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Die Bundesliga in Wort und Witz: "Wir haben zu wenig Fußball gespielt"

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Zwölf Punkte Rückstand des amtierenden Meisters auf den Tabellenführer. Für Borussia Dortmund wird die Titelverteidigung langsam, aber sicher zur "Mission impossible". (Foto: REUTERS)

Zwölf Punkte Rückstand des amtierenden Meisters auf den Tabellenführer. Für Borussia Dortmund wird die Titelverteidigung langsam, aber sicher zur "Mission impossible".

Zwölf Punkte Rückstand des amtierenden Meisters auf den Tabellenführer. Für Borussia Dortmund wird die Titelverteidigung langsam, aber sicher zur "Mission impossible".

Nach dem 1:2 (0:1) ausgerechnet gegen den Erzrivalen Schalke 04 ...

... wollten die Dortmunder Kicker nur eins - ganz schnell in die Kabine verschwinden.

Ähnlich ernüchtert wie seine Profis reagierte Jürgen Klopp auf die Schlappe im 141. Revierderby. Kleinlaut räumte der Fußball-Lehrer Fehler bei der Ausrichtung seiner Notelf ein: "Diese Niederlage nehme ich auf meine Kappe. Ich wollte der Mannschaft durch die Systemumstellung helfen."

Weil vier Stammspieler verletzungsbedingt fehlten, hatte Klopp eine ungewohnte 3-5-2-Formation aufs Feld geschickt.

Reus spielte neben Lewandowski im Sturm, hinten sollte eine Dreierkette Tore des Gegners verhindern, ...

... Dortmunds prominentester Schalke-Hasser Kevin Großkreutz durfte von Beginn an ran. Doch Klopps Umstellungen gingen im 141. Derby gehörig schief. Sein Experiment endete nach einer knappen halben Stunde.

"Wir haben kein gutes Spiel gemacht. Erst nach der Systemumstellung nach einer halben Stunde waren wir ein wenig stabiler. Wir haben zu wenig Fußball gespielt", war dann auch Klopps Fazit zur Derby-Pleite. "Die Jungs, die normalerweise vier Leute ausspielen können, sind heute nicht an einem hängen geblieben, sondern schon vorher zusammengebrochen."

Vier Tage vor dem Champions-League-Hit der Borussia gegen Real Madrid sorgten der Schalker Neuzugang Ibrahim Afellay (14.) und Marco Höger (48.) beim BVB für Frust.

Trotzig kündete Nationalspieler Mats Hummels baldige Wiedergutmachung an: "Wir werden am Mittwoch ein anderes Gesicht zeigen. Außerdem ist dann der eine oder andere heute verletzte Spieler wieder dabei."

Die Gäste werteten ihren ersten Erfolg über Dortmund seit 2010 als Mutmacher für die Partie in der europäischen Königsklasse am Mittwoch beim FC Arsenal. "Wir sind auf einem guten Weg, aber noch nicht da, wo wir hinwollen", kommentierte Trainer Huub Stevens.

Stevens zeigte sich "ein wenig überrascht, dass Dortmund in einer anderen Ordnung gespielt hat. Aber wir haben uns gut darauf eingestellt. Nach dem 1:2 haben alle super gekämpft und den Sieg verdient nach Hause gebracht."

Der FC Bayern München setzte mit dem deutlichen 5:0 (2:0)-Erfolg beim Aufsteiger Fortuna Düsseldorf ein Ausrufezeichen und untermauerte seine Titelansprüche.

"So muss es weitergehen, dann sind wir nicht zu stoppen", sagte Kapitän Philipp Lahm nach dem Torfestival.

Damit feierte der Rekordmeister als erstes Team in der Geschichte der Fußball-Bundesliga acht Siege vom Start weg. "Von uns aus kann die Serie weitergehen", meinte Lahm.

"Wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen. Das haben wir in einer Art und Weise geschafft, die überragend war", lobte Trainer Jupp Heynckes sein Team. "Mir hat besonders imponiert, dass wir in der Defensive überhaupt nichts zugelassen haben."

Die Gastgeber waren keineswegs frustriert, sondern schätzten die Lage eher realistisch ein.

"Wir haben nicht gedacht, dass wir die Liga revolutionieren. Wir wussten, dass es Rückschläge gibt. Damit werden wir umgehen müssen", sagte Düsseldorfs Trainer Norbert Meier. "Da müssen Frühling, Sommer und Winter zusammenkommen, wenn man in so einem Spiel was holen will."

"Heute hat man den Unterschied zwischen dem kommenden deutschen Meister und einem Aufsteiger gesehen", sagte Fortunas Boss Peter Frymuth. Selbst Campino von den Toten Hosen (die vorher Fortuna-Ehrenmitglieder wurden) tönte: "Die Bayern müssen ihre Gegner in der Champions League suchen."

Felix Magath erreichte mit dem VfL Wolfsburg einen neuerlichen Tiefpunkt. Sein Millionen-Ensemble lieferte beim 0:2 (0:1) gegen den SC Freiburg einen spielerischen Offenbarungseid ab und blieb im siebten Spiel in Folge ohne Sieg.

Während des Spiels zelebrierten die Fans ihre eigene Show, wechselten zwischen "Magath-raus"-Rufen und ironischen Gesängen wie "Oh, wie ist das schön" und "Deutscher Meister wird nur der VfL Wolfsburg". In der zweiten Halbzeit drehten sie der Mannschaft demonstrativ den Rücken zu.

"Die Partie lud ja auch nicht zum Fröhlichsein oder Applaudieren ein. Von daher kann ich die Fans verstehen", sagte Magath. Anders als wohl die meisten Zuschauer im Stadion glaubt Magath weiterhin an die Wende. "Ich habe noch nicht alles probiert", sagte der Coach, ...

... dessen jüngste Finte mit dem Rausschmiss von Diego missglückte. "Ich habe in den letzten Wochen versucht, ein Umfeld für Diego zu schaffen. Das ist nicht gelungen. Deshalb habe ich ihn heute draußen gelassen. Doch das war auch nicht von Erfolg gekrönt", bilanzierte der 59-Jährige.

Beim 2:2 (0:1) als Bundesligagast von Bayer Leverkusen sahen die Profis des FSV Mainz 05 schon wie die absolut sicheren Sieger aus.

Und irgendwie fiel die Entscheidung von Fußball-Lehrer Thomas Tuchel über seine Gefühlslage dann doch - und eigentlich logisch - negativ aus: "Der Ausgleich ist bitter und ärgerlich."

"Das 2:2 haben wir erzwungen - und das war positiv", urteilte Bayer-Coach Sascha Lewandowski nach einem kuriosen Verlauf der 90 Minuten.

Leverkusen übernahm sofort die Initiative und drängte die Gäste in deren Hälfte fest. Lewandowski: "Wir haben eine gute bis sehr gute erste Halbzeit gespielt." Danach, so hielt es der Bayer-Mann zerknirscht fest, "war es wie abgeschnitten. Mainz war sicher stärker, aber wir müssen den Fehler bei uns suchen. Das Einzige, was in der zweiten Halbzeit positiv war, dass sie zurückgekommen ist und den Ausgleich erzwungen hat."

Die Euphorie in Frankfurt kennt langsam keine Grenzen mehr. "Deutscher Meister wird nur die SGE", sangen die Fans schon lange bevor der 3:1 (2:1)-Sieg gegen Hannover 96 überhaupt feststand.

Diese Prognose mag zwar ziemlich gewagt sein, aber der spielstarke Aufsteiger ist und bleibt nach dem sechsten Sieg im achten Saisonspiel der erste Bayern-Verfolger.

Karim Matmour und ...

... Sebastian Jung brachten die Eintracht mit ihren Toren in der 5. und 18. Minute früh in Führung.

Alexander Meier (83.) machte kurz vor Schluss dann alles klar. Für 96 reichte es nur zum 1:2 durch Mohammed Abdellaoue (43.). Ansonsten kam von den Gästen viel zu wenig.

Auch Trainer Veh erklärte: "Wir sind unserem Ziel wieder einen Schritt näher gekommen. Unsere Zielsetzung aber bleibt." Sein Fazit zum Spiel: "Die ersten 25 Minuten waren richtig stark. Wenn dieses Spiel heute unentschieden ausgegangen wäre, wäre ich auch nicht unglücklich gewesen."

"Herzlichen Glückwunsch an Armin Veh, Eintracht Frankfurt und diese tolle Mannschaft", sagte Trainer Mirko Slomka dann auch artig. "Der Sieg war absolut verdient. Es war beeindruckend in den ersten 20 Minuten, wie wenig wir dagegensetzen konnten."

Die Frankfurter selbst versuchten anschließend, die Euphorie im Umfeld ein wenig zu bremsen. Einziges Saisonziel bleibe der Klassenerhalt, sagten Trainer und Spieler unisono. "Wir haben jetzt 19 Punkte, die nehmen wir gerne mit. Aber neue Ziele zu setzen, wäre jetzt der falsche Ansatz", meinte Jung.

Borussia Mönchengladbach bleibt Werder Bremens Lieblingsgast.

Dank der Tore von Nils Petersen (37.), Marko Arnautovic (45.), Niclas Füllkrug (77.) und Zlatko Junuzovic (86.) fuhren die Hanseaten nach zwei Niederlagen in Serie einen auch in dieser Höhe verdienten 4:0 (2:0)-Sieg eingefahren.

"Wir waren sehr, sehr aktiv, wir haben nicht nur reagiert, sondern nonstop den Gegner bedrängt", freute sich Trainer Thomas Schaaf über die Leistungssteigerung seiner Elf nach der Pleite in Augsburg. "Ich bin viel glücklicher über die Defensive", sagte der Coach. "Das ist die Grundvoraussetzung, dass man so offensiv reagieren kann."

Bester Mann auf dem Platz war ohne Zweifel Arnautovic. "Sein Tor war hervorragend, das erwarte ich jede Woche von ihm. Das weiß er, auch dass ich großer Kritiker von ihm bin", betonte Schaaf.

Sein Gladbacher Kollege Lucien Favre dagegen war bedient nach der Pleite: "Es war dumm, das 2:0 eine Minute vor der Halbzeit zu kriegen." Der Schweizer erkannte einmal mehr: "Wir sehen, wir haben viel zu tun." Und später am Abend - etwas ratloser dann: "Ich habe das Gefühl, wir wollen zu viel, und uns fehlt das Vertrauen, um die Geduld zu haben."

1899 Hoffenheim ist nach dem spektakulären 3:3 gegen die SpVgg Greuther Fürth der gefühlte Verlierer - auch wenn es diesmal nicht an Torwart Tim Wiese lag.

"Das ist anormal, dass man in der letzten Sekunde den Ausgleich bekommt", sagte Wiese.

Der ehemalige Nationaltorwart war zwar schuldlos - sowohl am Last-Minute-Treffer von Lasse Sobiech (90.+3) als auch...

... bei den weiteren Fürther Toren durch Zoltan Stieber (39.) und Edgar Prib (84.).

Aber es waren wieder drei Gegentore.

"Verhext", sei die Situation um Wiese, der vor seiner Verletzungspause mehrfach mit schweren Patzern für den schwachen Saisonstart mitverantwortlich war, trotzdem nicht, fand Trainer Markus Babbel: "Da ist im Moment jeder Schuss ein Treffer, das ist halt so, wenn es mal nicht läuft. Es wäre auch für ihn schön gewesen, wenn wir gewonnen hätten."

Dreimal hatte es nach einer glücklicheren Rückkehr ausgesehen. Roberto Firmino (8.) und Joselu (67. und 89.) brachten die Kraichgauer jeweils in Führung. "Wir haben den Sack nicht zugemacht", sagte Babbel ernüchtert: "Drei Tore müssen eigentlich reichen, um so ein Spiel zu gewinnen. Wir müssen das jetzt schnell analysieren und unsere Lehren daraus ziehen."

Dass sich die Mannschaft inzwischen deutlich verbessert präsentiert, dürfte für den ehemaligen Bundesliga-Profi die positivste Erkenntnis sein. Nicht nur die "tolle Moral" (Babbel) hatte dazu geführt, die ersten beiden Rückschläge wegzustecken, Hoffenheim überzeugte streckenweise auch spielerisch.

"Die Mannschaft muss noch an Details arbeiten", sagte Doppeltorschütze Joselu: "Gerade bei Standardsituationen müssen wir konzentrierter sein."

"Wir haben eine wahnsinnige Moral gezeigt und haben uns diesen Punkt verdient." Auch wenn der Ausgleich "vielleicht ein wenig glücklich" war, "wir haben als Tabellenletzter hier richtig gut gespielt", schätzte Fürth-Trainer Mike Büskens die Partie ein.

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