Bilderserie

Brüche, Grätschen, Schmerzen und ein Lama: Wenn Fußballer die Nerven verlieren

Bild 58 von 59
Zidane wird zur tragischen Figur. Er fliegt vom Platz, kurze Zeit später gewinnen die Italiener das Elfmeterschießen und werden Weltmeister. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Zidane wird zur tragischen Figur. Er fliegt vom Platz, kurze Zeit später gewinnen die Italiener das Elfmeterschießen und werden Weltmeister.

Was ist denn da los? Da muss doch was passiert sein.

Weil der Balljunge seiner Ansicht nach zu sehr trödelt, verpasst Eden Hazard ihm kurzerhand einen Tritt.

Mit Folgen: Der Chelsea-Spieler fliegt vom Platz.

"Rugby ist für Männer, ...

... Fußball für Mädchen", das pflegen jedenfalls Rugby-Fans zu sagen.

Fußball für Mädchen? Machen die 22 Menschen da unten auf dem Rasen ...

... denn nur Theater? Viel Lärm um nichts?

Keineswegs! Ziehen Sie sich warm an, ...

... denn jetzt wird's schmutzig. Und es tut weh, versprochen! Sind Sie hart genug dafür? Na gut, los geht's ...

... mit brutalen Fouls und spektakulären Ausrastern. Den Anfang macht ...

... ein Klassiker. Sehen Sie den motzenden Fan mit den kurzen Haaren, der gerade von einem Ordner beruhigt wird? Er wird sich noch wünschen, nicht so vorlaut gewesen zu sein.

Der Franzose Eric Cantona ist an diesem 25. Januar 1995 im Spiel gegen Crystal Palace gerade vom Platz geflogen. Da hört er die Tiraden des gegnerischen Fans. Mit einer Sprungeinlage tritt er ihn zu Boden.

Cantona, der in den 90ern für Manchester United spielt und als einer der besten Fußballer der Welt gilt, hat Glück. Eine Gefängnisstrafe bleibt ihm erspart. Aber die Fifa sperrt ihn für ein halbes Jahr.

Das ist Paulo Guerrero. Netter Kerl, oder? Doch der Eindruck trügt. Dem Peruaner brennen gerne mal die Sicherungen durch.

Als seine Hamburger im März 2012 gegen Stuttgart spielen, muss er jedenfalls einen schlechten Tag erwischt haben. In der 53. Minute sprintet Guerrero über den halben Platz ...

... und grätscht Stuttgarts Torwart Ulreich von hinten in die Beine. Die Folge: fünf Spiele Sperre, 20.000 Euro Strafe. Noch mehr Guerrero gefällig?

Es passiert schon zwei Jahre vorher: Nach dem 0:0 gegen Hannover wird Guerrero von einem eigenen Fan beschimpft, als er das Spielfeld verlässt. Der Stürmer reagiert ungehalten und wirft dem Fan seine volle Trinkflasche ins Gesicht.

Dezember 2010: Macchambes Younga-Mouhani von Union Berlin läuft zwei Bochumern davon. Doch er legt sich den Ball etwas zu weit vor. Zeitgleich mit VfL-Abwehrspieler Matthias Concha ...

... erreicht er das Spielgerät. Beim Zusammenprall bricht sich Concha Schien- und Wadenbein. Später verklagt der Schwede seinen Gegenspieler vergeblich auf 200.000 Euro Schmerzensgeld.

Kennen Sie den Herrn rechts? Im Rennen um den Wettkampf des härtesten und unfairsten Spielers der Welt macht sich Pepe von Real Madrid große Hoffnungen.

Der Portugiese ist für seine temperamentvolle Spielweise gefürchtet.

Verletzungen nimmt er in Kauf.

Platzverweise halten Pepe nicht davon ab, ...

... seine Gegner auf jede erdenkliche Art zu traktieren.

So wie beim Clásico im Januar 2012, als er Lionel Messi im Vorbeigehen auf die Hand tritt. Natürlich nur versehentlich.

Dieser Schreihals ist Ewald Lienen. Die Geschichte mit seinem Oberschenkel ereignet sich im Sommer 1981. In der 20. Minute schreit der Spieler von Arminia Bielefeld plötzlich wie am Spieß. Die Grätsche seines Gegenspielers Norbert Siegmann schlitzt Lienen den rechten Oberschenkel auf. Zurück bleibt eine offene, 25 Zentimeter lange Fleischwunde. Und Siegmann? Kommt mit Gelb wohl noch glimpflich davon.

Jahre später macht sich "Zettel-Ewald" auch als Trainer einen Namen, übrigens nicht viel weniger leidenschaftlich.

Vorsicht! Mit Tim Wiese ist nicht zu spaßen.

Wer den Strafraum des früheren Bremer Schlusmanns betritt, sollte kampfsporterprobt sein.

Hamburgs Ivica Olic erwischt sein Tritt im Mai 2008 im Gesicht. Soll ihm aber leid getan haben, dem Tim Wiese.

Na, wer sind denn diese beiden Honigkuchenpferde? Ein romantisches Frühstück zu zweit, nur im Bademantel, was ist da bloß gelaufen? Die Botschaft von Frank Rijkaard und Rudi Völler ist jedenfalls eindeutig: Wir ham uns lieb und sind ganz dicke! Tatsächlich brauchen die beiden sechs Jahre, bis sie sich wieder in die Augen schauen können. Und an einen Tisch setzen.

Im Achtelfinale der WM 1990 gegen die Niederlande (2:1) hatte Rijkaard den bärtigen Stürmer angespuckt. Zugegeben: Das ist zwar nicht brutal, aber trotzdem eklig. Völler vergibt ihm schließlich. Ständig gegen Deutschland zu verlieren, kann schließlich ganz schön nervtötend sein, da kommt fast Verständnis auf.

Wieder Bundesliga, diesmal im Mai 2009: Kevin-Prince Boateng ist betrübt.

Lutz Wagner hat ihn gerade vom Platz gestellt. Der Grund: Im Eifer des Gefechts ist der Dortmunder leicht über das Ziel hinausgeschossen

Seine Stollen bohren sich in die Stirn des Wolfsburger Makoto Hasebe.

Jaja, dieser Boateng. Es gibt Monate, da muss es für ihn schwer gewesen sein, auf die Straße zu gehen. Schließlich beendet seine Grätsche von hinten ...

... 2010 die WM-Hoffnungen von Michael Ballack. Fußball-Deutschland ist stinkig, Boateng für kurze Zeit Feindbild.

So, Rugby-Boys, glaubt ihr immer noch, dass ihr die Härteren seid?! Dann kommen jetzt die ganz harten Dinger.

Olympiastadion Rom, im November 2004: Was ist hier wohl passiert, dass der Carsten Ramelow so aus der Haut fährt?

Ganz einfach: 90 Minuten lang beißt sich Totti an dem Leverkusener Sechser die Zähne aus.

Dem Italiener bleibt also keine andere Wahl. Als der Blondschopf mal wieder auf ihn zugegrätscht kommt, springt er hoch und landet mit seinen Stollen auf Ramelows Rücken. Totti kriegt Gelb, meckert aber trotzdem. Ramelow zeigt einer großen deutschen Boulevardzeitung einige Tage später seinen Rücken. Der ist gelb und blau.

Achtung, Rüpel-Alarm! Der Mann mit der ausgefahrenen Schere heißt Nigel de Jong. 2008 wechselt er von Deutschland nach England. Es heißt: Hier würden die Schiedsrichter weniger pfeifen. Perfekt für die Spielweise des Niederländers. Auf diesem Bild - Manchester City gegen Newcastle - fügt er Hatem Ben Arfa einen doppelten Beinbruch zu. Eine Karte sieht er dafür nicht.

In einem Freundschaftsspiel gegen die USA bricht er einem Gegenspieler das Bein. Spätestens drei Monate später kennt de Jong wirklich jeder: Im WM-Finale 2010 verpasst er dem Spanier Xabi Alonso einen Karate-Tritt (Foto).

Das ist Eduardo da Silva. Als der Kroate mit dem südamerikanischen Namen 2007 zu Arsenal wechselt, gilt er als eines der größten Talente der Welt.

Doch am 23. Februar 2008 kreuzen sich seine Wege mit Martin Taylor von Birmingham City. Das Spiel ist keine fünf Minuten alt: Da zertrümmert die 1,93-Meter-Kante dem zierlichen Stürmer das Bein.

Taylor fliegt vom Platz, Arsenal-Trainer Arsenal Wenger ...

... fordert eine lebenslange Sperre. Taylor erhält sogar Morddrohungen, Eduardo fällt zehn Monate aus.

Im Februar 2010 erwischt es Eduardos Teamkollegen Aaron Ramsey. Bei seinem Zweikampf mit Ryan Shawcross von Stoke City erleidet er einen doppelten Schien- und Wadenbeinbruch.

Der übertragende TV-Sender verzichtet auf eine Wiederholung der fatalen Szene, weil die Bilder zu aufwühlend seien. Erst im November 2010 kann Ramsey wieder Fußball spielen.

Shawcross verlässt den Platz nach einer Roten Karte mit Tränen in den Augen.

Wie weh es tut, wenn man sich Schien- und Wadenbein bricht, zeigt der Franzose Djibril Cissé.

Bitter für den Stürmer. Die Verletzung erwischt ihn wenige Tage vor der WM 2006 in Deutschland. Ein Ausflug ins 11Freunde-WM-Museum? Los geht's.

Dies sind die Schneidezähne des französischen Nationalspieler Patrick Battiston. Eine Erinnerung an eine schmerzhafte Begegnung mit Toni Schumacher.

Im WM-Halbfinale laufen die beiden, der Deutsche und der Franzose, aufeinander zu. Das Problem ist: Keiner weicht aus. Seitlich springt Schumacher schließlich in Battiston rein. Der bleibt eine Weile benommen liegen und kommt dann wieder zu sich, aber das Spiel ist vorbei für ihn. Schumacher hat doppelt Glück. Er kommt ohne Karte davon. Und Deutschland gewinnt am Ende mit 8:7 nach Elfmeterschießen.

Stopp! Jetzt kommt das brutalste Foul der Geschichte. Wie wir das gekürt haben?

Es ist das einzige Foul, dem sogar ein Denkmal gebaut wurde. Im Juli 2006 treffen sich Zinedine Zidane und Marco Materazzi auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions.

Beide wollen Weltmeister werden. Doch in der 110. Minute verliert Zidane beim Stand von 1:1 die Beherrschung. Mit einem Kopfstoß streckt er den Italiener, der ihn zuvor beleidigt haben soll, zu Boden.

Zidane wird zur tragischen Figur. Er fliegt vom Platz, kurze Zeit später gewinnen die Italiener das Elfmeterschießen und werden Weltmeister.

Und Zidane? Der Franzose, der als einer der besten Fußballer der Welt gilt, gewinnt als Spieler alle großen Titel. Und doch bleibt auch nach seinem Rücktritt vor allem dieses eine Bild zurück, von diesem Juli-Abend in Berlin. (Text: Christian Rothenberg)

weitere Bilderserien