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Beatrix mit der Betonfrisur : Eine Prinzessin allein daheim

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33 Jahre war sie die Königin der Niederlande, jetzt hat die 75-Jährige die Geschäfte an ihren Sohn übergeben. (Foto: dpa)

33 Jahre war sie die Königin der Niederlande, jetzt hat die 75-Jährige die Geschäfte an ihren Sohn übergeben.

33 Jahre war sie die Königin der Niederlande, jetzt hat die 75-Jährige die Geschäfte an ihren Sohn übergeben.

Prinzessin Beatrix, so heißt sie nun wieder, wird damit auch eine räumliche Veränderung vornehmen müssen.

Ihr künftiger Wohnsitz verbirgt sich hinter drei Meter hohen Mauern mit elektronisch gesichertem Stacheldraht.

Videokameras und Wachhäuser für die Sicherheitsleute sollen mögliche Eindringlinge abschrecken. "Sie ist ein bisschen wie eine Gefangene in ihrem eigenen Schloss", meint eine Anwohnerin.

Denn ein dichter Wald verdeckt zusätzlich den Blick auf das Schloss, dessen Name wie eine Mischung aus "Dracula" und "Frankenstein" klingt.

Im Jahr 1959 kaufte die junge Prinzessin Beatrix Schloss Drakensteyn und zog vier Jahre später ein.

Nach ihrer Hochzeit mit Prinz Claus 1966 kamen in den folgenden drei Jahren die Söhne Willem-Alexander, Johan Friso und Constantijn zur Welt, sie verbrachten dort ihre Kindheit und Beatrix die glücklichste Zeit ihres Lebens.

Nachdem Beatrix 1980 gekrönt wurde, ...

... zog die Familie 1981 in die königliche Residenz um.

Ob Beatrix, die stets Korrekte, Arbeitsintensive, in ihrem neuen, alten Wohnsitz nun oft die Seele baumeln lassen kann, ist fraglich.

Denn die energische 75-Jährige will ihre Abdankung nicht als Ruhestand verstanden wissen, mehrere Termine stehen bereits in ihrem Kalender.

Die Dorfbewohner hatten stets ein gespaltenes Verhältnis zu der Tatsache, eine Prinzessinnen-Residenz in der Nachbarschaft zu haben. "Als ich Kind war, lief jedoch alles recht informell", erinnert sich ein Anwohner.

"Wir gingen rüber zum Weihnachtsliedersingen und bekamen eine Tasse heiße Schokolade."

Nach der Krönung habe sich die Königin von den Dorfbewohnern allerdings distanziert. Das werde sich wohl nach ihrer Rückkehr nicht ändern, glaubt man im Dorf.

Ärgerlich sei es, dass der Mobilfunkmast auf das Schloss-Grundstück verlegt wurde und die anderen Dorfbewohner nun einen schlechteren Handy-Empfang haben. Beatrix könne aber sicher nichts dafür, wird einer ihrer neuen Nachbarn zitiert.

Grundsätzlich ist die prominente Nachbarin in Lage Vuursche willkommen: ...

... "Majestät, Sie können immer eine Tasse Zucker von uns borgen", steht auf einem Schild vor dem Café. "Wir freuen uns auf Ihre Rückkehr."

Tja, tatsächlich geht nun eine Ära zu Ende.

Man wird sie vermissen - auch wenn es oft nicht danach aussah, dass die Königin von ihrem Volk wirklich geliebt wurde. Unter anderem ihre "Betonfrisur" wird fehlen. Von keiner wurde toupiertes und mit Spray fixiertes Haar so konsequent getragen wie von der "Trixie", nichtmal von Queen Elizabeth oder anderen Königinnen.

Máxima steht ihrer Schwiegermutter zwar in Sachen Kopfbedeckung ...

... in nichts nach, dennoch trägt sie ihr Haar ...

... am liebsten natürlich und offen.

Ein anderer Stil wird nun am niederländischen Hof herrschen.

Doch bleiben wir bei Beatrix: ...

... Man kennt sie quasi nur mit ihrem "Haarnest". Gerne würde man ihr mal über den Kopf wuscheln.

Das hat sich jedoch noch nie jemand getraut.

Die gewitzten Holländer fragen sich nun: Was hat ihr Sohn dem entgegenzusetzen?

Er solle sich einen Bart wachsen lassen, ist man sich einig.

In unruhigen Zeiten wie diesen wollen die Menschen sich an etwas festhalten. Was läge da näher als ein Bart?

Denn das auf ihre Art stets perfekte Auftreten der Königin hat den Menschen angeblich Halt gegeben - eine verlässliche Größe, die einen Konservatismus darstellt, der beruhigt.

Ja, so ein Bart verleiht Kantigkeit und Härte, und die kann der junge König sicher ganz gut gebrauchen.

Den Trick hat sein Großvater, Prinz Bernhard, bereits angewendet.

Doch wir wollen ja Beatrix würdigen: Mal mehr, ...

... mal weniger Haar, das variierte vielleicht, aber ein Zeichen für ...

... Beständigkeit war es allemal.

Sie ist damit seit Jahrzehnten auf Briefmarken und Geldstücken zu sehen, ...

... erst auf Gulden, dann auf Euro-Münzen.

Die Silhouette ihres Kopfes wurde unverwechselbar. Die Staatsporträts der Königin, die alle öffentlichen Gebäude, und auch viele Firmensitze und Kulturstätten in den Niederlanden schmücken, konnten deshalb im Laufe der Jahrzehnte immer abstrakter werden.

Zur Wiedererkennung reicht eine einzelne Linie, die die Umrisse des königlichen Hauptes nachzeichnet.

Deshalb wäre es auch undenkbar gewesen, die Frisur zu ändern. Niederländische Kommentatoren haben immer wieder gewarnt, dass dies geradezu eine Staatskrise, zumindest aber einen Einbruch der Aktienkurse heraufbeschwören würde.

Fest steht, dass Beatrix eine der wenigen Konstanten im Leben von Millionen Niederländern ist.

Als sie 1980 Königin wurde, gab es noch Schreibmaschinen, Plattenspieler und die Berliner Mauer. Fast alles hat sich seitdem geändert, nur nicht die Frisur des Staatsoberhaupts.

Und egal, welche Katastrophen über die Niederlande hereinbrachen, ihre Haarpracht erwies sich als krisenfest.

Selbst bei Besuchen in sturmgepeitschten Überschwemmungsgebieten oder Kranzniederlegungen oder ähnlichem - die Frisur saß. Und solange Beatrix die Haare nicht durcheinandergerieten, konnten die Niederlande doch nicht ernsthaft bedroht sein. Oder?

Beatrix trägt ihren Look schon seit fast 50 Jahren. "Het Beatrixkapsel" (die Beatrix-Frisur) wurde 1966 zu ihrer Hochzeit mit Prinz Claus entworfen.

Wie oft sie neu frisiert werden muss, wird wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Vermutlich alle zwei Tage, sagen Friseure.

Während von Angela Merkel kürzlich noch Urlaubsfotos veröffentlicht wurden, die sie lässig unfrisiert zeigen, ...

... gestand sich Beatrix selbst in persönlichen Schicksalsstunden haartechnisch keine Schwäche zu.

Der Thronwechsel bedeutet frisurenmäßig einen deutlichen Abstieg. Wie um den Niederländern über diesen Schock hinwegzuhelfen, werden Beatrix und Willem-Alexander zunächst noch zusammen auf der Rückseite niederländischer Zwei-Euro-Münzen abgebildet.

Denn Willem-Alexander, der als unkompliziert bekannt ist, hat nichts anderes als einen Kochtopf-Schnitt. Schon vor vielen Jahren forderte eine Werbeberatung: "Sofort zum Friseur! Er muss diesen holländischen Eierkopf los werden!" Aber diesen Rat hat der Prinz nie beherzigt.

Sein Vater hat da schon mehr Gespür bewiesen.

Als ob es tatsächlich darauf ankäme, WIE jemand aussieht.

In den sozialen Netzwerken scheint es dennoch kein anderes Thema zu geben als die Äußerlichkeiten des Thonfolgers.

Also, der Bartwuchs ist ein Thema. Auf Facebook ist deswegen schon eine große Kampagne in Gang bekommen.

Das würde seinem dickbackigen "Blotebillengezicht" (Nackter-Popo-Gesicht) gut bekommen und einfach mehr hermachen, heißt es.

So lange die schöne Máxima jedoch an seiner Seite ist und sie zu den glücklichsten Paaren des Hochadels und überhaupt gehören - warum sollte er etwas ändern?

Die schaffen das auch so.

Byebye, Bea, genieß den Ruhestand! Es wird auch ohne Betonfrisur gehen. (soe/dpa)

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