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Ohne Botox in einem wunderbaren Film: Julianne Moore und der "Single Man"

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Sie ist eine Schönheit. (Foto: REUTERS)

Sie ist eine Schönheit.

Sie ist eine Schönheit.

Mit fast 50 Jahren hat sich Julianne Moore den Gesetzen Hollywoods nicht untergeordnet. Sie verachtet Botox & Co. und ist nun trotzdem - oder gerade deswegen - Tom Fords neue Muse.

Ford, der ehemalige Gucci-Mann und überaus elegante Modeschöpfer, ist - wie alle spätestens seit den Oscars wissen dürften - unter die Filmemacher gegangen.

Ihm ist auf Anhieb ein Film gelungen, dessen Schönheit und Einfühlsamkeit seinesgleichen sucht.

Als Protagonist und Titelheld brilliert Colin Firth mit einer nuancierten und tief beeindruckenden Leistung, die ihm neben zahlreichen anderen Preisen den Darstellerpreis Coppa Volpi (Venedig) sowie den BAFTA Award ...

... und eine Oscar-Nominierung als "Bester Hauptdarsteller" einbrachte.

Sein Spiel ist so atemberaubend überzeugend, dass man mit den Augen direkt an ihm kleben bleibt, um ja nichts von ihm zu verpassen.

Zum Film: Ein Anruf, ein einziger Anruf – und die Welt des George Falconer, ein britischer Professor im Los Angeles der frühen 1960er Jahre, gerät aus den Fugen.

Er erfährt am Telefon vom Unfalltod seines langjährigen Lebensgefährten Jim (Matthew Goode, r.) - das zuvor so große Glück ist mit quasi einem Atemzug verschwunden, und die Zukunft stellt sich für George als ein dunkles, unvorstellbares Nichts dar.

Während um ihn herum die Kubakrise tobt und elegante Cocktailpartys den Alltag bestimmen, wird sein Leben von Trauer und Einsamkeit dominiert. Akribisch sortiert er sein Leben und fasst einen grausamen Entschluss.

Denn äußerlich darauf bedacht, den Schein zu wahren, hat er innerlich bereits aufgegeben, den Kampf gegen den Schmerz und den Verlust seiner großen Liebe zu führen.

Als er die Entscheidung trifft, seinem Leben ein Ende zu setzen, beginnt er (und der Zuschauer!) seine letzten Stunden bewusst zu erleben, und sein Blick öffnet sich für die eigentliche Schönheit des Daseins.

Mit Gin und Zigaretten, Musik und Gesprächen, Flirt und Tanz, versucht Georges beste Freundin Charley (Julianne Moore) dem Verzweifelten Trost und Freude zu spenden.

Vor Jahren hatten sie eine Affäre in London. Die einsame Charley würde gern daran anknüpfen - und muss einsehen, dass all ihre Schönheit, ihr Werben um den Freund, umsonst sind.

Doch ausgerechnet an dem Tag, an dem George sich der Traurigkeit ergeben und alles hinter sich lassen will, ...

... erkennt der junge und wissbegierige Student Kenny (Nicholas Hoult, r.) während einer Vorlesung seines Professors in ihm eine verwandte Seele und sucht seine Nähe.

Durch diese berührende Begegnung und einige andere, eher beiläufig erlebte Ereignisse, beginnt George ganz langsam, die verblasste Welt um sich herum wieder in einem neuen Licht zu sehen.

Ob im Lächeln eines kleinen Mädchens, dem sonnendurchfluteten Himmel über Kalifornien oder einer attraktiven Zufallsbekanntschaft entdeckt er in den kleinen Dingen des Lebens die Schönheit wieder – und auch Kenny, der Student, kreuzt noch einmal seinen Weg.

Sie verbringen den Abend gemeinsam, doch dazu nur soviel: Die Geschichte endet unerwartet. Doch auch da verleiht Tom Ford seinem Hauptdarsteller in jeder Einstellung große Würde.

Lange nicht mehr hat man so schöne, so sorgfältig ausgesuchte "Bilder" gesehen, so gelungene Schnitte (und damit sind nicht die Anzüge der Herren gemeint).

So, wie er den Frauen früher die elegantesten Gewänder auf den Leib geschneidert hat, ...

... hat er nun einen Film geschneidert, dem man den Anfängerstatus nicht ansieht.

Er sieht seine Protagonisten mit dem Auge des Ästheten. Was sonst?

"Es ist die Geschichte eines einzelnen Tages im Leben eines Mannes, der für sich keine Zukunft mehr sehen kann", sagt Tom Ford über sein Regiedebüt.

Schade, dass auch dieser Tag nur 24 Stunden hat, man könnte Ford noch länger dabei zusehen, ...

... wie stilvoll und behutsam er seine Darsteller mit der Kamera abtastet.

Ihm ist eine berührende Geschichte gelungen, über die alles überdauernde Kraft der Liebe, die Tragik der Einsamkeit und die Bedeutsamkeit der scheinbar kleinen Momente.

Auch Julianne Moore hätte einen Oscar verdient für ihre feinfühlige Darstellung einer besten Freundin.

Und weil das einzige Manko von Tom Fords Film ist, dass wir zu wenig von Julianne Moore sehen, ...

... gibt es hier jetzt ein bisschen mehr von ihr!

Geboren wurde die blasse Schöne 1960 in North Carolina, übrigens unter dem Namen Julie Anne Smith.

Vier Mal schon war sie für den Oscar nominiert.

Unter anderem für ihre Rolle in Stephen Daldrys "The Hours" an der Seite von Meryl Streep und Nicole Kidman (die den Oscar dann bekam), ...

... geklappt hat es aus unverständlichen Gründen noch nicht.

Aber wir glauben fest daran, dass Julianne Moores größte Sternstunden noch bevorstehen.

Als Kind verspottet wegen ihrer ...

... Sommersprossen, ...

... ihrer Unsportlichkeit, ...

... und ihrer geringen Körpergröße ...

... wurde sie viel gehänselt.

Langfristige Freundschaften konnte sie nicht aufbauen, da ihre Eltern aus beruflichen Gründen häufig umziehen mussten.

1979 machte sie ihren Schulabschluss an der American High School in Frankfurt/Main. An der Boston University erwarb sie dann vier Jahre später den Bachelor-Abschluss in Bildender Kunst.

Nach diesem Abschluss ging sie 1983 nach New York, wo sie ihren Namen in Julianne Moore änderte.

Kurze Zeit später war sie in einer Reihe von Off-Broadway-Stücken zu sehen.

Danach spielte sie eine Mini-Rolle in der Seifenoper "The Edge of Night". Ihr kurzer Auftritt verschaffte ihr eine dreijährige Rolle in der Serie "As the World Turns", für die sie mit einem Emmy belohnt wurde.

Nach einer Reihe von TV-Filmen machte Moore dann ihre ersten Schritte hin zu seriösen Produktionen, wie "Tales from the Darkside: The Movie" (1990).

Seit 1993 aber erst haben wir sie im Gedächtnis, da spielte sie in Robert Altman "Short Cuts" die Marian Wyman.

Wie so oft bei Altman hält er seinen Zuschauern einen gesellschaftskritischen Spiegel vor - und so gab es eben auch viele, die sich mit der Rolle von Julianne Moore (die hier eindrucksvoll bewies, dass sie eine echte Rothaarige ist) identifizieren konnten.

Der Film bekam 1994 einen Golden Globe für die beste Ensembleleistung.

Sie erhielt anschließend die Rolle der Dr. Sarah Harding in "Jurassic Parc", weil Steven Spielberg sie sah und begeistert war, ...

... und 1995 dann ihre erste große Hauptrolle in Todd Haynes Independent-Sozialkritik "Safe". Ihre Darstellung einer vom Leben enttäuschten Hausfrau brachte ihr neben viel Kritikerlob und weiteren Rollenangeboten auch eine Nominierung für die Independent Spirit Awards 1996 ein.

Julianne Moore hat aber nicht nur eine dramatische Seite, sondern auch eine komische, ...

... wie sie es etwa in der Liebeskomödie "Nine Months" mit Hugh Grant (Foto) beweisen konnte, oder an der Seite von Sylvester Stallone und Antonio Banderas in "Assassins – Die Killer" ...

... sowie mit Anthony Hopkins in "Mein Mann Picasso".

Der große Durchbruch für Julianne Moore erfolgte mit dem Regisseur Paul Thomas Anderson, der ihr die Rolle des tablettensüchtigen Pornostars Amber Wave in "Boogie Nights" auf den Alabaster-Leib schrieb.

Ihr Part in "Boogie Nights" brachte Moore neben zahlreichen Auszeichnungen die erste Oscar-Nominierung sowie eine Golden-Globe-Nominierung (jeweils als beste Nebendarstellerin) ein. Bekommen hat den Globe dann allerdings ihr Kollege Burt Reynolds.

1998 war Julianne Moore in der Filmkomödie "The Big Lebowski" mit Jeff Bridges zu sehen und in Gus Van Sants gleichnamigem Remake von Alfred Hitchcocks Thriller "Psycho".

Für den Part der untreuen Ehegattin Sarah Miles in "Das Ende einer Affäre" wurde Julianne Moore ein zweites Mal für den Oscar nominiert, dieses Mal als beste Hauptdarstellerin. Wieder bekam ihn eine Kollegin.

Im Anschluss daran arbeitete sie mit Regisseur Paul Thomas Anderson zusammen und übernahm in seinem Film "Magnolia" die Rolle der tablettensüchtigen Ehegattin eines sterbenskranken Fernsehmoguls.

Als 2001 mit Hannibal die Fortsetzung des Erfolgs-Thrillers "Das Schweigen der Lämmer" in die Kinos kam, agierte Julianne Moore – als Jodie Fosters Nachfolgerin – in der Rolle der FBI-Agentin Clarice Starling.

Es folgten die Science-Fiction-Komödie "Evolution" und das Drama "Schiffsmeldungen", in dem sie neben Oscar-Preisträger Kevin Spacey zu sehen war. Sie ist fleißiger als man denkt: ...

... Nach einem Jahr Auszeit kam Julianne Moore 2004 mit drei neuen Filmen ins Kino, unter anderem mit der Anwaltskomödie "Laws of Attraction" an der Seite von Ex-James-Bond Pierce Brosnan ...

... und mit dem Thriller "Die Vergessenen" (The Forgotten), in dem sie eine Mutter spielt, die verzweifelt versucht, mit dem Verschwinden ihres achtjährigen Sohnes fertig zu werden.

Nebenbei liebt Julianne Moore es, Theater zu spielen, ihre Darstellung auf der Bühne wird meist über den grünen Klee gelobt.

In dritter Ehe ist Julianne Moore seit August 2003 mit dem Regisseur Bart Freundlich verheiratet.

Zusammen haben sie zwei Kinder (hier mit Tochter Liv).

Moore und Freundlich sind skandalfrei und lieben "das normale Leben".

Im Oktober 2007 gab sie mit "Freckleface Strawberry" ihr Debüt als Kinderbuchautorin.

Das Bilderbuch (zu dem sie die Texte beisteuerte), 2009 unter dem Titel "Sommersprossenfeuerkopf" auch ins Deutsche übersetzt, wurde von ihrer eigenen Kindheit inspiriert.

Ihren roten Schopf und die Sommersprossen hat sie behalten, ...

... nur manchmal, zugunsten einer Rolle, ...

... färbt sie um.

Kehrt aber immer wieder zurück zu ihrer Natur.

Freuen Sie sich auf Julianne Moore und Colin Firth, die im Regiedebüt von Tom Ford ihr Bestes geben.

Der ehemalige Gucci-Designer hat aus der Romanvorlage von Christopher Isherwood ein Meisterwerk geschaffen. "A Single Man" ist seit 8. April 2010 in den deutschen Kinos zu sehen. (Text: Sabine Oelmann)

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