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Unterhaltung

Porträt: John Lennon

 
Imagine! John Lennon ist bereits seit Jahrzehnten tot - und die meisten von uns können sich daran wahrscheinlich so gut erinnern wie an einen Todesfall in ihrer eigenen Familie.

Imagine! John Lennon ist bereits seit Jahrzehnten tot - und die meisten von uns können sich daran wahrscheinlich so gut erinnern wie an einen Todesfall in ihrer eigenen Familie.

Die Beatles gab es zwar längst nicht mehr am 8. Dezember 1980, aber dass die vier ehemaligen Pilzköpfe eines Tages wieder zusammen finden würden, diese Vorstellung wurde an jenem kalten Abend in New York für immer zunichte gemacht.

Er ist tief religiös, er ist ein fanatischer Beatles-Fan und er will berühmt sein. Was sonst im Kopf von Mark David Chapman vorgeht, bleibt auch 27 Jahre nach seiner Tat rätselhaft.

Im Oktober 1980 gibt er seinen Pförtnerjob in Honolulu auf, kauft einen 38er Revolver und fliegt mit geliehenem Geld nach New York.

Dort bittet der 25-Jährige sein Idol John Lennon am 8. Dezember um ein Autogramm.

Am Abend des gleichen Tages ist Chapman zurück vor dem dunklen Dakota-Gebäude, in dem der 40-jährige Ex-Beatle mit seiner Frau Yoko Ono und dem gemeinsamen Sohn Sean lebt.

In den Manteltaschen hat Chapman Kassetten mit 14 Stunden Beatles-Musik und eine Ausgabe von J.D. Salingers Kultroman "Fänger im Roggen".

Die Nacht ist eiskalt, Stunden vergehen, bis das Künstlerpaar von Studioaufnahmen nach Hause kehrt. Es ist 22.50 Uhr New Yorker Ortszeit. "Mr. Lennon?", ruft Chapman und drückt ab. Fünf Schüsse bohren sich in den Rücken des legendären Musikers.

"Ich bin getroffen", sind die letzten Worte, die Lennon nach Augenzeugenberichten hervorbringt.

"Weisst Du, was Du getan hast?", schreit der Portier. "Ich habe eben John Lennon erschossen", erwidert Chapman ruhig.

Er setzt sich auf den Bordstein, zieht sein Buch aus der Tasche und fängt demonstrativ an zu lesen: Salingers Erzählung von einem jugendlichen Versager und Aussteiger aus der Leistungsgesellschaft.

Die Cops finden Lennon in einer Blutlache. Ohne auf den Notarzt zu warten, betten sie seinen leblosen Körper in den Polizeiwagen und rasen los. Als Lennon auf einer Trage in die Notaufnahme gebracht wird, bricht Hektik aus: Ein Schussopfer.

Lennon hat keinen Puls mehr. Er atmet nicht, und der Blutdruck ist weg. Trotzdem versuchen die Ärzte, ihn ins Leben zurückzuholen. Nach 20 Minuten geben sie auf.

Einer von ihnen überbringt der wartenden Witwe die Todesnachricht. Doch Yoko Ono weigert sich, sie zu akzeptieren. Immer wieder begehrt sie auf: "Das ist nicht wahr. Ihr lügt!"

Ein Fernsehproduzent ist zufällig Augenzeuge des Geschehens in der Notaufnahme. Er informiert seinen Sender. Wenige Minuten später unterbricht das landesweite ABC-Netzwerk eine Footballsendung und infomiert das Publikum von Lennons Tod.

Im Central Park, nur ein paar Schritte vom Dakota-Komplex entfernt, kommen Tausende spontan zu einer Mahnwache zusammen.

Die Schreckensnachricht verbreitet sich in Windeseile um alle Welt. In Europa ist es früher Morgen, als der Mord bekannt wird. Rundfunksender unterbrechen ihre Programme.

Aus allen Kanälen tönen die Songs des britischen Rockmusikers: "Imagine", "Jealous Guy", "A Hard Day's Night" und "Help". Lennons Musik war für Millionen Menschen zu einem Teil ihres eigenen Lebens geworden.

Seine ehemaligen Kollegen George Harrison, Ringo Starr und Paul McCartney sind entsetzt und schockiert.

25 Jahre danach versucht ein Spielfilm, das Tatmotiv des Mörders aufzudecken. War Chapmans Verehrung für Lennon in Hass umgeschlagen? Oder war der Mord an dem Idol eine Art Selbstmord?

Zum 25. Todestag von John Lennon stellt dessen Witwe Yoko Ono erstmals die Bearbeitungsrechte für alle Solotitel des Musikers zur Verfügung.

Yoko Ono hat nach seinem Tod noch viel vor und würde gerne mindestens 120 Jahre alt werden. "Ich möchte fünf oder zehn Jahre in einer Stadt leben, die ich liebe, dann noch einmal fünf oder zehn in einer anderen", sagt sie der Wochenzeitung "Zeit".

"So könnte ich noch mindestens 50 Jahre weitermachen. Vielleicht werden bald auch mehr als 120 Jahre Lebenszeit möglich sein."

Sie könne sich nicht mehr daran erinnern, wie sie nach dem Tod ihres Ehemanns, des Ex-Beatles John Lennon, 50 oder 60 geworden sei: "So sehr hatte ich mich darauf konzentriert, zusammen mit unserem Sohn Sean zu überleben. ...

... Erst als ich 70 wurde, bemerkte ich, wie die Zeit vergangen war." Zu diesem Zeitpunkt habe sie sich gedacht: "Ich bin 70! Wie ist das passiert ... Ich habe überlebt! Juchhu! Das ist großartig!"

Über die Zeit nach Lennons Tod sagte Ono, sie glaube, sie habe in jedem Jahr ihres Lebens ihr Bestes getan. Trotzdem gebe es Momente, wo sie Zweifel beschlichen.

"War das alles richtig? Was ist das Beste? Wenn ich John noch einmal treffe - und ich bin sicher, das wird passieren -, werde ich ihn als Erstes fragen: 'Habe ich in deinem Sinn gehandelt? Habe ich alles richtig gemacht?'"

Irgendwie sind wir uns sicher, dass sie alles richtig gemacht hat und glauben dank Yoko Ono an die Liebe über den Tod hinaus.

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