Donnerstag, 08. November 2007
Elf Stunden in der Woche: Internet vor Fernsehen
Das Internet läuft dem Fernseher den Rang ab: Vor allem junge Deutsche nutzen das weltweite Computernetz inzwischen öfter als den Fernseher, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Studie im Auftrag der EIAA (European Interactive Advertising Association) ergab. Drei Viertel der 16- bis 24-Jährigen gehen demnach an fünf bis sieben Tagen pro Woche ins Internet. Den Fernseher schalteten dagegen nur zwei Drittel der Befragten so regelmäßig ein, erklärte der Branchenverband der Onlinevermarkter.
Im Durchschnitt aller Bundesbürger liegt das Fernsehen bei der regelmäßigen Nutzung mit fast 80 Prozent zwar noch vor dem Internet, das rund 68 Prozent aller Befragten mindestens fünf Tage pro Woche nutzen. Doch auch hier ist ein klarer Trend erkennbar: Während die TV-Nutzung seit zwei Jahren stagniert, hat der Anteil regelmäßiger Internetnutzer seit 2005 um mehr als 14 Prozent zugenommen.
Das gilt auch für Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien und Skandinavien sowie Belgien und die Niederlande: Erstmals gehen mit 82 Prozent der 16- bis 24-Jährigen die jungen Westeuropäer öfter online als sie fernsehen (77 Prozent). Im Durchschnitt aller Altersgruppen ist der Fernseher jedoch auch dort noch das wichtigste Medium. Rund 86 Prozent der Westeuropäer nutzen das Fernsehen regelmäßig, während dies beim Internet erst 75 Prozent tun. Allerdings hat die Nutzung des weltweiten Computernetzes seit 2005 auch hier um knapp elf Prozent zugelegt.
Grund dafür ist der Studie zufolge auch die steigende Zahl an Breitband-Internetanschlüssen, die gegenüber dem vergangenen Jahr europaweit um acht Prozent auf 81 Prozent zugenommen hat. In Deutschland liegt der Anteil der Breitband-Zugänge bei fast 70 Prozent. In Großbritannien sind es bereits rund 92 Prozent, in Frankreich, Norwegen und Dänemark mit 89 Prozent etwas weniger.
Deutsche Internetnutzer elf Stunden pro Woche online
Die steigende Internetnutzung in Deutschland ist vor allem den über 55-Jährigen zu verdanken, von denen rund 38 Prozent mehr online sind als noch im vergangenen Jahr. Auch die Frauen drängen ins Netz: Der Anteil der Internetnutzer unter ihnen legte der Studie zufolge um 22 Prozent zu. Insgesamt verbringen die deutschen Surfer an durchschnittlich 5,2 Tagen knapp elf Stunden pro Woche im Netz. Im europäischen Durchschnitt sind es insgesamt 11,9 Stunden an 5,5 Tagen pro Woche.
Von den Bundesbürgern am meisten genutzt werden dabei Suchmaschinen (82 Prozent der Befragten) und E-Mail (74 Prozent). Auch Bewertungsplattformen wie ciao.de und soziale Netzwerke wie studivz.de liegen mit 27 Prozent und 37 Prozent ganz vorne. Foren und Chats werden von 28 Prozent und 13 Prozent der deutschen Online-Surfer genutzt. Filme, IP-TV und Video-Streams nutzen der Studie zufolge mittlerweile 28 Prozent von ihnen - ein Zuwachs gegenüber 2006 um 211 Prozent. Blogging ist deutlich weniger populär: Nur zehn Prozent verfassen eigene Online-Tagebücher. Instant-Messaging-Dienste wie ICQ werden von 19 Prozent der Internetnutzer in Deutschland verwendet.
Für die Studie "Mediascope Europe 2007" wurden von den Marktforschungsinstituten SPA und Synovate im September mehr als 7.000 Internetnutzer in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien, Skandinavien, Belgien und den Niederlanden befragt, davon rund 1.000 in der Bundesrepublik.
