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Deutsche sind seine größten Fans: Harry Belafonte - "Calypso King" statt "Black Hamlet"

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Dieser Mann scheint seine gute Laune nie zu verlieren ... (Foto: imago/CoverSpot)

Dieser Mann scheint seine gute Laune nie zu verlieren ...

Dieser Mann scheint seine gute Laune nie zu verlieren ...

... und er scheint auch kaum zu altern, denn zwischen diesem Foto von 2014 ...

... und diesem von 1956 liegen immerhin knapp sechs Jahrzehnte.

Vor nicht allzu langer Zeit, 2005, lief er sogar bei einer Modenschau des Designers Kenneth Cole in New York. Mit knapp 80. Cool, elegant, souverän.

Nun, zu seinem 90. Geburtstag am 1. März 2017, hat er gleich noch mehr Grund zur Freude - ob all der zu erwartenden guten Wünsche und Geschenke.

Das größte Geschenk kommt wohl von seiner Heimatstadt New York: Eine Stadtteil-Bibliothek wird künftig Harry Belafontes Namen tragen - in Harlem, wo er 1927 geboren wurde.

"Harlem hat einen ganz speziellen Platz in meinem Herzen und ich fühle mich geehrt, dass ich jetzt einen speziellen Platz in Harlem haben werde", so Belafonte.

Einen Grammy hat er (1985), einen Stern auf dem "Hollywood Walk of Fame" natürlich auch, ...

... einen Oscar (2014 für sein Lebenswerk, bei der Gelegenheit konnte er Susan Sarandon küssen) und ...

... viele andere Preise (wie hier 2006 den BET Award), aber die Bibliothek ist eine ganz besondere Ehre.

Mit zwei langgezogenen Silben wurde Belafonte einst zum Weltstar: "Daaaay-Ooo" singt er zum Auftakt des Calypso-Hits "Banana Boat Song", längst ein Ohrwurm-Klassiker. (Bild: 1954 mit Tochter Adrienne)

Mehr als 100 Millionen Platten mit Songs wie "Island in the Sun", "Matilda" und "Jump in the Line" verkaufte Belafonte, ...

... spielte in mehr als 40 Filmen mit (hier in "Straße der Rache", "White man's burden" 1995, mit John Travolta) ...

... und engagierte sich immer auch politisch. An der Seite von Martin Luther King (2.v.r., 1965) kämpfte er für schwarze Bürgerrechte in den USA, ...

.. mit Nelson Mandela gegen die Apartheid in Südafrika ...

... und als Unicef-Botschafter für Kinder auf Haiti und im Sudan.

Seine Lebensgeschichte ist die Geschichte Amerikas im 20. Jahrhundert. 1927 wird Belafonte im Schwarzenviertel Harlem geboren, verbringt aber einen großen Teil seiner Jugend in der jamaikanischen Heimat seiner Mutter. (Familienfoto von 1932)

Im Zweiten Weltkrieg dient er in der US Navy ... (Bild: 1957 mit Nat "King" Cole in dessen Show bei NBC)

... und besucht danach in New York die legendäre Schauspielschule des emigrierten deutschen Regisseurs Erwin Piscator mit Kollegen wie Tony Curtis (l.)und Marlon Brando.

Gerne wäre er der "erste schwarze Hamlet" geworden, wie er einmal in einem Interview sagte. (im Bild: In "Die Welt, das Fleisch und der Teufel", The World, the Flesh and the Devil, 1959)

Stattdessen wurde es Hollywood mit Filmen wie "Bright Road" (1953) und Otto Premingers "Carmen Jones" (1954, im Bild, mit Dorothy Dandridge)

Kein schwarzer Hamlet, aber immerhin: Der Film verlegte die Oper "Carmen" in den Süden der USA und war ausschließlich mit schwarzen Schauspielern besetzt.

Die Musik kam dazu und Belafonte, Sohn eines Schiffskochs aus Martinique und einer Hilfsarbeiterin aus Jamaika, wurde zum "Calypso-King". (im Bild: 1958 mit Frau Julia in Florenz, von Fans verfolgt)

Hinter der heiteren Urlaubsmusik steckt ein Aufschrei gegen Sklaverei.

"So haben meine Vorfahren eben ihren Protest verpackt. Schwarze Kunst war immer verschlüsselt", sagt Belafonte. (Bild: mit Bill Cosby und Sidney Poitier Anfang der 1970er)

Abseits der Musik verschlüsselt er seine Kritik nicht - ob an Präsidenten wie George W. Bush, Barack Obama und Donald Trump oder auch an seinen Musikkollegen, denen er vorwarf, sich nicht mehr um ihre "gesellschaftlichen Pflichten" zu kümmern. (2000 bei einer Sonderversammlung der UNO in New York)

In seiner 2012 erschienenen Autobiografie "My Song" sprach Belafonte auch von seinen dunklen Seiten, beispielsweise von seiner Spielsucht und Untreue.

Zwei Ehen zerbrachen, in dritter Ehe ist der Vater von vier Kindern seit 2008 mit der Fotografin Pamela Frank verheiratet. (hier beide 2013)

Zu Deutschland hat Belafonte eine ganz besondere Beziehung. Die Deutschen seien seine größten Fans, sagte er einmal. "Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Gründe dafür wirklich durchschaue." (Bild: 2003 bei einem Konzert in Berlin)

1958 kam er zum ersten Mal nach Deutschland, das teilweise immer noch in Ruinen liegende Berlin wirkte auf ihn grau und abweisend - aber das deutsche Publikum begeisterte ihn. (Bild: Bei der Ankunft in Berlin mit Frau Julie und dem neun Monate alten Sohn David)

"Die Dankbarkeit - die Liebe und Herzlichkeit -, die mir von diesem deutschen Publikum entgegengebracht wurde, zählt zu den schönsten Erinnerungen meiner Karriere."

Nun sei er an einem Punkt in seinem Leben angelangt, an dem er auf alles noch einmal zurückblicke, sagte Belafonte jüngst der "New York Times".

"Als ich 20 oder 30 war dachte ich, alles auf der Welt ist möglich. ... (In "The World, the Flesh and the Devil", 1959)

... Jetzt wache ich mit 90 auf, schaue mich um und sage: 'Was brauchen wir jetzt?' Wir brauchen jetzt die selben Dinge wie zuvor. Die Bewegung stirbt nicht, weil der Kampf nicht stirbt." (abe/dpa)

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