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Donnerstag, 15. Juni 2017

Die deutsche Confed-Cup-Combo: Zwei Hochzeiten und ein Pflegefall

Von Stefan Giannakoulis

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Stammtorhüter Manuel Neuer vom FC Bayern hat sich den linken Fuß gebrochen - und in der Sommerpause auf Krücken im italienischen Monopoli seine Nina geheiratet. (Foto: picture alliance / Pia Clodi/pea)

Stammtorhüter Manuel Neuer vom FC Bayern hat sich den linken Fuß gebrochen - und in der Sommerpause auf Krücken im italienischen Monopoli seine Nina geheiratet.

Die ganz prominenten Protagonisten fehlen, wenn Bundestrainer Joachim Löw die deutsche Fußball-Nationalmannschaft beim Confed Cup ins Rennen schickt. Ein Jahr vor der Weltmeisterschaft in Russland darf sich das Establishment ausruhen:

Stammtorhüter Manuel Neuer vom FC Bayern hat sich den linken Fuß gebrochen - und in der Sommerpause auf Krücken im italienischen Monopoli seine Nina geheiratet.

Der Dortmunder Mario Götze muss seit Februar wegen einer Stoffwechselkrankheit pausieren.

Die Hochzeit des Kollegen Neuer ließen er und seine Freundin Ann-Kathrin Brömmel sich aber nicht entgehen.

Julian Weigl, ebenfalls vom BVB, hat sich nach seinem Bruch des rechten Sprunggelenks inzwischen erfolgreich operieren lassen.

Ilkay Gündogan von Manchester City tut nach seinem Kreuzbandriss alles, um möglichst schnell wieder fit zu werden.

Der Leverkusener Kevin Volland hatte sich im vorletzten Saisonspiel einen Faserriss im rechten Oberschenkel zugezogen.

Und auch er hat geheiratet: am Pfingstwochenende im heimischen Allgäu seine Freundin Katja.

Der Schalker Kapitän Benedikt Höwedes hat sich Mitte Mai an der Leiste operieren lassen.

Schwerer getroffen hat es Marco Reus. Der Dortmunder Offensivspieler kann nach seiner Knie-Operation in diesem Jahr nicht mehr Fußball spielen.

"Es ist mein großes Ziel, im neuen Jahr topfit zu sein, um in der entscheidenden Phase der kommenden Saison wieder voll eingreifen zu können."

Unverletzt ausruhen darf sich ein Trio des FC Bayern: Jérôme Boateng, Mats Hummels …

… und Thomas Müller.

Das gilt auch für Sami Khedira von Juventus Turin, …

… Mesut Özil vom FC Arsenal, und …

… Toni Kroos, der mit Real Madrid just die Champions League gewonnen hat.

Da könnte man sich ja glatt fragen: Wer ist denn in Russland überhaupt dabei?

Diego Demme jedenfalls nicht. Der Leipziger sagte im letzten Moment ab - Rückenprobleme.

Allen Skeptikern aber sei gesagt: So schlecht ist Löws ...

... 21 Spieler umfassende Confed-Cup-Combo nicht.

Also: Wer steht beim Konföderationenpokal im Tor der DFB-Elf? Drei Kandidaten dürfen mit:

Marc-André ter Stegen: Spielt beim FC Barcelona, ist 25 Jahre alt und mutmaßlich die beste Nummer zwei der Welt. Da Neuer, mutmaßlich die beste Nummer eins der Welt, aber nicht dabei ist, ist ter Stegen beim Confed Cup die Nummer eins.

Mit seinen bis zu diesem Turnier zehn Länderspielen ist der ehemalige Mönchengladbacher der erfahrenste Torhüter im Kader.

Bernd Leno: Ebenfalls 25 Jahre alt, ist ebenfalls dabei. Bisher ist er vier Mal für die deutsche Nationalmannschaft aufgelaufen. Für ihn geht es vor allem darum, zumindest als Nummer drei im deutschen Tor 2018 mit zur WM zu fahren.

Kevin Trapp: Der 26-Jährige von Paris St. Germain hat das gleiche Ziel wie Leno. Der ehemalige Frankfurter feierte jüngst beim 1:1 im Testspiel in Dänemark sein Debüt in der DFB-Elf.

Kommen wir zur - vielbeinigen - Abwehr:

Matthias Ginter: Der 23-Jährige ist einer von drei Spielern im Kader, die sich Weltmeister nennen dürfen - auch wenn er 2014 in Brasilien keine einzige Minute gespielt hat.

Der Dortmunder bringt die geballte Erfahrung von zehn Länderspielen mit nach Russland. Wenn er dort spielt, dann wohl in der Innenverteidigung.

Jonas Hector: Ist kein Weltmeister, gilt dafür aber auf der Position des linken Außenverteidigers als gesetzt - auch, wenn 2018 alle Mann an Bord sind.

Seit er im November 2014 beim 4:0 im EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar zum ersten Mal in der DFB-Elf spielen durfte, spielt der 27 Jahre alte Kölner so gut wie immer. 29 Länderspiele und drei Tore sind es mittlerweile.

Benjamin Henrichs: Seit der 20-Jährige vom TSV Bayer 04 Leverkusen im November vergangenen Jahres beim 8:0 im WM-Qualifikationsspiel in San Marino auf der Position des rechten Außenverteidigers sein Debüt gab, hat er nicht wieder gespielt. Aber vielleicht klappt's ja beim Confed Cup.

Joshua Kimmich: Wie sein Pendant Jonas Hector ist der 22 Jahre alte Münchner am rechten Ende der Viererabwehrkette eine Bank. Diesen Status hat er sich bei der EM 2016 in Frankreich erspielt.

Und künftig soll er beim FC Bayern gar Philipp Lahm ersetzen. Bisher kommt Kimmich auf 15 Länderspiele, zwei Tore hat er auch schon geschossen. Hat angekündigt, dass er nicht nach Russland fliegt, um dort Spiele zu verlieren.

Shkodran Mustafi: Der 25 Jahre alte Innenverteidiger aus dem nordhessischen Bebra steht in Diensten des FC Arsenal und ist in diesem Sommer der Ersatzkapitän, sollte der Kollege Julian Draxler nicht spielen, der wiederum in diesem Sommer das Amt interimsweise von Manuel Neuer übernimmt.

Mustafi mausert sich langsam zu so etwas wie einem Anführer, 16 Mal hat er bisher für die DFB-Elf gespielt und dabei zwei Tore erzielt - zuletzt eins beim 7:0 im WM-Qualifikationsspiel in Nürnberg gegen San Marino. Und auch er ist Weltmeister, hat in Brasilien sogar 132 Minuten gespielt.

Marvin Plattenhardt: Der 25 Jahre alte linke Außenverteidiger der Berliner Hertha gab seinen Einstand beim Test in Dänemark, auch gegen San Marino wurde er eingewechselt, sodass er nun auf zwei Länderspiele kommt.

Sein Vorteil ist, dass er die deutsche Staatsbürgerschaft hat, von Beruf Fußballprofi ist - und eben Außenverteidiger. Als Backup für den Kollegen Jonas Hector könnte er durchaus ein Kandidat für die WM in einem Jahr sein.

Antonio Rüdiger: Der 24 Jahre alte Innenverteidiger der Associazione Sportiva Roma muss damit leben, dass seine Spielweise häufig mit dem Attribut ungestüm versehen wird.

Aber er ist ja noch jung, da werden zu seinen 13 Länderspielen noch einige hinzukommen.

Niklas Süle: Der Hoffenheimer ist noch drei Jahre jünger, ebenfalls Innenverteidiger und demnächst Angestellter des FC Bayern. Was für Rüdiger gilt, gilt für ihn mit seinen bisher zwei Länderspielen erst recht: Das kann noch ein richtig Guter werden.

Und nun: das Mittelfeld und der Angriff.

Julian Brandt: Der 21 Jahre alte Mittelfeldspieler des TSV Bayer 04 Leverkusen hat jüngst beim 7:0 gegen San Marino in seinem siebten Länderspiel seinen ersten Treffer erzielt.

Ein "sensationelles Gefühl" habe das bei ihm ausgelöst: "Ich habe das sehr genossen." Nun muss der Tempodribbler nur noch seine Stärken in den Eins-zu-eins-Situationen auch in der DFB-Elf zeigen - dann klappt's auch mit der WM.

Emre Can: Der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler des FC Liverpool hat zehn Länderspiele auf dem Konto und ist ein Mann für die Position des Sechsers vor der Abwehrkette.

Seine Stärken liegen in seiner energischen, kraftvollen Spielweise und darin, dass er durchaus in der Lage ist, mit klugen Pässen für einen ordentlichen Spielaufbau zu sorgen.

Kerem Demirbay: Kerem wer? Der 23 Jahre alte Hoffenheimer gab wie fünf seiner Kollegen beim 1:1 in Dänemark sein Debüt, nach 78 Minuten kam er für Leon Goretzka in die Partie.

Kurz bevor ihn der Bundestrainer zur Summer School des DFB einlud, hatte sich Demirbay beim türkischen Fußballverband erkundigt, ob er auch für das Land seiner Eltern spielen könne. Hätte er. Jetzt ist es zu spät - Löw war schneller.

Julian Draxler: Die "Bild"-Zeitung bezeichnete ihn als "Käpt'n Knutsch", weil er bei einem Ausflug nach Ibiza eine Frau geküsst hatte, die nicht seine Freundin Lena Stiffel war. Die soll ihm verziehen haben, der Problemfall ist also keiner.

Ansonsten ist der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler von Paris St. Germain, der auf 30 Länderspiele und vier Tore kommt, Löws Kapitän für einen Sommer: "Ich sehe meine Aufgabe in erster Linie auf dem Platz." Und er ist nach Ginter und Mustafi der dritte Weltmeister im Confed-Cup-Bunde: Beim legendären 7:1 im Halbfinale gegen Gastgeber Brasilien durfte er die letzte Viertelstunde mitmachen.

Leon Goretzka: Der ehemalige Bochumer spielt mittlerweile für den FC Schalke 04 und ist einer der feinsten Techniker, den die DFB-Elf zu bieten hat. Und ein Kämpfer ist er auch.

Der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler ist ein Mann für die Zentrale, kann es aber auch auf der rechten Seite und als Sechser vor der Abwehr. Fünf Länderspiele stehen bisher zu Buche.

Sebastian Rudy: Gilt als der Unauffällige, was für einen defensiven Mittelfeldspieler ja nichts Schlechtes bedeuten muss. Und rechter Verteidiger kann er auch, bisher kommt er auf 15 Länderspiele, auch wenn der Bundestrainer ihn vor der EM 2016 in Frankreich aus dem Kader strich.

Für den FC Bayern jedenfalls ist er gut genug, die Münchner haben ihn aus Hoffenheim weggelockt und setzen ab der kommenden Saison auf ihn.

Lars Stindl: Der 28 Jahre alte Offensivspieler des Borussia VfL Mönchengladbach war einer der Debütanten von Dänemark, agierte in seinen ersten beiden Länderspielen allerdings etwas unglücklich.

Für diesen Sommer ist er als Angriffspartner von Sandro Wagner eingeplant, soll etwas hinter dem Kollegen spielen. "Er ist eine Führungspersönlichkeit mit Torgefahr", sagt der Bundestrainer.

Sandro Wagner: Der Hoffenheimer ist mit seinen 29 Jahren der älteste Spieler im Kader. Kann von sich behaupten, mehr Tore als Länderspiele auf dem DFB-Konto zu haben.

Nach seinem Dreierpack gegen San Marino in Nürnberg steht es derzeit 3:2. Ansonsten ist er stolz wie Bolle, nun Nationalspieler zu sein. Als er sich von seinen Klubkollegen verabschiedete, sagte er: "Wenn ihr mich sucht: Ich bin bei Jogi Löw."

Timo Werner: Seit seiner Schwalbe in der Hinrunde der Bundesliga wird der 20 Jahre alte Leipziger auch bei Länderspielen ausgepfiffen, zumindest jüngst in Nürnberg war das so.

Der Kollege Sandro Wagner war empört, Werner selbst fand es frech. Als Pflegefall sieht er sich jedenfalls nicht. Seine Bilanz: zwei Länderspiele, kein Tor.

Amin Younes: Nach seinem Kurzdebüt in Dänemark durfte der 23 Jahre alte Flügelspieler vom Europaligafinalisten Ajax Amsterdam gegen San Marino in seinem zweiten Länderspiel auf dem linken Flügel von Beginn an ran.

Er kann etwas, was heutzutage die wenigsten können: Dribblings auf engstem Raum. Er kann das als Alleinstellungsmerkmal für eine WM-Nominierung anführen. Noch besser wäre es, diese Fähigkeit beim Confed Cup gewinnbringend einzusetzen.

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