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"Der Verrat der Bilder": Magritte malt in Rätseln

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Auf den ersten Blick wirken die akkurat gemalten Bilder von René Magritte leicht zugänglich. (Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2017, René Magritte, Les Mémoires d'un saint, 1960)

Auf den ersten Blick wirken die akkurat gemalten Bilder von René Magritte leicht zugänglich.

Auf den ersten Blick wirken die akkurat gemalten Bilder von René Magritte leicht zugänglich.

Doch spätestens beim zweiten Blick stellt sich Irritation ein - nichts auf diesen Gemälden ist eindeutig.

Der belgische Surrealist (1898-1967) ist ein Magier der verrätselten Bilder und täuscht die Betrachter bewusst.

In der Schirn Kunsthalle in Frankfurt ist unter dem Titel "Magritte. Der Verrat der Bilder" nun eine große Retrospektive zu sehen. Es ist die erste Einzelausstellung in Deutschland seit 20 Jahren.

Die Schau zeigt über 70 Bilder aus allen Schaffensperioden des Künstlers, ...

... bekannte Werke werden von Gemälden aus Privatsammlungen flankiert, die nur selten in Museen zu sehen sind.

So zum Beispiel das Bild "Variante der Traurigkeit", das die immerwährende Frage nach dem Ursprung der Dinge abbildet: Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?

Während die französischen Surrealisten um André Breton und Max Ernst ihre Träume und das Unterbewusste auf die Leinwand pinselten, widmete sich Magritte philosophischen Fragestellungen.

Seine Auseinandersetzung mit großen Denkern der Antike und zeitgenössischen Intellektuellen wie Michel Foucault bildet einen Schwerpunkt der Ausstellung.

Denn den Spruch "Dumm wie ein Maler", der Anfang des 20. Jahrhunderts in Frankreich geprägt wurde und die Malerei unterhalb der Poesie einordnete, wollte er nicht akzeptieren.

Er hatte ein Ziel: Die Malerei sollte auf einer Stufe mit der Sprache und letztendlich der Philosophie stehen.

Magritte verstand sich weniger als Künstler, sondern als denkender Mensch, der seine Gedanken malt.

Oft sind es Gegenstände des Alltags, die Magritte verfremdet …

… und an ihnen Paradoxes und Widersprüchliches aufzeigt.

Er spielt mit der Wahrnehmung der Betrachter …

… und sät Zweifel, ob die Realität überhaupt abgebildet werden kann.

Was ist Schein, was Sein? Beim Höhlengleichnis von Platon kann sich auf der Staffelei tatsächlich die Wirklichkeit spiegeln; ...

... möglicherweise ist es aber auch ein Trugbild und die Burg, die auf dem Felsen thront, reine Erfindung. Oder ist die Leinwand gar transparent?

Eines seiner berühmtesten Wortbilder zeigt eine Pfeife, unter der "Das ist keine Pfeife" geschrieben steht. Das 1929 entstandene Gemälde "La trahison des images" (Der Verrat der Bilder) gibt der Ausstellung den Namen und zeigt: …

… Bildern ist genauso zu misstrauen wie Worten.

Im Zeitalter des "Postfaktischen" und von "alternativen Fakten" gelingt der Schirn Kunsthalle die Ausstellung der Stunde: …

… Magritte wirkt aktueller denn je.

Noch bis zum 5. Juni können sich Besucher in Frankfurt von den Gemälden des Surrealisten verwirren lassen und versuchen, das eine oder andere Bilderrätsel zu entschlüsseln. (kse)

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