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Doping, Lügen, Schiebung, Tätlichkeiten: Unvergessene Skandale im Sport

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... einen 100.000 US-Dollar-Deal mit mafiösen Zockern gemacht und die World Series (damals das größte nationale Sportereignis der USA) manipuliert hatten. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

... einen 100.000 US-Dollar-Deal mit mafiösen Zockern gemacht und die World Series (damals das größte nationale Sportereignis der USA) manipuliert hatten.

Der erste große Wettskandal in der Geschichte des Sports liegt fast 100 Jahre zurück. Im Jahr 1919 wurden acht Spieler der Chicago White Sox lebenslang vom Baseball verbannt, nachdem sie ...

... einen 100.000 US-Dollar-Deal mit mafiösen Zockern gemacht und die World Series (damals das größte nationale Sportereignis der USA) manipuliert hatten.

Unter den großen Karrieren, die damals zerstört wurden, war auch die von Shoeless Joe Jackson, der damals während der Finalserie als einziger einen Home Run schlagen konnte. Während der Gerichtsverhandlung schrie ein Junge in Richtung des White-Sox-Stars: "Say it ain’t so, Joe" (Sag, dass es nicht wahr ist, Joe).

Horst Gregorio Canellas (Bildmitte), damaliger Präsident von Kickers Offenbach, spielte am 6. Juni 1971 auf seinem Geburtstags-Gartenfest vor zahlreichen Gästen, darunter auch Bundestrainer Helmut Schön, ein Tonband vor, auf dem zu hören war, wie die Spieler Manfred Manglitz (1. FC Köln), Tasso Wild und Bernd Patzke (beide Hertha BSC) gerade Ergebnisse verschieben.

Am Ende stellt sich heraus, dass nicht weniger als 18 Spiele in der Endphase der Saison 1970/71 gekauft worden waren. Fast jedes für den Abstieg bedeutsame Spiel wurde manipuliert. Die Bundesliga hatte ihren ersten großen Skandal.

Über 60 Profis aus zehn Vereinen waren beteiligt, für fast eine Million Mark wurden Punkte wie auf dem Jahrmarkt gehandelt. Wild und Manglitz wurden auf Lebenszeit gesperrt, Patzke für zehn Jahre. Manglitz musste 25.000 Mark Strafe zahlen. Kickers Offenbach wurde für zwei Jahre die Lizenz entzogen.

Das WM-Spiel zwischen Deutschland und Österreich 1982 in Spanien bleibt für immer die "Schande von Gijon". Die Gegner wussten vor dem Anpfiff, dass ein knapper deutscher Sieg beiden das Weiterkommen in die nächste Runde garantierte. Als Horst Hrubesch in der 11. Minute für die DFB-Elf traf, stellten beide Teams schnell alle Angriffsbemühungen ein.

Der große Verlierer dieses Skandalspiels war die Mannschaft Algeriens, die so um die Chance auf den Aufstieg gebracht wurde.

Mit großem Vorsprung und in der für damalige Verhältnisse unfassbaren Rekordzeit von 9,79 Sekunden legte Ben Johnson bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988 die 100 Meter zurück.

Goldmedaille, Weltrekord, heldenhafte Verehrung. Allerdings nur für zwei Tage. Dann wurde das Ergebnis seiner positiven Doping-Probe bekannt und aus dem meistgefeierten Leichtathleten aller Zeiten einer der unbeliebtesten.

Im Urin des Kanadiers waren deutliche Spuren des Steroids Stanozolol gefunden worden. Johnson gab daraufhin zu, schon sieben Jahre lang zu unerlaubten Mitteln gegriffen zu haben, und wurde für zwei Jahre gesperrt.

Als er später ein Comeback wagte, konnte er nicht mehr an die früheren Leistungen anknüpfen - und wurde nach einem erneuten positiven Dopingbefund 1993 lebenslang gesperrt.

Die Karriere seines Freundes zeichnet sich ebenso durch Titel, Tricks und Tore aus wie durch Drogen-Skandale und Alkohol-Eskapaden:

1991 wurde Diego Maradona erstmals des Dopings überführt, beim SSC Neapel entlassen und vom argentinischen Verband 15 Monate gesperrt.

Nach seinem Comeback fiel er während der Fußball-WM 1994 erneut auf. Nachdem bei dem argentinischen Superstar die verbotene Substanz Ephedrin nachgewiesen wurde, sperrte ihn der Weltverband Fifa erneut 15 Monate.

Maradona kam anschließend nie wieder in Form - auch sein Körper nicht.

Sie war 1991 die Weltsportlerin des Jahres. Doch nach zwei WM-Titeln über 100 und 200 Meter kam für Katrin Krabbe der große Knall.

1992 wurde Krabbe das unerlaubte Doping-Mittel Clenbuterol nachgewiesen. Die einjährige Sperre durch den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) wurde vom Weltverband IAAF auf zwei Jahre verlängert.

Nach Ansicht Münchner Gerichte beeinträchtigte diese Sperre das Grundrecht auf freie Berufsausübung. Sie erkannten einen Schadenersatzanspruch der Sprinterin gegenüber der IAAF in Höhe von 1,2 Millionen D-Mark an.

Dass auch Eisprinzessinnen eine dunkle Seite haben können, zeigt der Skandal um Tonya Harding (l.). Vor den Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer versuchte sie ihre US-amerikanische Konkurrentin Nancy Kerrigan (r.) im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Weg zu räumen.

Hardings Ex-Mann Jeff Gillooly heuerte Shane Stant (im Bild) für ein Attentat an. Stant schlug Kerrigan mit einer Eisenstange aufs Knie - ...

Tonya Harding gewann in Abwesenheit ihrer Konkurrentin die US-Meisterschaften 1994.

Den Titel wurde sie jedoch schnell wieder los, nachdem Hardings Verbindungen zum Attentat bekannt wurden. Zudem wurde sie zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Mit 20 Jahren war er der jüngste Boxer, der Weltmeister wurde. Noch mehr Schlagzeilen machte Mike Tyson aber mit seinen Skandalen.

Wegen angeblicher Vergewaltigung musste der US-Amerikaner 1992 in den Knast und konnte den Kampf gegen Evander Holyfield erst mit vier Jahren Verspätung antreten.

Am 28. Juni 1997 biss Mike Tyson Evander Holyfield in einem Kampf um den WM-Titel im Schwergewicht ein Stück ...

... vom rechten Ohr ab. Tyson wurde daraufhin die Box-Lizenz entzogen, sein ohnehin schon ramponierter Ruf war endgültig zerstört.

Der an Skandalen ohnehin schon nicht armen Geschichte der Tour de France wurde im Sommer 1998 das bislang wohl dunkelste Kapitel hinzugefügt. Nachdem im Auto eines Betreuers des Spitzenteams "Festina" haufenweise Dopingmittel gefunden wurden, wurde das komplette Team von der Tour ausgeschlossen.

In der Folge machte die französische Polizei auch bei anderen Teams Razzien, was dazu führte, dass sich die spanischen Mannschaften aus Protest gegen die Ermittlungsmethoden der Polizei von der Tour zurückzogen.

Beim Zieleinlauf in Paris waren schließlich weniger als die Hälfte der ursprünglichen Teilnehmer der Tour dabei.

Sieger wurde der Italiener Marco Pantani – der ein Jahr später beim Giro d’Italia wegen Dopings disqualifiziert wurde.

1999 erlangte Dieter Baumann durch die "Zahnpasta-Affäre" zweifelhaften Ruhm.

Der 5000-Meter-Olympiasieger von 1992 wurde des Dopings überführt, nachdem in seiner Zahnpasta-Tube der Wirkstoff Nandrolon gefunden wurde.

Der Schwabe brachte den Fall vor den Internationalen Sportgerichtshof, wurde aber 2000 endgültig von den Spielen in Sydney ausgeschlossen. Bis heute bestreitet Baumann, wissentlich gedopt zu haben.

Christoph Daum sollte 2001 Bundestrainer werden.

Doch im Oktober 2000 wurde dem damaligen Vereinscoach von Bayer Leverkusen der Kokainkonsum nachgewiesen, den er zunächst noch geleugnet hatte.

Aus dem Bundestrainer-Job wurde danach nichts mehr, Daum kehrte aber später zurück in die Bundesliga und feierte auch wieder Erfolge.

Boris Becker sorgte 1999 für Schlagzeilen: Ein Vaterschaftstest ergab, dass der beliebteste Tennis-Star Deutschlands der Vater des Kindes von ...

... Model Angela Ermakowa (hier mit Tochter Anna Ermakowa) ist. Wegen des Orts der Zeugung ging die Causa als "Besenkammer-Affäre" in die Geschichte ein und machte später wegen anderer Details das Wort "Samenraub" populär.

Die Balco-Affäre schlug 2002 in den USA in verschiedenen Sportarten hohe Wellen. Victor Conte, Balco-Gründer und Inhaber, entwickelte in seinem Labor das Designersteroid THG und versorgte über Jahre hinweg etliche Spitzensportler.

Als der Skandal aufgedeckt wurde, wurde erschreckend deutlich, wie weit verbreitet Doping um die Jahrtausendwende im US-Sport war und mit welchen Mitteln betrogen wurde.

Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney war Marion Jones das Glamour-Girl, ...

... die Königin der Leichtathleten.

Sieben Jahre und viele Vorwürfe später gab sie zu, gedopt zu haben. Sie musste alle Medaillen und Preisgelder von mehreren hunderttausend Dollar zurückgeben. Doch es kam noch dicker. Wegen zweimaligen Meineides musste sie 2008 für sechs Monate ins Gefängnis.

Johann Mühlegg war einer der Superstars von Salt Lake City 2002. Er startete zu dieser Zeit für Spanien, da er aus dem deutschen Team wegen der sogenannten "Spiritismus-Affäre" ausgeschlossen worden war. Der Sportler hatte den damaligen Bundestrainer Zipfel beschuldigt, ihn verflucht zu haben.

Nachdem Mühlegg über 10 und 30 Kilometer bereits siegreich war, wurde er nach seinem Sieg über 50 Kilometer des Blut-Dopings überführt und seine Medaillen noch vor Beendigung der Spiele wieder los.

Kobe Bryant ist einer der besten Basketballer der Welt und der unangefochtene Star der nordamerikanischen Profiliga NBA. Doch 2003 nahm sein Image enormen Schaden.

Eine Hotelangestellte beschuldigte den US-Amerikaner, sie vergewaltigt zu haben. Nach 11-monatigem Verfahren wurde der Fall plötzlich eingestellt - die Klägerin Katelyn Faber hatte ihre Aussage überraschend zurückgezogen.

Die "Nipplegate-Affäre" schrieb 2004 Geschichte: Janet Jackson und Justin Timberlake schockierten im finalen Akt der Halftime Show beim Super Bowl 2004. Timberlake zog etwas zu fest an Jacksons Top und ...

... entblößte so ihre Brust, welche ein Millionenpublikum auf der ganzen Welt für fast eine ganze Sekunde zu sehen bekam.

Viele Zuschauer waren empört und beschwerten sich bei der übertragenden Fernsehanstalt CBS über die "unsittliche Entblößung". Jackson und Timberlake entschuldigten sich daraufhin, sprachen von einem Unfall.

In einem Interview gab Jackson später zu, es sei geplant gewesen, dass Timberlake ihr einen Teil ihrer schwarzen Korsage herunterreißen sollte.

Eine persönliche Tragödie erschütterte die Sportwelt im Februar 2004. Marco Pantani, Italiens großes Sportidol und einer der talentiertesten Radfahrer der Welt, wurde tot in einem Hotelzimmer aufgefunden.

Patini musste sich immer wieder Doping-Vorwürfe gefallen lassen. Als er schließlich beim Giro d'Italia 1999 als Gesamtführender wegen Dopings disqualifiziert wurde, begann sein Absturz.

Sein früher Tod erschütterte die Sportwelt. Wie der Italiener starb, ist ungeklärt. Erst hieß es, Pantani habe sich selbst umgebracht, dann soll es ein Herzstillstand gewesen sein. Im Autopsiebericht stand: Überdosis Kokain.

Am 22. Januar 2005 kam der Wettskandal um den Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer und die kroatischen Brüder Sapina ans Licht – und erschütterte den deutschen Fußball.

Hoyzer war zu diesem Zeitpunkt einer der hoffnungsvollsten deutschen Nachwuchs-Schiedsrichter. Doch der damals 24-Jährige ließ sich von der Wett-Mafia bestechen und verpfiff Fußballspiele, die er geleitet hat. In der ersten Runde des DFB-Pokals sorgte er so für das überraschende Aus des Hamburger SV bei Regionalligisten SC Paderborn.

Nachdem er die Hälfte seiner Haftstrafe wegen "Beihilfe zum Betrug" abgesessen hatte, wurde er 2008 aus dem Gefängnis entlassen.

Es war der Skandal vor der Fußball-WM 2006. Bei der Qualifikation für das Großereignis verlor die Schweiz das Rückspiel in der Türkei zwar 2:4, löste aber dank des guten Hinspiels doch noch das Ticket für Deutschland 2006.

Nach dem Schlusspfiff knallten bei Alpay, Emre & Co. die Sicherungen durch und sie" traten" die Schweizer förmlich in die Kabine.

Aber auch einige Schweizer schlossen sich der Keilerei an und übten Revanche. Der Weltverband Fifa sperrte die "Haupttäter" Alpay Özalan, Emre Belözoglu und Benjamin Huggel für je sechs Spiele.

Italienische Ermittler fanden 2006 heraus, dass unter anderem vier der größten Vereine im italienischen Fußball – Juventus Turin, AC Mailand, Lazio Rom und der AC Florenz – in illegale Absprachen mit Schiedsrichtern verwickelt waren, insbesondere in den Spielzeiten 2004/2005 und 2005/2006.

Fünf Mal mal wurde die "alte Dame" seit 1994, seitdem Luciano Moggi Sportdirektor bei Juve war, italienischer Fußball-Meister, gewann 1996 die Champions League. Weitere Titel wollte sich Moggi erkaufen. Im Manipulationsskandal 2006 wurde er zum Hauptschuldigen.

Juve verlor als Konsequenz zwei Titel, wurde in die 2. Liga strafversetzt und stieg ein Jahr später wieder auf.

Der Berlusconi-Klub AC Mailand kam vergleichsweise glimpflich davon. Die Mailänder wurden mit einem Punktabzug von acht Zählern bestraft, durften aber in der folgenden Saison an der Champions League teilnehmen – und gewannen diese prompt.

Nach der Festina-Affäre von 1998 und dem systematischen EPO-Gebrauch beim Team Telekom im Laufe der 1990er Jahre schädigte der Fuentes-Skandal das öffentliche Ansehen des Radsports nachhaltig. Am 23. Mai 2006 wurde Eufemiano Fuentes im Rahmen der "Operacion Puerto" verhaftet.

Fast jeder, der in der Radsportszene was mit Doping zu tun hatte, war Kunde des Spaniers.

Fuentes war der Arzt, dem die Doping-Sünder vertrauten, indem er ihr Blut nahm, es kühlte und ihnen mit viel mehr Leistung zurückgab.

Zu seinen Kunden sollen die Tour-Favoriten Jan Ullrich, Ivan Basso und Francisco Mancebo gehört haben.

Claudia Pechstein, Deutschlands bekannteste Eisschnellläuferin, war fest von einem Freispruch ausgegangen: Doch es kam anders. Wegen verdächtiger Blutwerte wurde die fünfmalige Olympiasiegerin am 3. Juli 2009 für zwei Jahre gesperrt. Einen positiven Doping-Befund gab es nicht.

Pechstein wurde aufgrund von Indizien gesperrt, ihr Blutprofil zeigte Auffälligkeiten. Pechstein beteuerte ihre Unschuld, sprach von genetischen Ursachen.

Anfang 2012 stand ein neuer Verdacht im Raum: Pechstein soll auf der Patienten-Liste des Mediziners Andreas Franke stehen. Gegen Franke wurde wegen der "unerlaubten Anwendung von Arzneimitteln zu Dopingzwecken bei Anderen" ermittelt. Von 2006 bis 2011 soll Franke Blut von insgesamt 28 Athleten mit UV-Strahlen behandelt und danach wieder injiziert haben.

In einem der größten Skandale in der Geschichte der Formel 1 zog Renault im September 2009 die Reißleine und feuerte Flavio Briatore und Pat Symonds.

Erste Manipulationsgerüchte hatten bereits während des GP von Singapur 2008 die Runde gemacht, doch die Wahrheit kam erst ein Jahr später ans Licht:

Nach dem Ungarn-Grand Prix entließ Renault Nelson Piquet wegen schlechter Ergebnisse. Wenige Tage später gestand der geschasste Brasilianer, dass er auf Anweisung des Rennstalls im ersten Singapur-Nachtrennen 2008 absichtlich einen Unfall verursacht hatte, um seinem Teamkollegen Fernando Alonso den Sieg zu ermöglichen.

Das französische Team kam mit einer milden Bewährungsstrafe davon. Eine anfangs lebenslange Sperre für Teamchef Flavio Briatore wurde im Januar 2010 aufgehoben.

Im November 2009 stand Europas Fußball vor einem bis dato nicht erreichten Wettskandal: 200 Fußballspiele sollen laut Staatsanwaltschaft Bochum seit Beginn 2009 in neun Ländern manipuliert worden sein.

Neben Deutschland waren auch Belgien, die Schweiz, Kroatien, Slowenien, die Türkei, Ungarn, Bosnien-Herzegowina und Österreich betroffen. Hinzu kamen mindestens drei Champions-League- und zwölf Europa-League-Spiele sowie ein Qualifikationsspiel zur U21-EM. In Österreich ging es um elf Spiele der höchsten beiden Ligen. Robert Hoyzer war wie bereits 2005 wieder unter den Verdächtigen.

Eines der traurigsten Kapitel der Sportgeschichte war der Skandal um den sexuellen Missbrauch von Kindern an der Pennsylvania State University (Penn State). 40 Jahre war Joe Paterno (rechst) der Erfolgstrainer des Uni-Footballteams, bis ...

... bekannt wurde, dass er jahrelang sexuelle Missbrauchsfälle vertuscht hatte. Jerry Sandusky (im Bild), langjähriger Ko-Trainer Paternos, soll von 1994 bis 2009 Kinder in den Räumlichkeiten der Universität missbraucht haben. Sandusky wurde 2011 schuldig gesprochen und zu 60 Jahren Haft verurteilt.

Bei der WM in Südafrika erlebte die "Grande Nation" eines der dunkelsten Kapitel der französischen Fußball-Geschichte. Nach miserablen Leistungen kam das frühe Vorrunden-Aus, doch noch peinlicher als die sportliche Schmach waren die Vorfälle abseits des Spielfeldes.

Im Mannschaftsquartier kam es zu einer beispiellosen Spielerrevolte gegen Trainer Raymond Domenech. Vorausgegangen war ein übler Kabinenstreit in der Halbzeitpause des Spiels gegen Mexiko (0:2) zwischen "enfant terrible" Nicolas Anelka und dem unbeliebten Coach.

Sogar die französische Nationalversammlung schaltete sich nach dem Skandal ein. Der französische Fußball erlebte einen schweren Imageverlust, Verbandspräsident Jean-Pierre Escalettes legte sein Amt nieder, viele Spieler wurden für mehrere Partien von der Nationalelf ausgeschlossen und Domenech aus den gesamten Verbandsstrukturen verbannt.

Wenige Athleten erlebten ein derart abruptes und dramatisches Karrieretief wie Tiger Woods. Die zahlreichen Affären des Golf-Superstars kamen um Thanksgiving 2010 ans Licht, als er einen bizarren Autounfall hatte.

Nach seiner Sexsucht-Beichte musste Woods für eine freche Reklame herhalten. Die Tierschutzorganisation Peta warb mit dem Golfprofi auf großflächigen Plakatwänden - für Kastration.

In den darauffolgenden Wochen traten immer mehr Frauen, die ebenfalls ein sexuelles Verhältnis mit Woods hatten, an die Öffentlichkeit. Woods kündigte an, eine Sexsucht-Therapie zu starten.

Auch über das völlig aus dem Ruder gelaufene Bundesliga-Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin im Mai 2012 dürfte noch in Jahrzehnten diskutiert werden.

Im Rückspiel hatte sich Fortuna die Rückkehr in die Bundesliga erkämpft. Dachten zumindest tausende Heimanhänger, die freudetrunken das Feld stürmten. Doch das Spiel lief noch.

Nach einer gefühlten Ewigkeit an Verunsicherung und Tumulten war der Platz endlich notdürftig geräumt, die fehlenden Minuten gingen am Rande des Regulären über die Bühne.

Doch damit ging das Theater erst richtig los: Hertha-Coach Otto Rehhagel fühlte sich an seine Weltkriegserlebnisse erinnert, die Diskussion über Fankultur und Sicherheit in Stadien uferte aus. Hertha klagte sich vergeblich durch die Instanzen.

Bei Olympia 2012 sah sich das deutsche Team einem Skandal um die Ruderin Nadja Drygalla ausgesetzt:

Die vorzeitige Abreise der deutschen Olympionikin schlug hohe Wellen, nachdem sich ihr Lebenspartner als Neonazi-Funktionär entpuppt hatte.

Der Fall warf die Frage auf, was eine Demokratie aushalten muss.

Wie eine Zeitbombe lag der Skandal um den einstigen Radsport-Superstar Lance Armstrong über dem Sport. Seit Jahren gab es stichhaltige Hinweise, dass die Leistungen des Texaners auf Lug und Trug basieren.

Doch erst 2012 machten sich US-Dopingfahnder mit Entschlossenheit daran, die Machenschaften Armstrongs bis ins kleinste Detail zu belegen. Der Rad-Weltverband UCI folgte schließlich der Beweisführung, sperrte Armstrong lebenslang, strich seine sieben Toursiege.

Während das gefallene Idol als größter Sportbetrüger in die Geschichte einging, sorgte die UCI für einen Skandal im Skandal:

Die Empörung der Verbandsspitze um Präsident Pat McQuaid und dessen Vorgänger Hein Verbruggen, die Armstrong lange wider besseres Wissen gedeckt hatte, ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten.

Bei dem jüngsten Skandal ist vom größten Wettskandal der Sportgeschichte die Rede. Fast 700 Fußballspiele auf der ganzen Welt sollen manipuliert worden sein, Ermittler aus 13 Ländern haben unter dem Dach von Europol tausende E-Mails ausgewertet, Telefone abgehört und verdeckte Ermittler eingesetzt.

Viele Details liegen noch im Dunkeln, in 300 Fällen laufen aktuell noch die Ermittlungen. Aber selbst wenn die Hintermänner gefunden werden sollten, so scheint doch klar, dass es in einem Millionengeschäft wie dem Sport immer wieder neue Skandale geben wird.

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