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Gordon Gekko und Robin Hood: Cannes erwartet die Filmwelt

 
Gordon Gekko und Robin Hood: Cannes erwartet die Filmwelt

Ach, Cannes.

Das Filmfestival am Mittelmeer kündet den nahenden Sommer an.

Zu den heute beginnenden Festspielen gehören blauer Himmel und blaues Meer einfach dazu.

Da lässt man sich auch nicht von Unwettern an der Côte d'Azur mit bis zu sechs Meter hohen Wellen abschrecken – selbst wenn mehrere Restaurants und Strände in Mitleidenschaft gezogen und die Uferstraße gesperrt werden.

Selbst Aschewolken, die den Flugverkehr in Südeuropa behindern, sollten die Stars aus aller Welt nicht abhalten. "Alle wollen nach Cannes, sogar die Aschewolke", scherzte der stellvertretende Bürgermeister der Küstenstadt noch am Wochenende.

Denn sie gehören an die Croisette wie schwere Dramen in den Wettbewerb.

Ja, das ist das Filmfestival in Cannes – zum 63. Mal.

Die Gratwanderung zwischen Popcorn und Anspruch scheint hier ganz leicht zu sein.

"Moulin Rouge" und "Pulp Fiction" von Quentin Tarantino feierten umjubelte Premieren, …

… "Broken Flowers" und "Babel", "No Country for Old Men" (Bild von der Premierenfeier), "O Brother, Where Art Thou?" und "Inglorious Basterds" wurden hier vorgestellt.

"Der Dritte Mann" mit Orson Welles, "Orfeu Negro" und "La Dolce Vita", …

… "Der Leopard", "M.A.S.H." und "Taxi Driver" mit Robert De Niro und Jodie Foster, …

… "Apocalypse Now", "Die Blechtrommel", "Kagemusha" des Japaners Akira Kurosawa, "Der Pianist" und "Das weiße Band" – die Liste der Preisträger lässt jedes Cineasten-Herz höher schlagen.

Und auch dieses Jahr sollen wieder die ganz großen Namen punkten, hofft zumindest Festivalchef Thierry Fremaux.

Das fängt schon bei der Jury an: Paradiesvogel Tim Burton als Vorsitzender wird unter anderem von den Schauspielern …

… Kate Beckinsale und …

… Benicio Del Toro unterstützt, der vor zwei Jahren als "Che" den Darstellerpreis erhielt.

Erwartet werden auch Isabelle Huppert, Charlotte Gainsbourg, die deutsche Hollywood-Schauspielerin Diane Kruger (Bild) und Javier Bardem – der vielleicht seine neue Freundin Penélope Cruz über den roten Teppich führen wird.

Und Mick Jagger wird wohl für den Dokumentarfilm "Stones in Exile" werben.

Erstmals seit Jahren wurden dieses Jahr weniger Filme eingereicht, doch einige Schmuckstücke gibt es trotzdem zu sehen.

Gleich zum Auftakt wird Ridley Scotts Film "Robin Hood" mit Russell Crowe gezeigt. Die Geschichte des englischen Volkshelden wollte man ganz neu schreiben, erklärt Crowe. "Was auch immer Ihr glaubtet über Robin Hood zu wissen, es ist falsch." Und Crowe ist sich sicher: Heute würde Robin Hood "die Monopolisierung der Medien als größten Feind sehen".

Darstellerin Cate Blanchett, die Lady Marion spielt, findet den Idealismus des Sozialrebellen sicher auch ganz toll. Vor allem aber erinnert sie sich an den Schmutz bei den Dreharbeiten: "Ständig kam Ridley zu mir, und schmierte mir noch etwas Matsch ins Gesicht." Dafür habe aber entschädigt, dass sie in dem Film Russell Crowe habe küssen dürfen.

Beide Hauptdarsteller lassen sich inzwischen in Cannes die Sonne auf den Kopf scheinen. Regisseur Scott muss dagegen passen - und schiebt das auf seine Ärzte: Die hätten ihn nach einer Knieoperation von der Reise abgeraten, lässt Scott in Cannes verkünden.

Dagegen kommt Woody Allen ans Mittelmeer – wahrscheinlich wieder mit einer Handvoll schöner Frauen im Schlepptau – und stellt seinen neuen Film "You Will Meet A Tall Dark Stranger" vor. Dieser ist mit Stars wie Naomi Watts, Antonio Banderas und Anthony Hopkins gespickt.

Oliver Stone zeigt 23 Jahre nach seinem Hit "Wall Street" und nach dem Börsencrash die Fortsetzung: "Wall Street - Money Never Sleeps" mit Michael Douglas als Börsenhai Gordon Gekko und Shia LaBeouf. Auch Charlie Sheen und Susan Sarandon spielen in dem Film mit.

Allerdings starten diese Popcorn-Filme außer Konkurrenz.

Der Wettbewerb wird - ausgerechnet an der Côte d'Azur - viel eher von Sozialdramen bestimmt: Abbas Kiarostami, Takeshi Kitano, Mike Leigh und Alejandro González Inárritu (Bild) konkurrieren dieses Jahr um die Goldene Palme. Sie alle sind Stammgäste an der Croisette.

Die Themen reichen vom Kampf gegen Armut und ums Überleben über Gewalt und Terror in einem französischem Kloster in Nordafrika bis zum Massaker im algerischen Sérif, bei dem 1945 algerische Demonstranten von der französischen Armee getötet wurden.

Traditionell ist auch das außereuropäische Kino stark vertreten. Erstmals geht ein Film aus dem Tschad ins Rennen um die Goldene Palme. Auch China, Südkorea mit gleich zwei Filmen und Thailand schicken ihre Filmemacher nach Frankreich.

Im einzigen Wettbewerbs-Beitrag aus Hollywood – Dough Limans "Fair Game" – spielt Sean Penn die Hauptrolle. Er war 2008 Präsident der Jury.

Für die Deutschen ist es nach dem Erfolg von Michael Hanekes Film "Das weiße Band" im vergangenen Jahr dagegen ein schwaches Jahr. Im Wettbewerb läuft die deutsch-ukrainisch-niederländische Koproduktion "Mein Glück" des aus Weißrussland stammenden und in Deutschland lebenden Regisseurs Sergei Loznitsa.

Zudem ist Regisseur Christoph Hochhäusler mit "Unter Dir die Stadt" in der offiziellen Auswahl "Un certain regard" (Ein gewisser Blick) zu sehen. Dort tritt auch Oliver Schmitz mit "Life Above All" an.

Aber egal: Das Wichtigste an Cannes bleiben – bei allen Stars, bei allen roten Teppichen, bei allen künftigen Filmklassikern – wohl immer noch das Wetter und der nahende Sommer. (Text: Markus Lippold, mit dpa)

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