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Krass!
Alter, hör ma'! n-tv.de is in da house und disst Dich jetz' ma' richtig.
Warum verherrlichst Du Gewalt, rufst zum Drogenkonsum auf, verurteilst Homosexuelle und Minderheiten und reduzierst Frauen auf ihre Geschlechtsorgane?
Warum nimmst Du Songs mit Leuten auf, die "King Orgasmus One" heißen und produzierst ein Album mit dem Titel "Carlo Cokxxx Nutten" und Lieder mit Namen wie "Mittelfingah" und "Gangbang"?
Warum machst Du einen autobiographischen Kinofilm, den sich Minderjährige angucken und in dem Du deiner Freundin die Nase blutig schlägst?
Und warum, Alter!, klaust Du Deine Musik bei norwegischen und französischen Metal-Bands und behauptest, dass Du sie selbst gemacht hast? Alter, wie krass bist Du?
Okay - genug gedisst. Und damit Spaß beiseite und noch einmal der Reihe nach.
Anis Mohamed Youssef Ferchichi, so lautet der bürgerliche Name des Berliner Rappers, der diesen wohl aus Rücksicht auf die Memorierfähigkeit seiner Fans vereinfacht hat: "Bushido".
Bushido, das ist dem Japanischen entlehnt und bedeutet "Weg des Kriegers".
Dem heute 31 Jahre alten Rapper aus Berlin-Tempelhof kann man nicht nachsagen, dass er seinem Namen bislang keine Ehre gemacht habe.
Schon in der Schule zeigte sich der halb deutsche, halb tunesische Jugendliche kampfeslustig – gegenüber dem Gesetz. Wegen Sachbeschädigung und Drogenbesitz kam er damals vor Gericht.
Nach einer Ausbildung zum Maler und Lackierer, die er als Alternative zum Jugendknast angenommen hatte, begann er seinen Weg als Rapper. "King Orgasmus One" diente ihm dabei als Sprosse auf der Karriereleiter, genau wie …
… der ebenfalls aus Berlin stammende Rapper Sido, mit dem Bushido heute auf Augenhöhe "battlet".
Auch was die umstrittenen Texte angeht. Da Minderjährige den Rapper als Vorbild sehen, werden seine Zeilen regelmäßig scharf verurteilt. Beispiel gefällig?
"Jetzt gibt's auf die Fresse du hast dich verschätzt du halbes Hemd. Es ist zu spät Junge, guck wir haben Blut geleckt. Scheiß drauf ich strecke im geschlossenen Vollzug das Pep", rappt Bushido in "Hai Life". Gewalt und Drogen in zwei Zeilen.
"Weil ich mit Waffen deale hab ich nen Keller voller Munition Und ich verkaufe Koks an Kids, die an der Uni wohnen Ich mach das lebenslänglich Guck, im Kindergarten hab ich schon gesagt, ich tausche Abziehbilder gegen Handys." So liest sich der Text von "Waffendealer".
Tatsächlich ist es schwer, Textstellen zu finden, die man guten Gewissens zitieren kann. Im Lied "Nutte, Bounce" etwa geht es unmissverständlich um die sexuelle Degradierung von Frauen. Und das in einer Wortwahl, die nun wirklich nichts für Kinder ist. Für uns allerdings auch nicht.
Dem Rapper wird darüber hinaus Homosexuellen-Feindlichkeit nachgesagt. Kein Wunder, mit "Schwuchtel" oder "Homo" schmeißt er in seinen Texten nur so um sich.
Ähnliche Beleidigungen gelten für andere Minderheiten. Bushido disst, wo er nur kann. In Interviews streitet er feindliche Einstellungen jedoch ab und erklärt seine Äußerungen zu Metaphern.
Die Frage ist nur, ob Jugendliche den Aufruf zu Gewalt, Drogenkonsum und Frauenverachtung auch als Metapher verstehen. Aber selbst wenn: Metapher für was eigentlich?
Die Proteste gegen Bushido reichen so weit, dass die Leute schon auf die Straße gehen, …
… um gegen ihn ...
... und gegen seinen Einsatz als Botschafter an Schulen zu demonstrieren. Der Rapper warb 2008 unter dem Motto "Schau nicht weg" für ein gewaltfreies Zusammenleben unter Schülern.
Der Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg sagte damals: "Ein Auftritt dieses Rappers bei einem Konzert gegen Jugendgewalt käme einer Verhöhnung aller Gewalt-Opfer gleich."
Bushido steht allerdings nicht nur im Streit mit der Öffentlichkeit, …
… sondern auch mit seinen Rap-Kollegen, allen voran mit dem, der ihn groß gemacht hat: Sido. (Abkürzung für: Super Intelligentes Drogen-Opfer)
Einst dissten die beiden beim Platten-Label "Aggro-Berlin" gemeinsam, nun sind sie seit Jahren erklärte Feinde. "Beef" nennt man das in der Branche, Streit zwischen zwei harten Rappern.
Die Fehde begann, nachdem Bushido sich mit seiner eigenen Plattenfirma von "Aggro-Berlin" abgespalten hatte.
In Rap-Texten, Interviews und Videobotschaften schmeißen sich die beiden seitdem die übelsten Beleidigungen und Drohungen an den Kopf.
Als "Junkie-Mutter" bezeichnete Bushido die Mutter von Sido in einem seiner Texte. Der wiederum ließ auf seiner Internetseite verlauten, dass es jetzt nur noch darum ginge, "wer zuerst stirbt".
Auch mit gediegenerer Prominenz beschreitet Bushido den "Weg des Kriegers". Zum Beispiel mit Frauenrechtlerin Alice Schwarzer.
In einem Internet-Video beleidigte der Rapper die Emma-Herausgeberin: "Ey, F****, f*** dich ins Knie", waren seine Worte.
Schwarzer keilte zurück und bezeichnete Bushido auf ihrer Homepage als "Muttersohn" und "kleinbürgerlichen Spießer". Daraufhin bekam sie keine Antwort mehr.
Moment, Spießer? "Macho" oder "Taugenichts" wären Worte gewesen, die man von Alice Schwarzer erwartet hätte. Stattdessen lag die Feministin mit "Spießer" wohl mindestens genauso richtig.
Der hammerharte Rapper hat sich vor ein paar Jahren nämlich ein zweites Standbein geschaffen: Den Immobilienmarkt. Mit einigen Freunden gründete er eine kleine Firma, die "Immobilien kauft und verkauft", wie er der "Süddeutschen Zeitung" verriet.
Im gleichen Interview kommt auch heraus, dass Bushido tatsächlich ein Spießer ist, nach eigener Aussage sogar gerne. In den Büros seiner Firma müssten die Mitarbeiter Filzpantoffeln tragen, weil er keinen schmutzigen Boden toleriere.
Auf die Frage hin, ob es sinnvoll sei, nach der Immobilienkrise in das Geschäft einzusteigen, antwortet Bushido nur: "Wahrscheinlich bin ich eher ein Hobby-Immobilientyp."
Zu seinen neuen Hobbys zählt auch eine Leinwandkarriere. Mit dem Film "Zeiten ändern dich" stürmte Bushido in die deutschen Kinos.
In der Bernd-Eichinger-Produktion spielt Bushido sich selbst und schildert seinen Aufstieg aus dem sozialen Brennpunkt Berlins zum angesehenen Rapper.
Doch es hagelte Kritik, und das nicht zu knapp. Allerdings diesmal seitens der Filmkritiker.
Also Schluss mit den Hobbys und weiter mit Gewalt-Rap? Vielleicht, aber dann wäre es wohl mal eine gute Idee, die Musik selbst zu schreiben.
Denn der ultimative "Diss" kommt nun: Bushido hat, wie ans Licht kam, für 13 seiner Titel die Hintergrundmusik bei der französischen Gothic-Band "Dark Sanctuary" zusammengeklaut.
Die Folge: 63.000 Euro Schadenersatz an die Komponisten der Songs, einen noch ungeklärten Betrag an die Band, die Rückgabe von GEMA-Einnahmen, und nicht zuletzt …
… ein Rückruf aller elf betroffenen Alben, Singles und Compilations aus dem Handel – die müssen vernichtet werden.
Schon 2007 hatte Bushido sich ungefragt bei einer norwegischen Band bedient und damit das Urheberrecht verletzt. Nun allerdings ist sein bislang erfolgreichstes Album "Von der Skyline zum Bordstein zurück" betroffen. Die CD wird in der Schrottpresse landen.
So, Bushido. Im Leben ist es wahrscheinlich wie in den Rapper-Kreisen. Mal disst du …
… und mal wirst du gedisst. Das ist der Weg des Kriegers. (Text: Robert Meyer)
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