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Freitag, 19. Dezember 2014

Pöbler, Betrüger, Temposünder: Wenn Fußballer ins Auto steigen

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Auf den Parkplatz des BVB-Trainingsgeländes wird Marco Reus vorerst nicht mehr fahren dürfen - ... (Foto: picture alliance / dpa)

Auf den Parkplatz des BVB-Trainingsgeländes wird Marco Reus vorerst nicht mehr fahren dürfen - ...

Auf den Parkplatz des BVB-Trainingsgeländes wird Marco Reus vorerst nicht mehr fahren dürfen - ...

... zumindest nicht als Fahrer am Steuer seines Range Rover. Der Mittelfeldspieler ist dabei ertappt worden, seit Jahren ohne einen Führerschein unterwegs gewesen zu sein. Bei mehreren Gelegenheiten soll er sogar eine gefälschte Lizenz aus Holland vorgezeigt haben.

Reus gibt sich kleinlaut: "Ich habe mich damals leider entschieden, diesen Weg zu gehen. Die Gründe kann ich heute selbst nicht mehr nachvollziehen", sagt er der "Bild"-Zeitung - und schluckt die Rekordstrafe von 540.000 Euro.

Gut, dass es beim BVB einen Mannschaftsbus gibt, mit einem Busfahrer vorne. So kommt Reus auch künftig sicher - und vor allem legal - zu den Auswärtsspielen seiner Mannschaft. Über Reus wird nun heftig diskutiert. Lebt der Junge in einer Parallelwelt? Warum hat ihm keiner gesagt, dass das nicht in Ordnung ist? Und: Kann so einer überhaupt noch in der Nationalmannschaft spielen?

Nun, sein Chef beim DFB dürfte die Sache vielleicht etwas gelassener sehen als manch anderer. Schließlich ist auch Bundestrainer Joachim Löw in Sachen Verkehrsdelikte nicht ganz unerfahren. 2006 wird er auf der Autobahn mit 134 Kilometer pro Stunde geblitzt - erlaubt waren 100 (und: nein, das auf dem Bild ist nicht das Auto, das er dabei fuhr). Der Badener muss den "Lappen" im Gegenzug für vier Wochen abgeben.

Der oberste Fußballlehrer der Nation scheint nichts daraus gelernt zu haben. Denn in den folgenden Jahren sammelt er weiter fröhlich Punkte in Flensburg. Bis zum Frühjahr 2014 bringt er es auf stolze 18 - und muss erneut seine Fahrlizenz hinterlegen. Ganze sechs Monate dauert sein Fahrverbot an.

Irgendwie hat Fehlverhalten im Straßenverkehr bei Fußballern eine ungute Tradition. Das legen zumindest viele weitere Fälle nahe, die in den vergangenen Jahren Schlagzeilen gemacht haben.

Erinnern wir uns etwa an das Jahr 2006 zurück. In Bremen macht damals die Runde, dass mehrere Fußballer - unter ihnen etwa der junge Brasilianer Diego - ihren Führerschein nicht ganz legal erworben haben.

Ein Fahrlehrer aus Bad Gandersheim bietet für Kicker im Norden einen ganz besonderen Service an. Die Fahrlizenz gibt's gegen einen kleinen Aufpreis auch ohne praktische Prüfung. Den Theorieprüfbogen darf Diego im Hotel ausfüllen, gibt der Spieler später zu Protokoll. Fahrstunden sind nicht nötig. Und schon ist Diego auf Deutschlands Straßen unterwegs - ohne gefälschtes Dokument im Handschuhfach, aber eben doch nicht ganz legal.

Auch Marcelinho, damals beim Autoklub VfL Wolfsburg in Diensten, soll so zu seinem Führerschein gekommen sein.

Noch gewiefter stellt es Adrian Ramos an. 2014 will er in Berlin - wo er damals noch spielt - bei seiner Theorieprüfung schummeln. Er schickt einfach jemand anderes. Der Plan hat zwei Fehler: Er ist zeitgleich bei einer Pressekonferenz der Hertha. Und: Das Ramos-"Double" ist hellhäutig.

Einschlägig bei der Verkehrspolizei bekannt ist der Schalker Gerald Asamoah. 2009 blitzt es, als der Stürmer mit seiner schwangeren Frau gen Krankenhaus braust. Die Wehen haben eingesetzt, der Fußballer will sie schleunigst zu einem Arzt bringen. Doch 185 Kilometer pro Stunde in der 80er-Zone ist dann doch ein bisschen zu rasant. Auch wenn die Umstände verständlich sind: Asamoah muss 1000 Euro bezahlen und ein Monat lang ohne Auto auskommen.

Im März 2014 ist er laut "Bild"-Zeitung mit seinem VW Phaeton in Ratingen unterwegs. Es ist früher Sonntagmorgen und der Ex-Nationalspieler hat getankt. Allerdings nicht nur Benzin, wie sich später herausstellen soll. Asamoah kracht in einen Baum - mit 1,4 Promille im Blut. Das Auto ist Schrott, der Führerschein futsch. Dem Sportler geht es aber gottlob gut.

Überhaupt, Fußballer und der Alkohol. Trainer sollen es ja nicht so lustig finden, wenn ihre Schützlinge einen über den Durst trinken und dann auch noch Auto fahren. So wie etwa der junge Lothar Matthäus Mitte der 80er Jahre, damals noch in Diensten von Borussia Mönchengladbach. Der Franke steuert damals seinen Wagen in den Straßengraben und macht sich anschließend aus dem Staub. Später - wieder nüchtern - meldet er sich bei der Polizei. Mit einer palusiblen Erklärung: "Ich musste flüchten, weil ich hatte Angst, dass mein Auto explodiert."

Einen originellen Trick hat Mitte der 90er Jahre auch der damalige Bielefeld-Trainer Ernst Middendorp parat. Mit Alkohol im Blut blockiert er mit seinem Auto die Straßenbahnschienen vor dem Bielefelder Landgericht. Um einer Strafe zu entkommen, wechselt er flugs auf den Beifahrersitz und stellt sich schlafend. Die Polizei kauft ihm das Theater jedoch nicht ab.

Hier mit Trecker und Ferrari: Klaus Toppmöller und seine Gattin Roswitha. In den 70er Jahren stürmt er für den 1. FC Kaiserslautern und macht sich berechtigte Hoffnungen auf eine Teilnahme bei der EM 1976. Doch dann kommt der Unfall.

Mitten im Pfälzer Wald fährt er seinen Ferrari vor einen Baum. Anschließend irrt er stundenlang durch den Wald. Er gibt später an, unter Schock gestanden zu haben. Bundestrainer Helmut Schön kauft ihm das nicht ab und schmeißt ihn aus dem Kader. Später gibt Toppmöller zu, betrunken gewesen zu sein.

Ein Oktoberfestbesuch bringt unangenehme Folgen für den Peruaner Claudio Pizarro. Nach ein paar Bier steigt er noch ins Auto - obwohl die Polizei zu Wiesn-Zeiten ganz besonders aufpasst. Er wird erwischt: 1,1 Promille, sechs Monate Führerscheinentzug.

Eine gute Ausrede präsentiert auch Thorben Marx im Jahr 2003. Der Hertha-Spieler wird von der Polizei gestoppt - er fährt zu schnell und ist nicht angeschnallt. Den Beamten fallen seine geröteten Augen und eine starke Schweißbildung auf der Stirn auf. Marx klärt auf: "Ich habe gerade ein Pfeffersteak gegessen." So ganz glaubwürdig scheint das nicht. Sowohl Polizei als auch Hertha lassen sicherheitshalber Drogenscreenings durchführen - mit negativen Resultaten.

Völlig nüchtern, aber auch gerne schnell soll auch Ex-Nationalkeeper Oliver Kahn mitunter unterwegs sein. 2009 wird er in einer 80er-Zone geblitzt. Das Foto weist eine Geschwindigkeit von 163 Kilometern pro Stunde aus.

Doppelt so schnell wie erlaubt? Das kann nicht sein, sagt Oliver Kahn und bestreitet die Vorwürfe. Er legt Einspruch ein und bekommt recht. Der Blitzer soll von einem "vorauseilenden Lichtreflex" ausgelöst worden sein.

Viel Spaß an flotten Flitzern hat auch Italiens Bad Boy Mario Balotelli. Er lässt sich gern ...

... in teuren Sportwagen sehen. Dass er dabei nicht immer alle Verkehrsregeln beachtet, ist hinlänglich bekannt. Als er in Manchester spielt, soll er alleine in den ersten zehn Monaten Falschpark-Tickets für 11.000 Euro gesammelt haben und 27 Mal abgeschleppt worden sein.

Richtig gefährlich wird es im April 2012. Der damalige City-Star führt seinen Audi A8 aus, der später dann so aussieht. Er kollidiert mit einem anderen Verkehrsteilnehmer, alle Beteiligten bleiben unverletzt.

Ziemlich viel Glück hat auch Cristiano Ronaldo im Jahr 2009. Mit seinem Ferrari heizt er durch einen Tunnel in der Nähe des Flughafens von Manchester, wo er damals noch spielt.

Die Fahrt endet so. Der Ferrari mit gerade einmal 3000 Kilometern auf dem Tacho ist völlig zerlegt, Ronaldo geht es wie durch ein Wunder aber gut. Später versteigert ein Autohändler das Wrack bei Ebay. Wegen zu großen Andrangs bricht er die Auktion später aber ab.

Ein ziemlich umfangreiches Dossier ließe sich auch über die Verkehrseskapaden des Marko Arnautovic anlegen. Einmal fährt er mit seinem Porsche mit lautem Motorengeheule auf der Münchener Maximiliansstraße auf und ab - bis Anwohner die Polizei einschalten. Die stellt fest: Obwohl schon in Bremen wohnhaft ist sein Auto noch in Wien angemeldet. Das ist Steuerhinterziehung und kostet ihn nach einem Prozess später 60.000 Euro Strafe. Im Jahr 2013 ...

... gibt es auch Ärger mit seinem Verein Werder Bremen. Gemeinsam mit Mannschaftskollege Eljero Elia macht er spätnachts die Autobahn unsicher. Als ihn die Polizei stoppt, legt er sich derart quer, dass die Beamten Verstärkung rufen müssen.

Einschlägig auch eine Anekdote aus seiner Heimat. Als er bei einer Verkehrskontrolle gestoppt wird, blafft er die Polizisten an. Angeblich fallen die Worte: "Du hast mir gar nichts zu sagen. Ich verdiene so viel, ich kann dein Leben kaufen." Später entschuldigt er sich bei dem Beamten und lädt sie zu einem Länderspiel ein.

Ach ja, da wären ja auch noch Maurizio Gaudino und die Autos. Von den juristischen Problemen beim Kauf und Verkauf von Fahrzeugen soll hier gar nicht die Rede sein. Auch auf der Straße ...

... beträgt sich der Italo-Deutsche nicht immer ganz einwandfrei. Im Oktober 2005 rasselt er in einen Porsche und verursacht einen Schaden von über 1000 Euro. Das Problem: Er fährt einfach weiter. Vor Gericht kauft ihm später keiner ab, dass er den Unfall nicht bemerkt hatte. Konsequenz: 3000 Euro Strafe und drei Monate Fahrverbot.

Eine kleinen Episode eines ausgewiesenen Scherzkekses noch: Im Trainingslager in Dubai wird Franck Ribéry beim Warten auf den Busfahrer ungeduldig.

Kurzerhand setzt er sich selbst ans Steuer und dreht ein paar Runden auf dem Hotelparkplatz. Zwei Schilder und der Lack des Busses müssen dran glauben. Alle Beteiligten können aber später darüber lachen.

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