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Freitag, 18. August 2017

"Harald Schmidt ist kein Mensch": 60 Jahre Dirty Harry

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Harald Schmidt kann sich feiern lassen. Denn am 18. August 2017 ...

Harald Schmidt kann sich feiern lassen. Denn am 18. August 2017 ...

Harald Schmidt kann sich feiern lassen. Denn am 18. August 2017 ...

... begeht "Dirty Harry", ...

… der intellektuelle Entertainer, …

… Autor und Kolumnist, …

… Filmschauspieler und Theatermann, ...

... der modisch und …

… haartechnisch seiner Zeit stets voraus war, ...

... seinen 60. Geburtstag. Allerdings steht zu befürchten, ...

... dass wir über das freudige Ereignis nicht allzu viel erfahren werden. Was sein Privatleben angeht, ...

... hielt sich Schmidt immer reichlich bedeckt. Bekannt ist natürlich, ...

... dass er im baden-württembergischen Nürtingen aufgewachsen ist, ...

... ein Studium der Kirchenmusik absolvierte und einst als Organist und Chorleiter arbeitete. Heute lebt er im Kölner Nobelviertel Marienburg ...

... mit seiner Lebensgefährtin, der Lehrerin Ellen Hantzsch, und seinen insgesamt fünf Kindern. Das ...

... sei Trubel, aber Trubel, den er genieße, sagte er einmal in einem seiner wenigen Interviews, in denen er Einblicke in sein Privatleben gewährte. Und was ...

... sagen andere über das scharfzüngige Lästermaul, das er auf der Bühne so gern gibt? "Schmidt ...

... ist kein Mensch", urteilte etwa sein einstiger Sparringspartner in der Sendung "Schmidteinander", Herbert Feuerstein, einmal. Und auch ...

... sein einstiger Sidekick in der "Harald Schmidt Show", Manuel Andrack, fand nur bedingt freundliche Worte: "In Wirklichkeit ist Schmidt noch gemeiner als auf der Bühne." Aber na na na, ...

... wer wird denn zum Geburtstag derart sticheln? Da werfen wir doch lieber einen Blick darauf, ...

... was der Jubilar in seinen 60 Jahren erreicht hat. Als ...

... 1995 auf Sat.1 die "Harald Schmidt Show" startet, die seinen Ruf als legendärer Entertainer begründet, hat er schon eine veritable TV-Karriere hinter sich.

Nach dem Schauspielstudium in Stuttgart spielt er zwar zunächst am Theater und tritt als Kabarettist auf, …

… aber ab 1988 hat er seine erste Fernsehsendung: "Maz ab!", die bis 1992 in den Dritten und der ARD läuft.

Bald schon kommt die Comedy-Show "Pssst..." hinzu …

… und von 1992 bis 1995 moderiert er eine der großen Samstagabendshows: "Verstehen Sie Spaß?".

Aufsehen erregt er aber vor allem im Doppelgespann mit Feuerstein bei "Schmidteinander".

In der Comedyshow zeigt sich Schmidt bereits von seiner ironischen und bissigen Seite.

Die Show endet 1994 und ein Jahr später wechselt Schmidt zu Sat.1, um eine der ersten deutschen Late-Night-Shows zu moderieren.

Mit ihr wird er zum Star und zum bundesweiten Gesprächsthema.

Auch wenn viele Elemente der Show von US-Vorbildern wie David Letterman abgekupfert sind, schafft es Schmidt, ihr seinen eigenen Stempel aufzudrücken.

Das liegt nicht nur an der bezaubernden Stimme von Nathalie Licard, die mit französischem Akzent die Show einleitet oder …

… an der Band um Helmut Zerlett, der im Laufe der Jahre auch immer öfter in kleinen Sketchen auftaucht.

Hinzu kommt auch Schmidts bissiger Anfangsmonolog, in dem er das Tagesgeschehen kommentiert - hier kommt ihm seine Erfahrung als Kabarettist zugute.

Daneben etablieren sich aber auch schnell Running Gags wie "Die dicken Kinder von Landau" oder die von Li und Wang (Bild) präsentierten "Weisheiten des Konfuzius".

Zudem lässt Schmidt immer wieder fiktive Figuren auftreten wie seinen Fahrer Üzgür, Reporter Kai Edel oder den CDU-Abgeordneten Dr. Udo Brömme (Bild).

"Ich sage ja zu deutschem Wasser" oder …

… sein "Rinder gegen den Wahnsinn"-Schleifchen am Revers erinnern ebenso an Schmidts erfolgreichste Jahre, …

… in denen er auch in Filmen wie "Nich' mit Leo" und "Late Night" (Bild) auftritt.

Zwar sind die Einschaltquoten der Show nur selten überragend, aber er sammelt Preise ein: Mehrere Grimme-Preise sind darunter, der Bayerische und der Deutsche Fernsehpreis, Goldene Kamera und Bambi sowie der Medienpreis für Sprachkultur.

Wichtiger aber ist, dass Schmidt es schafft, Themen zu setzen - oder für Eklats und damit Aufmerksamkeit zu sorgen.

Er reißt Witze gegen Frauen und Polen, …

... macht Bilderrätsel, ...

... lässt das Oliver-Kahn-Ballett auftreten, ...

… schickt als Adolf Hitler eine Mahnung an die Jugend …

… und etabliert sein Image als "Dirty Harry", als Enfant terrible des deutschen Fernsehens.

Er leckt das Gesicht von Verona Pooth ab, …

… wird selbst abgeleckt …

… grapscht Samantha Fox an die Brust ...

... verstößt immer wieder gegen Tabus ...

... und macht sich über alles und jeden lustig.

Manchmal geht er dabei zu weit: Einmal stellt er die Frage, was Eierlikör, eine Ausgabe der "Emma", eine Kloschüssel und Moderatorin Bettina Böttinger gemeinsam hätten. Die Antwort: "Kein Mann würde sie freiwillig anfassen." Später lädt er Böttinger in die Show ein, eine Versöhnung gibt es aber nicht.

Dass Schmidt nebenbei Gäste empfängt, wird zur Nebensache: Schmidts Gags, Einspieler und Eskapaden sind oft wichtiger als Prominente von Jürgen Drews …

… über Milla Jovovich …

… bis David Bowie.

Doch die Show verliert trotzdem Zuschauer. Auch der Produzenten-Wechsel zur eigenen Firma Bonito TV bringt wenig.

Ab 2000 gesellt sich schließlich mit Manuel Andrack ein Sidekick dazu, der der Show tatsächlich neue Impulse verleihen kann.

Beide spielen sich die Bälle zu. Und Schmidt betont zunehmend seine bildungsbürgerliche Herkunft - was ihm mitunter als Arroganz ausgelegt wird.

So spielt er klassische Dramen mit Playmobil-Figuren nach, produziert eine (preisgekrönte) Sendung komplett auf Französisch (wofür er 2013 zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt wird), …

… moderiert mit dem Rücken zum Publikum oder sagt einfach mal eine ganze Show lang gar nichts.

So viel Experiment wird vom breiten Publikum aber nicht goutiert. Als es zudem in der Sat.1-Spitze zu einem Personalwechsel kommt, …

… verkündet Schmidt im Dezember 2003, eine kreative Pause einlegen zu wollen.

Genau ein Jahr später startet die Show "Harald Schmidt" in der ARD, mit ähnlichem Konzept wie die Vorgängersendung und teilweise mit demselben Personal.

Für Unmut sorgen allerdings die hohen Kosten der Sendung, für die die ARD auf Fußballrechte verzichtet. Zudem bemängeln Kritiker, dass die Show zu langatmig sei.

Dafür probiert sich Schmidt immer wieder als Moderator anderer Sendungen: Mit Waldemar Hartmann …

… kommentiert er zwei Olympische Spiele und die Fußball-WM 2006, daneben moderiert er mehrere Bambi-Verleihungen oder …

… gastiert in anderen Shows.

Immer wieder tritt er in Kinofilmen wie "7 Zwerge - Männer allein im Wald" oder "Vom Suchen und Finden der Liebe" (Bild, mit Anke Engelke) auf.

Zudem entdeckt Schmidt seine Liebe zum Theater neu (hier in dem Stück "Der eingebildete Kranke"). In Becketts "Warten auf Godot" gibt er 2002 sein (preisgekröntes) Comeback und spielt anschließend am Bochumer Schauspielhaus und am Staatstheater Stuttgart, …

… wo er das Hamlet-Musical "Der Prinz von Dänemark" konzipiert.

Das kommt Schmidt sicher gelegen, denn mit seiner eigenen TV-Show läuft es nicht rund. Das Konzept wird immer wieder verändert und ab 2007 durch "Schmidt und Pocher" ersetzt.

Doch auch diese Sendung floppt, nach zwei Jahren ist Schluss und Schmidt macht allein weiter. Zumindest kurzfristig.

Denn 2011 wechselt er wieder zu Sat.1 und belebt "Die Harald Schmidt Show" neu. Doch nach nicht mal einem Jahr ist auch hier Schluss, wegen zu schwacher Quoten.

Schmidt wechselt noch einmal - zum Bezahlsender Sky, wo er jedoch nur noch vor kleinem Publikum auftritt. Nach anderthalb Jahren wird der Vertrag schließlich nicht mehr verlängert. Nach ...

... 19 Jahren beendet Schmidt schließlich seine Karriere als Late-Night-Moderator. Ein Schritt, ...

... der ihm nicht leichtfällt, wie er zugibt. Die Schwierigkeit sei nicht, den Erfolg zu genießen, sondern den Abstieg "in den Griff zu kriegen", gesteht er in einem offenherzigen Moment. Heute muss er zuschauen, ...

... wie andere, zum Beispiel Jan Böhmermann, das einst von ihm in Deutschland etablierte Late-Night-Konzept ausfüllen ...

... und dabei viele seiner Ideen aufgreifen. Im Fernsehen ...

... sieht man Harald Schmidt regelmäßig inzwischen eigentlich nur noch beim "Traumschiff", auf dem er bereits seit 2008 mitfährt. Eine ...

... bereits sicher geglaubte Verpflichtung für den "Tatort" platzte dagegen Anfang 2017 unmittelbar vor Drehbeginn. Schmidt erklärte lediglich, er müsse "aus persönlichen Gründen" absagen. Dafür ...

... sah man ihn zuletzt auch mal wieder in ein paar Kinofilmen wie "Timm Thaler oder das verkaufte Lachen" ...

... und "Burg Schreckenstein". Was ...

... die Zukunft wohl noch so für Harald Schmidt bringt? Jedenfalls keine neue Show bei einem Streamingdienst wie Netflix, das hat er klargestellt. Aber ...

... so ganz zum alten Eisen will man ihn dann doch nicht zählen. Und ein Harald Schmidt ist stets für Überraschungen gut. Vielleicht ...

... muss "Dirty Harry" ja erst 60 werden, um noch einmal voll anzugreifen.

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