Weg aus der SIM-KriseHandys mit zwei Karten
Eins für die Arbeit, eins privat – zwei Handys zu haben ist heutzutage fast schon üblich, aber ziemlich umständlich. Einfacher geht's mit Telefonen, in die zwei SIM-Karten passen. Die so genannten Dual-SIM-Handys stehen kurz vor dem Durchbruch.
Eins für die Arbeit, eins privat - zwei Handys zu haben ist heutzutage fast schon üblich, aber ziemlich umständlich. Einfacher geht's mit Telefonen, in die zwei SIM-Karten passen. Die so genannten Dual-SIM-Handys stehen kurz vor dem Durchbruch.
Zwei SIM-Karten zu verwenden, macht durchaus Sinn, auch wenn Sie nicht nur berufliche und private Gespräche trennen wollen oder müssen. Wer bei einem der großen Anbieter unter Vertrag ist und keine Flatrate hat, zahlt für Handy-Gespräche oft 15 Cent oder mehr in der Minute. Anrufe mit einer der günstigen Prepaid-Karten gibt's aber schon ab 8 Cent pro Minute. Wenn der Vertrag noch lange läuft, oder wenn die lieb gewonnene Mobilfunknummer ohne Mitnahmegebühren weiter zum Empfang bereit stehen soll, bietet sich als Lösung an, zwei Karten zu benutzen. Auch auf Reisen macht die Doppelstrategie Sinn: Wer längere Zeit im Ausland ist, kann mit zwei SIM-Karten unter seiner bekannten Nummer erreichbar sein und gleichzeitig mit einem Discount-Tarif des Gastlandes telefonieren.
Wer deshalb keine zwei Mobiltelefone mit sich rumschleppen möchte, konnte bis vor Kurzem nur auf recht unbefriedigende Lösungen zurückgreifen. Zuerst wurden Akkus angeboten, die zwei SIM-Karten aufnehmen können. Die Spezial-Batterien waren aber nicht für jedes Handy zu haben. Seit einiger Zeit sind Adapter auf den Markt, die in nahezu jedes Mobiltelefon passen. Allerdings müssen dafür beide Karten mühsam zurechtgeschnippelt werden.
Der größte Nachteil beider Konzepte ist aber, dass die SIMs nicht gleichzeitig betrieben werden können. Das ist vor allem dann ärgerlich, wenn man unter beiden Nummern erreichbar sein möchte. Den gleichen Nachteil hatte 1999 das erste Dual-SIM-Handy von Benefon.
In China Alltag
Einen idealen Weg aus der SIM-Krise bieten Handys an, in denen zwei Karten gleichzeitig betrieben werden können, so genannte Dual-SIM-Telefone. Bisher hatten sie in unseren Breiten kaum eine Chance, da die großen Provider mit Vertragshandys dafür gesorgt haben, dass in von ihnen vertriebenen Telefonen nur ihre SIM-Karten funktionieren (SIM-Lock).
Da in Asien - speziell in China – Vertragshandys mit SIM-Lock unüblich sind, gehören dort Dual-SIM-Handys schon seit einigen Jahren zum Alltag. So ist es nicht verwunderlich, dass 2006 von dort die ersten Telefone importiert wurden, die den parallelen Betrieb von zwei Karten erlauben. Die Hersteller waren aber meist unbekannt und die Qualität der Geräte zumindest fragwürdig. Außerdem gab's die Telefone gewöhnlich nur bei Ebay und ohne deutsches Menü zu kaufen.
Inzwischen bieten die großen Provider ihre Karten auch in Deutschland ohne Vertragshandy an und Discounter vertreiben Prepaid-Karten mit äußerst günstigen Minuten-Preisen. Außerdem haben führende Technikmagazine publik gemacht, dass Mobilfunkkunden besser fahren, wenn sie SIM-Karte und Telefon getrennt kaufen. Der freien Telefon-Wahl steht also nichts mehr im Weg.
Amerikanischer Trendsetter
Vor rund einem Jahr läutete daher der US-Hersteller General Mobile mit dem DST 11 auch hierzulande den Aufstieg der Tandem-Telefone ein. Kurze Zeit später nahm der Elektronik-Discounter Conrad das chinesische Matsunichi D620 ins Programm auf. Beide Telefone bieten nur wenige Extras und sind vor allem für Leute geeignet, die hauptsächlich telefonieren wollen. Die mickrigen Kameras mit je 1,3 Megapixel Auflösung hätte man durchaus auch weglassen können.
Der österreichische Senioren-Handy-Spezialist Emporia stieg im Februar dieses Jahres in den Dual-SIM-Ring. Sein Handy mit der schlichten Bezeichnung DualSIM ist etwas für Puristen mit Hang zur Extravaganz: Fast ohne Zusatzfunktionen glänzt es durch ein pfiffiges Design: Es hat zwei Seiten mit Display und Tastatur. So kann man durch schlichtes Wenden des Telefons die SIM-Karte wechseln. Immerhin gibt's den Doppeldecker auch mit der Funk-Schnittstelle Bluetooth.
Im März dieses Jahres sprang mit Samsung der erste große Handy-Hersteller auf den Dual-SIM-Zug auf. Sein SGH D880 ist deutlich üppiger ausgestattet als seine beiden unbekannten Konkurrenten: 3,2-Megapixel-Kamera, MP3-Player und UKW-Radio, aber ebenfalls keine UMTS-Funktion. Die Stiftung Warentest bewertete das Telefon immerhin mit "gut". Und der koreanische Hersteller will demnächst ein weiteres Dual-SIM-Handy herausbringen. Das SGH-D980 soll ersten Berichten nach aber ebenfalls ohne Breitband-Funktion angeboten werden, dafür soll die Kamera aber mit fünf Megapixeln auflösen.
Ausstattung wird besser
Seit diesem Sommer ist richtig Dampf im (noch) kleinen Segment der Dual-SIM-Handys. Im Juli brachte General Mobile den Nachfolger des DST 11, das DSTW1 PDA, auf den Markt, das echte Büro-Qualitäten zeigt. Es arbeitet wie andere PDA-Handys mit dem Windows Mobile Operation System und kann daher unter anderem Office-Inhalte verarbeiten und für die Kalender-, Adress- und Aufgabenverwaltung benutzt werden. Via Touchscreen lässt sich das DSTW1 mit einem PDA-Stift bedienen. Videos und Musik kann das Handy ebenfalls abspielen. Schade, dass neben UMTS auch kein W-LAN an Bord ist, denn so lässt sich der heimische DSL-Anschluss mit dem Amy nicht nutzen.
Durch die fehlende Breitbandverbindung dürfte der Weg an die Dual-SIM-Spitze für BellPepper frei sein. Das von TU-Absolventen neu geründete Unternehmen will ab November das Zwei-SIM-Karten-Handy TwinBell verkaufen, das mit UMTS, Videotelefonie und Bluetooth gegen die Konkurrenz antritt. BellPepper-Chef Christian Deilmann schätzt den deutschen Markt für Dual-SIM-Handys auf rund 650.000 potentielle Kunden. Rund 60.000 Handys hofft der 25-jährige Jung-Unternehmer im kommenden Jahr absetzen. Doch Prognosen sind schwierig, denn vermutlich werden auch andere Handy-Schwergewichte mit Dual-SIM-Handys auf den Markt drängen. So hat auch Motorola inzwischen einen schicken Zweisitzer entwickelt. Das VE75 ist allerdings vorerst nur in China erhältlich.