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Mittwoch, 16. August 2017

Der unsterbliche Elvis Presley: Der King ist tot, es lebe der Rock'n'Roll

Von Markus Lippold

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Der "King" ist tot? Das wollten schon vor 40 Jahren einige Menschen nicht glauben. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der "King" ist tot? Das wollten schon vor 40 Jahren einige Menschen nicht glauben.

Der "King" ist tot? Das wollten schon vor 40 Jahren einige Menschen nicht glauben.

Und auch heute noch hat man mitunter das Gefühl, er sei weiterhin am Leben. Vielleicht als Tankwart irgendwo in der Wüste, wie manch Verschwörungstheoretiker munkelt.

Elvis lebt! Zumindest als Ikone. Dafür sorgen etwa die vielen Imitatoren aus aller Welt, die zwar irgendwie belächelt, aber auch bewundert werden.

Denn Elvis war nicht nur ein Musiker. Als einer der ersten Superstars der Musikwelt ist er auch ein Symbol. Für Rock'n'Roll und Rebellentum, für Übermaß und Exzess.

Nach wie vor gibt es Fans, die jeden Schnipsel des "King" sammeln.

Jährlich kommen seine Anhänger an seinen Geburts- und Sterbetagen zusammen und feiern ihren Helden.

Presleys Devotionalien - wie die Bescheinigung über den Erhalt des schwarzen Karate-Gürtels - erzielen bei Auktionen Höchstpreise.

Auch Jahrzehnte nach seinem Tod sind seine Hits noch präsent, ...

… gehört er zu den bestverdienenden toten Musikern.

Elvis wird am 8. Januar 1935 geboren - er wäre heute also über 80 Jahre alt.

Was schon etwas bizarr ist, schließlich steht der junge Elvis wie kaum ein anderer Musiker für Jugendkultur und Rebellion.

Und wie würde er eigentlich aussehen, wenn er nicht am 16. August 1977 an einem Herzstillstand gestorben wäre?

Darüber kann man wohl nur spekulieren, wie der Karikaturist Manfred Deix, ...

... oder zum Computer greifen: Die schottische St.-Andrews-Universität erstellte so ein Porträt eines 70-jährigen Elvis.

Vielleicht schaut man sich auch einfach mal seine Eltern an, Vater Vernon ...

… und Mutter Gladys.

Die beiden wecken Elvis' Liebe zur Musik: Weil er in Mississippi in ärmlichen Verhältnissen aufwächst, beginnt er schon früh, mit seinen Eltern zu musizieren, etwa Gospel zu singen. Der junge Elvis ist auch Teil des örtlichen Kirchenchors.

In einem Radio-Talentwettbewerb hat er schließlich seinen ersten öffentlichen Auftritt. Daraufhin bekommt er von seiner Mutter eine Gitarre geschenkt und bringt sich das Spielen zum Teil selbst bei.

Tief geprägt wird Presley dann aber auch in Memphis, wohin die Familie 1948 zieht.

In der Stadt treffen verschiedene Musikstile aufeinander - Country, Rhythm & Blues und Gospel. Später wird Memphis, neben Detroit, zum Zentrum des Soul.

Ein paar Jahre später, im August 1953, nimmt Elvis seine erste Platte auf - es soll ein Geschenk für seine Mutter sein. Er finanziert sie mit seinem ersten Gehalt. Der Ort: Das Sun-Plattenstudio von Sam Phillips. "Guter Balladensänger, merken!", notiert sich Phillips' Assistentin nach der Aufnahme.

Im Januar 1954 macht Elvis, der inzwischen als Lkw-Fahrer arbeitet, eine zweite Plattenaufnahme. Diesmal trifft er auch auf Phillips selbst, der auf seinem Label vor allem schwarze Musiker herausbringt - Blues, Rhythm & Blues, später auch Soul.

Phillips erkennt Presleys Talent - im Juli 1954 veranstaltet er mit ihm eine erste Aufnahmesession. Nach etlichen Versuchen finden Elvis und zwei Mitmusiker mit "That's All Right Mama" ihren eigenen Sound. Mit der B-Seite "Blue Moon Of Kentucky" kommt der Song als Single heraus.

Mit diesem Achtungserfolg in der Tasche tritt Presley erstmals vor größerem Publikum auf. Neben der Musik ist es vor allem sein schwungvoller Tanz, der das Publikum ausrasten lässt und der zu seinem Markenzeichen wird. Als "Hillbilly Cat & The Blue Moon Boys" tourt er mit einer kleinen Band durch die Südstaaten und feiert mit weiteren Sun-Singles erste Charterfolge.

1955 verkauft Sam Phillips (für damals sensationelle 40.000 Dollar) den Vertrag mit Elvis an RCA. Mit dem Labelwechsel bekommt Presley auch einen neuen Manager: Der berühmt-berüchtigte Colonel Tom Parker (Bild) wird den "King" bis zu seinem Tod vertreten und 25 Prozent Provision kassieren.

"Heartbreak Hotel" wird Presleys erste große Hit-Single für RCA. Er steht an der Spitze der Charts. Das gelingt ihm auch mit seinem ersten Album "Elvis Presley".

Elvis scheint einen Nerv zu treffen. "Hound Dog", "Blue Suede Shoes", "Love Me Tender", "All Shook Up" und "Jailhouse Rock" sind nur einige der Hits, die ihn landesweit, aber auch schon international bekannt machen. Rockabilly und Rock'n'Roll, die Mischung aus Rhythm & Blues und Country, begeistern die Jugend.

Es folgen viele Fernsehauftritte, von kleinen regionalen Programmen bis zur Show von Ed Sullivan. Seine dabei vollführten Hüft- und Beinbewegungen bringen ihm den Beinamen "Elvis the Pelvis" (Elvis das Becken) ein.

Allerdings werden die Bewegungen nicht überall begeistert aufgenommen: Zeitungen, Elternverbände, Kirchen und Eltern sind schockiert von den "obszönen" Gesten des neuen Rock'n'Roll-Stars.

Durch sein natürliches Talent, vor der Kamera aufzutreten, wird auch bald Hollywood auf Presley aufmerksam. "Love Me Tender" (Bild, links Manager Colonel Parker), "Jailhouse Rock" und "King Creole" gehören zu den ersten Streifen, in denen Presley nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch die Musik beisteuert.

Er feiert mit den Filmen Erfolge an der Kinokasse und erntet teils auch Kritikerlob, die Soundtracks schießen in den Charts an die Spitzenpositionen. Zudem nimmt er weiter Singles und Studioalben auf und tourt durch Nordamerika. Elvis Presley ist ein Superstar.

Doch dann kommt der Schock für die Fans: 1957 erhält der Musiker seinen Einberufungsbefehl - und er entscheidet sich nicht für die Truppenbetreuung, sondern für den normalen Dienst.

Manager und Plattenfirma sorgen vor: Während Elvis' Abwesenheit bringen sie bisher unveröffentlichte oder im Urlaub eingespielte Songs heraus. Sie wollen mit allen Mitteln das Interesse an ihrem Kassenschlager aufrechterhalten.

Elvis absolviert seine Grundausbildung und wird von Oktober 1958 bis März 1960 im deutschen Friedberg stationiert. Kurz vor seiner Abreise erlebt er allerdings noch einen schweren Schicksalsschlag: Seine geliebte Mutter stirbt.

In Deutschland wohnt Presley nicht in der Kaserne, sondern in einem privat angemieteten Haus. Trotzdem gilt er als bodenständig und umgänglich. In zwei Jahren Armeezeit schafft er es bis zum Sergeant.

Auch privat winkt ihm in Deutschland das Glück: Er lernt die damals erst 14-jährige Priscilla Beaulieu (hier 1960) kennen, seine spätere Frau. Dass er mit einer Minderjährigen anbändelt, sorgt zwar für Proteste - aber diese werden stillschweigend übergangen.

Seine zweite Leidenschaft bleibt ie Musik. Selbst während seiner Militärzeit beschäftigt sich Elvis mit neuen Entwicklungen. Er hofft, nach seiner Rückkehr aus Deutschland an alte Erfolge anknüpfen zu können.

Und tatsächlich: Mit "Stuck On You", "It's Now Or Never", "Are You Lonesome Tonight", "Can't Help Falling In Love", "Return To Sender und "You're The Devil In Disguise" landet er bis Mitte der 60er-Jahre weitere Hits.

Weit produktiver ist er jedoch vor der Filmkamera. 27 Filme dreht er in den 60er-Jahren, bringt zu jedem Streifen einen Soundtrack heraus. Live tritt er dagegen zwischen 1961 und 1969 nicht mehr auf.

In einem seiner größten Filmerfolge spielt er einen US-Soldaten - der in Deutschland stationiert ist.

Der Soundtrack zu "G.I. Blues" (in Deutschland: "Café Europa) verkauft sich besser als seine neuen Studioalben.

Kein Wunder, dass er in den nächsten Jahren in unzähligen Musikkomödien auftritt: Von "Blue Hawaii" bis "Viva Las Vegas" exerziert er so gut wie jedes Genre …

… und jede Rolle durch, immer einen flotten Song auf den Lippen und schöne Frauen an seiner Seite.

Filme wie der Western "Flaming Star", in denen er eine seiner besten schauspielerischen Leistungen zeigt, sind allerdings die absolute Ausnahme.

Viel eher sind die Streifen Star-Vehikel mit Musik, mit denen sich vor allem Geld verdienen lässt. Nicht umsonst handelt Manager Parker zwar eine Gewinnbeteiligung aus, jedoch kein Mitspracherecht bei Rollen- und Songauswahl - sehr zum Missfallen von Presley.

Zudem werden die Filme mit den Jahren in immer kürzeren Zeiten heruntergedreht, die Qualität sinkt zunehmend. Auf anspruchsvolle Rollen wartet Elvis vergeblich. Weder Management noch Plattenlabel haben ein Interesse an einem Kurswechsel.

Auch die Soundtracks verlieren ihren Anspruch. Immerhin verkaufen sie sich besser als die weit weniger vermarkteten Studioalben, auf die man schließlich ab Mitte der 60er-Jahre ganz verzichtet.

Doch die 60er-Jahre werden von Beatlemania und British Invasion bestimmt - Elvis ist auf dem absteigenden Ast. Zeit für Veränderungen!

Am 1. Mai 1967 heiratet der "King" in Las Vegas Priscilla Beaulieu.

Genau neun Monate später kommt Tochter Lisa Marie zur Welt, die später als Ehefrau des "King of Pop" Michael Jackson für Aufsehen sorgt.

1967 beginnt Presley auch wieder, im Studio zu arbeiten. Das Gospelalbum "How Great Thou Art" beschert ihm sogar seinen ersten Grammy.

Sein eigentliches Comeback schafft er jedoch mit seinem ersten Fernsehauftritt seit 1960: dem TV-Special ELVIS, das am 3. Dezember 1968 ausgestrahlt wird. Neben alten Hits präsentiert er neue Lieder und - ganz in schwarzes Leder gekleidet - einige Songs unplugged in einer Art Jam-Session mit befreundeten Musikern.

Die Sendung erreicht 42 Prozent Einschaltquote. Einigen Kritikern gilt der Auftritt als Elvis' beste musikalische Darbietung. Daraufhin entscheidet er sich, wieder live zu spielen. Bis 1977 folgen mehr als 1000 Konzerte, Presley wird nun endgültig zur Musiklegende - …

… unter anderem mit dem ersten weltweit per Satellit ausgestrahlten TV-Special "Aloha From Hawaii" 1973, das mehr Menschen verfolgen als die erste Mondlandung 1969.

Im Studio - mit neuem Produzenten - setzt er nun auf eine weit breitere Palette an Stilen, von Gospel und Country bis Soul und Rock. Außerdem nimmt er wieder in Memphis statt in Hollywood oder Nashville auf. Zu den größten Hits in dieser Zeit gehören "In The Ghetto" und "Suspicious Minds".

Nach den jugendlichen Rock 'n' Roll- und den Hollywood-Jahren beginnt eine dritte Phase in Presleys Karriere: Er ist nun der vergötterte Entertainer, das unnahbare Idol, das sich in seiner Freizeit auf sein Anwesen Graceland in Memphis zurückzieht. (Im Bild 1970 mit US-Präsident Richard Nixon.)

Eine neue Herausforderung stellt der Vertrag mit dem International Hotel in Las Vegas dar. Mit komplett neuer Band spannt Elvis in den Shows ab Juli 1969 einen Bogen von seinen alten Rock 'n' Roll-Hits …

… über die neuen Songs bis zu Liedern anderer Interpreten wie "Hey Jude", "Johnny B. Good" und "Funny How Time Slips Away". Dazwischen zeigt er mit Storys und Karate-Einlagen seine Qualitäten als Entertainer. Berühmt werden die Auftritte aber auch durch die Kleiderwahl, die eng mit Presleys Vegas-Karriere verbunden ist: …

… Der weiße Jump-Suit wird zum Markenzeichen des, nun ja, gereiften Musikers. Der Erfolg der ersten Shows führt zu einem Fünfjahresvertrag, der dem "King" bis 1973 acht Millionen Dollar garantiert. Letztlich tritt er bis Dezember 1976 in dem Hotel auf. Die Shows sind durchweg ausverkauft, da Fans aus aller Welt anreisen, um ihr Idol live zu sehen.

Noch heute ist der "King" in der Spielerstadt allgegenwärtig. Neben unzähligen Doppelgängern und der Cirque du Soleil-Show "Viva Elvis" gehören Elvis' Songs fast schon standardmäßig zu den Trauungen in den Wedding Chapels.

Neben den Hotel-Shows tourt Presley durch die USA, gibt mehr als 100 Konzerte pro Jahr. Auch im Studio ist er noch präsent, bis 1976 nimmt er neue Songs auf.

Jedoch nehmen auch die Probleme zu: 1973 lässt er sich von Priscilla scheiden.

Übergewicht, jahrelange Medikamentenabhängigkeit und Drogenmissbrauch ruinieren zunehmend seine Gesundheit: Er ist angeschlagen, auf der Bühne wird Presley mehr und mehr zur Karikatur seiner früheren Jahre.

Am 16. August 1977 schließlich verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer: Elvis Presley, der "King of Rock'n'Roll", ist tot. Seine damalige Freundin findet den 42-Jährigen bewusstlos im Badezimmer. Im Krankenhaus wird sein Tod festgestellt.

Tausende Menschen an den Straßen begleiten den Sarg ...

... zur Beisetzung auf dem Forest Hill Cemetery in Memphis, wo Elvis neben seiner Mutter zur letzten Ruhe gebettet wird.

Aus Sicherheitsbedenken - es gibt einen Versuch, die Leiche zu rauben - wird er später auf seinem Anwesen Graceland erneut beerdigt (hier hockt sein Vater an seinem Grab).

Noch heute gilt Presley mit mehr als einer Milliarde verkaufter Tonträger als kommerziell erfolgreichster Künstler.

Sein Anwesen in Memphis mit seinem Grab ist eine Touristenattraktion.

Auf Auktionen werden Erinnerungsstücke zu horrenden Preisen verkauft, jährlich erscheinen CDs, DVDs und Bücher, die sich mit Leben und Karriere des "King" befassen.

Nicht zu vergessen: Auch als Musiker hat Elvis enormen Einfluss. Er prägt den Rock'n'Roll wie kein Zweiter, strahlt aber auch auf andere Musikstile aus.

Wie gesagt: Elvis lebt noch, auf welche Weise auch immer.

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