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Ein sehr französischer Russe: Gérard Depardieu

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Für viele Fans wird es in Zukunft mindestens einen fahlen Beigeschmack haben, wenn Depardieu auf die Bühne tritt. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Für viele Fans wird es in Zukunft mindestens einen fahlen Beigeschmack haben, wenn Depardieu auf die Bühne tritt.

Es ist nicht nur die Prägnanz seiner Nase, ...

... oder seine Leibesfülle.

Gérard Depardieu beeindruckt die Menschen mit seiner Gesamterscheinung, ...

... vor allem, wenn er als Schauspieler vor der Kamera steht.

Als gebürtiger Franzose verkörpert er alles, was man unter französischer Lebensart versteht und ...

... kann getrost als Lebemann und Urgestein des französischen Films bezeichnet werden.

Dennoch hat Depardieu seinem Vaterland nun den Rücken zugekehrt und ist Russe geworden.

Kein Scherz!

Der Schauspieler hat sich per Dekret von Wladimir Putin zum russischen Staatsbürger machen lassen. Depardieu demonstriert damit seine Haltung gegen die viel diskutierte Reichensteuer in Frankreich und will nun sein Geld in Russland versteuern.

Auf der Flucht vor der Reichensteuer hatte der 64-Jährige bereits im November 2012 im belgischen Néchin ein Haus gleich hinter der Grenze gekauft.

Wahrscheinlich war es auch für Depardieu unvorstellbar, seine 20-Zimmer-Villa im Pariser Szene-Viertel Saint Germain, die bereits zum Verkauf steht, gegen ...

... das alte Zollhaus in Néchin einzutauschen. Also hat sich der bekannte Schauspieler etwas Neues gesucht.

In einem offenen Brief begründet Depardieu, warum er Russland als neue Wahlheimat ausgewählt hat. Er liebe das Land, die Menschen, deren Geschichte und die russischen Schriftsteller, heißt es darin.

Und er nimmt auch noch Bezug auf seinen Vater (nicht im Bild), der Kommunist gewesen sei und Radio Moskau gehört habe. "Das ist ein Teil meiner Kultur", resümiert Depardieu. Aus diesem Grund sei Russland nun das richtige Land für ihn.

Der Wechsel vom Franzosen zum Russen wurde natürlich filmreif inszeniert.

Der Autor Wladimir Kaminer glaubt, das Verhalten von Depardieu sei ein Zeichen fehlender Anerkennung.

Fans und Freunde des Schauspielers suchen ebenfalls nach plausiblen Erklärungen für sein Verhalten.

Vielleicht sind diese ja im Leben des Charakterdarstellers und Unternehmers zu finden.

Geboren wurde Gerard Depardieu als drittes von insgesamt sechs Kindern der Familie in Châteauroux, einer Stadt im Zentrum Frankreichs. Sein Vater Analphabet und Blechschmied mit Alkoholproblemen, seine Mutter Hausfrau mit einer Leidenschaft fürs Kino.

Wegen seiner Sprachstörungen hatte der kleine Gérard schon früh Probleme in der Schule, galt als labil und aufsässig und trieb sich rum, statt zur Schule zu gehen. Depardieu schmiss Schule und Druckerlehre, die er mit 13 Jahren begann, wieder hin. Schloss sich einer Gang an, schlug sich mit Gaunereien durch und boxte.

Ein Freund, selbst Schauspielschüler, überredete ihn 1965 mit ihm nach Paris zu gehen. Dort begann er auch seine großartige Laufbahn als Schauspieler.

In Paris nahm Depardieu Schauspielunterricht, schloss diese Ausbildung ab und bekam bald darauf Engagements am Theater, wenig später folgten kleine Rollen bei Film und Fernsehen.

Schon bald bekam Depardieu die Anerkennung des Publikums und ...

... legte so gut wie keine Filmpausen mehr ein. Bis heute hat er in mehr als 140 Produktionen mitgespielt.

Seine Brillanz und seine Leistungsbereitschaft brachten ihn, der auch schon mal als der "attraktivste hässlichste Schauspieler der Welt" bezeichnet wurde, internationales Renommee und ...

... jede Menge Auszeichnungen.

Zudem wird er von Frauen verehrt und ...

... begehrt, nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Mann.

Durch seine Begabung zur Schauspielerei und seine Lebensart schafft es Depardieu schnell, zum beliebten, gut gebuchten und hochdotierten Schauspieler zu werden.

Es ist nicht nur der legendäre Lebenshunger, der ihm anhaftet, ...

... sondern auch ein enormer Arbeitswille, die der pfundige Mann bis heute an den Tag legt.

Neben seinem Traumberuf als Schauspieler besitzt Depardieu zwei Restaurants in Paris, schuftet als Winzer, verkauft seinen Wein selbst, schreibt Kochbücher und kümmert sich um eine eigene Filmproduktionsfirma.

Er sei nicht ehrgeizig, sondern liebe das Leben und das Leben ihn, sagte Depardieu einmal.

Ein Selbstbild, dem Depardieus Sohn Guillaume, der am 18. Oktober 2008 im Alter von 37 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung starb, vehement widersprach.

"Er ist von dem Wunsch besessen, geliebt zu werden und dem Bedürfnis nach Geld. ...

... Er denkt nur an sich. Er verführt die Menschen, um sie danach zu verachten", meinte der erfolgreiche Nachwuchsschauspieler, der zu Lebzeiten mit Alkohol- und Drogensucht zu kämpfen hatte.

In diesen Kanon reihen sich Kollegen von Depardieu ein. So sagte der Regisseur Francis Veber während der Arbeiten zu "Ruby & Quentin" über Depardieus Arbeitssucht, ...

... er wolle durch die Schauspielerei den "vielen Problemen in seinem wirklichen Leben entfliehen". Der korpulente Star nahm für die Rolle des Quentin fast 50 Kilogramm Körpergewicht ab.

Depardieu selbst fürchtet nichts so sehr wie Langeweile.

Er soll in einem Interview einmal gesagt haben, dass sein Aggressionspotenzial ansteige, wenn er nicht arbeite. Es bleibt offen, ob er mit seiner fragwürdigen Aktion, die Staatsbürgerschaft zu wechseln, in Bezug auf seine Publikumsbeliebtheit mit einem blauen Auge davonkommt.

Für viele Fans wird es in Zukunft mindestens einen fahlen Beigeschmack haben, wenn Depardieu auf die Bühne tritt.

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