Suche
hier klicken, um den Ort für die Startseite festzulegen
Berlin
17
SA 9° / 23°
SO 12° / 22°
Unterhaltung

Leinwandstar mit "Kartoffel-Gesicht": Gene Hackman wird 80

 
Leinwandstar mit "Kartoffel-Gesicht": Gene Hackman wird 80

Der heldenhafte Superstar, der alle Schurken zur Strecke bringt, …

… oder der saubere Schönling, der am Ende immer Frauen wie Monica Bellucci bekommt, ist Gene Hackman nie gewesen.

Zu gewöhnlich sieht er aus, mit seiner hohen Stirn, drahtigen Haaren und Schnurrbart, dass er selbst bereits fürchtete, das "Kartoffel-Gesicht" könne ihn für immer zu unbedeutenden Nebenrollen verdammen. Kritiker verglichen das Anlitz gar mit einer "misshandelten Melone".

Doch seine Darstellung dieses Jedermann, dieses durchschnittlichen Mannes von der Straße, ist so perfekt, so einfühlsam, dass er zu einem der herausragendsten Charakterdarstellern seiner Generation wird, …

… was ihm nicht zuletzt den Vergleich mit Spencer Tracy einbringt.

Mehr als vier Jahrzehnte spielt Gene Hackman, der am 30. Januar seinen 80. Geburtstag feiert, in Blockbustern und kleinen Filmen, in Haupt- und Nebenrollen, in Actionfilmen und Thrillern, Western, Dramen und Komödien. Auf mehr als 80 Streifen bringt er es und wird trotz "Kartoffel-Gesicht" zu einem bewunderten und respektierten Leinwandstar.

Erstaunlich ist dabei auch, dass Hackman – im Gegensatz zu seinen Macho-Rollen – privat ein ruhiges Leben führt, mittlerweile in Santa Fe in New Mexico mit seiner zweiten Frau Betsy Arakawa (im Bild). Aus seiner ersten Ehe, die 30 Jahre hält, hat er drei Kinder.

Hackman wird mit zwei Oscars geehrt, gehört weitere drei Mal zu den Nominierten, nimmt vier Mal den Golden Globe entgegen, davon einmal für sein Lebenswerk, geht aber bei fünf weiteren Nominierungen leer aus.

Doch nicht nur künstlerisch überzeugt er. Viele seiner Filme werden auch zu Publikumsmagneten, er spielt in einigen der größten Hits seit den 70er Jahren mit. Nicht zuletzt legt er 2008 seinen bereits dritten Roman vor.

Bei allem Talent, trotz Zielstrebigkeit und Ehrgeiz: Ein bisschen Glück gehört freilich auch zu solch einer Karriere. Und in diesem Fall ist Hackman der richtige Mann am richtigen Ort: Es ist der Beginn des New Hollywood Ende der 60er Jahre, als sich eine ganze Riege neuer Filmemacher anschickt, das künstlerisch bankrotte Studiosystem inhaltlich, formal und technisch zu modernisieren.

Arthur Penn (Bild, "Little Big Man") und Robert Altman ("M*A*S*H"), William Friedkin ("Der Exorzist"), Peter Bogdanovich ("Is' was, Doc?") und Sydney Pollack ("Die drei Tage des Kondor"), …

… Francis Ford Coppola (Bild, "Der Pate") und Martin Scorsese ("Taxi Driver") gehören zu der neuen Garde in Hollywood.

Filme wie "Die Reifeprüfung" und "Easy Rider" spiegeln die gesellschaftlichen Verhältnisse der 60er Jahre besser wider als "Cleopatra" mit Elizabeth Taylor.

Sie reflektieren sexuelle Revolution, gewalttätige Auswirkungen des Vietnamkrieges, Rassenunruhen und politische Morde. Der Regisseur wird zum Autor, der den gesamten Film beeinflusst. Damit änderte sich auch die Besetzung der Filme.

Genre-Stars oder Schönlinge wie John Wayne und Cary Grant haben ausgedient, gecastet werden nun Charaktere von Theaterbühnen oder Schauspielschulen. Jack Nicholson, Robert De Niro und Al Pacino werden zu Stars, Robert Redford (Bild, l) und Warren Beatty erreichen ihren Karrierehöhepunkt, hinzu kommen einige etablierte Stars wie Paul Newman (Bild, r) und Marlon Brando.

Vor allem Brando ist das Vorbild vieler angehender Schauspieler. Zwei große Brando-Fans wohnen Anfang der 60er Jahre in einer kleinen New Yorker WG. Sie halten sich mit Auftritten auf kleinen Bühnen und Nebenjobs über Wasser oder spielen auf dem Dach ihres Hauses Bongos und Congas - einer der beiden ist Hackman.

Für ihn, am 30. Januar 1930 als Eugene Allen Hackman im kalifornischen San Bernardino geboren, ist die Schauspielerei allerdings nicht die erste Wahl. Nach einem Gefängnisaufenthalt wegen Ladendiebstahls (es waren Süßigkeiten und Limonade) geht er mit 16 Jahren ohne Schulabschluss und mit gefälschter Altersangabe zur Armee.

Danach studiert er Journalismus und arbeitet als Radiomoderator, bevor er sich entscheidet, in Kalifornien Schauspiel zu studieren. Seine Leistungen sind nicht überragend, er erhält eine der schlechtesten jemals vergebenen Noten. So verlässt er die Schule und landet in New York in besagter WG mit einem früheren Kommilitonen – …

… es ist Dustin Hoffman, den er auf dem Küchenboden schlafen lässt. Beide können vom alten Hollywood-Studiosystem nicht viel erwarten. Zumal sie an der Schauspielschule zu den beiden Studenten mit den geringsten Erfolgsaussichten ("Least likely to succeed") gewählt werden. Doch die Zeiten haben sich geändert – "Kartoffel-Gesichter" haben eine Chance auf Karriere.

Hackman arbeitet als Türsteher und Barmixer, spielt in einigen Off-Broadway-Stücken. 1964 schafft er es mit "Any Wednesday" auf die berühmte Theater-Straße. Durch das Stück bekommt er im gleichen Jahr seine erste richtige Filmrolle in "Lilith" und trifft auf Hauptdarsteller Warren Beatty (Bild). Dieser vermittelt ihm drei Jahre später eine Rolle in einem von ihm produzierten Film.

Arthur Penns "Bonnie und Clyde" – Hackman spielt den Bruder von "Clyde" – gilt als Meilenstein des US-Kinos. Die schonungslose Darstellung von Gewalt führt zu heftigen Diskussionen. Doch auch die Parallelen zwischen der Gewalt der 30er Jahre und den gesellschaftlichen Zuständen der 60er Jahre sind offensichtlich. Der Film wird trotz erster negativer Kritiken ein großer Erfolg.

Hackman (hier mit seiner ersten Frau) schafft seinen Durchbruch und erhält eine Oscar-Nominierung. Die zweite folgt schon 1970 für "Kein Lied für meinen Vater".

Ex-Mitbewohner Hoffman schafft seinen Durchbruch ebenfalls 1967 mit dem gleichfalls stilbildenden "Die Reifeprüfung" von Mike Nichols, in dem statt Gewalt die sexuelle Freizügigkeit Anstoß erregt.

1971 dreht William Friedkin "The French Connection – Brennpunkt Brooklyn". Nach insgesamt fünf Absagen – u.a. von James Caan und Steve McQueen – bekommt Gene Hackman die Rolle des Polizisten Jimmy "Popeye" Doyle. Als er zur Vorbereitung mit echten Polizisten Patrouille läuft und bei einer Festnahme behilflich ist, wird er wegen Amtsmissbrauchs angeklagt.

Wie schon in "Bonnie und Clyde" ist auch dieser Film von Gewalt geprägt. Der Cop ist kein Musterknabe, sondern eine zwielichtige Gestalt im New Yorker Drogendezernat, die auch mit Gewalt ihre Ziele durchzusetzen weiß. Friedkin schafft damit eine Neudeutung des Krimis, in der die Grenze zwischen Gut und Böse verwischt. Für Gene Hackman wird die Rolle zum größten Erfolg, ...

… er erhält Oscar und Golden Globe und katapultiert sich in die erste Reihe der Charakterdarsteller (mit Jane Fonda).

Nach dem Katastrophenfilm "Die Höllenfahrt der Poseidon" und "Asphalt-Blüten" neben Al Pacino liefert Hackman in "Der Dialog" von Francis Ford Coppola eine seiner besten Darbietungen ab. Der Film um einen Abhörspezialisten, der sich selbst in eine Intrige verstrickt, wird in Zeiten der Watergate-Affäre ein Publikumserfolg, Hackman für den Golden Globe nominiert (mit Liza Minelli).

Nach der kommerziell erfolgreichen Fortsetzung "French Connection II" brilliert Hackman auch in dem Thriller "Die heiße Spur" und in dem Kriegsfilm "Die Brücke von Arnheim" als polnischer Offizier. Doch der durch einige Misserfolge bedingte Niedergang des New Hollywood Ende der 70er Jahre führt auch bei Hackman zu einer Flaute. Stattdessen probiert er sich als Rennfahrer.

Angesagt sind nun kommerzielle Blockbuster – und Hackman tritt in den "Superman"-Filmen der 70er und 80er Jahre als Christopher Reeves Gegenspieler Lex Luthor in Erscheinung.

Damit geht es wieder aufwärts. Hackman spielt in den 80er Jahren an der Seite von Warren Beatty in "Reds", in dem Kriegsdrama "Under Fire", in einem der besten Sportfilme aller Zeiten – "Freiwurf" – einen Basketballtrainer (Bild) und mit Kevin Costner in "No Way Out".

Eine weitere Oscar-Nominierung – und einen Silbernen Bären auf der Berlinale – erhält er als FBI-Agent Rupert Anderson in dem Südstaaten-Thriller "Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses" über die Suche nach den Mördern von Menschenrechtsaktivisten. Willem Dafoe spielt neben Hackman die zweite Hauptrolle in dem Streifen nach einem wahren Fall.

Es ist eine – nach "Bonnie und Clyde" und "French Connection" – weitere überaus gewalttätige Rolle, mit der Hackman 1992 ein erneuter Triumph gelingt: Für seine Darstellung des sadistischen Sheriffs Little Bill Daggett in Clint Eastwoods mit Preisen überhäuften Spätwestern "Erbarmungslos" bekommt er den Oscar als bester Nebendarsteller sowie den Golden Globe.

Allerdings verkündet er nach dem Film, keine so brutalen Rollen mehr übernehmen zu wollen. Vielleicht hatte er deshalb bereits 1991 die Rolle des Hannibal Lector in "Das Schweigen der Lämmer" abgelehnt – er war die erste Wahl, bevor Anthony Hopkins den Kannibalen spielte.

Trotzdem beginnen kommerziell überaus erfolgreiche Jahre, in denen er zur ersten Hollywood-Garde gehört: "Die Firma", "Die Kammer" (Bild) …

… und "Das Urteil" (der einzige Film zusammen mit seinem Freund Dustin Hoffman) sind John-Grisham-Verfilmungen, …

… in "Wyatt Earp", "Schneller als der Tod", "Crimson Tide" (Bild) und "Absolute Power" steht er an der Seite von Kevin Costner, Leonardo DiCaprio, Denzel Washington und Clint Eastwood vor der Kamera.

In "Der Staatsfeind Nr. 1" mit Will Smith verweist er als Abhörspezialist auf seine alte Rolle in "Der Dialog".

Und er erinnert sich an seinen Auftritt in "Frankenstein Junior" von 1974: Mit "Schnappt Shorty", "The Birdcage" und "Die Royal Tenenbaums" (wofür er einen Golden Globe erhält, Bild) übernimmt er zunehmend Komödien-Rollen.

Dazu zählt 2004 auch der Film "Willkommen in Mooseport", nach dem er verkündet, seine Schauspielkarriere an den Nagel hängen zu wollen.

Seit sechs Jahren fehlt er nun bereits auf der Leinwand und es wird immer ungewisser, ob er sich noch einmal hinreißen lässt, ein Filmset zu betreten, oder ob er in Santa Fe bleibt und Bücher schreibt.

Aber vielleicht gibt er doch noch einmal ein Comeback, und sei es, um als heldenhafter Superstar alle Schurken zu besiegen – oder als sauberer Schönling Monica Bellucci doch noch zu bekommen (hier beide im Film "Under Suspicion"). (Text: Markus Lippold)

Bilderserie versenden
Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.

Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.