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Donnerstag, 11. Juni 2015

Christopher Lee ist tot: Dracula, Saruman und König der B-Filme

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Die Filmwelt trauert um Christopher Lee. Er starb im Alter von 93 Jahren. (Foto: dpa)

Die Filmwelt trauert um Christopher Lee. Er starb im Alter von 93 Jahren.

Die Filmwelt trauert um Christopher Lee. Er starb im Alter von 93 Jahren.

In den letzten Jahren sah man Lee sein Alter deutlich an.

Er ließ sich nur noch selten auf dem roten Teppich blicken - stets in Begleitung seiner Ehefrau, dem dänischen Ex-Model Birgit "Gitte" Kroencke.

Seit mehr als 50 Jahren weilte seine "Gitte" an seiner Seite.

Mit seinen Rollen als Dracula, Dr. Fu Man Chu und …

… Bond-Gegenspieler Scaramanga hat Lee einen bleibenden Eindruck in der Filmbranche hinterlassen.

Einige seiner bekanntesten Darbietungen - etwa als Saruman in den "Herr der Ringe"-Filmen und in "Der Hobbit" oder …

… als Count Dooku in den neueren "Star Wars"-Filmen - ließen ihn auch im 21. Jahrhundert präsent bleiben. (Hier neben "Star Wars"-Erfinder George Lucas und Schauspielerin Natalie Portman.)

Lee erklärte einmal, dass ihm im Alter so viele Rollen angeboten würden wie nie zuvor.

"Es ist erstaunlich: Je älter ich werde, umso mehr Rollenangebote erhalte ich."

Für mehr als 275 Filmen stand der Darsteller vor der Kamera - eine Zahl, …

… die ihm einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde einbrachte. (mit Brad Pitt und Angelina Jolie)

Neben seinen Filmrollen setzte sich Lee lange Zeit auch für wohltätige Zwecke ein, etwa als Unicef-Botschafter und für Cinema for Peace.

Für seine Verdienste adelte ihn Queen Elizabeth 2009. (Hier trifft Lee die Queen allerdings auf einem Empfang im Jahr 1966, links Catherine Deneuve.)

Zudem war Lee (hier mit Harry Belafonte) Commander of the Order of the British Empire und Commander des Order of St. John (dem britischen Ableger des Johanniterordens).

Das ist vor allem deshalb erstaunlich, weil Lee selten zur ersten Garde der Schauspieler gezählt wurde und nur vereinzelt in großen Kinoproduktionen auftrat.

Nicht wenige seiner Streifen sind Genre-Filme, B-Movies oder einfach nur Trash - was ihn auch mit dem deutschen Schauspieler Ralf Möller verbindet.

So arbeitete Lee (links) etwa lange für die auf Horrorfilme spezialisierten britischen Hammer-Studios, wo er auch auf den legendären US-Horrordarsteller Vincent Price traf.

Hier erlebte er auch seinen Durchbruch als "Dracula" in dem gleichnamigen Film von 1958, unter der Regie von Terence Fischer. Überhaupt schien ihm die Rolle des adligen Blutsaugers wie auf den Leib geschrieben, zumindest der blaublütige Aspekt.

Denn über seine Mutter entstammte Lee dem Geschlecht der Carandini, deren Linie angeblich bis auf Karl den Großen zurückgeführt werden kann.

Geboren wurde Lee (hier mit seiner Frau kurz nach der Trauung 1961) am 27. Mai 1922 in London.

Sein Vater war britischer Offizier. Im Zweiten Weltkrieg diente auch der Sohn bei der Royal Air Force sowie bei der SOE, einer nachrichtendienstlichen Einheit.

Erst ab 1947 widmete sich Lee (rechts) der Schauspielerei. Er übernahm zunächst Nebenrollen in Spielfilmen wie "Scotts letzte Fahrt", "Der rote Kosar" (mit Burt Lancaster) oder "Panzerschiff Graf Spee".

Doch schon bald wendete er sich dem Horrorgenre zu und trat zunächst als Frankensteins Kreatur in "Frankensteins Fluch" auf und nur ein Jahr später als "Dracula". (Hier sieht man ihn allerdings bei "Stars in der Manege".)

Der Erfolg des Films etablierte Lee (Mitte) als Horrordarsteller, der zusammen mit Peter Cushing (links, mit Robert Stephens) in etlichen Hammer-Produktionen vor der Kamera stand - teilweise in fünf Streifen pro Jahr.

Darunter sind Filme mit einschlägigen Titeln wie "Der Hund von Baskerville", "Die Rache der Pharaonen", "Stadt der Toten", …

… "Die unheimlichen Hände des Dr. Orlak" oder "Vampire gegen Herakles" (als DVD bei Studiocanal), der die damals populären Sandalenfilme mit Horrorelementen mischte.

In Deutschland stand Lee Anfang der 60er Jahre für mehrere Edgar-Wallace-Verfilmungen vor der Kamera.

Er musste allerdings nicht synchronisiert werden - er spricht deutsch, das er unter anderem durch seine Liebe zur Musik von Richard Wagner gelernt hatte.

Ohnehin war Lee ein Sprachtalent, er beherrschte acht Sprachen, die er sich teils selbst beibringt. Der Brite konnte sich nicht nur mit der Italienerin Monica Bellucci in ihrer Muttersprache unterhalten, sondern auch auf Französisch, Russisch, Spanisch, Griechisch und Dänisch.

In den 60er Jahren spielte Lee in zahllosen, teils sehr billig abgedrehten Horror- und Kriminalfilmen sowie einigen Eurowestern und Abenteuerfilmen mit (hier bei den Dreharbeiten zu "Herrscherin der Wüste").

Zu seinem Markenzeichen wurden allerdings zwei Filmserien, in denen er jeweils die Hauptrollen übernimmt: …

… Insgesamt achtmal mimte er Dracula, darunter in Streifen mit so schönen Titeln wie "Dracula jagt Mini-Mädchen" und "Dracula braucht frisches Blut".

Fünfmal schlüpfte er in die Rolle des Dr. Fu Man Chu nach den Romanen von Sax Rohmer. (Die Serie ist mittlerweile bei Studiocanal komplett auf DVD erschienen.)

Doch Horrorfilme waren nicht alles. Dazwischen trat er zum Beispiel in einer Nebenrolle in "Das Privatleben des Sherlock Holmes" von Billy Wilder auf. (Das Bild zeigt ihn allerdings später, als er für eine Fernsehserie Sherlock Holmes verkörperte.)

In "Die drei Musketiere" und seinen zwei Fortsetzungen stand er als Rochefort an der Seite von Raquel Welch, Michael York, Richard Chamberlain und Geraldine Chaplin vor der Kamera.

Mitte der 70er Jahre hatte Lee dann endgültig genug von Horror und Krimi. Um nicht noch mehr vor allem mit Dracula identifiziert zu werden, wendete er sich anderen Projekten zu.

Eine Rolle, mit der er weltweit zum Star avancierte, kam da gerade recht: …

… Im neunten James-Bond-Film "Der Mann mit dem goldenen Colt" spielte Christopher Lee den Gegner von Roger Moore: Francisco Scaramanga.

Lee war schon früher für die Bond-Reihe im Gespräch, etwa als Dr. No oder als Bond selbst - immerhin war er ein Cousin von 007-Erfinder Ian Fleming.

"Der Mann mit dem goldenen Colt" ist zwar nicht der beste Bond, dennoch öffnete er Lee das Tor nach Hollywood, …

… auch wenn er später sagte: "Seit diesem Film bin ich festgelegt auf die Rolle des Bösewichts."

Es folgten Katastrophenfilme wie "Verschollen im Bermuda-Dreieck" mit Jack Lemmon, Olivia de Havilland und James Stewart, …

… Science-Fiction-Streifen wie "Invasion der Raumschiffe", Fantasyfilme wie "Das Geheimnis des blinden Meisters" (im Bild) und etliche andere Genres.

Hollywood hin oder her - die Filme konnten nicht immer überzeugen. Lee war eben nicht der Mann für das ganz große Blockbuster-Kino.

Er blieb der Star von B-Filmen, mit denen man Geld verdienen kann, die aber künstlerisch nicht sehr anspruchsvoll sind. Das hatte er immerhin mit Vincent Price gemein.

Doch vielleicht machte gerade das einen respektierten Star aus Christopher Lee.

Er wandelte immerzu zwischen den Welten, spielte einerseits 1978 in der erfolgreichen Komödie "1941 - Wo bitte geht's nach Hollywood" von Steven Spielberg mit, …

… 1994 aber auch in "Police Academy 7", der selbst eingefleischten Fans der Serie kalte Schauer über den Rücken laufen ließ.

1998 übernahm er eine Rolle, die er als die wichtigste seiner Karriere bezeichnet: In "Jinnah" spielte er den Politiker Muhammad Ali Jinnah, der als Gründer Pakistans gilt.

Immer wieder setzte Lee auch seine markante Stimme ein, immerhin war er ausgebildeter Opernsänger und trat vor seiner Schauspielkarriere mehrfach auf. Dabei glänzte er sowohl als Sänger für Klassik, Musical, Rock und Metal, ...

... als auch als Rezitator von Gedichten etwa von Edgar Allan Poe und als Sprecher für Hörspielproduktionen und Trickfilme.

Erst zum Ende des 20. Jahrhunderts, mit fast 80 Jahren, setzte Lee noch einmal zum Sprung an und erlebte den großen Leinwandruhm.

1999 stand er zunächst in "Sleepy Hollow" von Tim Burton neben Johnny Depp, Christina Ricci und Christopher Walken vor der Kamera.

Es war der Beginn einer engen Zusammenarbeit, denn für Burton übernahm er Rollen in fünf weiteren Filmen, darunter "Charlie und die Schokoladenfabrik" und "Alice im Wunderland".

Ab 2001 spielte er Saruman in der "Herr der Ringe"-Trilogie nach J.R.R. Tolkien.

Regie führte Peter Jackson (rechts), der zuvor vor allem als Horrorfilmer von sich Reden machte. Als Elbin Arwen ist Liv Tyler zu sehen.

So wurde Lee auch für eine neue Generation zum umjubelten Star.

Saruman war eine Traumrolle für Lee, der allerdings eingestand, dass er in jüngeren Jahren lieber den Gandalf gespielt hätte.

Immerhin war Lee der einzige Beteiligte an den Dreharbeiten, der Tolkien vor Jahren persönlich getroffen hatte.

Die Buchreihe las er nach eigenen Angaben einmal im Jahr.

Ab 2002 folgten die nächsten Blockbuster: In den "Star Wars"-Episoden II und III (Lee hier mit Regisseur George Lucas und Produzent Rick McCallum) spielte er Count Dooku, …

… den abtrünnigen Jedi-Meister, der der dunklen Seite der Macht verfällt.

In "Die purpurnen Flüsse 2" spielte Lee den zwielichtigen Heinrich von Garten, der Chef eines mystischen Geheimbundes ist.

Für Martin Scorsese (Mitte, mit Ben Kingsley) stand er für den mehrfach Oscar-gekrönten Film "Hugo Cabret" vor der Kamera.

Doch damit nicht genug. Auch mit 90 Jahren tauchte Lee noch auf der großen Kinoleinwand auf.

In "Der Hobbit", der Vorgeschichte zu "Der Herr der Ringe", die in drei Teilen im Kino zu sehen war, trat Lee (nicht im Bild) erneut als Saruman auf.

"Ich werde Filme drehen, solange ich lebe", sagte Lee einst. "Ich spüre eine große Lust, vor der Kamera zu stehen und spannende Rollen zu spielen."

Das ist dem 93-Jährigen gelungen.

Seine Fans werden ihn als Bösewicht , Verbrecher, Horrorgestalt und Mann der Dunkelheit schmerzlich vermissen.

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