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Freitag, 26. September 2014

Kampfesrausch, Angst und Tod: Der Erste Weltkrieg ganz nah

Von Andrea Beu

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Der Film von Nikolai Vialkowitsch zeigt einzigartige Bilder aus der Zeit unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 28. Juli 1914, ... (im Bild: Pariser Oper) (Foto: Neue Visionen)

Der Film von Nikolai Vialkowitsch zeigt einzigartige Bilder aus der Zeit unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 28. Juli 1914, ... (im Bild: Pariser Oper)

"Im Krieg - Der 1. Weltkrieg in 3D" ist der erste historische Dokumentarfilm in 3D und Farbe. Er kommt ohne Zahlen, Daten und Fakten aus - dafür führt er den Zuschauer direkt hinein ins Geschehen.

Der Film von Nikolai Vialkowitsch zeigt einzigartige Bilder aus der Zeit unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 28. Juli 1914, ... (im Bild: Pariser Oper)

... die erste Kriegsbegeisterung (wie hier am "Sedantag" 1914 Unter den Linden in Berlin), ...

... die prächtigen Paraden des deutschen Kaiserreichs, ...

... aber auch die Schützengräben, verwundete und gefangen genommene Soldaten, Ruinen und zerfetzte Körper. (Gefangene deutsche Soldaten in einem Lager in Frankreich)

Zwischen 1840 und 1918 wurde mit der Stereoskopie, der ersten 3D-Technik der Geschichte, ...

... eine große Anzahl dreidimensionaler Bilder aufgenommen, viele von ihnen handkoloriert.

Die Stereoskopie war zu der Zeit ein Massenmedium. In fast jedem bürgerlich-wohlhabenden Haushalt in Europa und in den USA ...

... gab es damals ein Stereoskop - ein Gerät zur Bildbetrachtung, mit dem die Doppelfotografien räumlich erscheinen.

Die Bilder aus jener Zeit sind die wichtigste Grundlage für den Film "Im Krieg - Der 1. Weltkrieg in 3D". Aber nicht weniger wichtig - und bewegend - sind die Texte, sehr einfühlsam gesprochen unter anderem von Schauspieler Miroslav Nemec.

Zu hören sind Zitate aus Tagebüchern und Briefen von berühmten Zeitgenossen wie den Schriftstellern Ernst Toller oder Stefan Zweig (im Bild), aber auch von einfachen Soldaten, Krankenschwestern und Priestern - Deutschen, Franzosen, Briten, US-Amerikanern, Belgiern.

Die Bilder und Texte werden begleitet von der symphonischen Musik Henrik Albrechts, eingespielt durch das Filmorchester Babelsberg. Mal heiter, mal bedrohlich, dramatisch und bedrückend führt sie durch den Film und die dargestellte Zeitgeschichte. Originaltöne und -geräusche wie Kanonendonner und detonierende Geschosse ergänzen die Musik.

Es beginnt mit der friedlichen Grundstimmung, der fast unbeschwerten Zeit des Sommers 1914 - Menschen flanieren in ganz Europa entspannt über Alleen, wie hier in Paris, ...

... erfreuen sich an frischer Seeluft ... (Badebetrieb an der Nordsee)

... und sind begeistert von den unzähligen technischen Neuerungen und Erfindungen dieser Zeit. (Flugtag in Berlin-Johannisthal)

Und das grenzübergreifend - der Siegeszug verschiedenster Fluggeräte ließ Ländergrenzen obsolet erscheinen, wenn man sie doch so leicht überwinden kann. "Ein vereintes Europa schien zum Greifen nah", heißt es im Film.

Doch welcher Trugschluss! Denn im Hintergrund, für alle spürbar und doch gern verdrängt, braut sich Unheil zusammen - Zeitungsmeldungen über diplomatische Konflikte häufen sich, ... (paradierende Artillerie am Sedantag 1914 in Berlin)

... später ist die Rede von Mobilmachung und schließlich von: Krieg! (Titelblätter des Prager Tagblatts vom 29.7. und der Klagenfurter Zeitung vom 1.8.1914)

Anfangs wird diese Nachricht von einem großen Teil der Bevölkerung durchaus mit Begeisterung aufgenommen. Briefe an die Eltern werden geschrieben, erfüllt von Patriotismus. (Sedantag 1914, Berlin, Unter den Linden)

Es soll gehen gegen slawische Horden im Osten und neidische Briten im Westen, vorwärts für das glorreiche deutsche Volk. Doch der Kriegstaumel geht bald über ...

... in Ernüchterung, in Desillusionierung, in blanke Angst. Denn Krieg heißt nicht nur "Vorwärts, Kampf und Sieg", ...

... er bedeutet Schmerz, Tod, Hunger, Dreck. Und zwar auf allen Seiten der Front. (Britische Soldaten in einer Erdhöhle in der Nähe der Front)

Die Sehnsucht nach der Familie zu Hause wächst, Heimaturlaube werden herbeigesehnt. Ratten und Läuse machen sich über die Soldaten und ihre ohnehin knappen Lebensmittelvorräte her. Die hygienischen Bedingungen an der Front sind meist katastrophal, sich reinigen ist oft wochenlang nicht möglich. (Deutsche Soldaten baden in einer Pfütze im Schützengraben)

Krankenschwestern beschreiben, wie die einst stolzen Männer, losmarschiert mit festem Schritt und keckem Blick, als wimmerndes Bündel zu ihnen zurückkommen, wo sie dann wieder geflickt und erneut losgeschickt werden. Wenn das Flicken denn gelingt. (Krankenschwester vor französischer Lazarettbaracke)

Die Briefe und Erlebnisberichte aus den Kriegsjahren geben sehr persönliche Einblicke in die Zeit, in einzelne Schicksale und machen so das Grauen direkt erlebbar. Aber vor allem die spezielle Bildtechnik gibt dem Zuschauer das Gefühl, mittendrin zu stehen im Geschehen. In den zerschossenen Kirchen, neben den verwundeten und toten Soldaten. (Bergung verwundeter britischer Soldaten)

Man liegt förmlich mit im Schützengraben, riecht das Blut und die Angst und den Dreck. Apokalyptische Bilder von Schlachtfeldern zeigen mit unmittelbarer Wucht das grauenvolle und sinnlose Wesen dieses Krieges. (Gefangennahme überwältigter deutsche Soldaten)

Der Film macht auch deutlich, wie ähnlich sich die Gegner bei aller Feindschaft doch sind - und zeigt so noch einmal besonders die Absurdität des Krieges. So schreibt ein französischer Soldat, sie hätten Briefe gefangener deutscher Soldaten gelesen und kommt zu dem Schluss: "Sie sind wie wir" und "Das Unglück ist für alle gleich". (Gefangene deutsche Soldaten in einem Lager in Frankreich)

Der Regisseur verzichtet gänzlich auf die Angabe von Namen, Zahlen oder Fakten. Aber durch die spektakulären Bilder und die persönlichen Einblicke in die Erlebnisse während dieser grausamen Zeit wird die menschliche Seite des 1. Weltkriegs direkt greifbar, ... (während der Siegesfeiern in Paris)

... er ist nicht mehr nur ein abstraktes historisches Ereignis. "Im Krieg - Der 1. Weltkrieg in 3D" läuft seit dem 25. September 2014 in den deutschen Kinos. (Text: Andrea Beu)

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