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"Hinter dem Regenbogen": Abenteuer am Mount Roraima

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Es ist ein Landschaft wie aus einer anderen Welt: Im abgelegenen Grenzgebiet zwischen Venezuela, Guyana und Brasilien ragen aus der feucht-heißen Ebene unvermittelt gewaltige Felswände steil und unnahbar empor. (Foto: Klaus Fengler)

Es ist ein Landschaft wie aus einer anderen Welt: Im abgelegenen Grenzgebiet zwischen Venezuela, Guyana und Brasilien ragen aus der feucht-heißen Ebene unvermittelt gewaltige Felswände steil und unnahbar empor.

Es ist ein Landschaft wie aus einer anderen Welt: Im abgelegenen Grenzgebiet zwischen Venezuela, Guyana und Brasilien ragen aus der feucht-heißen Ebene unvermittelt gewaltige Felswände steil und unnahbar empor.

Die sagenumwobenen "Tepui", wie sie in der Sprache der Ureinwohner heißen, sind so hoch und unwegsam, dass sie wie isolierte Inseln aus Stein über den Wolken schweben. Auf ihren Hochflächen herrscht ein vollkommen anderes Klima als fast 1000 Meter tiefer im Dschungel.

Es sind jene sagenhaften "vergessenen Welten", die den britischen Beststellerautor Arthur Conan Doyle zu seinen Fantasiegeschichten über einen letzten Rückzugsort der Dinosaurier inspirierten: eine unwirtliche Landschaft von atemberaubender Schönheit.

Hier, an einem dieser Berge, wollen drei deutsche Abenteurer eine riesige Steilwand besteigen.

Es geht um eine Route durch die Nordwand des Tepui Roraima, einem der spektakulärsten und schönsten aller Tepui in der Gran-Sabana-Ebene. Noch niemals zuvor hat es ein Mensch hier ohne technische Hilfe bis ganz nach oben geschafft.

Den drei Bergsteigern geht es am Mount Roraima um eine Erstbegehung im sogenannten Rotpunkt-Stil: Hilfsmittel wie Seil, Bohrhaken oder Klemmkeile dienen dabei nur zur Absicherung und nicht zum Festhalten.

Erfunden hat diesen Stil Kurt Albert: Mit dem Freiklettergedanken bereicherte die Bergsportlegende aus Franken in den 1970er Jahren nicht nur den Alpinismus, sondern schuf gleichzeitig auch eine der Grundlagen des modernen Sportkletterns.

Anfang 2010 bricht Albert mit zwei Freunden auf, um sich einen Weg durch den Urwald Guyanas zu bahnen. Ein Kamerateam begleitet sie, um einen einzigartigen Dokumentarfilm zu drehen. Das Ziel ihrer Reise ist der Mount Roraima.

Mit Kurt Albert unterwegs ist der erfahrene Allround-Extremsportler Holger Heuber und ...

... der Sportkletterstar Stefan Glowacz, einer der besten seines Fachs.

Ihre Expedition beginnen die drei nicht erst am Berg: Die Anreise "by fair means" ist fester Bestandteil ihres Vorhabens und Teil ihrer Lebenseinstellung als Bergsteiger. Glowacz, Heuber und Albert wollen den Weg zum Einstieg am Mount Roraima aus eigener Kraft bewältigen - quer durch die Wildnis bis zur Wand.

Doch der Zustieg erweist sich als sehr viel schwieriger als gedacht: Lange vor dem Ziel ragen dicht überwucherte Vorberge auf. Der Zeitplan wackelt, die Helfer winken ab, das Essen wird knapp. Schließlich sind die Kletterer auf sich allein gestellt.

Erst nach strapaziösen Tagen im Dschungel bekommen sie endlich auch das Ziel ihrer Träume zu Gesicht: ...

Durch Regen, Nebel und Wolken erhebt sich der riesige Roraima mit "La Proa" - einem steil aufragenden "Schiffsbug" aus Stein - durch das tropfnasse Blätterdach in den Himmel. An der rötlichen Wandpartie links neben der wolkenverhangenen Kante und hinter grünen Buckel wollen sie ihren Aufstiegsversuch wagen.

Was genau sie dort erwartet, ist schwer vorhersagbar: Es handelt sich um eine mehr als 600 Meter hohe, leicht überhängende Wand aus teils mürbem, teils ungewöhnlich kompaktem Sandstein - eine Wand, aus der bei Regen ganze Flüsse in die Tiefe stürzen.

Endlich geht es los: Einer steigt vor und bringt die Sicherungen an, der Zweite sichert, der Dritte holt die Packsäcke nach.

Meter für Meter, Seillänge um Seillänge geht es nach oben: Hier klettert Kurt Albert eine Passage durch eine flache Überhangverschneidung frei.

Es ist ein kräftezehrende Angelegenheit, selbst für die Nachsteiger.

Immer wieder wechseln sie sich mit der Führung im Freiklettern ab: Die Schwierigkeiten reichen hoch bis in den zehnten Schwierigkeitsgrad.

Bald sind sie so weit oben, dass sie ihr Camp in die Höhe verlegen müssen: Der Aufstieg mit Seilklemmen zum jeweils letzten Standplatz dauert einfach zu lang.

Auch die Nächte verbringen sie in der Wand: Glowacz, Heuber und Albert biwakieren vor Regen geschützt auf einem schmalen Sims. Unter ihnen nichts als gähnende Leere - um sie herum ein Panorama von bizarrer Schönheit.

Das ist die Route, die sie vom Wandfuss bis ganz nach oben führen soll: Glowacz wird sie "Behind the Rainbow" nennen. Doch mittendrin geschieht, was weitab der Zivilisation eigentlich nicht geschehen darf: ...

... Stefan Glowacz rutscht ab und verletzt sich an der Ferse. Damit sind ihre Chancen auf einen Gipfelerfolg vorerst dahin. Das knapp bemessene Zeitfenster beginnt sich zu schließen.

Zu dritt erkennen sie, dass ihr Versuch gescheitert ist. Schweren Herzens brechen sie ab - und beginnen, ihren zweiten Anlauf zu planen.

Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen konnte: Kurt Albert wird nicht mehr dabei sein. Wenige Wochen vor dem Start zu ihrem zweiten Versuch am Roraima verunglückt er bei einem tragischen Kletterunfall in Deutschland tödlich.

Es ist ein Wendepunkt in ihrem Leben. Wie geht man damit um?

Holger Heuber und Stefan Glowacz beschließen, die Route am Roraima ohne ihren Freund zu beenden. Diesmal seilen sie sich von oben ab - bis zu der Stelle, wo sie ein halbes Jahr zuvor abbrechen mussten. Genau so, wie es Kurt Albert zuvor vorgeschlagen hatte.

"Das Leben besteht aus Augenblicken, davon bin ich überzeugt", wird Stefan Glowacz später sagen. "Wir erinnern uns immer an die intensiven Momente."

"Und wie die letztendlich aussehen, das schreibt dann das Leben. (...)

Für uns sind diese Augenblicke der wahre Reichtum des Lebens." (Text: Martin Morcinek)

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