt, will Deisler nun "in aller Ruhe erst einmal Abstand gewinnen. Ich werde vielleicht verreisen, mich um meine kleine Familie kümmern."
"Und dann gucken wir mal, wie es weitergeht."
Bundestrainer Joachim Löw, der für die kommenden Jahre auf den Mittelfeldspieler gesetzt hatte, war von Deislers Entscheidung "völlig überrascht" worden.
"Vor Weihnachten habe ich mit ihm noch telefoniert, da hat er einen optimistischen Eindruck hinterlassen. Man muss seine Entscheidung aber akzeptieren", sagte Löw.
Denn Deisler müsse auf seinen Körper hören, räumte Löw ein: "Er hat überragende fußballerische Fähigkeiten, aber in seiner Karriere natürlich mit Verletzungen und Krankheiten sehr, sehr viel zu tun gehabt."
Auch der ehemalige Teamchef Rudi Völler konnte es "kaum fassen" und fand es "furchtbar schade, dass Deislers Karriere so endet".
Deisler, am 5. Januar 1980 in Lörrach geboren, galt einst als größtes deutsches Fußball-Talent.
Sein Bundesliga-Debüt feierte er 1998 bei Borussia Mönchengladbach.
Es folgten die Stationen Hertha BSC Berlin ?
? und FC Bayern. Die Münchner verpflichteten Deisler 2002 für 9,5 Millionen Euro.
In der Bundesliga lief er insgesamt 135 Mal auf, davon 62 Mal für die Bayern.
Mit dem Rekordmeister gewann er auch je dreimal den DFB-Pokal und die Meisterschaft.
Für die Nationalelf bestritt der 27-Jährige 36 Länderspiele, sein letztes am 1. März 2006.
Auf Grund von Verletzungen verpasste er die Teilnahmen an den Weltmeisterschaften 2002 in Südkorea und Japan sowie 2006 in Deutschland.
Auch sonst prägte chronisches Verletzungspech Deislers Karriere.
Seit 1998 musste der Mittelfeldspieler mehr als 20 Verletzungen verkraften, ...
... immer wieder war er zum Zuschauen verdammt.
Fünf Operationen im rechten Knie hatten eine Fortsetzung seiner Karriere schon früher in Frage gestellt.
Wie der FC Bayern auf Deislers Rücktritt reagiert, ...
... konnte und wollte Hoeneß am Dienstagmittag nicht sagen. "Ich muss jetzt erst einmal meine Gedanken frei kriegen, dann denke ich ab Nachmittag wieder über die Zukunft nach."
Durch den Abschied von Deisler wird es jedoch immer wahrscheinlicher, ...
... dass sich der deutsche Meister nun intensiv um Franck Ribery von Olympique Marseille bemühen wird.
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